Studienberatung: Überlebenstipps für die Massenuni

Große Universitäten sind für Studenten gerade zu Beginn der Studienzeit ein Buch mit sieben Siegeln. Alles ist neu, die Orientierung fällt schwer, es tauchen beinahe minütlich weitere Fragen auf, die beantwortet werden wollen und allein die schiere Anzahl der Studenten kann erschreckend wirken. Wie soll man sich da nur zurecht finden? Unsere Tipps helfen Ihnen dabei, auch an einer großen Universität nicht den Durchblick zu verlieren…

Studienberatung: Überlebenstipps für die Massenuni

Studienberatung: Die Massenuni ist eine Herausforderung

Massenuni – für einige Studenten der absolute Horror, zu anderen hingegen passt diese Art der Hochschule viel besser. Entscheidend ist sowohl die Persönlichkeit des jeweiligen Studenten als auch seine Herkunft. Ein randvoller Hörsaal mit mehreren hundert Kommilitonen, eine Mensa, die zu platzen droht und Professoren, die viele ihrer Studenten nicht kennen. Für einen Abiturienten aus einem kleinen, idyllischen Städtchen, in dem jeder jeden kennt und sich die Nachbarn freundlichen grüßen, kann eine solche Atmosphäre einschüchternd und beängstigend wirken. Wie könnte es auch anders sein, wenn man auf Anhieb weder den Weg zur Vorlesung noch zu den Toiletten findet?

Der angehende Student aus einer Großstadt sieht dies womöglich ganz anders. Er ist es gewohnt, von vielen Menschen umgeben zu sein, mag das bunte Treiben und würde sich an einer kleinen Universität vermutlich sehr schnell eingeengt fühlen.

Wenn aber die Entscheidung erst einmal mal getroffen ist und es einen an die Massenuni verschlägt, gilt es sich dort durchzuschlagen. Viele Studenten berichten in dieser Zeit von ähnlichen Ängsten und Problemen: Der Einzelne wird zum anonymen Teil der Masse, läuft Gefahr sich selbst in den Wirren des Studienplans und der vielen Gebäude zu verirren und keinen Anschluss zu den Kommilitonen oder dem gesamten Studium zu finden.

Vor allem Erstsemester haben damit zu kämpfen. Anstatt Kontakte und Freundschaften zu knüpfen, droht dann die Einsamkeit und Abschottung von der Gemeinschaft der anderen Studenten. Soweit muss es aber nicht kommen – vorausgesetzt, Sie beachten die folgenden Empfehlungen für das Überleben an der Massenuni:

  • Eigeninitiative entwickeln.

    Das Vorlesungsprogramm zusammensuchen, Kurse auswählen und neue Freunde finden: All das muss selber in die Hand genommen werden. Auch kümmert sich kein Lehrer mehr darum, ob Sie tatsächlich genug für anstehende Klausuren gelernt haben. Wer dazu nicht bereit ist, wird es gerade an einer Massenuni schwer haben und vielleicht schneller als ihm lieb ist ins Aus geraten und sich in die Menge der Studienabbrecher oder Uniwechsler einreihen.

  • Hilfe suchen.

    Studienanfänger fühlen sich oft mit ihren Problemen allein – zu Unrecht. Massenunis sind mit den Problemen von neuen Studenten vertraut sind und bieten Programme und Hilfsangebote an, um sich durch die ersten Wochen zu kämpfen. Finden müssen Sie diese jedoch trotzdem selbst. Werfen Sie also einen Blick in herumliegende Flyer, lesen Sie die Aushänge und Plakate und sprechen Sie mit den Leuten, die Sie zufällig bei einer Tasse Kaffee treffen.

  • Orientierungswoche nutzen.

