studienfach_voraussetzungen
Studienplatz, WG-Zimmer, Zeit - braucht man noch mehr zum Studieren? Fragt man die Professoren der einzelnen Fachrichtungen, sollten Studenten zudem - je nach Studiengang - ganz bestimmte Eigenschaften mitbringen. Diese Fähigkeiten brauchen BWLer, Juristen, Geistes- und Naturwissenschaftler, wenn sie erfolgreich durchs Studium kommen wollen ...

Studienfach Voraussetzung: Unterschiedlich!

"Welche Fähigkeiten und Voraussetzungen sollten Studierende je nach Studienfach mitbringen?" Die Antwort dürfte jedes Mal anders ausfallen - je nachdem, wen man fragt. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh hat die Professoren gefragt, zwischen 2013 und 2015 insgesamt 9.500 und damit mehr als 20 Prozent aller Professoren in Deutschland.

Gastprofessoren, Dozenten, wissenschaftliche Mitarbeiter, Hilfskräfte und Tutoren durften ihre Einschätzung dagegen nicht loswerden. Auch hat das CHE nicht alle Fächer berücksichtigt, die 32 vermeintlich wichtigsten kamen in die Wertung, kleinere Fächer fielen hinten herüber.

Auffällig: Einige Fähigkeiten wurden von nahezu allen Fachvertretern genannt, sie dürfen daher getrost als Grundvoraussetzung für Studenten im Allgemeinen benannt werden. Das sind ...

Grundvoraussetzungen: Das müssen alle Studenten mitbringen

  • Abstraktes, logisches, analytisches Denkvermögen
  • Selbstständiges, selbstorganisiertes und diszipliniertes Lernen und Arbeiten
  • Selbstmanagement, Bereitschaft zum Selbststudium
  • Lernbereitschaft, Einsatz- und Leistungsbereitschaft

Gute Allgemeinbildung ist dagegen nicht mehr en vogue. Sie wird in einem einzigen Fach als Grundvoraussetzung erachtet ...

Von Fach zu Fach: Die Anforderungsprofile für Studenten

  • Anglistik, Amerikanistik, Germanistik, Romanistik

    Kritik- und Reflexionsfähigkeit stehen bei den Sprachwissenschaftlern ganz oben auf der Liste. Sie sollten Interesse an Kultur und Literatur mitbringen. Wer in seiner Freizeit Bücher nur widerwillig in die Hand nimmt, ist im Proseminar definitiv am falschen Ort. Ohne überdurchschnittliche Sprachkompetenz, Diskussions- und Argumentationsfähigkeit geht es nicht. Für Anglisten sind außerdem gute Englischkenntnisse relevant, für Germanisten folgerichtig gutes Deutsch. Auch erachten die Professoren ein Interesse an Geschichte und historischen Zusammenhängen als wichtig. Speziell Romanisten legen sie einen Auslandsaufenthalt nahe.

  • Informatik

    Wer sich in der Schule nur mit Mühe durch den Mathe-Grundkurs gequält hat, könnte Probleme bekommen. Mathematische Vorkenntnisse sind für Informatiker unabdingbar, auch eine grundlegende Affinität zu Zahlen und Technik sollte vorhanden sein. Informatiker müssen abstrakt, systemisch, logisch und analytisch denken können. Ohne softe Eigenschaften kommen sie aber auch nicht mehr aus, glauben die Professoren. Sie nennen etwa Innovations- und Teamfähigkeit, außerdem Belastbarkeit. Und: Die IT-Sprache ist englisch, das sollten angehende Informatiker berücksichtigen - und an ihren Englischkenntnissen feilen.

  • BWL, VWL

    BWL zählt zu den beliebtesten - und erfolgversprechendsten - Studienfächern. Das Anforderungsprofil aber hat es in sich. Wirtschaftliche Grundkenntnisse, eine generelle Affinität zu Wirtschaftsthemen und Mathe ist - so glauben die BWL-Professoren - dringend erforderlich. Neben analytischem Denkvermögen nennen sie auch Teamfähigkeit und emotionale Intelligenz. Dazu kommen Neugier, Belastbarkeit, Selbstmanagement, Lern- und Einsatzbereitschaft. Speziell BWLer brauchen demnach auch interkulturelle Aufgeschlossenheit, gepaart mit guten Englischkenntnissen. Auffällig: Das geforderte Profil ist bei den Volkswirten deutlich kürzer. Interkulturelle und soziale Kompetenzen werden von den VWL-Vertretern seltener genannt. Wer also lieber kühl analysiert und selbstständig arbeitet - ohne das ganze Business-Chichi drumherum - könnte sich im VWL-Studium wohler fühlen. Aber Achtung: Die Jobaussichten sind mit BWL klar besser ...

