Trivago Report: Das globale Dorf in Düsseldorf

Alles begann vor zehn Jahren mit der Idee von drei Männern. Malte Siewert, Peter Vinnemeier und Rolf Schrömgens brüteten über der Idee, ein Google für Hotels zu entwickeln. Aus der Drei-Mann-Truppe ist mittlerweile eine der bekanntesten Marken zur Online-Hotelsuche geworden: Trivago – mit mehr als 600 Mitarbeitern in drei Niederlassungen (Düsseldorf, Leipzig, Palma) Wir haben den Trivago-Hauptsitz in Düsseldorf besucht und uns die Zusammenarbeit in einem internationalen Team näher angeschaut…

Trivago Report: Das globale Dorf in Düsseldorf

Was die Zusammenarbeit mit Menschen aus aller Welt schwierig macht

„Wir suchen lokale Experten. Teammitglieder aus dem jeweiligen Land, kennen die Menschen vor Ort und können den Markt besser einschätzen“, sagt Haryati Afendy, aus der Arbeitsgruppe Südostasien. Fast 60 verschiedene Nationalitäten arbeiten für Trivago. In einer zunehmend globalisierten Welt keine Seltenheit mehr. Doch immer, wenn Menschen aus aller Welt zusammenarbeiten, bringt das auch Probleme und Herausforderungen mit sich.

In einem großen, hellen Gebäudekomplex in bester Düsseldorfer Lage hat das noch junge Unternehmen seinen Hauptsitz. Auf sechs Etagen, größtenteils in Großraumbüros, arbeiten die verschiedenen Abteilungen von Finanzen bis Online Marketing zusammen. Vor kurzem wurden die Räumlichkeiten nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter umgestaltet. Kleine Räume, die Rückzugsmöglichkeiten bieten, wurden eingerichtet. Besprechungen, Kundentelefonate oder Aufgaben, die ein hohes Maß an Konzentration erfordern, können dort erledigt werden. Jeder Raum hat ein anderes Motto: So gibt es beispielsweise einen Yogaraum, einen Waschsalon oder ein Klassenzimmer. „Jeder von uns durfte Vorschläge einbringen“, erzählt Birgit Münzer, aus der deutschen Kommunikationsabteilung. Auf jeder Etage befindet sich eine große Küche, mal im urigen Stil einer Almhütte und mal asiatisch angehaucht mit roten und gelben Lampions an der Decke.

Problem Sprachbarriere: Do you speak English?

trivagoIn international tätigen Unternehmen ist Englisch die Verkehrssprache. Doch nicht alle sprechen Englisch auf dem gleichen Niveau. Muttersprachler, Sprecher mit deutlichem Akzent, Anfänger und Fortgeschrittene müssen einen Weg finden, miteinander zu kommunizieren.

Sydney Burdick, Leiterin der globalen Kommunikationsabteilung, ist bereits seit drei Jahren an Bord. Sie kommt aus Kalifornien. Damit gehört sie zu den wenigen, deren Muttersprache Englisch ist. Für 90 Prozent der Mitarbeiter ist Englisch eine Zweitsprache. Dabei ist diese auch bei trivago die Unternehmenssprache. „Manchmal verstehen wir uns untereinander nicht. Jede Sprache hat ihre Eigenheiten und die lässt der Sprecher ins Englische einfließen. Daraus ist unsere ganz eigene Englisch-Variante geworden: trivago-Englisch“, sagt Sydney Burdick.

Die Mitarbeiter mischen Wörter verschiedener Sprachen zusammen und machen daraus neue Wörter, deren Bedeutung sich nur den Kollegen erschließt. Ein solches Beispiel ist das Wort „nebelish“. Statt „foggy“ wurde an das deutsche Wort „Nebel“ einfach die englische Endung -ish gehängt. „Wenn ich mit meinen Eltern spreche, wundern die sich immer über die komischen Begriffe“, erzählt die junge Amerikanerin lachend.

Problem kultureller Hintergrund: Die Franzosen sind sehr direkt

trivagoWie heißt es doch so schön: Andere Länder, andere Sitten. Die Deutschen nehmen es mit der Pünktlichkeit sehr genau. Nach wie vor zählt Pünktlichkeit zu den deutschen Tugenden. In Südamerika beispielsweise nimmt man die Sache lockerer und es ist normal zu einer Verabredung eine halbe Stunde später zu erscheinen. In internationalen Teams prallen unterschiedliche Mentalitäten und Traditionen aufeinander.

