Worauf Kelly Services bei der Bewerbung achtet

Die formalen Kriterien bei Bewerbungen mögen feststehen, doch jedes Unternehmen setzt ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Beim einen kommt es vor allem auf die Softskills und die sozialen Fähigkeiten des Bewerbers an, während das andere Unternehmen primär auf die fachlichen Kompetenzen und das Layout der Bewerbungsunterlagen achtet. Um Ihnen einen Blick in die Auswahlprozesse von Unternehmen zu bieten, haben wir verschiedene Firmen mit Hilfe eines Fragebogens zu deren Bewerbungsprozess interviewt. Die Antworten veröffentlichen wir im Rahmen unseres Arbeitgeberchecks, heute stammen sie von Iris von der Becke, ihres Zeichens HR-Managerin bei Kelly Services

Worauf Kelly Services bei der Bewerbung achtet

Worauf Kelly Services bei der Bewerbung achtet

Als einer der größten Personaldienstleister erhält Kelly Services Bewerbungen aus aller Welt. Daher setzt das Unternehmen primär auf Online-Bewerbungen, die sich schnell und unkomplizierte bearbeiten lassen. Da die Mehrheit der Stellenausschreibungen im kaufmännischen Bereich liegt, ist eine klassische Bewerbung die Regel. Wir danken für die schnellen und ausführlichen Antworten.

