Was Top-Manager Ihren Kindern raten

Spätestens mit der Geburt der Kinder plagt Eltern die bange Frage, was wohl mal aus ihren Sprösslingen wird. Frei wählen können sollen sie einmal, beste Berufschancen haben, Top-Schulnoten sowieso, jedenfalls bessere als man selbst. Ein Universitätsabschluss wäre auch nicht schlecht. Dazwischen Praktika, zur Orientierung. Aber wird das reichen? Was raten Top-Manager ihren Kindern, also jene, die es bis nach ganz oben geschafft haben? Schließlich ist ihre Mitgift optimal: Sie verfügen über beste Kontakte und Informationen aus erster Hand. Die Antworten lesen Sie hier…

Was Top-Manager Ihren Kindern raten

Manager-Umfrage: Was raten Sie Ihren Kindern?

Peter Bauer, CEO Infineon Technologies. Bauer hat zwei Kinder im Alter von neun und elf Jahren:

Es bedarf immer eines erfolgreichen Teams, um nachhaltigen Erfolg haben zu können. Das sollte man erfahren haben, bevor es an die Berufswahl geht.

Achim Berg, Deutschland-Chef von Microsoft. Berg hat einen zehnjährigen Sohn:

Wo Begeisterung drinsteckt, wächst die Chance auf Erfolgserlebnisse. Der alles entscheidende Punkt bleibt jedoch: Egal, wo du beruflich einsteigst, rechne nicht damit, dass du diesen Job bis in alle Ewigkeit ausüben wirst. Bleibe neugierig und sei bereit für Veränderungen.

Christian von Daniels, Geschäftsführender Gesellschafter von van Laack. Von Daniels hat drei Kinder im Alter von 8, 16 und 18 Jahren:

Fast alles heute hat eine kurze Halbwertzeit: Schule, Ausbildung, Studium, Berufswahl. Auch Spezialisierungen können sich am Ende der Ausbildung als Sackgasse erweisen. Deshalb ist das Beste, Fähigkeiten zu erwerben, die einen Menschen zum Globalisierungsgewinner machen. Reisebereitschaft sollte kein Fremdwort sein.

Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender von BASF. Hambrecht hat vier erwachsene Kinder:

Gerade in Deutschland fehlt uns naturwissenschaftlich-technischer Nachwuchs. In diesen Bereichen haben junge Menschen viele Chancen. Ich bin aber davon überzeugt, dass der stärkste Motivator in jedem Menschen selbst steckt. Nur wer Spaß an der Arbeit hat, kann wirklich gut sein und etwas Neues entwickeln.

Friedrich Joussen, Deutschland-Chef von Vodafone. Joussen ist Vater von vier Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren:

Wenn ich es mir einfach mache, sage ich: Werdet Ingenieur, denn Ingenieure werden immer und überall gesucht. Wichtig ist, Stärken zu erkennen, zu fördern und das Interesse auf möglichst vielen Feldern zu wecken. Dazu gehören auch Sport und Musik. Ich halte wenig davon, den Berufseinstieg durch immer weitere Praktika, Doktorarbeiten, MBA oder Zweitstudien aufzuschieben. Was mehr zählt, ist die Bewährung in der Praxis, erste Verantwortung, eigene Projekte. Man muss für die Dinge kämpfen, an die man glaubt.

René Obermann, Vorstandschef der Deutschen Telekom. Obermann hat zwei Töchter im schulpflichtigen Alter:

In den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, auch MINT genannt, verbergen sich viele Chancen – gerade für Frauen. 80 Prozent der Führungskräfte in der Wirtschaft kommen aus den Ingenieur-, Natur,- und Wirtschaftswissenschaften. Aber gerade mal ein Viertel der Absolventen in diesen Fächern sind Frauen. Klar braucht man auch Persönlichkeit und Durchsetzungskraft, um voranzukommen. Doch wenn in den MINT-Bereichen jedes Jahr weniger Experten ausgebildet werden, als die Unternehmen benötigen, sehe ich hier eine riesige Chance.

Markus Orth, Vorstandschef von L’Tur. Orth ist Vater von fünf Kindern im Alter von einem Monat bis 14 Jahre:

Nach dem Abitur empfehle ich einen interdisziplinären Studiengang wie beispielsweise Wirtschaftsingenieurwesen. Auslandssemester und ein flottes Studium wären zudem optimal. Und wen es in die Touristik verschlagen sollte, für den wäre die FH Worms eine sehr gute Wahl.

Kasper Rorsted, Vorsitzender der Geschäftsführung von Henkel. Rorsted hat vier Kinder im Alter zwischen einem und 13 Jahren:

Es gibt kein Patentrezept mit Erfolgsgarantie. Denn im Studium und später im Beruf sind Spaß und Interesse an der Sache mit die wichtigsten Motivations- und Erfolgsfaktoren. Internationale Erfahrungen sind heute in allen Managementpositionen Pflicht. Unabhängig von der Fachrichtung ist es daher ratsam, diese Kompetenzen bereits im Studium auszubilden.

Rolf Sigmund, Sprecher der Geschäftsführung von L’Oréal Deutschland. Sigmund hat einen Sohn (zehn) und eine Tochter (zwölf):

Wer eine berufliche Entscheidung trifft, sollte sich immer bewusst machen, dass das keine Entscheidung fürs Leben ist. Die berufliche Entwicklung hört nie auf. Jeder sollte darüber nachdenken, ob das, was er oder sie gerade macht, noch das Richtige ist oder ob es Zeit für eine Veränderung ist. Und falls das so ist, sollte man den Mut haben, neue Wege zu gehen.

Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin der Imaging & Printing Group von Hewlett-Packard. Stachelhaus’ Sohn Moritz ist 23 und studiert in München BWL:

Die Ausbildungszeit ist die Chance im Leben, Neues auszuprobieren, was nicht direkt auf einen Beruf zuführt. Auch Ferienarbeit ist gut, um zu lernen, wo das Geld herkommt und um Praxisbezug zu bekommen. Was man wirklich will, kann man auch erreichen und durchsetzen. Und natürlich dürfen dabei auch Fehler gemacht werden.

Norbert Winkeljohann, Vorstand bei PricewaterhouseCoopers. Sein Sohn Stefan ist zehn Jahre alt:

Ein Beruf reicht heute nicht aus, man braucht in Zukunft mehrere Berufe. Warum? Das Internet hat die Grenzen von Raum und Zeit gesprengt, und die Rahmenbedingungen der Wirtschaft verändern sich heute viel schneller als früher. Berufseinsteiger müssen künftig damit rechnen, dass sich ihr Berufsbild stark wandeln wird. Wer Erfolg haben will, braucht deshalb einen unbedingten Willen zu Veränderungen.

[Bildnachweis: NinaMalyna by Shutterstock.com]
23. September 2008 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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