Weiterbildung Arbeitslose: In diesen Berufen lohnt sie sich
Arbeitslosigkeit: Sie gleicht einem Stigma, das potenzielle Arbeitgeber zurückschrecken lässt. Es gibt für Arbeitslose aber einen Weg, die Ausgangslage drastisch zu verbessern. Eine Umschulung ist nämlich keineswegs nur Notnagel und letzter Ausweg, sondern erhöht die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt deutlich. Das hat eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben. Wer seinen neuen Beruf clever wählt, verbessert seine Chancen sogar um ein Vielfaches ...

Umschulung: Chance für Arbeitslose

Arbeitslose mit geringer Qualifikation finden auf dem Arbeitsmarkt nur schwer einen Job. Berufsberater oder Arbeitsagentur empfehlen dann gerne eine Umschulung. Aber ist es wirklich empfehlenswert, noch mal auf Start zurückzugehen, einen ganz neuen Beruf von der Pike auf zu lernen? Ja, sagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) - sogar sehr. Laut IAB-Analyse verbessert eine Umschulung die langfristigen Perspektiven deutlich, in bestimmten Berufsbildern sogar besonders stark.

Das IAB beobachtete dafür Arbeitslose über einen Zeitraum von vier Jahren, die an einer Umschulung teilgenommen hatten und verglich ihren Werdegang mit dem vergleichbarer Arbeitsloser, die sich nicht umschulen ließen. Hier sind die wesentlichen Ergebnisse ...

Umschulung: Darum lohnt sie sich

  • Arbeitslose, die an einer Umschulung in einem anerkannten Ausbildungsberuf teilnehmen, erhöhen ihre mittel- bis langfristigen Chancen auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich.
  • Statistisch gesehen gibt es die ersten positiven Effekte 20 Monate nach Beginn der Umschulung, jetzt steigt der Beschäftigungsanteil. Nach 28 bis 32 Monaten wird der Effekt sogar signifikant positiv. Nun finden Arbeitslose mit Umschulung mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Stelle als vergleichbare Arbeitslose ohne Umschulung. Hintergrund: Die meisten Umschulungen dauern zwei bis drei Jahre.
  • Frauen, die zuvor in der Grundsicherung (Hartz IV) waren, hatten nach vier Jahren eine um 19 Prozent höhere Beschäftigungsquote als vergleichbare Frauen, die an keiner Umschulung teilgenommen hatten. Bei Männern betrug der Effekt zwölf Prozent.
  • Der positive Effekt war bei Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld I bezogen, sogar noch ein bisschen größer. Hier haben Frauen vier Jahre nach Beginn der Umschulung eine um rund 20 Prozent höhere Beschäftigungsquote als vergleichbare Frauen ohne Umschulung. Bei Männern fällt der Effekt mit zwölf Prozent wiederum etwas niedriger aus.

Frauen profitieren insgesamt also noch stärker als Männer von einer Umschulung. Aber: Dies hängt unter anderem mit der Wahl der Berufe zusammen. Denn zwar wirkt sich eine Umschulung in nahezu allen untersuchten Berufsfeldern positiv aus. In manchen Zielberufen aber sind die Beschäftigungschancen nach einer Umschulung noch deutlich höher als in anderen (siehe Tabelle).

Der Teilnahmeeffekt beziffert dabei, wie sehr sich die Jobperspektiven durch die Umschulung verbessert haben. Beispiel Gesundheitsberufe: Hier haben Männer nach erfolgter Umschulung eine um 24 Prozent höhere Beschäftigungswahrscheinlichkeit als vergleichbare Männer ohne Umschulung. Die Teilnahmeeffekte beziehen sich dabei auf Arbeitslose, die zuvor Hartz IV bezogen haben. Für Personen mit vorherigem Arbeitslosengeldbezug sind die Quoten in der Tendenz ähnlich.

Männer: In diesen Berufen lohnt sich eine Umschulung

Beruf Teilnahmeeffekt
Gesundheitsberufe 24 Prozent
Verkehrsberufe 20 Prozent
Metallerzeugung, -verarbeitung 16 Prozent
Industrie-/Werkzeugmechaniker 15 Prozent
Elektroberufe 15 Prozent
Personenschutz-/Wachberufe 13 Prozent
Metall-/Anlagenbauer/Installateure 13 Prozent
IT-Kernberufe 12 Prozent
Groß- und Einzelhandelskaufleute 9 Prozent
Bauberufe 9 Prozent
Lager-/Transportarbeiter 8 Prozent
Kaufmännische Büroberufe 3 Prozent
Köche 3 Prozent


Frauen: In diesen Berufen lohnt sich eine Umschulung

Beruf Teilnahmeeffekt
Gesundheitsberufe 30 Prozent
Kaufmännische Büroberufe 14 Prozent
Verkaufsberufe 13 Prozent
Berufe in der Körperpflege 5 Prozent


[Quelle: IAB-Kurzbericht 22/2015, Quoten gerundet]


Natürlich spielt auch die Arbeitslosenquote im entsprechenden Beruf eine Rolle. Beispiel Köche: Sie hatten von allen untersuchten Berufen zwischen 2009 und 2011 eine Arbeitslosenquote von über 20 Prozent. Daher verwundert es nicht, dass eine Umschulung zum Koch vergleichsweise selten in Beschäftigung mündet. In den Gesundheitsberufen dagegen (z.B. Altenpfleger) ist die Arbeitslosenquote sehr niedrig, die Umschulung folgerichtig mit besseren Chancen verbunden.

Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele: So liegt die Arbeitslosenquote in kaufmännischen Büroberufen bei unter fünf Prozent. Während Frauen nach einer Umschulung in diesem Bereich gute Chancen haben, ist der Effekt bei Männern erstaunlich niedrig. Ob es sich hier lediglich um einen statistischen Ausreißer handelt oder andere Gründe dahinter stecken, kann nur gemutmaßt werden.

Aber noch eine weitere Einschränkung: Denn auch der Beschäftigungseffekt für Frauen, die einen Beruf in der Körperpflege ergreifen, ist vergleichsweise niedrig. Dies könnte wiederum darauf zurückzuführen sein, dass sich viele Frauen in diesem Bereich unmittelbar nach der Umschulung selbstständig machen, mit einem Nagel- oder Massagestudio zum Beispiel. Erfasst wurden in der Statistik aber nur sozialversicherungspflichtige Stellen.

Umschulung: Was dafür spricht

  • Eine Umschulung ist eine Investition in die Zukunft. Nach einer Umschulung sind die Beschäftigungschancen deutlich gestiegen.
  • Die Umschulungen sind in der Regel im Vergleich zur normalen Ausbildung um ein Drittel verkürzt.
  • Man kann die Umschulung zum Anlass nehmen, einen Branchenwechsel vorzunehmen, einen neuen (Lieblings-)Beruf zu ergreifen.
  • Die Arbeitsagentur zahlt die Umschulung unter bestimmten Voraussetzungen.

Umschulung: Was dagegen spricht

  • Sie sind zwar kürzer als eine reguläre Ausbildung, dauern mit zwei bis drei Jahren aber dennoch relativ lang.
  • Mit positiven Ergebnissen ist erst nach einiger Zeit zu rechnen. Wer etwa akute Geldsorgen hat und unverzüglich einen Job braucht/will, hat nichts davon.
[Bildnachweis: bikeriderlondon by Shutterstock.com]

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