Studieren mit Kind: Tipps und Fördermittel

Zeitmangel, finanzielle Sorgen, Betreuungsprobleme: Studieren mit Kind ist eine echte Herausforderung – oder genauer gesagt sogar eine echte Doppelbelastung. Denn spätestens seit der Bologna-Reform ist das Studium eine straff durchorganisierte Ausbildung, die kaum Freiräume für Individualität lässt. Studierende Eltern vollführen deshalb täglich einen Spagat zwischen Kinderbett und Hörsaal. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist eine Sisyphusaufgabe. Schnell taucht daher die Frage auf: Bleibt fürs Kinderkriegen überhaupt noch Zeit? Die Antwort, kurz und schmerzlos: Aber ja! Wir haben einige Tipps aufgelistet, die Ihnen helfen können, Studium und Elternrolle zu vereinbaren und zeigen, welche Fördermitteln Sie nutzen können…

Studieren mit Kind: Tipps und Fördermittel

Studieren mit Kind: Wie unterscheiden sich die Studenten?

Für die meisten Studenten ist der Gedanke an eigene Kinder noch Zukunftsmusik. Die Prioritäten liegen zunächst einmal bei Credit Points, Semesterarbeiten, Praktika und Studentenpartys. Der Großteil der Studenten plant erst einmal Studium und Karriere, bevor Familienplanung und Kinder in den Vordergrund rücken. Trotzdem gibt es einige Meinungen, die das Studium für die beste Zeit zum Kinderkriegen halten.

Doch was unterscheidet Studierende mit Kind von anderen Studenten?

  • Sie sind älter. Im Schnitt sind Studierende mit Kind circa 7 Jahre älter als ihre Kommilitonen.
  • Sie unterbrechen das Studium öfter. Wer während des Studiums ein Kind versorgt, legt dabei häufiger eine Pause ein, um das Studium zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.
  • Sie nutzen mehr Teilzeitstudiengänge. In Teilzeit- oder berufsbegleitenden Studiengängen sind deutlich mehr Studierende mit Kindern eingeschrieben.

Studieren mit Kind: Mit welchen Problemen kämpfen die Eltern?

Die doppelte Belastung von Studium und Kind stellt immer eine schwierige Situation dar, doch mit welchen konkreten Problemen müssen studierende Eltern kämpfen? Wir haben die vier größten Baustellen für Sie aufgelistet:

  • Zeitmangel: Seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hat sich das Studium insgesamt verdichtet, was eine zusätzliche Herausforderung für studierende Eltern bedeutet. Das Studium nimmt sie voll in Beschlag und das Kind will auch 24-Stunden am Tag versorgt werden. Häufig haben studierende Eltern den Eindruck weder dem einen, noch dem anderen gerecht zu werden.
  • Geldsorgen: Schon ohne Kind ist die Finanzierung eines Studiums nicht leicht. Mit Kind ist es doppelt so schwierig, denn oft fehlt den Eltern die Zeit, neben Studium und Kindererziehung Geld dazu zu verdienen. Sie sind auf finanzielle Unterstützung von den eigenen Eltern oder vom Staat angewiesen.
  • Betreuungsengpass: Wo kann ich das Kind lassen, wenn ich zur Vorlesung muss?, fragen sich die Eltern. Nicht immer kann man auf Unterstützung aus der eigenen Familie zurückgreifen, beispielsweise studieren Sie in einer anderen Stadt oder Ihre Eltern sind noch vollzeitberufstätig. Eine der größten Herausforderungen ist es, eine Lösung für Betreuungsprobleme zu finden.
  • Isolation: Studierende Eltern berichten, dass häufig der Kontakt zu Kommilitonen ohne Kinder nach der Geburt des eigenen Kindes abnimmt. Man ist nicht mehr so flexibel und kann nicht spontan einen Kaffee trinken oder abends weggehen. Nicht selten fehlt die Zeit sich in Hochschulgruppen oder studentischen Gremien zu engagieren. Der straffe Zeitplan lässt dies einfach nicht zu.