    Speziell für Erstsemster wird eine Orientierungswoche angeboten, in der Sie alle wichtigen Inhalte und Informationen zum Studium erhalten können. Außerdem wird auch hier noch einmal explizit auf weitere Programme und Hilfestellungen hingewiesen. Sie sind aber auch ein erster Zugang zu den Kommilitonen. Kaum eine andere Gelegenheit macht es so leicht, andere Studenten kennenzulernen, die ebenfalls neu an der Universität sind und versuchen, Anschluss zu finden.

  • Vorbereitungskurse besuchen.

    Schon in den Semesterferien – also vor dem eigentlichen Studienbeginn – und auch während des laufenden Semesters werden an vielen Universitäten Kurse angeboten, die Ihnen helfen, sich zurechtzufinden und manche Inhalte nachzuholen. So werden für einige Studiengänge beispielsweise Vorbereitungskurse im Bereich Mathematik organisiert. Hier kann jeder die Infos rausfiltern, die er braucht, um nicht unterzugehen. Auch hier lassen sich viele Kontakte knüpfen.

  • Mentoren finden.

    Hilfsbereite, ältere Semester erklären sich bereit für eine gewisse Zeit einem Erstsemester zur Seite zu stehen und ihm den Einstieg zu erleichtern. Dieses Angebot sollten Sie unbedingt nutzen und sich bei Fragen oder Problemen nicht scheuen, Ihren Mentor anzusprechen. Er kann Ihnen beispielsweise genauere Einblicke geben, welche Themen in Vorlesungen behandelt werden und welche Professoren besonders beliebt unter Studenten sind.

  • Studienberater befragen.

    Jede Universität bietet den Studenten eine Beratung an. Haben Sie Fragen zu Ihrem Stundenplan oder den Leistungen, die Sie erbringen müssen, sind Sie hier an der richtigen Adresse. Hier wird man Ihnen gerne weitergeholfen, aber es gilt: Einfordern müssen Sie diese Unterstützung selbst. Niemand wird Sie an der Hand nehmen, aber oft reicht es schon, wenn Ihnen gesagt wird, wo Sie den richtigen Ansprechpartner finden

  • Fachschaft kontaktieren.

    Jedes Studienfach hat eine Fachschaft und einen eigenen Raum. Hier gibt es in vielen Fällen nicht nur günstigen Kaffee, sondern vor allem all die Informationen, die für Sie relevant sind. Dazu zählen beispielsweise alte Klausuren und Studenten aus höheren Semester, die sicherlich gern ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und Ihnen den ein oder anderen Rat geben.

  • Zeit managen.

    Die Gefahr bei einer Vielzahl von angebotenen Vorlesungen, Modulen und Aktivitäten ist, sich zu verlieren und am Ende alles nur halb oder absolut gestresst zu machen. Zeitmanagement ist an der Universität daher ein wichtiges Thema. Am besten setzen Sie sich mit Ihrem Studienberater oder auch Mentor zusammen und erstellen einen Plan. Welche Kurse wollen oder müssen Sie belegen und wann finden diese statt? So erhalten Sie ein genaues Bild vom zeitlichen Aufwand.

  • Kommilitonen anquatschen.

    Manchmal muss es einfach der direkte Weg sein. Sie sind umgeben von anderen Studenten, die vermutlich alle ebenso wie Sie auf der Suche nach Kontakt sind. Machen Sie also den ersten Schritt. In einem vollen Hörsaal, beim gemeinsamen Warten in der Mensa oder auf den langen Fluren der Universitätsgebäude lernt man leicht jemand kennen. Auch die bekannten Semesterpartys bieten reichlich Gelegenheit, um mit anderen ins Gespräch zu kommen und Freundschaften aufzubauen.

Angekommen – und jetzt?

Haben Sie die ersten Semester hinter sich, ist der schwierige Einstieg längst vergessen. Sie haben sich an der Uni und in der Stadt eingelebt, haben Kontakte geknüpft und Freunde gefunden. Das Fundament für das restliche Studium ist somit gelegt. Nun geht es ans Eingemachte:

  • Profs kontaktieren.

