Vom Praktikanten zum Geschäftsführer: Wie geht das?

Als Praktikant ein- und innerhalb von zehn Jahren zum Geschäftsführer aufsteigen – so schnell und steil erklimmen nur wenige die Karriereleiter im Debüt-Unternehmen. Dirk Czepluch hat es geschafft. 2004 absolvierte der frischgebackene Entwicklungsingenieur ein Praktikum beim Münchener Elektronikkonzern Rohde & Schwarz. Zehn Jahre später ist er Geschäftsführer und Chief Technical Officer (CTO) der Tochtergesellschaft Ipoque in Leipzig. Vom Praktikanten zum Geschäftsführer: Wie geht das? Karrierebibel hat Czepluch gefragt.

Vom Praktikanten zum Geschäftsführer: Wie geht das?

„Bitte keine stillen Entwickler mit Tunnelblick“

Herr Czepluch, wie steigt man innerhalb von zehn Jahren vom Praktikanten zum Geschäftsführer auf?

Ganz wichtig ist es, einen Arbeitgeber zu haben, der steile Karrieren auch fördert. Indem er einen von Anfang mit ernsthaften Aufgaben betraut und auch vor Herausforderungen stellt. Das war bei mir zum Glück der Fall. Und persönlich halte ich es auch für wichtig, dass man für seine Tätigkeit brennt und nicht nur im stillen Kämmerlein vor sich hin arbeitet. Mir hat sicher auch eine Portion Mut geholfen. Mut, die Aufgaben, die einem gestellt werden, zu 100 Prozent anzunehmen.

2004 haben Sie als Praktikant bei Rohde & Schwarz angefangen und wurden dann Werkstudent. Welche Erfahrungen oder Lektionen haben Sie aus dieser Zeit als „Lehrling“ besonders mitgenommen?

Das Schöne war, dass ich während meines Praktikums an realen Projekten arbeiten durfte, dabei sehr viel Freiraum genossen habe und früh eigenverantwortlich arbeiten konnte. Damals arbeitete ich zum Beispiel an einem WiMAX-Projekt, dem Konkurrenz-Standard zu LTE. Nachdem WiMAX gegenüber LTE scheiterte, wurde das Projekt eingestellt. Für uns war es trotzdem richtig, dieses Projekt zu starten, aber auch genauso richtig, es immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Das war eine Erfahrung, die man in keinem Lehrbuch nachlesen kann. Auch einer der Gründe, warum ich mich dann bei Rohde & Schwarz beworben habe. Das ist genau das, was mir bis heute gefällt.

Häufig ist es ja so, dass der Lehrling im eigenen Haus nichts gilt. Warum ist das bei Ihnen anders?

Das ist der Vorteil eines Familienunternehmens: Im Gegenzug für großes Engagement bieten wir Praktikanten und Werkstudenten zunächst mal eine Ausbildung. Kaffee kochen tut hier auch der Chef, und nur Kopierer bedienen braucht man bei uns nicht.

Hatten Sie so etwas wie einen Mentor, einen persönlichen Förderer, oder haben Sie sich ihre heutige Position aus eigener Kraft erarbeitet?

Nein, es gab keinen Mentor. Ich habe mich immer mit dem ganzen Team ausgetauscht. Das war mir immer wichtig. In Diskussionen kommt man zu den besten Lösungen. Als frisch gebackener Absolvent war ich zwar mit den neusten Technologien ausgerüstet und bin dann im Job auf die Wirklichkeit getroffen. In meinem Fall hab ich von unseren Entwicklern Pragmatismus gelernt. Und ich konnte ihnen im Gegenzug dabei helfen, ihre Produkte noch besser zu machen.

Sie sind vom festangestellten Ingenieur erst zum Projektleiter aufgestiegen, dann zum Gesamtprojektleiter, 2013 zum Laborleiter und nun zum Geschäftsführer. Wie viele Überstunden mussten Sie dafür abreißen?

Es waren wirklich nicht die Stunden pro Tag, die zählten. Was zählte, waren die Ergebnisse am Ende des Projektes. Im Gegenteil: Viel wichtiger als dauernd Überstunden zu machen war es, auch mal einen Schritt zurück zu treten, um dann noch einen schnelleren Weg zum Ziel zu finden.

Wenn Sie nun in einem Bewerbungsgespräch einem Bewerber gegenübersitzen, worauf achten Sie am meisten?

Neben dem fachlichen Können schaue ich insbesondere darauf, ob die Bewerber dieses Funkeln in den Augen haben. Ich suche Problemlöser mit kreativen Ideen, keine stillen Entwickler mit Tunnelblick. Im Bewerbungsgespräch versuche ich herauszufinden, wie sehr die Kandidaten den Willen haben, sich in ihrem Gebiet weiter zu entwickeln. Dabei meine ich nicht nur das Fachliche. Strebt jemand keine Fachkarriere, sondern lieber eine Führungskarriere an, ist das bei persönlicher Eignung genauso gut möglich. Letztlich ist mir wichtig, bei den Bewerbern darauf zu schauen, welches Potenzial sie haben, sowohl fachlich als auch persönlich.

Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass viele Unternehmen zu wenig Wert auf Förderung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter legen? 

Ich halte es für wichtig, die Mitarbeiter weiter zu entwickeln, ohne sie aber in eine Art Qualifizierungskorsett zu zwängen. Man muss den individuell richtigen Weg für jeden Mitarbeiter finden. Auch für die Innovationsstärke in Deutschland ist es enorm wichtig, sich nicht einfach nur auf den aktuellen Leistungen und einer momentanen Gewinnspanne auszuruhen. Ich sehe jedenfalls mittlerweile eine positive Tendenz in den Unternehmen, was die Entwicklung ihrer Mitarbeiter angeht.

Hat es nicht auch Nachteile, nie die Firma gewechselt zu haben?

Das würde ich in meinem Fall eindeutig verneinen. Wir haben anspruchsvolle Entwicklungsaufgaben, eine extrem hohe Fertigungstiefe, eine breite Produktpalette und auch verschiedene Tochterfirmen: Abwechslung und berufliche Herausforderungen gibt es also in jeder Abteilung und mit jedem neuen Projekt. Davon abgesehen sind die einzelnen Standorte jeweils sehr unterschiedlich. Als ich von München nach Leipzig zur Rohde & Schwarz-Tochter ipoque wechselte, kam ich von einem Großkonzern mit Betriebsrestaurant, Fitnessstudio und internen Hausmessen plötzlich in eine Startup-Kultur. Das war wie ein Firmenwechsel im Kleinen.

Wie lange bleiben Sie denn noch bei Ihrem jetzigen Arbeitgeber?

Ich bleibe noch so lange, wie es Lösungen zu entwickeln gibt, die einzigartig auf der Welt sind. Und so lange ich das mit einem Team tue, das dafür brennt – das heißt bei meinem jetzigen Arbeitgeber wohl: noch sehr lange.

Herr Czepluch, vielen Dank für das Gespräch.

[Bildnachweis: LuckyImages]
12. Juni 2015 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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