Trainerausbildung: Was zeichnet Trainer aus?

„Dann werde ich eben Coach oder Trainer!“ Nicht wenige packt irgendwann in ihrem Berufsleben der Wunsch, sich mit einer beratenden Tätigkeit selbstständig zu machen. Doch wie müssen Männer und Frauen gestrickt sein, die sich als Trainer selbstständig machen möchten? Welche Fähigkeiten brauchen sie? Sabine Prohaska, deren Wiener Unternehmen Seminar Consult Prohaska Trainer und Coaches ausbildet, erklärt im Interview, worauf es im Trainerberuf ankommt…

Trainerausbildung: Was zeichnet Trainer aus?

Trainerausbildung: Was zeichnet Trainer aus?

Sabine Prohaska-300Frau Prohaska, welche Eigenschaften sollte ein angehender Trainer haben?

Ein Trainer muss unbedingt die Menschen in ihrer Vielfalt mögen.

Warum das?

Ein Trainer arbeitet Woche für Woche mit circa 30 bis 50 Menschen zusammen, die er meist zuvor nicht kannte – Menschen, die sehr unterschiedlich ticken. Deshalb muss sich ein Trainer schnell auf die unterschiedlichen Personen einstellen können, und er muss jedem Teilnehmer das Gefühl vermitteln können: Ich schätze dich als Person. Sonst verschließen sich die Teilnehmer.

Aber ein Menschenfreund zu sein, genügt doch nicht, oder?

Selbstverständlich gehört mehr dazu. Eine didaktische und gruppendynamische Kompetenz ist ein Muss, um Wissen zu vermitteln. Zudem sollte jeder Trainer eine kleine Rampensau sein. Denn sein Platz im Seminar ist vorne – im Rampenlicht. Zugleich darf er aber nicht zu selbstverliebt sein. Ihm muss stets bewusst sein: Es geht nicht um meine Entwicklung, sondern um die der Teilnehmer. Also muss er sich bei Bedarf auch zurücknehmen können.

Wie wichtig ist die eigene Weiterbildung?

Wer vorhat Trainer zu werden, sollte sich bewusst sein, dass er oder sie sich laufend weiterbilden muss – fachlich und methodisch. Sonst besteht die Gefahr, dass man irgendwann nur noch ein routinierter, aber kein guter Trainer mehr ist. Zudem sollte man sich regelmäßig Feedback von erfahrenen Kollegen einholen. Denn Trainer stehen in der Regel, wie Lehrer, alleine vor der Gruppe. Entsprechend selten erhalten sie ein qualifiziertes Feedback.

Worauf sollte sich das Feedback beziehen?

Auf alles, was den Trainerberuf ausmacht: Zum Beispiel darauf, wie der Trainer Lerninhalte präsentiert. Oder wie er mit den Teilnehmern umgeht. Oder in schwierigen Trainingssituationen reagiert. Denn jeder Mensch hat blinde Flecken – auch Trainer.

Warum werden so viele Menschen Trainer, Berater oder Coach? Sind das verkrachte Existenzen oder lockt sie das große Geld?

Das war aber jetzt böse. Nein, viele angehende Trainer kommen aus gut bezahlten angestellten Jobs. Äußere Umstände oder die Frage nach dem Sinn, haben jedoch den Wunsch geweckt, anderen Menschen zu helfen, sie zu trainieren oder zu coachen. In der Regel ist der Wunsch nach Erfüllung das wichtigste Motiv. Viele wollen zudem selbstbestimmter leben und arbeiten, weshalb sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Verdienen Trainer denn heute noch gut?

Das hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel von der Branche. Klar, im Bankensektor werden höhere Tagessätze als im Sozialbereich bezahlt. Auch die Inhalte spielen eine Rolle: Verhandlungstrainings werden besser honoriert als Kommunikations-Grundlagenseminare. Und keinesfalls sollte man das Thema Selbstvermarktung vergessen.

Wie meinen Sie das?

Gerade Anfänger sind noch Unbekannte im Markt, die kaum jemand kennt. Also müssen sie sich vermarkten. Zudem brauchen sie einen gewissen unternehmerischen Biss. Ohne den können sie im Markt nicht Fuß fassen. Schließlich gibt es inzwischen Trainer, Berater und Coachs, wie Sand am Meer.

Braucht es dann nicht vor allem eine eindeutige Positionierung?

Unbedingt. Mit den Fragen: Wofür stehe ich? Was kann ich besonders gut? Und: Wer sind meine Zielkunden? muss sich jeder Trainer intensiv befassen. Zum einen, damit er ein effektives Marketing betreiben kann. Zum anderen, damit er als Person authentisch bleibt. Denn Training ist ein people business. Das heißt: Wenn sich Unternehmen für einen Trainer entscheiden, dann tun sie dies auch aufgrund dessen Persönlichkeit. Zum Beispiel, weil sie überzeugt sind: Dieser Trainer kommt bei unseren Produktionsmitarbeitern gut an, weil er ein eher hemdsärmeliger Typ ist. Deshalb sollten Trainer auch als Person Flagge zeigen – um sich erkennbar von ihren Mitbewerbern abzuheben.

Was sollten Trainer in spe noch beachten?

Für sie gilt dasselbe wie für jeden Berufsumsteiger auch: Nicht jeder ist für den Job geeignet. Wer Angst vor Fremden hat, sollte kein Verkäufer werden – und auch kein Trainer. Und als Trainer lässt sich zwar gutes Geld verdienen, aber auch für diesen Beruf gilt: ohne Fleiß kein Preis.

Danke für das Gespräch.

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[Bildnachweis: Jeanette Dietl by Shutterstock.com, Sabine Prohaska]
18. Januar 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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