teamregel-neu-spielregel-buero-heimlich
Sie treten eine neue Stelle an, freuen sich auf Ihre Arbeit. Das Aufgabengebiet ist größtenteils klar, aber Sie kennen Ihre Kollegen noch nicht. Doch genau da lauert der Fettnapf für Neuzugänge: Unsichtbare Teamregeln können es Ihnen erschweren, auf einer neuen Arbeitsstelle anzukommen, sich zu integrieren. Wer schon länger miteinander arbeitet, entwickelt eine bestimmte Art des Umgangs, man kennt sich, muss Dinge nicht extra aussprechen. Blöd nur, wenn Sie als neuer Kollege hochmotiviert dort hineinplatzen. Damit Ihnen das nicht passiert, erklären wir Ihnen die unsichtbaren Teamregeln.

Unsichtbare Teamregeln: Nichts ist für die Ewigkeit

Alles ist zeitlich begrenzt. Das gilt auch für Teams. Abhängig von der Projektdauer, von der Altersstruktur aber natürlich auch persönlichen Gegebenheiten wie Schwangerschaft, Krankheit, Rente oder Umzug verändert sich die Zusammensetzung eines Teams.

Das kann den Verlust eines geschätzten Kollegen bedeuten, in jedem Fall bedeutet es aber eine Veränderung für diejenigen, die am selben Ort bleiben.

Wenn nun Sie als Neuling in ein bestehendes Team kommen, können Sie am Anfang viel falsch machen. Viele Regeln sind schriftlich festgehalten – etwa im Arbeitsvertrag oder der Betriebsordnung. Aber Sie können ohne weiteres in Fettnäpfe treten, wenn Sie bestimmte Dinge einfach voraussetzen. Ein häufiger Fehler ist beispielsweise anzunehmen, so wie in Ihrem alten Unternehmen würden bestimmte Abläufe auch in der neuen Firma sein: Mitnichten.

Es mag der eine oder andere Arbeitsvorgang für Sie merkwürdig und umständlich erscheinen, aber Sie machen sich keine Freunde, indem Sie das einfach altklug kritisieren oder ungefragt Verbesserungsvorschläge anbringen.

Klüger ist es, wenn Sie stattdessen nachfragen. Es kann einen Grund dafür geben, dass bestimmte Dinge anders gehandhabt werden. Aber selbst wenn das nicht der Fall sein sollte: Geduld ist eine Tugend. Es ergibt sich zu einem späteren Zeitpunkt die Gelegenheit, Verbesserungsvorschläge anzubringen.

Systemische Grundprinzipien

Extra-Tipp-IconJeder ist Bestandteil verschiedener Gruppen, die nach systemischen Prinzipien funktionieren – sei es die Familie oder sei es das Kollegium am Arbeitsplatz. Verbunden mit den Erfahrungen aus solchen Systemen sind Erwartungen, wie Plätze im System verteilt werden.

In dem Moment, wo gegen solche Erfahrungen verstoßen wird, kann es zu verminderter Leistung und Engagement kommen. Wenn Sie mit Teams zu tun haben, werden Sie auf diese sechs Prinzipien immer wieder treffen:

  1. Anerkennung

    Das, was Sie in der Firma an Strukturen und Regeln feststellen können, ist zunächst anzuerkennen und zu würdigen. Es gibt einen Grund dafür, warum die Dinge sich so entwickelt haben. In dem Moment, wo Sie den Arbeitsvertrag unterschrieben haben, haben Sie beispielsweise eingewilligt, als untergebener Mitarbeiter Ihrem Arbeitgeber zu folgen.

  2. Zugehörigkeit

    Wer einmal in der Firma fest angestellt ist, bleibt im Gedächtnis der Kollegen verankert. Das bezieht sich auf alle Leistungen und Fehler und gilt selbst für Ehemalige. Wichtig ist hier, dass ein neues Teammitglied auch die Möglichkeit hat, sich einzubringen. Das heißt, dass Sie nicht behindert werden und man Ihnen Ihre Kompetenzen zugesteht und Sie am Vorankommen nicht hindert.

  3. Reihenfolge

    Jemand, der bereits länger im Unternehmen ist, hat mehr Rechte als jemand, der später dazugekommen ist. Wer neu ist, sollte sich erstmal ein Bild der Lage machen. Das gilt tatsächlich auch für neue Chefs: Viele machen den Fehler, alles Althergebrachte umzukrempeln nach dem Prinzip: Neue Besen kehren gut.

    Leider missachten sie dabei, dass sie als Neulinge auf dem letzten Platz im System stehen und lernen müssen, das Unternehmen von dort zu führen. Das bedeutet: Er muss die Kompetenzen derjenigen anerkennen, die schon lange vor ihm da waren – in ihren Bereichen.

  4. Engagement

    Wenn sich jemand besonders für ein Unternehmen einbringt und somit beispielsweise einen wichtigen Abschluss tätigen kann, dann zählt das Engagement mehr als die Fähigkeiten.

  5. Kompetenz

    Es ist wichtig, dass die Kompetenzen eines jeweiligen Mitarbeiters anerkannt werden. Das bedeutet, dass ein Spezialist eben auch in seinem Bereich arbeitet und nicht jemand mit geringeren Kompetenzen dafür zuständig ist.

    Arbeitet ein weniger erfahrener Mitarbeiter in dem Spezialbereich, wird sehr wahrscheinlich die Leistungsbereitschaft des Spezialisten sinken.

  6. Ausgleich

    Dieser Punkt ist fürs Betriebsklima besonders wichtig. Manche Kollegen zeigen besonderen Arbeitseinsatz, andere hingegen zeichnen sich durch langes Pausieren aus. Wenn es solche oder ähnliche Extreme unter den Kollegen gibt, ist der Vorgesetzte gefragt.

