Gesetzlicher Urlaubsanspruch bei Teilzeit: Wie hoch ist er?

Das Arbeitsrecht regelt den gesetzlichen Urlaubsanspruch bei Teilzeit, ebenso wie bei Arbeit in Vollzeit. Rund um den Erholungsurlaub gibt es etliche Gerüchte und Missverständnisse. Etwa die, dass Teilzeitbeschäftigten weniger Urlaub zustünde oder dass im Krankheitsfalle während des Urlaubs die Urlaubstage ersatzlos ausfielen. Viele Gerüchte sind Blödsinn. Kurz gesagt: Der Urlaubsanspruch bei Teilzeit ist derselbe wie bei einer Vollzeitbeschäftigung. Einen Unterschied macht es lediglich, ob Sie täglich arbeiten oder nur an einigen Tagen. Was Sie sonst noch wissen müssen…

Gesetzlicher Urlaubsanspruch bei Teilzeit: Wie hoch ist er?

Das besagt der gesetzliche Urlaubsanspruch

Wie viel Urlaub einem Arbeitnehmer zusteht, was im Krankheitsfalle passiert und viele andere Fragen klärt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Darin ist in § 1 festgehalten, dass jeder Arbeitnehmer in jedem Jahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub hat.

Damit gilt das Gesetz unterschiedslos für:

  • Arbeiter
  • Angestellte
  • Auszubildende
  • Heimarbeiter
  • Praktikanten (bei freiwilligem Praktikum)
  • Teilzeitbeschäftigte
  • Trainees
  • Volontäre
  • arbeitnehmerähnliche Personen (wie Selbständige und freie Mitarbeiter, sofern sie von dem Unternehmen wirtschaftlich abhängig sind)

Die Teilzeitarbeit hat in Deutschland einen hohen Anteil. Gerade für viele Frauen ist sie praktisch, da sich so Beruf und Familie häufig besser vereinbaren lassen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lagen die Zahlen 2017 für teilzeitbeschäftigte Frauen bei 47 Prozent, während nur 11 Prozent aller Männer einer Teilzeitbeschäftigung nachgingen.

Da jemand in Teilzeit de facto auf weniger Stunden wöchentliche Arbeitszeit kommt, könnte man annehmen, dass Teilzeitarbeitnehmern auch weniger Urlaub zusteht.

Allerdings macht es überhaupt keinen Unterschied, ob Sie in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, denn der Urlaub bezieht sich nicht auf die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden, sondern ausschließlich auf die Arbeitstage.

Sie können also 15, 20 oder 25 Stunden die Woche arbeiten und haben immer noch denselben Anspruch wie jemand mit einer 40-Stunden-Woche. Voraussetzung ist, dass diese Stunden auf entsprechend viele Arbeitstage verteilt sind.

Was einige Arbeitnehmer nicht wissen: Das BUrlG regelt lediglich den Mindestanspruch. Es steht Ihrem Arbeitgeber also frei, Ihnen mehr Urlaub zu gewähren und häufig weichen Urlaubsregelungen im Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarungen vom gesetzlichen Urlaubsanspruch ab.

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens zwölf zusammenhängende Urlaubstage.

So hoch ist der gesetzliche Urlaubsanspruch bei Teilzeit

Der gesetzliche Mindesturlaub für alle Arbeitnehmer liegt bei 24 Werktagen. Da zum Entstehungszeitpunkt des Gesetzes eine 6-Tages-Arbeitswoche noch üblich war und der Samstag ebenfalls ein Werktag ist, beziehen sich diese 24 Tage Urlaub darauf.

Anteilig stehen Arbeitnehmern bei einer 5-Tages-Woche 20 Urlaubstage zu. Wer also jede Woche von Montag bis Freitag in Teilzeit arbeitet, hat ebenfalls 20 Tage Urlaubsanspruch. Die Anzahl der Urlaubstage ändert sich lediglich, wenn sich die Anzahl der Arbeitstage ebenfalls ändert.

Ist eine 5-Tage-Woche im Betrieb vorgesehen, gehen Sie von 20 Urlaubstagen aus. Dazu errechnen Sie Ihren persönlichen Urlaubsanspruch bei Teilzeit wie folgt:

20 Urlaubstage (pro Jahr) geteilt durch fünf Werktage, multipliziert mit der Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage, ergibt den gesetzlichen Urlaubsanspruch bei Teilzeit.

Beispiele

  • Urlaubsanspruch bei einer 4-Tage-Woche: 20 : 5 * 4 = 16 Urlaubstage
  • Urlaubsanspruch bei einer 3-Tage-Woche: 20 : 5 * 3 = 12 Urlaubstage

Die Anzahl der Urlaubstage variiert zwar – nämlich abhängig davon, wie viele Tage Sie arbeiten -, nicht jedoch die Urlaubshöhe insgesamt: In allen Fällen steht Ihnen vier Wochen Erholungsurlaub zu.

Anzahl der Tage abhängig vom Arbeitsvertrag

Nun kann der Arbeitsvertrag aufgrund tariflicher Bestimmungen oder individueller Verhandlungen mit dem Arbeitgeber eine andere Anzahl an Urlaubstagen vorsehen.

Eine allgemeine Formel für Ihren persönlichen Urlaubsanspruch sieht dann folgendermaßen aus:

Vereinbarte Urlaubstage (pro Jahr) geteilt durch die Anzahl der Werktage Ihres Unternehmens, multipliziert mit Ihren Arbeitstagen, ergibt Ihren individuellen Urlaubsanspruch.

