Urlaubsanspruch: So berechnen Sie ihn

Wer ein neues Arbeitsverhältnis beginnt, interessiert sich zumeist brennend für seinen Urlaubsanspruch. Der kann nämlich von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich sein. Allerdings innerhalb bestimmter gesetzlicher Vorgaben. Genau um diese geht es hier: Wie hoch ist der gesetzliche Urlaubsanspruch von Arbeitnehmern? Wie hoch ist der Urlaubsanspruch bei Teilzeit? Und was passiert mit dem Urlaubsanspruch bei Krankheit oder im Falle einer Kündigung? Gibt es einen steigenden Urlaubsanspruch mit höherem Alter? Diese und weitere Fragen klären wir nachfolgend…

Urlaubsanspruch: So berechnen Sie ihn

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Wie viel Urlaub steht Ihnen mindestens zu?

Jedem Arbeitnehmer stehen wenigstens 24 bezahlte Werktage zu. Werktage heißt alle Tage außer Sonn- und Feiertage. Diese Regelung zum gesetzlichen Urlaubsanspruch findet sich im „Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer“, kurz: Bundesurlaubsgesetz (BUrlG).

Sie bezieht sich auf eine sechstägige Arbeitswoche (inklusive dem Werktag Samstag), die zum Entstehungszeitpunkt des Gesetzes noch üblich war. Für eine 5-Tages-Arbeitswoche (wie sie heutzutage in den meisten Betrieben üblich ist) bedeutet das einen anteiligen Urlaubsanspruch von 20 Tagen, also vier Wochen im Jahr.

Aber das muss nicht Ihrem tatsächlichen Urlaub entsprechen. Ihr Arbeitsvertrag kann einen anderen Urlaubsanspruch vorsehen. Auch haben Tarifverträge oft abweichende Konditionen, 30 bezahlte Urlaubstage sind dort keine Seltenheit.

Wie hoch Ihr gesetzlicher Urlaubsanspruch ist, hängt allerdings noch von anderen Faktoren ab:

  • Schwerbehinderte

    Arbeitnehmer mit einer anerkannten Schwerbehinderung erhalten Zusatzurlaub. Das bedeutet fünf weitere Urlaubstage bei Vollzeitbeschäftigung, wenn sie eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung ab einen Grad von mindestens 50 haben.

  • Jugendliche

    Zudem ist der Urlaubsanspruch altersgerecht bei Jugendlichen gestaffelt: Wer zu Beginn des Kalenderjahres noch keine 16 Jahre alt ist, hat 30 Urlaubstage pro Jahr. Wer noch keine 17 Jahre alt ist, erhält 27 Urlaubstage und wer noch keine 18 Jahre alt ist, dem stehen 25 Tage Mindesturlaub zu.

Übrigens ist bei Senioren beziehungsweise älteren Arbeitnehmern üblicherweise kein altersgerechter Urlaubsanspruch festgelegt. Dass ältere Arbeitnehmer bei körperlich anstrengender Arbeit ein größeres Erholungsbedürfnis haben, liegt auf der Hand.

Trotzdem wertet das Gesetz mehr Urlaub bei steigendem Alter als Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Eine Ausnahme kann in einzelnen Fällen gerechtfertigt sein, wenn etwa sehr schwere körperliche Arbeit verrichtet wird und der Betrieb älteren Arbeitnehmern mehr Urlaub gewährt.

Wie hoch ist der Urlaubsanspruch bei Teilzeit?

Teilzeitkräften steht genauso viel Urlaub zu wie Vollzeitbeschäftigten. Entscheidend für die Berechnung der Urlaubstage von Teilzeitkräften ist, wie viele Tage die Woche sie arbeiten gehen. Die Stundenzahl hat keinen Einfluss.

Wer von Montag bis Freitag jeden Tag von 9 bis 12 Uhr arbeitet, also eine 5-Tages-Woche hat, dem stehen ebenfalls 20 Tage Urlaubsanspruch zu. Die Anzahl der Urlaubstage verringert sich nur dann, wenn die Anzahl der Arbeitstage sich verringert.

Wer als Teilzeitkraft weniger Tage arbeitet, geht folgendermaßen vor, um seinen Urlaubsanspruch zu berechnen:

20 Urlaubstage (pro Jahr) geteilt durch fünf Werktage, multipliziert mit der Anzahl der tatsächlichen Arbeitstage, ergibt den gesetzlichen Urlaubsanspruch bei Teilzeit.

