Worauf Siemens bei der Bewerbung achtet

Auch wenn die formalen Kriterien bei Bewerbungen feststehen, setzt doch jedes Unternehmen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Beim einen kommt es vor allem auf die Softskills und die sozialen Fähigkeiten des Bewerbers an, während das andere Unternehmen primär auf die fachlichen Kompetenzen und das Layout der Bewerbungsunterlagen achtet. Um Ihnen einen Blick in die Auswahlprozesse von Unternehmen zu bieten, haben wir verschiedene Firmen mit Hilfe eines Fragebogens zu deren Bewerbungsprozess interviewt. Die Antworten veröffentlichen wir im Rahmen unseres Arbeitgeberchecks, heute stammen Sie von Markus Kumpf, Head of Talent Acquisition Deutschland bei Siemens

Worauf Siemens bei der Bewerbung achtet

Worauf Siemens bei der Bewerbung achtet

Als international tätiges Unternehmen setzt Siemens ganz auf Online-Bewerbungen. Neben den Vorteilen dieser Bewerbungsform bieten die Antworten interessante Einblicke in den Bewerbungsprozess bei Siemens und machen deutlich, mit welchen Qualifikationen und Kompetenzen Bewerber punkten können. Eine klare Leseempfehlung – auch für Bewerber, die sich nicht direkt bei Siemens bewerben wollen:

  • Bewerbungsmappen – lieber Hochglanz oder Pappe?
    Wir akzeptieren ausschließlich Online-Bewerbungen. Dies hat für beide Seiten mehrere Vorteile: Hohe Kosten für die Bewerbungsmappe, den Druck der Unterlagen und das Porto fallen weg. Der Bewerber spart wertvolle Zeit bei der Erstellung und Übermittlung der Bewerbung. Insgesamt nimmt die Bearbeitung wesentlich weniger Zeit in Anspruch als bei einer Bewerbung auf dem klassischen Postweg, so dass die Bewerbungsunterlagen allen am Bewerbungsprozess Beteiligten umgehend zur Verfügung gestellt werden können. Der Bewerber bekommt sofort eine Rückmeldung per E-Mail und weiß, dass seine Bewerbung angekommen ist. Unser Online-System hat zudem den Vorteil, dass man sich als Bewerber immer über den aktuellen Stand der Bewerbung informieren kann.
  • Anschreiben – lieber klassisch oder kreativ?
    Ob klassisch oder kreativ – gute Chancen eröffnen sich vor allem dann, wenn das Anschreiben zur Person und zur Position passt, authentisch und in sich stimmig ist.

