Knigge
Knigge-Regeln sind der Maßstab für gesellschaftliche Etikette und gutes Benehmen. Ob Tischmanieren, Dresscodes oder richtige Verhaltensweisen im Alltag: Wir erklären Ihnen die wichtigsten Business-Knigge-Regeln, die Sie kennen müssen…
Gutes Benehmen ist im Berufsleben und Privatleben oft entscheidend. Formell richtige Umgangsformen und souveränes Auftreten stehen für Professionalität, Anstand und Glaubwürdigkeit. Abweichende Verhaltensweisen hingegen können vor allem im Job unangebracht sein und dem eigenen Ruf oder der Karriere enorm schaden. Unser umfangreicher Business-Knigge mit vielen spezifischen Fachartikeln dazu zeigt deshalb alle guten Manieren und wichtigen Benimmregeln, die Sie kennen und berücksichtigen sollten – nicht nur im Job.
Business-Knigge: Regeln, die jeder kennen sollte
Knigge-Regeln halten manche für alt und nicht mehr zeitgemäß. Doch das ist falsch. Gutes Benehmen ist auch heute noch ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die korrekten Umgangsformen geben Menschen Sicherheit und Orientierung in Situationen, die ihnen unbekannt sind.
Gerade in Zeiten von Social Media wird die Kommunikation häufig anonymer, schärfer und radikaler, gleichzeitig nimmt die gegenseitige Rücksichtnahme ab. Knigge- und Höflichkeits-Regeln wirken hierbei wie ein sozialer Stabilitätsfaktor: Sie fördern das wertschätzende Zusammenleben und den toleranten Dialog in einer vielfältigen, pluralistischen Gesellschaft, in der unterschiedliche Werte und Kulturen aufeinandertreffen.
Das gilt noch mehr im Beruf: korrekte Begrüßung, richtiges Vorstellen, gute Tischmanieren beim Geschäftsessen oder gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden und Geschäftspartnern – all das beweist hohe Professionalität und steigert Ansehen und Vertrauen.
Business-Knigge und allgemeine Verhaltensregeln
Die nachfolgenden Tipps sind Verhaltensregeln gelten in erster Linie für berufliche Situation. Sie lassen sich aber ebenso auf den Alltag übertragen:
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Korrekt begrüßen
Im Business gilt bei der Begrüßung allein die Hierarchie: Der oder die Ranghöchste wird immer zuerst begrüßt – unabhängig vom Geschlecht. Es grüßt immer zuerst, wer einen Raum betritt (z.B. Büro, Konferenzraum, Fahrstuhl, Wartezimmer). Sofern Sie keinen Anwesenden kennen und eine Rangfolge nicht identifizieren können, begrüßen Sie der Reihe nach die Anwesenden.
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Distanzzone wahren
Selbst, wenn Sie privat gerne Gespräche aus nächster Nähe führen oder Ihr Gegenüber berühren, sollten Sie beruflich davon Abstand nehmen. Buchstäblich. Die meisten Menschen empfinden es als unangenehm, wenn ihnen eine fremde Person zu nahe kommt. Die übliche Distanzzone hierzulande liegt zwischen 60 und 100 Zentimetern.
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Platz nehmen
Einfach hinsetzen, ist beim Erstkontakt tabu. Laut Knigge tun Sie das erst, wenn man Ihnen einen Platz zuweist und Sie dazu auffordert. Das gilt besonders im Vorstellungsgespräch oder bei Verhandlungen.
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Anrede beachten
Auch bei der digitalen Kommunikation per E-Mail oder Messenger gelten alle Knigge-Regeln. Bedeutet: Schreiben Sie stets eine angemessene Anrede und enden Sie mit einer höflichen Grußformel. Und solange Ihnen – wieder der Ranghöhere – nicht das „Du“ anbietet, bleiben Sie beim siezen.
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Zusagen einhalten
Seien Sie bei allen Terminen, Deadlines oder Meetings pünktlich. Idealerweise erscheinen Sie sogar 2-5 Minuten früher. Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz und untergräbt die eigene Zuverlässigkeit. Das gilt übrigens für alle Zusagen: Was man zusagt, sollte man halten.
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Contenance bewahren
Selbst in Stresssituationen sollten Sie nicht ausfällig werden. Wer schreit oder sich im Ton vergreift, macht keinen souveränen Eindruck. Zur grundsätzlichen Höflichkeit gehört, stets sachlich zu bleiben und weder persönlich noch polemisch zu werden.
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Bloßstellung vermeiden
Kritik gehört zum Beruf wie das Salz zur Suppe. Allerdings sollten Sie dabei niemanden bloßstellen. Negatives Feedback teilen Sie unter vier Augen in einem persönlichen Gespräch. Vermeiden Sie dabei zugleich Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“. Formulieren Sie stattdessen Ich-Botschaften mit konkreten Beispielen und bleiben Sie dabei konstruktiv.