1. Beispiel

Urlaubsanspruch bei einer 4-Tage-Woche: 20 : 5 * 4 = 16 Urlaubstage

2. Beispiel

Urlaubsanspruch bei einer 3-Tage-Woche: 20 : 5 * 3 = 12 Urlaubstage

Die Urlaubshöhe insgesamt bleibt dabei immer identisch – ganz gleich, wie viele Urlaubstage herauskommen, am Ende haben Sie vier Wochen Urlaubsanspruch.

Das gleiche Prinzip gilt, wenn Ihr Urlaubsanspruch über dem gesetzlichen Mindesturlaub liegt:

1. Beispiel

Ein Arbeitnehmer geht vier Tage die Woche arbeiten. Seine Kollegen in Vollzeitarbeit haben 24 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche. Für den Urlaubsanspruch bei Teilzeit rechnen Sie 24 : 5 * 4 = 19,2 Urlaubstage. In diesem Fall wird auf 19 Tage Urlaubsanspruch abgerundet – aufgerundet wird erst ab einem halben Tag.

2. Beispiel

Ein Arbeitnehmer geht vier Tage die Woche arbeiten. Seine Kollegen in Vollzeitarbeit haben 27 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche. Für den Urlaubsanspruch bei Teilzeit rechnen Sie 27 : 5 * 4 = 21,6 Urlaubstage. In diesem Fall wird aufgerundet, dem Arbeitnehmer stehen 22 Urlaubstage zu.

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Wann besteht voller Urlaubsanspruch?

Ein hartnäckiger Irrtum, der sich lange hält, ist der, dass Arbeitnehmer in der Probezeit keinen Urlaubsanspruch hätten. Das stimmt so nicht. Aber: Der gesetzliche Urlaubsanspruch bezieht sich auf das ganze Jahr.

Ein Arbeitnehmer in Probezeit, der im April angefangen hat und gerade mal seit drei Monaten im Unternehmen beschäftigt ist, kann nicht genauso viele Urlaubstage haben wie die Kollegen, die das volle Kalenderjahr dort angestellt sind. Vielmehr erwirbt er mit jedem vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs.

Das macht alle vier Wochen 1,67 Urlaubstage (20 Tage im Jahr geteilt durch 12 Monate). Der volle Urlaubsanspruch besteht erst nach dem sechsten Monat der Betriebszugehörigkeit. Würde der Arbeitnehmer im Juli Urlaub nehmen wollen, hätte er bereits fünf Urlaubstage – eine komplette Arbeitswoche – zusammen.

Auch wenn die Probezeit beispielsweise ein halbes Jahr dauert, kann er Urlaub in dieser Zeit beantragen. Ob er ihn allerdings gewährt bekommt, ist eine andere Frage. Die zeitliche Lage kann der Chef mit Verweis auf dringende betriebliche Belange oder andere Arbeitnehmer (beispielsweise mit schulpflichtigen Kindern) bestimmen (§ 7 Abs. 1 BUrlG).

Für wen existiert der gesetzliche Urlaubsanspruch?

Das Bundesurlaubsgesetz formuliert in § 1 ganz klar, dass jeder Arbeitnehmer in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub hat. Das schließt folgende Arbeitnehmertypen ein:

  • Angestellte
  • Arbeiter
  • Auszubildende
  • Heimarbeiter
  • Praktikanten (bei freiwilligem Praktikum)
  • Teilzeitbeschäftigte
  • Trainees
  • Volontäre
  • arbeitnehmerähnliche Personen (wie Selbständige und freie Mitarbeiter, sofern sie von dem Unternehmen wirtschaftlich abhängig sind)

Der gesetzliche Urlaubsanspruch gilt demnach nicht für Praktikanten, die beispielsweise im Rahmen Ihres Studiums ein Pflichtpraktikum absolvieren. Außerdem ist als Mindestdauer ein Monat vorgesehen, um Urlaubsanspruch erwerben zu können.

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Kann der Urlaub am Ende des Jahres verfallen?

Um sich von der Arbeit zu erholen, sieht das Gesetz vor, dass Arbeitnehmer im Laufe des Jahres ihren Urlaubsanspruch umsetzen. Es können persönliche Gründe (längere Krankheit) oder betriebliche Erfordernisse dazu führen, dass jemand seinen Urlaub nicht im selben Kalenderjahr nehmen kann.

In solchen Fällen wird der Resturlaub meist ins neue Jahr übertragen. Üblicherweise muss er im neuen Jahr bis zum 31. März genommen werden. Aber auch dann verfällt der Urlaub nicht automatisch: Das hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vor zwei Jahren festgestellt.

Vielmehr muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter darauf hinweisen, dass er noch Urlaub zu nehmen hat. Erst wenn der Arbeitgeber nachweisen kann, dass er den Mitarbeiter sowohl auf den noch zu nehmenden Urlaub als auch auf den drohenden Verfall hingewiesen hat, kann Urlaub am Ende des Jahres verfallen.

