10 Gründe, warum wir Listen lieben

Was ist zum Beispiel mit Lieblingsbüchern? Lieblingsfilmen? In welche Länder würden Sie unbedingt noch (einmal) reisen wollen? Und welche Berufe haben Sie schon ausgeübt oder mit wem der Kollegen würden Sie gerne abends mal einen Wein trinken gehen – oder gar weiter gehen? Natürlich müssen Sie die Fragen hier und jetzt nicht beantworten. Aber für jede dieser Fragen gibt es Antworten – vor allem in Listenform. Es gibt Gästelisten, Spendenlisten, Frageliste, Mitgliederlisten, Wahl- und Wählerlisten, Gehaltslisten, Fahndungslisten, Wartelisten, Inventurlisten, Verbotslisten, Ranglisten oder Wunschlisten. Nur chinesische Listen sind etwas anderes. Und doch haben alle etwas gemein: Wir lieben Listen. Schon immer haben Rankings, Tabellen und Hitparaden die Menschen fasziniert und interessiert, selbst die von zweifelhaftem Wert. Sie sind ein enormer Lesermagnet – nur warum?

10 Gründe, warum wir Listen lieben

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel

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Listen fühlen sich gut an

Das Internet ist voll mit Listen. Ein ganzes Genre, die sogenannten Lifehacker, lebt von deren Anziehungskraft. Wir nehmen uns da übrigens nicht aus – wir selbst nutzen Listen gerne und häufig auf dieser Seite. Aus diversen Gründen – aber der entscheidende ist wohl: Listen fühlen sich besser an.

Schon 2011 untersuchten die Psychologen Claude Messner und Michaela Wänke das Phänomen des sogenannten Entscheidungs-Paradoxon. Kurz gesagt bedeutet das: Je mehr Optionen wir zur Auswahl haben, desto schwerer tun wir uns mit der Entscheidung und desto unwohler fühlen wir uns dabei. Menschen haben es halt gerne einfach.

Eine Liste dagegen – egal, wie lang sie ist – verspricht einem schon durch ihre Konstruktion ein definitives Ende möglicher Optionen. Klar, je länger die Liste wird, desto mehr schmilzt der Vorteil ab. Aber eine kurze, knackige von 7, 10, 20 Punkten reduziert nicht nur ein komplexes Thema auf eben diese begrenzte Punktezahl – sie vereinfacht es einem auch, die jeweilig und individuell beste Option schnell herauszufinden und zu wählen. Und das fühlt sich in unserer Oberstube einfach gut an.

Natürlich gibt es noch weitere gute Gründe für unsere Listenvorliebe. 10 Gründe, warum wir Listen lieben, fallen uns sofort ein. Und die – wie sollte es bei diesem Thema auch anders sein – haben wir in Form einer Liste aufbereitet…

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Die Top 10, warum wir Listen lieben

  1. Gott hat es vorgemacht.

    Liste GeboteAls Gott den Menschen seinen Willen mitteilen wollte, gab er Ihnen zehn Gebote auf den Weg. Eigentlich waren es ja deutlich mehr. Aber diese zehn sind die wichtigsten – und deshalb wohl auch bekanntesten. Selbst diese gehorchen einer Rangfolge. So schränkte Jesus selbst ein: Die beiden wichtigsten Gebote davon seien: Du sollst Deinen Herrn und Gott von ganzem Herzen lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Und wenn schon Gott selbst Listen liebt – wer sind wir, dass wir sie ablehnen?

  2. Listen verringern Komplexität.

    Liste GeboteInsbesondere wenn es darum geht, Produkte vergleichbarer zu machen, vereinfachen Listen den Arbeitsaufwand enorm. Die Stiftung Warentest macht sich dieses Prinzip regelmäßig zunutze: Statt ewig langen Textwüsten, die beschreiben, was dieses oder jenes Produkt so alles kann oder nicht, legt die Redaktion die wichtigsten Verbraucherkriterien fest, prüft und bewertet diese und fasst die Ergebnisse in einer übersichtlichen Tabelle zusammen. Statusreports und Excel-Tabellen machen teils nichts anderes.

  3. Listen ordnen das Chaos.

    Liste GeboteWir leben in einer Zeit des Informationsüberflusses – um nicht gleich vom Infoterror zu sprechen. Das ganze Universum, so kommt es einem jedenfalls manchmal vor, steckt voller sinnloser Zufälle und chaotischer Abfolgen. Listen bringen dieses Durcheinander zumindest scheinbar in Ordnung – auch wenn sich manche Dinge zugegebenermaßen nicht so einfach in eine Liste pressen lassen. Doch selbst wenn sich Äpfel und Birnen nicht vergleichen lassen – auf einer Liste der beliebtesten Früchte existieren sie in friedlicher Harmonie.