Die wichtigsten Knigge-Ratgeber für gutes Benehmen
Knigge-Regeln für Meetings
Auch für typische Meetings und Business-Treffen gibt es laut Knigge ebenfalls bestimmte Verhaltensregeln, die oft einer festen Choreografie gleichen. Dazu gehören zum Beispiel:
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Empfang vorbereiten
Sind Sie Gastgeber und besucht Sie ein Kunde oder Geschäftspartner, sollten Sie Ihre Gäste gleich am Eingang in Empfang nehmen (lassen) und zum Ort des Treffens führen. Begleiten Sie diese unbedingt auch nach dem Abschied wieder zur Tür.
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Visitenkarte betrachten
Oft werden bei Geschäftstreffen Visitenkarten ausgetauscht. Stecken Sie diese bitte niemals ungesehen in die Tasche! Betrachten Sie diese eine kurze Zeit, bevor die Karte sorgfältig zu den Unterlagen sortiert wird. Denken Sie auch daran, eine eigene Visitenkarte zu überreichen: in Deutschland mit der rechten Hand, in Asien mit beiden Händen.
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Anrufe stummstellen
Es gilt als schwerer Fauxpas, das Handy auf den Tisch zu legen oder schlimmer: Anrufe im Gespräch anzunehmen (siehe: Sidebarring). Lautes Klingeln sorgt zudem für Unruhe und unterbricht die Konversation. Schalten Sie das Smartphone deshalb vorher stets auf lautlos oder in den Flugmodus.
Business-Knigge für die korrekte Kleidung
Wir reden nicht nur mit Worten. Auch Körpersprache und Kleidung reden ein Wörtchen mit. Nicht umsonst heißt es: Kleider machen Leute. Passende und angemessene Kleidung ist Ausdruck von Respekt und Wertschätzung und zeigt zugleich, dass wir uns auf gesellschaftlichem Parkett auskennen und sicher bewegen können.
Im Privat- und Berufsleben werden dabei verschiedene Dresscodes unterschieden. Diese reichen von Informal und Casual über Smart Casual bis hin zu Business-Casual und sind mal konservativer, mal lockerer und legerer. Für die Vorstellungsgespräch Kleidung gilt jedoch: „Lieber overdressed als underdresst!“ Orientieren Sie sich hierbei immer an den Gepflogenheiten Ihrer Zielbranche.
Wichtige Knigge-Tipps und Dresscode-Regeln
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Casual
Der eher legere Casual-Look lässt am besten mit „Freizeitkleidung“ beschreiben. Getragen wird er eher nach Feierabend oder am sogenannten Casual Friday. Achtung: Jogginghosen, Flipflops und Minirock sind aber im Job weiterhin tabu. Herren tragen eine Baumwollhose, Polohemd und Jackett; Frauen eine Stoff- oder Jeanshosen oder Röcke in Kombination mit Bluse.
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Business Casual
Business Casual ist die gehobenere Variante für interne Meetings oder Geschäftsreisen. Männer tragen hierbei farbige Oberhemden oder feine Strickpullover mit passender Stoffhose. Als Schuhe eignen sich Loafer oder Slipper. Für Frauen sind modische Blusen, Pullover, Röcke und Baumwollhosen geeignet, dazu offene Schuhe wie Peeptoes oder Sandaletten.
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Business Formal
Wer in der Führungsebene arbeitet, muss hierbei Anzug beziehungsweise Kostüm tragen. Bei den Männer nimmt der Zwang zur Krawatten zwar ab. In konservativen Berufen geht es aber nicht ohne. Frauen tragen Kostüm oder Hosenanzug mit Bluse. Der Rock darf nie kürzer als bis zum Knie sein, Strumpfhose und geschlossene Schuhe (Pumps) sind Pflicht.
Knigge-Regeln zum Dresscode
Knigge-Regeln für die Kommunikation
Auch für Gespräche oder die digitale Kommunikation gibt es zahlreiche Knigge-Regeln. Die Wichtigste lautet: Jeder darf ausreden. Andere zu unterbrechen wäre grob unhöflich. Daneben sollten Sie sich an diesen Verhaltensweisen und Regeln orientieren:
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Titel nutzen
Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner höflich mit seinem akademischen Titel an, sofern dieser einen führt. Das gilt z.B. für den Doktor- oder Professorentitel. Also: „Guten Tag, Frau Doktor Muster.“ Genannt wird aber nur der höchste Titel, nicht alle.
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Siezen bevorzugen
Im Berufsleben gilt zunächst das formelle „Sie“. Erst recht, wenn man sich noch nicht kennt. Ebenso darf das „Du“ im Business nur von der ranghöheren Person angeboten werden. Sie dürfen das zwar ablehnen, doch wenn es angenommen wird, gilt es und darf nach 24 Stunden nicht mehr zurückgenommen werden.
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Leistungen honorieren
Wenn Sie Komplimente machen, sollten sich diese im Job auf Leistungen oder positive Charakterzüge beziehen – nie auf das Aussehen. Zu anzüglich.