Beispiele

Ein Arbeitnehmer, dem beispielsweise 25 Tage Urlaub laut Arbeitsvertrag zustehen, rechnet folgendermaßen:

  • Urlaubsanspruch bei einer 4-Tage-Woche: 25 : 5 * 4 = 20 Urlaubstage
  • Urlaubsanspruch bei einer 3-Tage-Woche: 25 : 5 * 3 = 15 Urlaubstage

In manchen Fällen können sich Bruchteile in der Berechnung der Urlaubstage ergeben. Für diesen Fall hält das BUrlG in § 5 Absatz 2 fest, dass auf einen vollen Urlaubstag aufzurunden ist, wenn die Bruchteile mindestens einen halben Tag ergeben.

Beispiele

Ein Arbeitnehmer, dem beispielsweise 26 Tage Urlaub laut Arbeitsvertrag zustehen und der in Teilzeit arbeitet, rechnet folgendermaßen:

  • Urlaubsanspruch bei einer 4-Tage-Woche: 26 : 5 * 4 = 20,8 = 21 Urlaubstage
  • Urlaubsanspruch bei einer 3-Tage-Woche: 26 : 5 * 3 = 15,6 = 16 Urlaubstage

Berechnung von Urlaubsanspruch bei unregelmäßiger Teilzeit

Etwas anders funktioniert die Berechnung, wenn ein Teilzeitbeschäftigter keine festen Arbeitstage hat. Betroffen sind häufig Servicekräfte in der Gastronomie, wer einen Minijob ausübt oder als Werkstudent arbeitet. Kommt er nicht jede Woche an gleich vielen Arbeitstagen, muss der Urlaubsanspruch bei Teilzeit anders berechnet werden.

Grundlage der neuen Berechnung ist die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit im jährlichen Durchschnitt. Die Formel bei unregelmäßiger Teilzeitarbeit lautet:

Vereinbarte Urlaubstage geteilt durch die Jahreswerktage des Unternehmens, multipliziert mit der Anzahl Ihrer Arbeitstage im Jahr, ergibt den Urlaubsanspruch.

Ergeben sich Bruchteile bei der Berechnung, gilt auch hier: Alles, was mehr als einen haben Tag ergibt, muss zu einem ganzen Urlaubstag aufgerundet werden.

Sonderfall: Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit

gesetzlicher Urlaubsanspruch Teilzeit 25 20 15 Stunden unregelmäßige Arbeitszeit 4-Tage-WocheWas passiert nun mit dem Urlaubsanspruch, wenn ein Arbeitnehmer mitten im Jahr von einer Vollzeitstelle in die Teilzeit wechseln möchte? Bis vor wenigen Jahren bedeutete das, dass der Urlaubsanspruch des Jahres an die nun reduzierte Anzahl der Arbeitstage angeglichen wurde.

Wer also beispielsweise zuvor bei einer 5-Tage-Woche einen Urlaubsanspruch von 20 Tagen hatte und ab der Jahresmitte nur noch an vier Tagen 20 Stunden in Teilzeit arbeitete, hatte fortan nur noch 16 Tage insgesamt. Allerdings wertete der Europäische Gerichtshof (EuGH) diese nachträgliche Kürzung als Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot.

Demnach darf der zur Zeit der Vollzeitbeschäftigung erworbene Urlaubsanspruch nicht reduziert werden (EuGH, Beschluss v. 13.06.2013, Az.: C 415/12). Vielmehr wird der Urlaub der Vollzeittätigkeit unabhängig von der Zeit der Teilzeittätigkeit berechnet.

Das heißt, es wird gesondert der erworbene Urlaubsanspruch in der Zeit während der Vollzeittätigkeit betrachtet und mit dem erworbenen Urlaubsanspruch aus der Teilzeit addiert. Dieser Beschluss hat nicht nur Konsequenzen für die Anzahl der freien Tage, sondern wirkt sich auch positiv auf das Urlaubsentgelt aus.

Denn das richtet sich für die Tage aus Ihrer Vollzeittätigkeit nach dem entsprechenden Bruttogehalt. Wer also bereits in Teilzeit arbeitet, aber noch Urlaubstage aus der Vollzeitarbeit hat, bekommt den Urlaub auch der Vollzeitarbeit gemäß vergütet.

Das Verbot, die Urlaubstage zu kürzen gilt auch, wenn der Arbeitnehmer bis zum Wechsel in die Teilzeit seine Urlaubstage nicht mehr vollständig in Anspruch nehmen kann.

Krankheit und Schwerbehinderung bei Teilzeitarbeit

Der Urlaubsanspruch bei Teilzeit wird auch durch Krankheit nicht gemindert – etwa wenn ein Arbeitnehmer vier Wochen krankheitsbedingt ausgefallen ist. Kann der Arbeitnehmer dadurch den vollständigen Urlaub nicht im selben Kalenderjahr nehmen, muss der Resturlaub aufs nächste Jahr übertragen werden.

Für gewöhnlich gilt dann der 31. März des Folgejahres als Stichtag, bis zu dem der Resturlaub genommen werden kann. Schwerbehinderte haben pro Jahr Anspruch auf eine weitere Woche Zusatzurlaub.

Für Teilzeitbeschäftigte heißt dies dementsprechend mehr Tage – bei einer 3-Tage-Woche also der normale Urlaubsanspruch plus weiteren drei Tagen, bei mehreren Arbeitstagen pro Woche mehr.

[Bildnachweis: shurkin_son by Shutterstock.com]

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11. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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