  • Wirtschaftsingenieurwesen, Ingenieurwissenschaften

    Ein Studiengang, der technisches und wirtschaftliches Fachwissen vereint. Dementsprechend sollte die Bereitschaft zum interdisziplinären Denken bei Wirtschaftsingenieuren stark ausgeprägt sein. Übersetzt heißt das: Sie sollten gerne auch mal über den Tellerrand schauen. Auch wird speziell Wirtschaftsingenieuren Assoziations- und Transferfähigkeit abverlangt. Hier lautet unsere Übersetzung: Sie sollten wendig im Kopf, aber kein reiner Theoretiker sein, sondern Ideen auch umsetzen wollen und können. Darüber hinaus stehen Klassiker wie Teamfähigkeit, Offenheit, Belastbarkeit, selbstständiges Arbeiten und Lernbereitschaft im Anforderungsprofil der Professoren. Für Ingenieure aller Fachrichtungen gilt: Die Nähe zu Mathe, Technik und Naturwissenschaften sollte keine Kontaktallergie auslösen.

  • Medizin, Zahnmedizin

    Der Kriterienkatalog für Mediziner ist vergleichsweise überschaubar. Ohne eine grundlegende Affinität zu den Naturwissenschaften geht es nicht, auch eine große Dosis analytisches Denkvermögen ist indiziert. Daneben sind für Mediziner Lern- und Einsatzbereitschaft, Belastbarkeit und Ausdauer wichtig. Und: Teamfähigkeit und Empathie sind wertvolle Eigenschaften. Bei Zahnmedizinern kommen noch räumliches Vorstellungsvermögen und manuelle Geschicklichkeit hinzu.

  • Jura

    Juristen sollten sich für gesellschaftspolitische Themen interessieren. Besonderheit: Die Jura-Professoren sind die einzigen, die ihren Lehrlingen eine breite Allgemeinbildung nahelegen. In keinem anderen Fach wurde Allgemeinbildung genannt. Ebenfalls abverlangt werden Lese- und Schreibkompetenzen, Kommunikations- und Ausdrucksfähgikeit, Argumentatons- und Diskussionsfähigkeit. Bedeutet: Ohne rhetorische Fähigkeiten wird es in Jura schwer. Lesen sollte grundsätzlich keine lästige Pflichterfüllung sein, sondern Freude machen. Neben einwandfreiem Deutsch sind auch gute Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil. Interessant: Speziell Wirtschaftsrechtler sollten über ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden verfügen - bei Juristen wurde dies als Voraussetzung nicht genannt.

  • Biologie

    Neben den studentischen Schlüsselqualifikationen wie Lernbereitschaft und Teamfähigkeit zeichnet Biologen vor allem aus, dass sie Interesse an der Forschung mitbringen und gerne wissenschaftlich arbeiten. Eine Affinität zu den Naturwissenschaften sollte vorhanden sein und ein ausgeprägtes Interesse an Natur und Umwelt.

  • Architektur

    Hier sind Künstler gefragt: Architekten brauchen nach Einschätzung der Professoren künstlerische, zeichnerische und gestalterische Fähigkeiten. Sie sollten räumlich und auch abstrakt denken können, reflektieren und kritikfähig sein. Eine Spur Kreativität sollte unbedingt in einem Architekten stecken. Auch ein grundlegendes Interesse an Kunst und Ästhetik ist vonnöten, glauben die Professoren.

  • Medienwissenschaften/Politikwissenschaften

    Prägnantes Merkmal von Medien- und Politikwissenschaftlern: Sie setzen sich gerne mit Theorien auseinander. Die Theoretiker sollten selbstredend auch ein verstärktes Interesse für Medien oder Politik mitbringen, analytisch und kritisch denken können. Speziell Medienwissenschaftler können Kreativität und Fremdsprachenkenntnisse gut gebrauchen. Und sie sollten interdisziplinär arbeiten können.

  • Pflegewissenschaften

    Als Theoretiker kommt man im Pflegebereich nicht allzu weit. Hier werden Praktiker gesucht, die mit Menschen umgehen können, eine hohe Kommunikationsfähigkeit, Sprach- und Sozialkompetenz mitbringen. Pflegewissenschaftler sollten aufgeschlossen und kritikfähig sein, sich aber auch für wissenschaftliches Arbeiten erwärmen können. Zudem legen die Professoren den Studenten ein interdisziplinäres Studium nahe, um auch biologische und soziale Grundlagen kennenzulernen. Und: Studenten im Bereich Pflegemanagement sollten unbedingt Berufserfahrung mitbringen - in Form von Praktika oder einer abgeschlossenen Ausbildung.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com ]

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