  • Bewerbungsmappen – lieber Hochglanz oder Pappe?
    Da wir gerne möglichst nachhaltig arbeiten, sind uns Online-Bewerbungen beziehungsweise Bewerbungen per Email am liebsten. Diese können schneller bearbeitet werden und der Kandidat erhält schneller Feedback.
  • Anschreiben lieber klassisch oder kreativ?
    Wir bieten überwiegend kaufmännische Positionen an. Daher ist die klassische Bewerbung das Mittel der Wahl. Für uns ist wichtig, dass wir anhand des Anschreibens auf die Persönlichkeit und die Motivation des Bewerbers schließen können und dass wir uns angesprochen fühlen und nicht etwa der zwölfte Empfänger des immer gleichen Anschreibens sind. Für Positionen im kreativen Bereich, zum Beispiel Marketing, bedeutet das natürlich, dass der Kandidat seinen Ideenreichtum und seine Originalität zur Geltung bringt.
  • Eine oder zwei Seiten für das Anschreiben?
    Das hängt natürlich vom Erfahrungsschatz des Bewerbers und der Komplexität seiner bisherigen Aufgaben ab. Ein Berufsanfänger hat sicherlich nicht so viel zu berichten wie ein gestandener Manager. Beide sollten angemessen zum Ausdruck bringen, welchen Mehrwert sie dem Unternehmen liefern und gegebenenfalls Punkte im Lebenslauf erläutern, die nicht selbsterklärend sind. Da kommen je nach Karrierestufe gut und gerne auch einmal zwei Seiten zusammen. Mehr sollten es aber keinesfalls sein.
  • Youtube-Videos und Blogs als Ergänzung?
    Das Thema Social Media ist ja noch verhältnismäßig neu, insbesondere im Personalbereich. Daher konnten wir bisher keine Erfahrungen damit sammeln. Wenn solche Ergänzungen aber relevante Erkenntnisse zum Kandidaten liefern, sind wir deren Einsatz gegenüber aufgeschlossen. Trotzdem sollte die klassische Bewerbung einen möglichst vollständigen Überblick geben.
  • Wie viele Tippfehler sind das Aus?
    Mit der Rechtschreibprüfung in modernen Textverarbeitungsprogrammen hat jeder die Möglichkeit, fehlerfrei zu schreiben. Tippfehler wirken nachlässig und werfen kein gutes Bild auf den Bewerber. Sie lassen an seiner Sorgfalt und seinem Engagement zweifeln. Aber irren ist menschlich und Perfektion selten. Daher sieht man über einen einzelnen Tippfehler auch einmal hinweg. Das jedoch eher bei einem Techniker als bei einer Sekretärin.
  • Gehaltsvorstellungen angeben?
    Gehaltsvorstellungen sollten immer dann angegeben werden, wenn sie in der Anzeige ausdrücklich gefordert sind. Sonst lässt sich das Thema auch gut im Vorstellungsgespräch besprechen. Hier kann sich der Bewerber vor seiner Angabe informieren, wie sich das Gehalt zusammensetzt. Uns gibt es einen Hinweis darauf, wie (realistisch) sich der Bewerber einschätzt. Empfehlenswert ist es, eine Gehaltsspanne anzugeben.
  • Das größte Tabu in der Bewerbung?
    Wenn die Bewerbung an den falschen Ansprechpartner oder gar an das falsche Unternehmen adressiert ist.
  • Lebenslauf – chronologisch, amerikanisch oder thematisch?
    Wir sind ein internationales Unternehmen und akzeptieren jede Form des Lebenslaufs. Wichtig ist, dass er lückenlos, vollständig und übersichtlich ist und die Qualifikation des Bewerbers wiedergibt.
  • Interessieren Hobbys?
    Die Angabe von Hobbys beeinflusst den Auswahlprozess nicht. Aber je umfassender das Bild des Kandidaten ist, desto besser für uns. Daher interessieren wir uns auch für Hobbys. Das lässt Rückschlüsse auf weitere Fähigkeiten, Engagement und gegebenenfalls Soft Skills zu. Zudem liefern sie einen guten Aufhänger, um im Vorstellungsgespräch über persönliche Dinge zu reden. Es ist lediglich zu beachten, dass die Anzahl der angegebenen Freizeitbeschäftigungen nicht zu groß ist. Sonst fragt man sich als Personaler, wann derjenige eigentlich arbeitet.
  • Mit oder ohne Bewerbungsfoto?
    Zu wissen, wie unser Gegenüber aussieht, hilft uns bei der Beurteilung. Allerdings ist auch die Versuchung groß, anhand des Äußeren falsche Schlüsse zu ziehen oder andere zu diskriminieren. Wir überlassen es deshalb unseren Kandidaten, ob sie ein Foto mitschicken oder nicht. Das hat keinen Einfluss auf die Behandlung der Bewerbung bei Kelly Services.
  • Farbe oder Schwarz/Weiß?
    Das spielt keine Rolle. Wenn ein Foto mitgeschickt wird, sollte es aber professionell gemacht sein und nicht etwa aus dem letzten Strandurlaub stammen.
  • Dritte Seite – ja oder nein?
    Eine dritte Seite ist aus unserer Sicht nicht nötig.
  • Wie viele Zeugnisse dazu?
    Nicht jedes Zeugnis ist für jede Bewerbung relevant. Aber es vervollständigt das Bild, das wir uns vom Bewerber machen. Daher möchten wir alle Zeugnisse sehen, inklusive des höchsten Schulabschlusses.
  • Ist Nachfragen nach zwei Wochen okay?
    Bei uns kommt es selten vor, dass ein Kandidat selber nach dem Status seiner Bewerbung fragen muss. Wir bearbeiten eingehende Bewerbungen möglichst sofort und melden uns innerhalb einer Woche zurück. Sollte das einmal nicht gelingen, freuen wir uns über Nachfragen von Bewerbern und geben gerne Auskunft.
  • Wie viele Initiativbewerber bekamen zuletzt einen Job?
    In unseren Statistiken unterscheiden wir nicht zwischen Initiativ- und Direktbewerbung. Aber selbstverständlich freuen wir uns über jedes Interesse an einer Mitarbeit bei Kelly Services und behandeln Initiativbewerbungen mit derselben Sorgfalt und Ernsthaftigkeit wie Direktbewerbungen.
  • Googlen Sie Kandidaten?
    Nein.
  • Wie lange dauert der Bewerbungsprozess im Schnitt?
    Das hängt entscheidend von der Position ab. Im Schnitt vergehen vom Eingang der Bewerbung bis zur Einstellung eines erfolgreichen Kandidaten circa vier Wochen. Der Zeitraum von Beginn der Suche bis zu einer interessanten Bewerbung kann selbstverständlich viel länger sein.
  • Der gruseligste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
    Auch wenn sich nicht jeder Kandidat professionell verhält, nehmen wir die Privatsphäre und Würde unserer Bewerber sehr ernst. Um niemanden bloßzustellen, bleiben Vorkommnisse dieser Art innerhalb unserer vier Wände.
  • Der genialste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
    Jeder Kandidat überzeugt, wenn er gut vorbereitet ist, sympathisch, authentisch und sourverän rüberkommt und uns den Eindruck vermittelt, dass er zu uns, unseren Dienstleistungen und unseren Kunden passt. Unsere Branche ist immer auch people business.
[Bildnachweis: Kelly Services]
30. November 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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