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Leichtigkeit bewahren
Für den im Job und Gesprächseinstieg häufigen Smalltalk wiederum gilt: Diese muss stets positiv und leicht bleiben, um sich erstmal kennenzulernen. Tiefgründige Gespräche sind beim lockeren Plaudern (noch) tabu. Ebenso politische Debatten.
Business-Knigge für Geschäftsessen
Der Chef lädt das Team zu einem gemeinsamen Essen ein, oder Sie treffen sich mit einem Kunden zum Geschäftsessen? Im Job kommt es immer wieder vor, dass berufliche Themen bei einem guten Essen besprochen werden. Eine schöne Gelegenheit zum Austausch in entspannter Runde – leider lauern hierbei zahlreiche Fettnäpfchen und Knigge-Fallen.
Die wichtigste Grundregel: Verwechseln Sie niemals ein Geschäftsessen mit einem gemütlichen Abend im Restaurant unter Freunden! Sie sind zwar nicht im Büro, trotzdem ist ein professioneller Eindruck weiterhin wichtig. Achten Sie besonders auf gute Tischmanieren, freundliche Umgangsformen – auch gegenüber dem Personal – und ein förmlicheres Auftreten, als Sie es im privaten Umfeld zeigen würden.
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Alle Artikel durchsuchen – oder Rubrik weiter durchstöbern!Häufige Fragen und Antworten zu gutem Benehmen
Umgangsformen und Knigge-Regeln gibt es viele – und ebenso viele Fragen. Die häufigsten haben wir in diesem kompakten FAQ beantwortet:
Gute Umgangsformen sind nach wie vor wichtig. Sie erleichtern den Umgang mit anderen Menschen – in der Schule, im Privatleben und im Berufsalltag. Andere zu grüßen, ausreden zu lassen oder ihnen beim Gespräch in die Augen zu schauen, zeigt wichtige soziale Kompetenzen. Hinzu kommt: Wer die wichtigsten Umgangsformen kennt, bewegt sich selbstsicherer im Alltag und eckt weniger an.
Verschiedene Situationen erfordern unterschiedliche Regeln. Aber zu den allgemeinen 10 Grundregeln gehört:
1. Andere höflich begrüßen und verabschieden.
2. Bitte, Danke und Entschuldigung sagen (können).
3. Zu Verabredungen pünktlich erscheinen.
4. Zuhören und andere ausreden lassen.
5. Generell auf andere Rücksicht nehmen.
6. Angemessene Worte wählen.
7. Im Ton stets ruhig und sachlich bleiben.
8. Distanzzonen respektieren und einhalten.
9. Bei Warteschlangen nicht vordrängeln.
10. Mitmenschen grundsätzlich respektvoll behandeln.
Gutes Benehmen ist nach Ansicht vieler Experten so wichtig, um sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewegen, dass es ein Schulfach dafür geben sollte. Insbesondere weil auch die interkulturelle Kompetenz in Deutschland immer wichtiger wird und gute Manieren immer seltener. Gleichzeitig bleibt es Aufgabe der Eltern, gute Umgangsformen zu vermitteln.
Der Begriff „Netiquette“ setzt sich aus „Net“ (für das Internet) und „Etiquette“ (für gute Umgangsformen) zusammen. Es geht dabei also um gutes Benehmen im Internet. Grundsätzlich gelten hier dieselben Benimmregeln wie im realen Leben und Alltag. Besonderheiten sind aber z.B. der Umgang mit Emojis, Werbemails oder Großschrift (was als Anschreien interpretiert wird). Fotos von anderen ohne deren Zustimmung zu veröffentlichen, gilt wiederum als tabu.
Das Knigge-ABC für fast alle Lebenslagen
Gute Manieren mehr Haltung als Regelwerk. Deshalb haben wir für Sie noch ein kostenloses Knigge-ABC für den Alltag zusammengestellt, das Sie sich zusätzlich und gratis als PDF herunterladen können:
Ursprung: Worum ging es Knigge eigentlich?
Was gutes Benehmen und Etikette angeht, kommt man um den Namen Adolph Freiherr von Knigge nicht herum. In seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ findet man jedoch keine einzige Passage darüber, mit welcher Gabel Salat gegessen wird oder wie ein Weinglas richtig gehalten wird. Knigge ging es um Aufklärung!
Zu seinen Lebzeiten war Deutschland in viele Fürstentümer geteilt. Die Landesfürsten bestimmten über das Wohl und Wehe der Menschen. Die Bürger hingegen hatten das Problem, dass sie mit den spezifischen Umgangsformen am Hof nicht vertraut waren und so leicht ausgenutzt werden konnten. Knigge wollte den Bürgern etwas an die Hand geben, das sie befähigt, für ihre Belange einzustehen.
Dem Freiherrn ging es um ein zivilisiertes und konfliktfreies Miteinander. Das gelingt, je besser man eine Situation richtig einschätzen kann und je mehr man über geltende Regeln und Konventionen weiß. Höflichkeit und Respekt gehörten genauso dazu, wie die Wahrung der eigenen Würde. Heute wird seine Botschaft leicht vergessen und sein Werk als reine Anstandsbibel betrachtet.