Zum Ex-Arbeitgeber zurück: Darauf bitte achten!

Nur in den seltensten Fällen ist die Karriere eine gerade Strecke. Auch wenn sich viele einen solchen Verlauf wünschen, sieht die Realität anders oft aus: Es gibt Kurven, Umwege, Einbahnstraßen und in einigen Fällen heißt auch „Bitte wenden!“ Manchmal zieht es Arbeitnehmer nach einer gewissen Zeit in anderen Unternehmen wieder zurück zu ihrem Ex-Arbeitgeber. Doch worauf müssen Sie bei der Rückkehr zu einem ehemaligen Arbeitgeber achten? Hier das Dossier dazu…

Zum Ex-Arbeitgeber zurück: Darauf bitte achten!

Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber: Die Gründe sind entscheidend

Die Entscheidung eines Jobwechsels sollte natürlich nie leichtfertig getroffen werden. Immerhin ist es ein Schritt mit weitreichenden Konsequenzen, der sowohl Ihre berufliche Zukunft als auch Ihre private Situation beeinflussen kann. Gerade wenn dieser Schritt Sie dann auch noch ausgerechnet zu einem ehemaligen Arbeitgeber führen könnte, sollten Sie sich genau überlegen, ob Sie aus den richtigen Gründen handeln:

  • Wunsch oder Not? Bei der Jobsuche kann sich eine Menge Frust anstauen. Doch davon sollten Sie Ihre Entscheidung nicht negativ beeinflussen lassen. Versuchen Sie objektiv zu beurteilen, ob es wirklich Ihr Wunsch ist, zum Ex-Arbeitgeber zurückzukehren, oder ob es für Sie eher eine Notlösung darstellt, da Sie momentan keine Alternative finden.
  • Weiterentwicklung oder Rückschritt? Auch eine Rückkehr kann durchaus ein beruflicher Fortschritt sein. Möglicherweise erhalten Sie eine bessere Position oder mehr Verantwortung. Der Wiedereinstieg bei einem ehemaligen Arbeitgeber sollte für Sie aber nicht gleichzeitig ein Schritt rückwärts auf der Karriereleiter sein.

Die meisten Unternehmen haben übrigens überhaupt nichts dagegen, wenn sich ehemalige Mitarbeiter noch einmal bewerben. Man kennt sich und kauft deshalb nicht die Katze im Sack. Eine schon angestaubte Hays-Studie aus dem Jahr 2007 sagt, dass 81 Prozent der Personaler bereit wären, Ex-Kollegen wieder einzustellen. Es bleibt ihnen ja auch wenig anderes übrig: Der Fachkräftemangel zwingt sie irgendwann dazu.

Wenn dann ein ehemaliger Mitarbeiter mit frischem Know-how und neuen Perspektiven von anderen Unternehmen heimkehrt, so kann das diesen ausgesprochen attraktiv machen. Das eigene Unternehmen kennt er oder sie ja schon, die Kollegen auch, und damit braucht es auch weniger Einarbeitungszeit (vorausgesetzt, das Engagement liegt nicht zig Jahre zurück). So ein Ex-Mitarbeiter ist also ein bisschen wie Plug & Play.

Die Vorteile des Ex-Mitarbeiters im Überblick

  • Beide Seiten kennen sich – Kollegen, Organisation, Abläufe.
  • Der/Die Neue ist schon eingearbeitet – eine lange Einarbeitungszeit entfällt.
  • Der Ex-Mitarbeiter bringt neues Wissen und neue Fertigkeiten mit.
  • Die neuen Blickwinkel und das Know-how machen den Ex-Kollegen nach der Pilgerreise wertvoller.

Allerdings: Ob einen der Ex-Arbeitgeber mit offenen Armen empfängt, hängt entscheidend davon ab, wie man seinerzeit gegangen ist und welcher Ruf einem anhängt. Deshalb heißt es auch: Verbrenne nie Brücken, über die du vielleicht noch einmal gehen musst!