Studieren mit Kind: Tipps, um die Probleme in den Griff zu bekommen

Wir wollen Ihnen Mut machen und zeigen, dass es durchaus möglich ist, mit Kind zu studieren. Gleichzeitig müssen Sie Ihre Situation aber auch realistisch betrachten und ehrlich zu sich selbst sein: Natürlich unterscheiden sich Ihre Prioritäten während des Studiums von denen vieler Kommilitonen. Gehen Sie aber nicht gleich davon aus, dass jeder neue Kontakt diesen Umstand als grundsätzlich negativ einstuft. Wenn Sie es richtig angehen, können Sie auch die Probleme in den Griff bekommen, die das Studieren mit Kind mitbringt. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen, die Doppelbelastung zu meistern.

  1. Offenheit im Unialltag

    Informieren Sie Ihre Professoren darüber, dass Sie neben dem Studium auch für ein Kind verantwortlich sind. Es ist wichtig, dass Ihre Lehrenden bescheid wissen, denn dann fällt es Ihnen leichter Fehlzeiten zu begründen oder um Aufschub bei Hausarbeiten zu bitten. Sie setzten sich nur unnötig unter Druck, wenn Sie den Umstand, dass Sie ein Kind haben, verheimlichen. Es erfordert eine Menge Mut sich Professoren oder Kommilitonen gegenüber zu outen, allerdings können Sie so auf mehr Verständnis Ihres Gegenübers hoffen.

  2. Ausnahmen bei Studienleistungen

    Informieren Sie sich auch über Ausnahmeregelungen für Klausuren und Leistungsnachweise bei Ihrem Prüfungsamt. Wenn Sie die Regelungen kennen, stärkt das auch Ihre Position gegenüber Professoren, wenn es um Aufschub für Prüfungsleistungen geht.

  3. Netzwerke für Eltern

    Es wird Momente geben, in denen Sie auf die Unterstützung von anderen angewiesen sind, beispielsweise in der Vorbereitungsphase für Klausuren oder wenn Sie abends weggehen wollen. Hierfür ist es hilfreich sowohl Personen aus dem eigenen Familien- und Bekanntenkreis, als auch zu anderen studierenden Eltern, zu haben, die kurzfristig für ein paar Stunden auf das Kind aufpassen können. Ein guter Kontakt zu anderen Studierenden Eltern mit Kind ist auch eine Möglichkeit Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

  4. Infrastruktur an Universitäten

    Entdecken Sie Ihre Universität neu. Die Wege auf dem Campus sind andere, wenn Sie mit einem Kinderwagen unterwegs sind. Auch ist es hilfreich zu wissen, wo Wickeltische stehen. Besonders studierende Väter, sollten sich darüber informieren, denn die meisten Wickeltische befinden sich auf Damentoiletten. Erfragen Sie, welche Alternativen es gibt. Viele Universitäten bieten mittlerweile Spielecken sowie Ruheräume an. Angebote, die Ihren Unialltag erleichtern können.

  5. Anträge für Kinderbetreuung

    Plätze in der Uni-Kita sind sehr gefragt, da sich diese zeitlich oftmals an die Studierenden anpasst. Entsprechend lang ist die Warteliste für so einen Platz. Denken Sie daran sich rechtzeitig über die Aufnahmekriterien zu informieren und einen Antrag zu stellen.

Studieren mit Kind: Diese Fördermittel können Sie nutzen

Die finanzielle Situation ist während des Studiums meist ohnehin knapp bemessen, kommen dann noch zusätzliche Ausgaben für ein Kind hinzu, werden die Sorgenfalten bei den Eltern immer größer. Doch brauchen Sie sich in dieser Situation nicht allein gelassen fühlen, denn es gibt gerade für Studierende mit Kind eine ganze Reihe an Förderungen, um die Finanzen aufzubessern. Wichtig ist allerdings für alle Möglichkeiten, dass Sie sich rechtzeitig informieren und die Anträge frühzeitig einreichen. Wir zeigen, welche Fördermittel Sie als Student mit Kind für sich nutzen können.

