Übergewicht: Ursachen und Maßnahmen dagegen

Evolutionsbiologisch betrachtet ist der Mensch nicht zum Sitzen geeignet – jedenfalls nicht ständig und lange. Vor allem sitzende Tätigkeiten führen leicht zu Übergewicht. In der modernen Arbeitswelt ist jedoch ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung Wissensarbeiter. Als solche verrichten sie wenig körperliche Arbeit. Ihnen fehlt daher nicht nur häufig der mentale Ausgleich zur geistigen Arbeit, sondern zunehmend mehr Menschen kämpfen mit dem Übergewicht. Wir erklären die Hintergründe und zeigen, was Sie dagegen tun können…

Übergewicht: Ursachen und Maßnahmen dagegen

Definition: Wann beginnt Übergewicht?

Übergewicht Definition BMIDer deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) zufolge liegt Übergewicht vor, wenn eine Person einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25 hat. Der BMI bewertet das Körpergewicht einer Person im Verhältnis zu seiner Größe. Berechnet wird er so:

BMI = Körpergewicht : (Körpergröße)²

Zur groben Orientierung dienen diese BMI-Werte:

  • Starkes Untergewicht: unter 16
  • Mäßiges Untergewicht: 16 bis unter 17
  • Leichtes Untergewicht: 17 bis unter 18,5
  • Normalgewicht: 18,5 bis unter 25
  • Präadipositas: 25 bis unter 30
  • Adipositas Grad I: 30 bis unter 35
  • Adipositas Grad II: 35 bis unter 40
  • Adipositas Grad III: über 40

Ergänzend muss gesagt werden, dass der Body-Mass-Index so nur eine grobe Orientierung gibt, da körperliche Fitness, das Alter und das Geschlecht nicht berücksichtigt werden. Ein Alter Witz lautet, dass nach diesen Zahlen selbst ein Arnold Schwarzenegger zu seinen Bodybuilder-Zeiten übergewichtig gewesen wäre.

Muskeln wiegen allerdings schwerer als Fett. Außerdem sind mit zunehmenden Alter höhere Werte möglich und Männern stehen ebenfalls höhere Werte zu, da sie ohnehin eine größere Muskelmasse haben.

Eine andere Orientierungshilfe ist der Taillenumfang. Ab einem Umfang von 88 cm bei Frauen beziehungsweise 102 cm bei Männern liegt abdominale Adipositas vor, der berühmte Speckgürtel.

Arbeit, die dick macht

Selbst wer als Koch oder Mitarbeiter in einer Confiserie arbeitet: Die Arbeit an sich macht in den seltensten Fällen dick – schließlich wird niemand gezwungen, pausenlos Essen in sich hineinzustopfen. Vielmehr sind es die schlechten Angewohnheiten, die sich eingeschlichen haben.

Eine Studie des Beratungsunternehmens Career Builder befragte mehr als 1.000 deutsche Arbeitnehmer.

Darin wurden das Essverhalten und die Bewegungsgewohnheiten untersucht – mit erschreckenden Ergebnissen: Fast ein Drittel aller Befragten gab an, im aktuellen Job zugenommen zu haben. Besonders Männer empfinden sich häufig als übergewichtig, obwohl sie meist mehr Sport als Frauen treiben.

Das Übergewicht erklärten die Befragten folgendermaßen:

  • Zu viel Zeit am Schreibtisch: 52 Prozent
  • Nach der Arbeit zu erschöpft, um Sport zu treiben: 38 Prozent
  • Essen aus Stress: 35 Prozent
  • Keine Zeit für Sport: 31 Prozent
  • Mangelnde Selbstdisziplin bei Süßem: 18 Prozent
  • Unregelmäßiges Essen aufgrund von Terminen: 17 Prozent
  • Regelmäßige Restaurantbesuche: 11 Prozent
  • Feierlichkeiten im Büro: 10 Prozent
  • Wahrnehmen von Happy Hours: 3 Prozent
  • Von Kollegen angebotenes Essen: 2 Prozent

Stress bei der Arbeit ist immerhin die dritthäufigste Nennung bei den Befragten. Das Problem: Steigt das Stresslevel, schüttet unser Körper vermehrt das Stresshormon Cortisol aus – das wiederum wirkt sich negativ aufs Gewicht aus. Verkürzt könnte man sagen:

Je mehr Stress, desto mehr Cortisol, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Übergewicht zu bekommen.

Frauen besonders anfällig für Frustessen

Frauen Übergewicht JobEine über zwanzig Jahre erfolgte schwedische Langzeitstudie befragte knapp 3.900 Personen zu ihren Lebensgewohnheiten. Gefragt wurde nach Dingen wie Arbeitstempo, psychischer Belastung und Zeitdruck.

Die Hälfte aller Teilnehmer empfand besonders hohe Anforderungen im Job. Bei ihnen stellten die Wissenschaftler um Sofia Klingberg von der Universität Göteborg fest, dass vor allem die Frauen häufiger an Übergewicht litten. Sie hatten ein um 20 Prozent höheres Gewicht als die Teilnehmerinnen, die ihre Arbeit weniger anstrengend fanden.

Die Gründe für diesen Unterschied sind noch unklar. Vermutet wird, dass die häufig vorkommende Doppelbelastung von Frauen durch Arbeit und Haushalt beziehungsweise Kindererziehung dazu beiträgt, dass das Stresslevel von Frauen konstant höher ist.

Tipps gegen Übergewicht

Wenngleich die schwedische Studie nur mutmaßen kann, warum Frauen stärker von Übergewicht betroffen sind, weist sie auf einen entscheidenden Aspekt hin: Neben der schieren Arbeitsbelastung gibt es häufig noch andere belastende Faktoren, die dazu führen, dass Menschen sich gestresst fühlen und dann vermehrt zu Essen greifen.

Daneben sind es Verhaltensweisen, die uns oft gar nicht so bewusst, aber dennoch in letzter Konsequenz schädlich sind.

Welche das sind und wie Sie dagegen vorgehen, erfahren Sie hier:

[Bildnachweis: milatas by Shutterstock.com]
7. August 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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