Tag der älteren Generation: Die Vorteile des Lernens

Am Tag der älteren Generation stehen vor allem die Themen Rente, Gesundheit, Wohlbefinden oben auf der Agenda. Auch der Oberbegriff des lebenslanges Lernens fällt häufig. Beim Lernen bilden wir neue Verbindungen im Gehirn, bleiben geistig und körperlich fit – übrigens auch schon weit vor dem Ruhestand. Tatsächlich hat – in jedem Lebensalter – große Vorteile, wer aus freien Stücken im Fachbuch schmökert oder die Computermesse besucht. Eine Studie des US-Think Tanks Pew Research Center zeigt, welche das sind …

Tag der älteren Generation: Die Vorteile des Lernens

Tag der älteren Generation: Persönlich oder professionell?

In den 60ern hatte die Kasseler Lebensabendbewegung den Tag der älteren Generation ins Leben gerufen. Damals lag die Lebenserwartung in Deutschland bei unter 70 Jahren. Knapp 50 Jahre später diskutieren wir, ob denn die Rente mit 67 in Zukunft noch aufrechtzuerhalten sei oder ob wir alle noch viel länger werden arbeiten müssen.

Auch das Konzept des lebenslangen Lernens, heute in aller Munde, war in den 60ern gänzlich unbekannt. Eine Ausbildung, ein Job, ein Arbeitgeber, ein Leben lang – das war die Norm. Heute heißt es eher: Du musst dein Leben lang dazulernen, dich weiterbilden, Neues ausprobieren, vor und auch nach dem Ruhestand. Aber welche Vorteile habe ich denn konkret, wenn ich mich mit 55 abends noch zur Weiterbildung quäle? Wenn ich mit 48 den Coding-Kurs belege oder mit 75 noch Mandarin lernen will?

Das amerikanische Pew Research Center hat dazu ausnahmsweise nicht die Unternehmen, nicht die Arbeitsmarkt- und Zukunftsforscher befragt, sondern die Menschen selbst. Ihre Antworten offenbaren: Jawohl, Lernen bringt einen weiter – aber oft nicht so, wie man sich das eigentlich vorgestellt hatte.

Lernen: Bücher, Messen, Kurse

Nach den Auswertungen des Think Tanks halten sich 73 Prozent der Erwachsenen in den USA für „lifelong learners“, was wir einmal wörtlich mit lebenslang Lernenden übersetzen wollen. 74 Prozent sind „personal learners“; Menschen, die sich aus privatem Interesse weiterbilden. Sie haben im vergangenen Jahr mindestens eine Aktivität gestartet, um ihr Wissen in einem bestimmten Interessengebiet zu vertiefen. Die meisten von ihnen griffen – ganz simpel – zu Fachmagazinen und Büchern. Andere besuchten die in den USA beliebten Buchklubs, Sport- oder Gesundheitsveranstaltungen. Auch Messen und Konferenzen, sei es eine Gartenmesse oder die Sci-Fi Convention, gehören in diese Kategorie, ebenso Online-Kurse.

36 Prozent der Erwachsenen wiederum fallen in die Kategorie der „professional learners“. Sie bilden sich hauptsächlich aus beruflichen Gründen weiter, belegen ein Weiterbildungsseminar oder sind auf der Jagd nach Zertifikaten.

Dazulerner: Was sie wollen, was sie bekommen

Die Menschen, die sich aus freien Stücken in ein Thema vertiefen, die „personal learners“, tun dies aus folgenden Gründen …

Lernende: Was sie wollen

  • 80 Prozent wollten sich in einem persönlichen Interessensgebiet weiterbilden, um ihr Leben insgesamt interessanter und ausgefüllter zu gestalten.
  • 64 Prozent sagen, dass sie dazulernen wollten, um anderen Menschen besser und effektiver helfen zu können.
  • 60 Prozent geben an, ausreichend Zeit gehabt zu haben, um persönliche Interessen verfolgen zu können.
  • 36 Prozent verfolgten das Ziel, ein Hobby in eine Einnahmequelle umzuwandeln.
  • 33 Prozent sagen, sie wollten etwas lernen, das ihnen wiederum dabei hilft, ihren Kindern, Enkeln oder anderen Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.

Und was sie bekommen

  • 87 Prozent sagen, sie fühlen sich durch ihre Aktivitäten leistungsfähiger.
  • 69 Prozent meinen, ihnen hätten sich durch das Lernen neue Perspektiven eröffnet.
  • 64 Prozent gaben an, dadurch neue Freunde gefunden zu haben.
  • 58 Prozent fühlen sich enger mit ihrer Gemeinde oder Community verbunden.
  • 43 Prozent fühlen sich inspiriert, einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen.

Die Antworten nähren also die Vermutung, dass private Weiterbildung Menschen zufriedener und stärker macht, gerade auch im fortgeschrittenen Alter. Man ist leistungsfähiger, kreativer, findet gar neue Freunde. Das sagen wohlgemerkt die befragten Personen selbst, keine Berater oder Marketingmenschen.

Für Menschen, die aus beruflichen Gründen lernen, sieht die Sache etwas anders aus …

Weiterbildung im Job: Die Ziele

  • 55 Prozent der Berufstätigen wollten für den Job wichtige Fähigkeiten verbessern.
  • 36 Prozent lernten, um ein Zertifikat oder eine Zulassung zu erhalten.
  • 24 Prozent wollten ihre Kompetenzen verbessern, um eine Gehaltserhöhung oder Beförderung zu rechtfertigen.
  • 13 Prozent versprachen sich von der Weiterbildung, hinterher den Arbeitsplatz wechseln zu können.
  • 7 Prozent lernten, weil sie wegen eines möglichen Stellenabbaus in ihrem Unternehmen besorgt waren.

Weiterbildung im Job: Die Ergebnisse

  • 65 Prozent erweiterten durch ihre Aktivitäten ihr professionelles Netzwerk.
  • 47 Prozent half die Weiterbildung, in ihrem Unternehmen voranzukommen.
  • 29 Prozent half sie dabei, einen neuen Job im gleichen oder einem anderen Unternehmen zu finden.
  • 27 Prozent ließ sie über einen anderen Karriereweg nachdenken.

Auch bei den Berufstätigen fällt auf: Viele starten ihre Mission mit einem konkreten Ziel, einer Gehaltserhöhung oder dem Jobwechsel. Noch mehr aber gehen mit einer Horizonterweiterung wieder hinaus, einem größeren Netzwerk und neuen Perspektiven.

Und noch ein interessanter Aspekt: Wer aus Spaß an der Freude lernt, tut dies keineswegs hauptsächlich im Internet, sondern wesentlich häufiger vor Ort. In 81 Prozent der Fälle war die Uni, Bibliothek oder ein anderer physischer Ort Lern- und Weiterbildungsstätte. Nur 52 Prozent bildeten sich im virtuellen Raum weiter.

Wahr ist aber auch: Menschen mit Internetanschluss lernen privat häufiger als Offliner. Noch entscheidener ist der Bildungsabschluss. Nur 43 Prozent der Befragten ohne Highschool-Abschluss nutzen das Netz für Weiterbildung, aber 58 Prozent derjenigen mit einem College-Abschluss. Das Internet ist also ein Katalysator für lebenslanges Lernen, aber nicht der einzig ausschlaggebende Faktor.

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[Bildnachweis: LuckyImages by Shutterstock.com]
6. April 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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