  • Eine oder zwei Seiten für das Anschreiben?
    Das Anschreiben sollte aussagekräftig sein und der Bewerbung noch einmal eine persönliche Note verleihen. Gelingt es dem Bewerber, seine Motivation für die Position sowie seine Qualifikation überzeugend zu vermitteln, hinterlässt er einen guten ersten Eindruck. Auch hier gilt: weniger ist oft mehr. Auf inhaltslose Worthülsen verzichten wir sehr gerne.
  • Youtube-Videos und Blogs als Ergänzung?
    Video-Bewerbungen sind bei Siemens eher noch ungewöhnlich, werden jedoch durchaus positiv aufgenommen, bieten sie doch dem Bewerber eine ideale Möglichkeit, sich dem Unternehmen zu präsentieren und eine persönliche Note einzubringen. Anders als bei klassischen Bewerbungsformen können wir bei einem Video durch die Art, wie sich ein Bewerber präsentiert, spricht und welche Argumente er benutzt erkennen, ob Authentizität vorhanden ist. Auf keinen Fall sollte die Video-Aufnahme eine digitale Kopie der Online-Bewerbung sein. Ihre Funktion ist es, kurz und knapp die Stärken des Bewerbers zu unterstreichen.
  • Wie viele Tippfehler sind das Aus?
    Das Anschreiben ist die erste Arbeitsprobe, die wir von einem Bewerber erhalten. Deshalb sollte es mit gebotener Sorgfalt verfasst werden. Rechtschreibfehler lassen leicht den Eindruck entstehen, dem Bewerber mangele es an der nötigen Professionalität. Grundsätzlich stehen jedoch in erster Linie der Inhalt und der Aufbau des Anschreibens in unserem Fokus. Ein Anschreiben, das die Motivation und die Qualifikation für die Stelle verdeutlicht und durch Individualität überzeugt, lässt uns über einige wenige und harmlose Rechtschreibfehler hinwegsehen.
  • Gehaltsvorstellungen angeben?
    Bei einer nicht explizit geforderten Gehaltsvorstellung ist die Angabe nicht zwingend notwendig, erleichtert aber die Prüfung einer Übereinstimmung der gegenseitigen Erwartungshaltung.
  • Das größte Tabu in der Bewerbung?
    Schlampige und lückenhafte Bewerbungsunterlagen, Standardanschreiben, die weder die Motivation des Bewerbers für die Position noch seine Qualifikation dafür erkennen lassen sowie ein seitenlanges, aufgeblähtes Anschreiben sind ein absolutes „no go“.
  • Lebenslauf – chronologisch, amerikanisch oder thematisch?
    Die Strukturierung des Lebenslaufs sollte zunächst thematisch erfolgen, also nach bestimmten Stichpunkten wie z.B. Studium, Berufserfahrung etc. Anschließend reiht man die einzelnen Stationen in den jeweiligen Abschnitt ein. Ob amerikanisch oder chronologisch hängt vom jeweiligen Werdegang ab. Der chronologische Aufbau empfiehlt sich dann, wenn nur wenige Stationen vorhanden sind, also zum Beispiels bei Studenten. Nach mehrjähriger Berufserfahrung empfiehlt sich der amerikanische Aufbau, da sich so das Profil und die Eignung des Bewerbers schneller erfassen lassen. Wesentliches sollte sofort ins Auge springen.
  • Interessieren Hobbys?
    Hobbys sind für uns kein Muss im Lebenslauf. Aber sie verleihen der Bewerbung eine persönliche Note und runden das Bild des Bewerbers ab. Wer jedoch versucht, sein Image durch „erfundene“ Hobbys aufzupolieren, wird nicht authentisch sein. Deshalb gilt auch hier: Bei der Wahrheit bleiben.
  • Mit oder ohne Bewerbungsfoto?
    Bewerbungsfotos sind kein Muss, ermöglichen dem Recruiter jedoch, sich einen ersten Eindruck vom Bewerber zu machen. Wir bilden uns unser Urteil aufgrund der fachlichen Qualifikation und der Motivation für die Stelle anhand des Anschreibens.
  • Farbe oder Schwarz/Weiß?
    Die Qualität der Fotos ist ausschlaggebend. Ob farbig oder schwarz-weiß ist eine Frage des Geschmacks. Viel wichtiger ist es, dass das Bild von einem professionellem Fotografen gemacht wurde und nicht aus dem Automaten oder vom letzten Sommerurlaub stammt.
  • Dritte Seite – ja oder nein?
    Auch hier gilt: Konzentration auf das Wesentliche. Die Motivation für die Position sollte im Anschreiben verdeutlicht werden. Eine dritte Seite ist nicht notwendig.
  • Wie viele Zeugnisse dazu?
    Für uns sind die Zeugnisse wichtig, die wirklich relevant für die angestrebte Position sind. Dazu gehören auf jeden Fall das Zeugnis des höchsten Schulabschlusses sowie die Urkunde über den Hochschulabschluss. Bei einer Bewerbung für eine Stelle nach dem Studium sollten die Zeugnisse der Praktika beigefügt werden. Falls Bewerber schon länger im Berufsleben stehen, sind vor allem die Zeugnisse der letzten Arbeitgeber interessant.
  • Ist Nachfragen nach zwei Wochen okay?
    Bis die Bewerbung von allen am Bewerbungsprozess Beteiligten geprüft wurde, vergeht natürlich etwas Zeit. Daher sollten sich Bewerber schon etwas gedulden. Nach zwei bis drei Wochen ist eine Nachfrage aber absolut in Ordnung. Auf all unseren Stellenanzeigen stehen deshalb die Kontaktdaten des Recruiters bzw. des Recruitment Centers. Darüber hinaus hat man bei Siemens auch immer die Möglichkeit, den aktuellen Status der Bewerbung einzusehen.
  • Googlen Sie Kandidaten?
    Meist sind die Bewerbungsunterlagen aussagekräftig genug, damit wir uns ein umfassendes Bild von einem Bewerber machen können. Wenn dem nicht so sein sollte, fragen wir beim Bewerber nach – nicht im Netz! Deshalb gehört die Recherche über google oder soziale Netzwerke nicht zu unserem Standard.
  • Wie lange dauert der Bewerbungsprozess im Schnitt?
    Das ist ganz unterschiedlich und hängt von der Position ab. Wir versuchen natürlich immer einen schnellstmöglichen Bewerbungsprozess zu gewährleisten. Im Schnitt ist bei uns nach spätestens sechs Wochen klar, ob wir ein Vertragsangebot unterbreiten.
  • Der gruseligste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
    Zu „Horrorszenarien“ zählen für uns: unpünktliches Erscheinen, nicht angemessene Kleidung, mangelnde Vorbereitung, auswendig gelernte Antworten, ein zähes Bewerbungsgespräch, bei dem man dem Bewerber alles „aus der Nase“ ziehen muss.
  • Der genialste Auftritt beim Vorstellungsgespräch?
    Eine gründliche Vorbereitung ist im Hinblick für den Erfolg im Vorstellungsgespräch keinesfalls zu unterschätzen. Nur wer über die Aktivitäten Bescheid weiß, wichtige Kennzahlen parat hat und mit der Unternehmenskultur des zukünftigen Arbeitgebers vertraut ist, kann punkten. Darüber hinaus sollte man überzeugend und glaubwürdig vermitteln können, warum man bei Siemens arbeiten möchte und was einen an der Position interessiert. Ein Bewerber, der uns überzeugen kann, dass seine fachliche Qualifikation und seine bisherigen Erfahrungen sehr gut zu den Anforderungen der Position passen, hat schon halb gewonnen. Pünktlichkeit, angenehme Umgangsformen und passende Kleidung setzen wir als selbstverständlich voraus. Bei der Beantwortung von Fragen gilt es die Balance zu wahren: weder sollten sie zu knapp, noch zu weitschweifend beantwortet werden. Im Zuge des Bewerbungsgesprächs hat der Bewerber immer die Gelegenheit, selbst Fragen zu stellen. Sind diese originell und fundiert, hinterlässt das einen positiven Eindruck.

PS: Sie interessieren sich für einen neuen Job? Dann schauen Sie doch mal in unserer Jobbörse vorbei…

[Bildnachweis: Siemens]
31. August 2012 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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