Hinzu kommt: Bei so manchem Ex-Chef oder Personaler sind noch genug Störgefühle vorhanden, der Loyalitätsbruch ist ihnen noch präsent. Denn der Mitarbeiter hat sich schon einmal gegen den Arbeitgeber entschieden. Wie treu ist er wohl jetzt? Bedeutet die Bewerbung Läuterung oder kommt sie aus der Not heraus?

Deshalb sollten Sie unter anderem auf diese Fragen gefasst sein:

  • Warum haben Sie damals gekündigt? Und warum sehen Sie das heute anders?
  • Warum haben Sie bei Ihrem bisherigen Arbeitgeber jetzt gekündigt?
  • Warum bewerben Sie sich wieder bei uns?
  • Welche Erfahrungen konnten Sie bisher sammeln?
  • Warum interessieren Sie sich für Ihre alte Stelle?
  • Was erhoffen Sie sich von dieser (neuen) Stelle?
  • Was, denken Sie, ist heute anders als vor XX Jahren?

Je besser der Ruf des Ex-Mitarbeiters, desto einfacher lassen sich diese Fragen beantworten und desto weniger wird nachgebohrt.

Zum Ex-Arbeitgeber zurück: So klappt’s

Nun stehen Sie also vor der Rückkehr zu Ihrem ehemaligen Arbeitsplatz. Verständlicherweise ein befremdliches Gefühl – eine Mischung aus Vertrautheit und Unsicherheit.

Erfahrungsgemäß tun sich junge Berufstätige mit der Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber leichter als ältere. Ihnen wird noch zugestanden, dass sie sich erproben wollen, experimentieren und möglichst breite Berufserfahrungen sammeln, bevor sie sich langfristig binden. Bei Älteren wirkt es – leider – zuweilen wie ein Eingeständnis, dass das Gras woanders doch nicht grüner ist.

Dagegen sollten sie also spätestens beim Vorstellungsgespräch unbedingt argumentieren. Wer dabei in Erklärungsnot gerät und keine guten Gründe für den Rückkehrwunsch nennen kann, lässt seinen Ausflug schnell wie eine Niederlage aussehen – und minimiert die Verhandlungsposition und Einstellungschancen dramatisch.

Auch wie lange die Jobpilgerei gedauert hat, ist nicht unerheblich. Dauerte die Reise weniger als zwei Jahre, glaubt keiner so richtig, dass Sie wirklich viele tiefgehende Erfahrungen machen und woanders Erfolge realisieren konnten. Schauen Sie umgekehrt erst nach mehr als fünf Jahre wieder beim Ex-Arbeitgeber vorbei, erinnert sich der vielleicht kaum noch an sie, und es hat sich im Unternehmen auch zu viel verändert (Abläufe, Belegschaften, Geschäftsmodelle), sodass einige der oben genannten Vorteile obsolet geworden sind.

Der für Ihren Lebenslauf langfristig aber wichtigste Punkt aber ist:

Landen Sie exakt wieder auf derselben Position wie früher oder steigen Sie bei der Rückkehr auf?

Letzteres ist entscheidend. Sonst haben Sie sich – bei allen Erfahrungen – tatsächlich nicht weiterentwickelt und selbst Stagnation stellt im Lebenslauf einen Rückschritt dar.

Natürlich ist das ein Problem für manchen Arbeitgeber. Schließlich will kein Unternehmen den Eindruck erwecken, der Aufstieg gelinge in dem Laden nur durch Untreue, Verrat und häufiges Jobwechseln.

Dennoch: Wenn Sie argumentieren, dass Sie bei Ihrem Trip durch die Unternehmenslandschaft Ihr Know-how verbessert haben und nun breiter aufgestellt sind (und das sollten Sie!), dann können Sie einfach gar nicht mehr den alten Job machen. Das wäre auch für das Unternehmen eine Verschwendung von Ressourcen.