    Es führt über kurz oder lang zu deutlichen Verstimmungen, wenn die Arbeit immer von denselben Leuten erledigt wird während andere sich durch unkollegiales Verhalten auszeichnen. Umgekehrt bedeutet das allerdings auch von den Leistungsträgern, Arbeit abzugeben und gegebenenfalls mal um Hilfe zu bitten.

Unsichtbare Teamregeln sichtbar machen

Wenn nun diese systemischen Regeln außer Acht gelassen werden, kann es an der einen oder anderen Stelle zu Konflikten kommen. Denkbar ist...

  • dass Machtkämpfe um eine bestimmte Position gefochten werden,
  • dass Auseinandersetzungen wegen Ressourcen geführt werden,
  • dass Entscheidungen nicht durchgesetzt werden,
  • dass die Chemie zwischen einzelnen Personen nicht stimmt.

Vorausgesetzt, die Gründe für Missstimmungen im Team liegen nicht im fachlichen Bereich, können diese Tipps Ihnen dabei helfen, Fettnäpfe zu vermeiden:

  • Manieren beweisen

    Natürlich besitzen Sie soziale Kompetenz, also zeigen Sie diese auch: Seien Sie stets höflich und grüßen Sie Ihre Kollegen freundlich. Das öffnet bereits viele Türen.

    Es empfiehlt sich auch, nicht sofort alle Kollegen zu duzen – es sei denn, es gehört zur Unternehmenskultur. Ansonsten wartet - laut Knigge - immer der Rangniedrigere ab, bis der Ranghöhere einem das Du anbietet. Das Alter oder Geschlecht zählen im Business nicht, hier zählt allein die Hierarchie.

  • Kleidung anpassen

    Das Äußere ist nun mal das Erste, was wir an einer Person wahrnehmen. Mit den Basics der Körperhygiene sollte jeder vertraut sein.

    Aber auch die passende Kleidung kann dazu beitragen, dass man als Neuzugang nicht unliebsam auffällt. Daher am Anfang lieber etwas formeller als zu leger, bis man den Dresscode im Unternehmen einschätzen kann.

  • Verhalten beobachten

    Wie wird miteinander umgegangen? Welche Rituale fallen Ihnen auf, wie ist die Unternehmenskultur?

    Fragen Sie bei Unklarheiten ruhig nach, wie was gehandhabt wird. Wichtig ist, dass Sie gezielt fragen, damit Sie nicht inkompetent oder desinteressiert wirken. Zurückhaltung kann sich hier nachteilig auswirken, wenn Sie dadurch vermeidbare Fehler begehen.

    Der Punkt bedeutet aber auch, nicht alles zu kommentieren, was Ihnen berichtet wird. Beteiligen Sie soch bitte auch nicht an Lästereien, Sie fördern sonst nur Mobbing und die Stimmung kann sich so schnell gegen Sie als Neuen wenden. Bilden Sie sich lieber selbst ein Urteil und treten auch solchen Kollegen offen gegenüber, über die schlecht geredet wird.

  • Namen merken

    Jeder Mensch möchte als eigenständiges Individuum wahrgenommen werden. Das kann gerade am Anfang schwierig sein, wenn man einer Vielzahl an neuen Kollegen gegenüber steht. Das macht nichts! Auch wenn Sie mal einen Kollegen verwechseln, ist das immer noch besser als es gar nicht zu versuchen: So zeigen Sie ihnen immerhin Ihren guten Willen.

  • Offenheit demonstrieren

    Wenn jemand von seinem Haustier oder Urlaub oder anderen Hobbys erzählt, ist das ein Vertrauensbeweis - und eine gute Gelegenheit, mit einzusteigen. So können Sie Gemeinsamkeiten entdecken – das schweißt zusammen und gibt Ihren Kollegen auch die Möglichkeit, Sie besser kennenzulernen.

  • Kritikfähigkeit zeigen

    Seien Sie auch bereit, sich belehren zu lassen, hören Sie zu, wenn man Ihnen Fehler erklärt. Noch nicht internalisierte Arbeitsabläufe und Fehler gehören am Anfang dazu und sind Bestandteil der Integration ins Team.

  • Bescheidenheit pflegen

    Sollten Sie über bestimmte Vollmachten im Gegensatz zu anderen Teammitgliedern verfügen, ist es sinnvoll, nicht damit zu prahlen. Das könnte Neider auf den Plan rufen und stünde einem friedvollen Miteinander im Wege.

Wichtig: Verstellen Sie sich nicht. Heucheln Sie kein Interesse an Stellen, die Sie überhaupt nicht interessieren. Aber greifen Sie Dinge auf, die Sie bei anderen beobachten. Ist eine bestimmte Serie oder ein Fußballteam häufig Gesprächsstoff in den Pausen, informieren Sie sich.

Selbst wenn Sie eine andere Serie lieber mögen oder eine andere Mannschaft favorisieren, haben Sie so immerhin thematische Anknüpfungspunkte.

Für Ihren Erfolg bei der Integration ins Team spielen Anerkennung und Würdigung eine entscheidende Rolle. Sie wollen, dass beides Ihnen entgegen gebracht wird, also zeigen Sie das Gleiche auch Ihren Kollegen gegenüber. Zeigen Sie, dass Sie die Spielregeln verstanden haben, indem Sie die Leistungen und Kompetenzen anderer anerkennen.

[Bildnachweis: bikeriderlondon by Shutterstock.com]

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, erzählen Sie es weiter...