Worauf Orizon bei der Bewerbung achtet

Die formalen Kriterien bei Bewerbungen mögen feststehen, doch jedes Unternehmen setzt ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Beim einen kommt es vor allem auf die Soft Skills des Bewerbers an, während das andere Unternehmen mehr auf fachliche Kompetenzen achtet. Um Ihnen einen Blick in die Auswahlprozesse von Unternehmen zu bieten, haben wir verschiedene Firmen mit Hilfe eines Fragebogens zu deren Bewerbungsprozess interviewt. Die Antworten veröffentlichen wir im Rahmen unseres Arbeitgeberchecks, heute stammen sie von Julia Eisenhut, Niederlassungsleiterin der Personalvermittlung Orizon in Berlin…

Worauf Orizon bei der Bewerbung achtet

Worauf Orizon bei der Bewerbung achtet

Bewerbungsmappen – lieber Hochglanz oder Pappe?

Wenn, dann Pappe. Ein Versand der Unterlagen per E-Mail oder über unsere Webseite ist inzwischen aber sowieso der gängigere Weg.

Anschreiben – lieber klassisch oder kreativ?

Kreativ – Die vorformulierten Standardsätze sagen nichts aus und können heute aus dem Internet überall problemlos kopiert werden. Das macht aber überhaupt keinen Sinn, denn wir wollen ja etwas über den Bewerber erfahren. Standard hilft dabei in den meisten Fällen nicht.

Eine oder zwei Seiten für das Anschreiben?

Eine Seite – Die Kunst besteht darin, sich durch eine kurze Beschreibung interessant zu machen.

Youtube-Videos und Blogs als Ergänzung?

Super Idee – hier kann man sich einen tollen Eindruck vom Bewerber machen. Zusätzlich sieht man, wie viel Mühe sich jemand mit der Bewerbung gibt und wie ernst er es meint.

Wie viele Tippfehler sind das Aus?

Das ist abhängig von der Position. In gewerblich-technischen Berufen kann man den ein oder anderen Fehler nachsehen. Bei kaufmännischen Berufsbildern sowie im Bereich von Akademikern sind drei Tippfehler das höchste der Gefühle. In Zeiten von Rechtschreibüberprüfungen auf dem PC muss das nicht mehr sein.

Gehaltsvorstellungen angeben?

Ja und Nein. Aus der Sicht eines Personalers ist es für mich einfacher zu selektieren, ob jemand auf eine Position theoretisch passt, da ich sofort Budget und Vorstellungen abgleichen kann. Aus Bewerbersicht finde ich es schwierig. Man muss sich bewusst sein, dass man sich durch die Angabe der Gehaltsvorstellung eventuell den Weg in ein persönliches Gespräch verbaut, in dem man von sich überzeugen kann.

Das größte Tabu in der Bewerbung?

Falschen Ansprechpartner anschreiben, falsche Position nennen oder gar noch eine andere Firma im Adressfeld, wenn man sich bei mehreren Unternehmen bewirbt.

Lebenslauf – chronologisch, amerikanisch oder thematisch?

Amerikanisch – entscheidend sind die aktuellsten Erfahrungen – insbesondere bei Kandidaten mit langjähriger Berufserfahrung rücken Dinge wie Ausbildung in den Hintergrund – die Praxis ist entscheidend.

Interessieren Hobbys?

Ja – ich frage danach auch immer im Vorstellungsgespräch. Sie sagen viel über den Menschen aus. Bitte keine Standardhobbys wie „Lesen“, sondern spezifisch angeben, was man beispielsweise gerne liest.

Mit oder ohne Bewerbungsfoto?

Mit Foto. Bitte immer ein professionelles Foto und keine privaten Schnappschüsse oder Selfies.

Farbe oder Schwarz/Weiß?

Egal.

Dritte Seite – ja oder nein?

Ja.

Wie viele Zeugnisse dazu?

Ich frage alle Zeugnisse an, um die Angaben im Lebenslauf nachvollziehen zu können. Zusätzlich stehen in den Zeugnissen häufig eine Vielzahl von Tätigkeiten drin, die der Bewerber ausgeübt hat. Man kann seine Bewerbung damit also auch richtig aufwerten.

Lieber Post-, E-Mail- oder Online-Bewerbungen?

E-Mail oder Online.

Ist Nachfragen nach zwei Wochen okay?

Das ist absolut okay. Bitte aber in freundlichem Ton und ohne die Formulierung von Vorwürfen wie beispielsweise „Warum haben Sie denn noch gar nicht“ etc. Lieber: „Ich wollte mich erkundigen, ob meine Bewerbung angekommen ist? Benötigen Sie weitere Infos?“

Googlen Sie Kandidaten?

Ja. Auch allgemein zugänglichen Daten auf Xing oder LinkedIn schenken wir Beachtung.

Wie lange dauert der Bewerbungsprozess im Schnitt?

Vom Bewerbungseingang bis zum Gespräch in der Regel maximal acht Tage – je nach Verfügbarkeit der Termine. Der weitere Prozess ist abhängig von unseren Kunden (zwischen einem Tag und einem Monat).

Der gruseligste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?

Eine Kandidatin hatte sich für eine Stelle im Personalbereich beworben. Sie schaute mich, als ich in den Raum kam, nicht einmal an, sondern blätterte in einem Prospekt. Ein kurzes „Hallo“ ohne Blickkontakt war die Begrüßung. Sie bezeichnete sich selbst als Personalprofi – auf meine Frage hin, was sie alles kann, meinte sie nur „Na, ich bin eben Profi. Da kann man alles im Personalbereich. Steht doch alles in meinem Lebenslauf“. Während des Gesprächs wirkte sie desinteressiert und hat zur Krönung auch noch ihre Fingernägel saubergemacht. Das Gespräch habe ich nach 15 Minuten beendet.

Der genialste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?

Ich habe in meinem Leben bereits viele tolle Gespräche geführt. Besonders toll fand ich eine Kandidatin, die mich eine Stunde vor dem Termin anrief – ihr Babysitter war abgesprungen und sie hatte kurzfristig niemanden. Sie wollte das Gespräch unbedingt wahrnehmen, da sie interessiert an dem Job war. Sie hat das Kind dann einfach mitgebracht und mit einer ganz ruhigen und ausgeglichenen Art Kind und Gespräch gemeistert. Tolle Leistung, super Engagement.

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19. Februar 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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