    Professoren an der Universität sind nicht nur für die Lehre, sondern auch für die Forschung da. Somit werden viele Veranstaltungen von Mitarbeitern des Lehrstuhls angeboten. Viele Studenten bleiben daher für die Professoren unsichtbar. Wenn Sie wirklich wahrgenommen werden wollen, müssen Sie sich immer wieder sichtbar machen. Nur wer konsequent nachfragt, Ideen einbringt und gute Vorschläge hat, erhält mehr Aufmerksamkeit von den Professoren und erhöht seine Chancen, selbst am Lehrstuhl tätig zu werden.

  • Referate anbieten.

    Einen guten Eindruck hinterlassen Sie auch, wenn Sie sich anbieten, beispielsweise in einem Tutorium ein Referat zu halten. Entwickeln Sie also Eigeninitiative, gehen Sie auf Professoren, deren Assistenten oder andere Hiwis zu und bieten Sie immer wieder Hilfe an. Das bedeutet Aufwand, zahlt sich aber oft aus – und sei es nur, um an das ersehnte Referatsthema zu kommen oder sich einen interessanten Hiwi-Job zu sichern.

  • Doktorarbeit anvisieren.

    Auch die, die eine akademische Ausbildung anstreben sind an einer großen Universität nicht unbedingt benachteiligt. Zwar muss man sich mehr anstrengen, um ins Blickfeld eines Professors zu geraten, wenn dieser Sie aber erst einmal als Doktorand angenommen hat, bietet die große Uni mit ihren vielen kleinen Arbeitsgruppen, Zusammenschlüssen und Netzwerken einen unüberbietbaren Vorteil. Hier können Ressourcen genutzt werden, die Kommilitonen an kleineren Unis meist entgehen.

Studienberatung: Die Vorteile der Massenuni

Der Einstieg in eine Massenuni ist – trotz dieser Tipps – nicht immer ganz leicht. Davon sollten Sie sich jedoch nicht unterkriegen lassen, denn auf der anderen Seite hat es durchaus seine Vorteile, an einer großen Universität zu studieren. Denn Massenuni trainiert zugleich besonders wichtige Qualitäten, die sich später im Berufsleben auszahlen und von vielen Chefs heute gesucht werden: Eigeninitiative und Durchsetzungsvermögen, auf Menschen zugehen und seinen individuellen Weg finden können – trotz anfänglicher Widerstände und Schwierigkeiten. Und natürlich ist ein gutes Selbstmanagement besonders gefragt, wenn es um eigenverantwortliches Arbeiten geht. Wer erst einmal gelernt hat, sich zurechtzufinden und zu organisieren, wird sich auch später durchbeißen können und einen Weg zum Traumjob finden.

Zudem bietet sich Ihnen an einer großen Uni häufig ein vielfältiges und breites Lehrangebot, von denen kleine Universitäten nur träumen können. Auch Koryphäen der Wissenschaft wollen in der Regel lieber an renommierten Unis in großen und bekannten Städten forschen und lehren. Und deren Renommee strahlt natürlich auch auf die Studenten ab.

Auch außerhalb der Universität sind oft viele Dinge einfacher, weil sich Teile der Stadt längst auf die zahlreichen Studenten eingestellt haben: Es gibt zig WGs, spezielle Jobagenturen und Arbeitsvermittler haben sich auf den Studentenmarkt eingestellt und die Nebenjobsuche ist hier ein Kinderspiel. Kneipen, die spezielle Studentenpreise anbieten gibt es genug, ganz zu schweigen vom weitaus attraktiveren Freizeitangebot einer Großstadt.

Fazit: Gerade in der ersten Zeit an einer Massenuni brauchen Sie Eigeninitiative und Engagement. Wenn Sie diese Herausforderung annehmen und bewältigen, stecken dahinter jedoch viele Chancen, die Sie zu Ihrem Vorteil nutzen können.

[Bildnachweis: wk1003mike by Shutterstock.com]
7. Oktober 2015 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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