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Was wird aus dem Urlaubsanspruch bei Krankheit?

Sie haben Ihren Urlaub bereits eingereicht und werden krank? Das passiert gar nicht so wenigen. Leisure sickness heißt das Phänomen – die Krankheit nach dem Stress. Bis zum Schluss hat der Körper noch sämtliche Abwehrkräfte für die anstehenden Aufgaben mobilisiert, aber irgendwann reicht es auch. Welchen Einfluss hat das auf den Urlaubsanspruch?

Urlaub dient der Erholung. Daher die wichtigste Info: Ihr Urlaub verfällt auch dann nicht. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Sie sich beim Arbeitgeber umgehend krankmelden und ein ärztliches Attest vorlegen. Die eingereichten Tage werden dann nicht als Urlaub angerechnet.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Sie sie im Anschluss an Ihre Krankheit einfach „dranhängen“ können. Im Gegenteil: Das würde als Selbstbeurlaubung gewertet und wäre ein Grund für eine fristlose Kündigung. Stattdessen müssen Sie also wie gehabt Ihren Arbeitgeber um Erlaubnis bitten.

Etwas verschärfter sind die Bedingungen, wenn Sie sich zur Zeit Ihrer Erkrankung während des Urlaubs im Ausland aufhalten. Dann müssen Sie sich sofort beim Arbeitgeber krankmelden und die Arbeitsunfähigkeit sowie voraussichtliche Dauer der Erkrankung mitteilen. Zusätzlich sind Sie verpflichtet, Ihren Aufenthaltsort anzugeben und Ihre Krankenkasse zu informieren.

Können Urlaubstage ausgezahlt werden?

Eigentlich nicht. Denn eine Auszahlung in Geld anstelle der genommenen Urlaubstage würde dem Erholungscharakter des Urlaubs zuwiderlaufen. Allerdings keine Regel ohne Ausnahme:

Ihr Arbeitgeber kann den Resturlaub auszahlen, wenn es Umstände gibt, die verhindern, dass Sie ihn noch vor Ende Ihres Arbeitsverhältnisses nehmen. Etwa, weil…

  • Sie und Ihr Chef einen Aufhebungsvertrag mit sofortiger Wirkung schließen.
  • Sie noch dringend zur Einarbeitung eines Nachfolgers benötigt werden.
  • Sie wegen eines schweren Verstoßes von Ihrem Chef fristlos gekündigt wurden.
  • Sie lange Zeit krank waren und den Urlaub nicht nehmen konnten.

Kann der Arbeitnehmer seinen Urlaub nicht mehr nehmen, muss ihm der Arbeitgeber den Resturlaub in Form der sogenannten Urlaubsabgeltung auszahlen. Grundlage für die Berechnung der Urlaubsabgeltung ist der Verdienst, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat.

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Darf der Chef eine Urlaubssperre verhängen?

Vom Grundsatz her haben Arbeitnehmer das Recht auf zusammenhängenden Urlaub, und zwar zwölf Werktage am Stück bei einer 6-Tage-Woche, also zwei freie Wochen. Auch die zeitliche Festlegung des Arbeitnehmers hat berücksichtigt zu werden.

Aber: In dringlichen betrieblichen Fällen darf Ihr Arbeitgeber das anders handhaben. Würde die Berücksichtigung sämtlicher Arbeitnehmerwünsche zum Zusammenbruch des betrieblichen Ablaufs führen, wird kein Urlaub unter diesen Kriterien gewährt.

Heißt:

  • Der Urlaub kann beispielsweise für Betriebsferien gestückelt werden.
  • Die bevorzugte Reisezeit wird nicht genehmigt, weil einem Arbeitgeber mit Kindern der Vorzug gewährt werden muss.
  • Es wird eine Urlaubssperre für eine bestimmte Zeit verhängt, weil viele Aufträge abgearbeitet werden müssen.

Dringliche betriebliche Gründe können auch vorliegen, wenn ein Arbeitgeber einmal genehmigten Urlaub wieder streicht. Beispielsweise, wenn eine Krankheitswelle die halbe Belegschaft flach legt, aber wichtige Projekte beendigt werden müssen.

Es muss allerdings nachweislich die Existenz des Unternehmens daran hängen, denn einmal zugesicherter Urlaub darf nicht einfach zurückgenommen werden. Sind Sie bereits verreist, hat sich diese Frage erst recht erledigt: Sie sind nicht verpflichtet, den Urlaub abzubrechen und zurückzukehren.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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18. Juli 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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