  4. Listen machen populär.

    Liste GeboteWer ist die Nummer eins der deutschen Album-Charts? Wie heißen die 500 reichsten Menschen der Welt? Wer ist Deutschlands Alpha-Blogger? Wer ist heiß – wer nicht? Ranglisten sind ambivalent: Sie erfüllen unser Bedürfnis nach Wettbewerb und Vergleichbarkeit. Wer sie anführt, dem haftet der Nimbus eines Siegers an. Die zweite Dimension ist, auf solchen Listen überhaupt zu erscheinen: Wer ein Buch geschrieben hat, will in der Regel irgendwann auf einer Bestsellerliste auftauchen – und sehen wo die anderen stehen. Zuweilen ist es allerdings auch besser, gar nicht erwähnt zu werden, dann etwa, wenn man Platz 100 auf einer Top100-Liste zugewiesen bekommt. Es sei denn, es handelt sich um eine Negativ-Liste, zum Beispiel die der 100 unsexiest women alive.

  5. Listen erleichtern das Erinnern.

    Liste GeboteDas simpelste Beispiel hierfür ist wohl die Einkaufsliste: Eier, Butter, Zucker, Milch – Was wollte ich doch gleich besorgen? Aber auch Rezepte und die eben schon beschriebenen Ranglisten helfen dabei, Wesentliches zu memorieren. Gezielt und systematisch angewandt, können sie allerdings noch mehr. Was direkt zur nächsten These überleitet:

  6. Listen verhindern das Prokrastinieren.

    Liste GeboteInsbesondere dann, wenn es sich um eine To-Do-Liste handelt. Ihr Sinn besteht vor allem im Selbstmanagement, indem anstehende Aufgaben gewichtet und nach Relevanz sortiert werden. So bekommt man sowohl eine Übersicht über den Arbeitsaufwand als auch über die Arbeiten selbst, beziehungsweise das, was bereits erledigt wurde. Ebenso sieht man sehr schnell, was man am Tag schaffen muss beziehungsweise kann und vermeidet so Überlastung oder Unterforderung. To-Do-Listen sind also beides: Plan und (Erfolgs-)Kontrolle, indem man Erledigtes abhakt. Nächster Punkt…

  7. Listen amüsieren.

    Liste GeboteDas Leben ist kurz – Listen zum Glück auch. Das macht sie nicht nur extrem lesefreundlich, es spart auch Zeit und sorgt für Ablenkung und Amüsement. Vor allem wenn die Listen nicht allzu ernst gemeint sind. Etwa eine Liste über den beliebtesten Wurstbelag, eine Hitparade der schlechtesten Aprilscherze aller Zeiten, ein Ranking der dümmsten Powerpointpräsentationen, der schlechtesten Manager oder peinlichsten Sexunfälle. Solche Übersichten erfüllen nicht wirklich ein Informationsbedürfnis und fallen eher in die Kategorie nutzloses Wissen – jedoch mit so hohem Unterhaltungswert, dass es inzwischen eigens Webseiten dafür gibt.

  8. Listen fordern heraus.

    Liste GeboteDeutschlands beliebteste Arbeitgeber; die besten Unis; bin ich sexy? – solche Listen spornen an. Gewiss, manche Menschen mehr als andere. Aber gerade im Wirtschaftsleben, das von Wettbewerb und den Kämpfen um Kunden, Marktanteile und Talente beherrscht wird, fordern sie die Beteiligten heraus, ihren Rangplatz und Status mindestens zu verteidigen. Und nicht zuletzt sind die Listen ein wichtiger Teil der Markenbildung.

  9. Listen fordern uns heraus.

    Liste GeboteMal ehrlich: Lesen Sie Listen gerne, denen Sie 100 Prozent zustimmen? Eben. Listen sind eine wunderbar kompakte Offerte zum Widerspruch und zur Diskussion. Sie animieren Leser dazu, nach besseren Beispielen zu suchen. Deshalb sind Listen auch erst dann stimmig, wenn Sie Fehler enthalten.

  10. Listen machen den Listenführer populär.

    Liste GeboteWeil Menschen aus den bereits genannten Gründen Listen lieben, verschaffen sie dem Autor solcher Hitparaden viel Aufmerksamkeit – ein Umstand, den insbesondere Zeitungen und Zeitschriften immer wieder Nutzen. Blogger aber auch. Und da wenige Zahlen offenbar mächtiger sind als viele Worte, bringen Listen Leser dazu, jeden Text bis zum Ende zu lesen, egal wie trivial das Thema ist. Wie dieser Beitrag beweist.

[Bildnachweis: Jochen Mai]
4. April 2009 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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