  1. Unterstützung bei der Erstausstattung

    Bei der Agentur für Arbeit sowie bei der Bundesstiftung Mutter und Kind können Sie einmalige Zuschüsse für die Erstausstattung beantragen. Hiermit können Sie beispielsweise die Kosten decken, die bei der Einrichtung eines Kinderzimmers und der Anschaffung der ersten Babykleidung anfallen. Ob Sie Anspruch auf eine solche Unterstützung haben, erfragen Sie am besten direkt beim jeweiligen Ansprechpartner.

  2. Studentenwerke

    Eine wichtige Anlaufstelle, wenn Sie mit Kind studieren, ist auch das Studentenwerk Ihrer Universität. Hier erhalten Sie wichtige Informationen über Hilfsangebote für studierende Eltern. Oft ist es auch möglich, einen Antrag auf Befreiung der des Studienbeitrags zu stellen und so die anfallenden Kosten zu senken. Zusätzlich kann das Studentenwerk Ihnen bei der Wohnungssuche helfen, da es für Studenten mit Kind auf dem offenen Markt oft schwierig ist.

  3. BAföG

    Es hängt zwar vom Einkommen Ihrer Eltern ab, ob Sie BAföG erhalten, doch sollten Sie Anspruch haben, können Sie mit Kind die Zeit Ihrer Förderung möglicherweise verlängern. Auch erhöht sich durch die Versorgung eines Kindes Ihre Finanzierung. Am besten machen Sie frühzeitig einen Beratungstermin bei Ihrem zuständigen BAföG-Amt aus, um die Änderungen zu besprechen und die nötigen Anträge auszufüllen. So vermeiden Sie Stress und Geldnot, wenn das Kind auf der Welt ist.

  4. Kindergeld

    Unabhängig von Ihrem BAföG Anspruch steht Ihnen für jedes Kind auch Kindergeld zu. Aktuell beträgt dieses für das erste und zweite Kind 188 Euro. Dieser Betrag wird nicht mit dem BAföG verrechnet und wirkt sich damit nicht negativ auf dessen Höhe aus. Ab Januar 2016 erhöht sich das Kindergeld für die ersten beiden Kinder um weitere 2 Euro auf 190 Euro pro Monat.

  5. Arbeitslosengeld

    Sollten Sie Ihr Studium pausieren, um erst einmal Zeit für Ihr Kind zu haben, können Sie in dieser Zeit Arbeitslosengeld beantragen. Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie während des Urlaubssemesters kein BAföG beziehen und Ihren Lebensunterhalt aufgrund der Kinderbetreuung nicht durch Arbeit bestreiten können – davon wird in seinen ersten drei Lebensjahren ausgegangen.

Studieren mit Kind: So erhalten Sie weitere Hilfe

Trotzdem ist eine Elternschaft – nicht nur während des Studiums – zumindest in den ersten drei Jahren natürlich eine große Belastung. Sie werden lernen müssen, mit wenig und dann auch noch recht unregelmäßigem Schlaf auszukommen. In der Zwischenzeit muss dann logischerweise die Selbstorganisation stimmen, um die freien Augenblicke nicht nur zum Lernen, sondern auch zum Entspannen nutzen zu können.

Moralische Unterstützung finden Sie beispielsweise bei der psychologischen Beratungsstelle des Studentenwerks, aber auch bei der Lebens- und Familienberatung, die allerdings meist von kirchlichen Trägern angeboten wird. Und, natürlich, im Kreis Ihrer Freunde und Familie. Dort können Sie dann in der Regel auch auf tatkräftige Unterstützung hoffen.

Noch eine Möglichkeit ist, sich diese Hilfe selbst zu organisieren: Wenn Sie sich mit anderen studierenden Eltern zusammentun, können die einen die Kinder betreuen, während die anderen lernen, Alltagsdinge erledigen – oder einfach mal ein paar Stunden Freizeit genießen.

[Bildnachweis: George Rudy by Shutterstock.com]
31. August 2015 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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