Daher sollten Sie vor der Rückkehr diese Punkte abhaken können:

[✔] Sie haben Erfahrungen gesammelt, die Sie wertvoller machen.
[✔] Ihr Know-how ist jetzt breiter, tiefer.
[✔] Sie wissen, wie Sie dieses Wissen einbringen wollen.
[✔] Sie profitieren noch immer von Ihrem alten Netzwerk.
[✔] Zwischen Ausstieg und Rückkehr sind mindestens 2 Jahre vergangen.
[✔] Zwischen Ausstieg und Rückkehr sind nicht mehr als 5 Jahre vergangen.
[✔] Ihr Ruf beim Ex-Arbeitgeber ist (noch) tadellos.
[✔] Auch von den bisherigen Chefs gibt es gute Referenzen.
[✔] Die neue Position ist besser dotiert als die frühere.
[✔] Die Rückkehr ist verbunden mit einem Aufstieg.

Noch mehr Fragen, die Sie sich stellen sollten, finden Sie HIER. Das PDF können Sie sich natürlich kostenlos herunterladen.

In kompakter Form haben wir hier noch einmal die drei wesentlichen Tipps, damit die Rückkehr zu Ihrem Ex-Arbeitgeber zum Erfolg wird:

  1. Beginnen Sie neu. Es hat einen Grund gehabt, dass Sie einmal das Unternehmen gewechselt haben. Vielleicht waren Sie unzufrieden oder haben eine neue Herausforderung gesucht. Nun haben Sie sich aber erneut für eine Stelle bei diesem Arbeitgeber entschieden. Ein großer Fehler ist es, wieder in alte Gewohnheiten zu verfallen und genau die Dinge zu wiederholen, die Sie auch während Ihrer früheren Zeit im Unternehmen gemacht haben. Lassen Sie stattdessen die Altlasten hinter sich und beginnen Sie von vorne.
  2. Zeigen Sie Ihre neuen Fähigkeiten. Sie haben eine Zeit lang für ein anderes Unternehmen gearbeitet und konnten sich dort neues Wissen und Fähigkeiten aneignen. Damit können Sie nun punkten. Überzeugen Sie Ihren Chef davon, dass Ihre Abwesenheit Sie nur noch wertvoller für das Unternehmen gemacht hat. Vielleicht können Sie Ihrer Karriere vielleicht direkt einen weiteren Schub verpassen.
  3. Bereiten Sie sich auf Fragen vor. Siehe oben. Es wird unter den Kollegen, aber auch bei Ihrem neuen (beziehungsweise alten) Vorgesetzten sicherlich einige neugierige Fragen geben, wenn Sie an Ihren ehemaligen Arbeitsplatz zurückkehren. Stellen Sie sich darauf ein und bereiten Sie entsprechende Antworten vor.
  4. Entwickeln Sie sich weiter. Sie kommen zwar zurück an Ihren alten Arbeitsplatz, doch das bedeutet nicht, dass Sie aufhören sollten, sich weiterzuentwickeln. Sie haben die Zeit außerhalb des Unternehmens genutzt, um neue Erfahrungen zu sammeln und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Machen Sie damit weiter! Besuchen Sie Fortbildungen, bauen Sie Ihr Netzwerk aus und fordern Sie in Ihrer neuen Position mehr Verantwortung ein.

Eins noch: Rechnen Sie damit, dass nicht alle Ex-Kollegen Sie willkommen heißen. Erst recht, wenn Sie nun deren Vorgesetzter werden oder etwas anderes, besseres. Die Reserviertheit sollten Sie aber nie mit Arroganz kontern (was letztlich Ihre Unsicherheit dokumentiert), sondern vielmehr offen von Ihren Erfahrungen berichten und durch frisches Engagement und Leidenschaft für den neuen alten Arbeitgeber überzeugen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
3. März 2015 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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