Willkommen auf der Karrierebibel! Wenn auch Sie es leid sind, Ratgeber vom Typ „So erklimmen Sie die Chefetage in zwei Wochen“, „Lass Dir nicht alles gefallen, Idiot!“ oder „Tschakka-Tschakka“ zu lesen, dann sind Sie hier genau richtig. Diese meist sehr eindimensional verfassten Fertiggerichte aus Do-it-yourself-Philosophie und positiver Instantdenke sind in der Regel nichts weiter als gut vermarkteter Kokolores. Sie versprechen schnellen Erfolg, verschweigen aber, dass dieser nicht einfach nur sieben, zehn oder zwölf Regeln folgt, sondern vielen – und zwar ganz unterschiedlichen. Schon Henry Ford, Gründer des gleichnamigen Autoherstellers, war überzeugt: Erfolg bestehe darin, dass man genau die Fähigkeiten besitzt, die gerade gefragt sind. Das war natürlich Satire – aber mit einem wahren Kern. Ich wage sogar die These, dass Erfolg allenfalls zu zehn Prozent von Leistung abhängt. Entscheidender sind oft Psychologie, Soziologie, Strategie, Diplomatie, Publicity und ein Schuss Travestie.

Wie ich darauf komme? Menschen sind soziale Wesen. Seit sie zusammen leben, gibt es so etwas wie Rangordnungen. Diese vereinfachen das Leben ungemein, weil sie Kosten reduzieren – bei Entscheidungen zum Beispiel. Statt ewig zu diskutieren, sagt der Chef irgendwann: „So wird’s gemacht.“ Das muss zwar nicht richtig sein, aber man kommt wenigstens voran. Weiter diskutieren, hieße Stehenbleiben.

Chef zu sein, ist daher für viele erstrebenswert. Es verspricht Status und Macht und hilft zuweilen auch bei so ganz banalen Dingen wie Fortpflanzungserfolg. Da hohe Rangstufen knapper sind als niedere, entsteht automatisch Wettbewerb. Schon das Wort Karriere stammt vom französischen carrière und bedeutete ursprünglich Rennbahn. Bei diesem Wettlauf nach oben ist jeder auf die Gunst der Ranghöheren angewiesen, während er zugleich das Verhältnis zu seinen Mitbewerbern austarieren muss. Spätestens seit der Mensch die Arbeitsteilung erfunden hat, gibt es diesen Wettbewerb nicht nur innerhalb von Gruppen und Organisationen, sondern auch zwischen selbigen. Erfolg ist also nie eindimensional, sondern stets ein mehrdimensionales Spiel, zwischen und über Gruppen hinweg, das mit Leistungswillen allein nicht zu gewinnen ist.

In über 5000 Jahren Zivilisationsgeschichte hat sich zwar die Zahl der Spieloptionen zwar vergrößert –nicht jedoch die Zahl der Regeln und Mechanismen, wie und warum der eine aufsteigt und der andere nicht. Die Menschen ticken eben heute noch so wie vor tausend Jahren, die wirklich wichtigen Gesetze des Erfolgs ändern sich deshalb nie. Und genau um die geht es in diesem Blog. Es ist die Fortsetzung meines gleichnamigen Buches („Die Karriere-Bibel“), das Ende Dezember bei dtv erscheint. Buch und Blog sind gedacht für Menschen, die nicht seitenweise Fachliteratur wälzen, Buch um Buch durchackern und obendrein mehrtägige Lebensführungsseminare besuchen wollen. Meist reicht schon die Essenz davon. Und die möchte ich an dieser Stelle mit Ihnen, liebe Leser, diskutieren. Je mehr mitmachen, je mehr Sie auch andere an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen, desto runder wird das Bild.

Und schließlich hoffe ich, Ihnen hier ein paar wertvolle Anregungen und Anstöße zu liefern. Ja, richtig gelesen: Auch Anstöße sind dabei! Nicht jeder Beitrag wird Ihnen gefallen. Nicht jede Methode, nicht jede Strategie wird zu Ihnen passen. Das kann und soll sie auch nicht. Denn jeder Mensch ist anders: Der eine steht noch am Anfang seiner Laufbahn, der andere mittendrin. Zudem hat jeder eigene Werte und Ziele. Welche das sind, und wie Sie diese erreichen wollen – das ist allein Ihre Entscheidung! Die kann Ihnen keiner abnehmen: kein Freund, kein Coach und erst recht kein Buch- oder Blog-Autor. Aber jede Entscheidung wird besser, wenn man ihre Alternativen kennt. Und wer weiß: Vielleicht finden Sie für Ihren ganz persönlichen Wettlauf hier auch noch ein paar legale Abkürzungen.

Dabei viel Erfolg!