„Die Arbeit steckt voller Überraschungen“, sagt der Kenianer Peter Karimurio, der in der Abteilung für SEO und Blogger Relations arbeitet. „Die kulturellen Unterschiede spüre ich in der Kommunikation mit Kollegen am deutlichsten. Ein und dieselbe Aussage entfaltet eine ganz andere Wirkung, je nachdem aus welchem Land ein Kollege stammt.“ Italiener hält Peter Karimurio für unkompliziert, während Franzosen sehr direkt seien. „Meine französischen Kollegen machen keinen Hehl daraus, wenn ihnen etwas nicht passt. Damit muss man erst einmal umgehen können.“

Um die kulturellen Differenzen zu überbrücken, gibt es bei trivago zahlreiche Angebote, auch außerhalb der Arbeit gemeinsam Zeit zu verbringen. Die Mitarbeiter haben ein breites Sportprogramm von Boxen bis Yoga auf die Beine gestellt. In Sprachtandems und bei Kochabenden bringt man sich die Kultur des anderen näher. Eine solche Gelegenheit bot auch die Fußball Weltmeisterschaft. „Die Spiele haben wir alle gemeinsam geschaut und unser Heimatland angefeuert“, sagt die deutsche Birgit Münzer.

Problem Distanz: Wenn wir schlafen, arbeiten die anderen schon

trivagoIn internationalen Teams sitzen die Kollegen nicht nur im Büro nebenan, sondern befinden sich unter Umständen auf einem ganz anderen Kontinent. Doch die räumliche Distanz und die Zeitverschiebung erschweren eine reibungslose Zusammenarbeit. Wer mit Kollegen in San Francisco telefoniert, muss sich daran gewöhnen, spät Feierabend zu machen und für die Kollegen in Tokio früh aufzustehen.

Je weiter das Team verstreut ist, desto wichtiger ist virtuelle Kommunikation. „Wir können unsere Arbeitszeiten den Umständen anpassen. Wenn ich einen Call mit US-Kollegen habe, komme ich einfach später ins Büro“, sagt Peter Karimurio. Skype ist ein wichtiges Kommunikationsmittel und wird fast täglich genutzt. Kollegen werden bei Teammeetings oder Brainstormings online dazu geschaltet. „Trotz dieser Möglichkeiten, muss man auch in seine Arbeit einplanen, dass man beispielsweise auf eine E-Mail nicht sofort eine Antwort erhält“, sagt Haryati Afendy.

Problem Hierarchien: Hier geht’s nicht rauf

trivagoIn einem Unternehmen mit klassischen Hierarchien fängt man unten an, leistet hervorragende Arbeit und klettert so die Karriereleiter empor. Ist man erst Junior Sales Manager, nach einigen Jahren Sales Manager und Senior Sales Manager bis zum Abteilungsleiter.

Bei trivago funktioniert das anders. Die Hierarchien sind flach. Eine klassische Karriereleiter gibt es hier nicht. Fehlen einem da nicht die Aufstiegschancen?

„Nein“, sagt Sydney Burdick, „wir entwickeln uns nicht nach oben, sondern in die Breite. Wenn du eine tolle Idee hast, stellst du ein Team zusammen. Am Anfang hast du fünf Leute in deinem Team, doch es wächst und am Ende sind es vielleicht 30 oder 40. Genauso hat es mit unserem Blog angefangen.“

Entscheidend sei die Idee und ob man andere davon überzeugen könne. Doch ob man selbst erst neu dazugekommen oder seit Jahren dabei ist, spiele dabei keine Rolle. „In den USA habe ich bereits für Unternehmen mit klassischen Hierarchien gearbeitet. Für mich persönlich ist es viel schöner und befriedigender meine Ideen wachsen zu sehen, als eine höhere Position inne zu haben“, sagt die junge Frau. Das sei einer der Gründe, wieso sie so gerne für trivago arbeite. „Ich habe hier das Gefühl, mich selbst verwirklichen zu können.“

Eindrücke aus der Trivago-Zentrale in Düsseldorf

Sitzsäcke und – kissen für kleine Besprechungen und Pausen
Sitzsäcke und - kissen für kleine Besprechungen und Pausen

Ein Konferenzraum als Klassenzimmer gestaltet.
Ein Konferenzraum als Klassenzimmer gestaltet.

Ein Yoga-Raum für die Entspannung.
Ein Yoga-Raum für die Entspannung.

Die Außenterrasse.
Die Außenterrasse.

Ein Konferenzraum im Almhüttenstil.
Ein Konferenzraum im Almhüttenstil.

Kickern nach Feierabend.
Kickern nach Feierabend.

[Bildnachweis: Karolina Warkentin, Trivago]
19. September 2014 Autor: Karolina Warkentin

Karolina Warkentin war Autorin der Karrierebibel und studierte Politikwissenschaft und empirische Sprachwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/M.

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