Selbstständig machen: Voraussetzungen, Schritte, Test

Sich endlich selbstständig machen! Nicht mehr mit dem Chef herumschlagen müssen, eine eigene Idee zur Realität werden lassen, gutes Geld verdienen und alles genau so gestalten, wie es den eigenen Wünschen entspricht… In der Theorie ist die Selbstständigkeit der Himmel. Und der nobelste Weg zu beruflichem Glück und Wohlstand. Wenn alles gut läuft. Aber wehe, wenn nicht…

Selbständig sein, die eigene Leidenschaft zum Job machen – das bringt enorme Freiheiten mit sich, aber auch viel Verantwortung, größeres Risiko und erst recht mehr Arbeitszeit. Vor allem am Anfang.

Nicht zufällig heißt es: „Wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig.“ Wer es aber wirklich will und bereit ist, Zeit und Arbeit zu investieren, kann Großes aufbauen. Wir zeigen, worauf es ankommt, wenn Sie sich selbstständig machen wollen und zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie sich selbstständig machen können…

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Selbstständig machen: Voraussetzungen, Schritte, Test

Selbstständig: Was heißt das überhaupt?

Ganz allgemein bedeutet selbstständig zu sein, dass Sie frei und unabhängig handeln, Ihre eigenen Entscheidungen treffen können und ohne fremde Hilfe oder Einwirkung von außen für sich selbst verantwortlich sind.

Wenn Sie sich beruflich selbstständig machen wollen, müssen dabei einige Kriterien erfüllt sein, um den Status der Selbstständigkeit zu erreichen:

  • Kein abhängiges Beschäftigungsverhältnis.
  • Für mehrere Auftraggeber und Kunden tätig.
  • Arbeitszeit und Arbeitsort können selbst frei festgelegt werden.
  • Nicht weisungsgebunden und unabhängig in der Ausführung der Tätigkeit.
  • Arbeit findet auf eigene Rechnung statt
  • Freie Entscheidung, ob Aufträge angenommen oder abgelehnt werden.
  • Tragen des unternehmerischen Risikos.
  • Eigene Bereitstellung von Betriebsmitteln (Kosten für Laptop, Papier, Visitenkarten, Homepage, Büro…)

Wer hingegen im Rahmen seiner Erwerbstätigkeit für nur einen Auftraggeber arbeitet (und deshalb von ihm abhängig ist) oder beispielsweise die Mailadresse und Telefonnummer des Auftraggebers nutzt sowie Vertretungsregelungen mit festangestellten Kollegen zustimmt, gilt als scheinselbstständig.

Dabei ist die Selbstständigkeit für zahlreiche Menschen ein großer Wunsch. Raus aus dem Angestelltenverhältnis und endlich der eigene Chef sein. Das klingt verlockend und bietet große Chancen. Vor allem drei Faktoren beflügeln dabei den Traum sich selbstständig machen zu können:

  • Unzufriedenheit mit der eigenen Situation
    Wer bei einem Unternehmen angestellt ist, denkt vor allem dann daran, sich selbstständig zu machen, wenn er oder sie unzufrieden mit der eigenen Karriere ist. Entweder macht die Arbeit keinen Spaß mehr, es gibt Ärger mit dem Chef oder den Kollegen, Arbeitsbelastung und Arbeitsverdichtung nehmen permanent zu – das Gehalt aber nicht. Entsprechend wird nach einem Ausweg gesucht.
  • Fokussierung auf die Vorteile
    Wer über die Selbstständigkeit nachdenkt, dem fallen in der Regel zuerst die typischen Vorteile ein: die große Freiheit, die Selbstbestimmung, die Möglichkeit, etwas Eigenes aufzubauen, die Aussicht auf finanzielle Freiheit, vielleicht sogar Reichtum und Wohlstand. Erst später kommen Gedanken an Risiko, Rückschläge und harte Arbeit.
  • Geringe Eintrittsbarrieren
    Das Internet hat die Selbstständigkeit einfacher gemacht – oder wie es im Fachjargon heißt: die Markteintrittsbarrieren gesenkt. Sie benötigen heute keine großen Fabrikhallen, teure Maschinen oder viele Arbeitskräfte mehr, um sich selbstständig zu machen. Internetanschluss und Laptop reichen. Eine solch leichte Umsetzung ist verlockend und reizt viele zu dem Gedanken, sich selbstständig machen zu können.

Voraussetzungen und Test für Selbstständige

In Deutschland kann sich grundsätzlich jeder deutsche Staatsbürger und EU-Bürger selbstständig machen. Die Voraussetzungen aus rechtlicher Sicht sind somit sehr gut, um einen eigenen kleinen Betrieb aufzubauen, Dienstleistungen aller Art anzubieten und in die Selbstständigkeit zu starten.

Damit Ihr Vorhaben, sich selbstständig zu machen, aber langfristig Aussicht auf Erfolg hat, müssen Sie selbst einige Voraussetzungen mitbringen:

  • Persönliche Voraussetzungen

    Das Unternehmertum verlangt von Ihnen eine gewisse Risikofreude. Auch wenn Ihre Geschäftsidee ausgereift ist, gibt es immer wirtschaftliche Unwägbarkeiten. Wer dem Sicherheitsdenken zu stark verhaftet ist, wird mit dem Gründen Schwierigkeiten haben.

    Soziale Kompetenz, Kommunikations- und Kompromissfähigkeit sowie Verhandlungsgeschick sind unerlässlich, denn Sie werden mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern zu tun haben. Und: Kein anderer wird für Sie die unangenehmen Teile des Jobs übernehmen.

  • Fachliche Qualifikationen

    Um erfolgreich (!) selbstständig zu sein, müssen Sie über Expertise auf Ihrem Gebiet verfügen. Sie können nur Aufträge bekommen und Kunden überzeugen, wenn die Qualität Ihrer Leistungen stimmt. Auch müssen Sie fachliche Qualifikationen nachweisen, um finanzielle Unterstützung wie den Existenzgründerzuschuss zu nutzen.

    Sie sollten also nicht nur in der Lage sein, sich Wissen im betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Bereich anzueignen. Sie sollten auch die Frage beantworten können: Was kann ich (persönlich) anbieten, was Kunden suchen?

Klar ist aber auch: Nicht jeder ist für die Selbstständigkeit gemacht. Manchmal stimmen die Rahmenbedingungen nicht, manchmal sind die persönlichen Voraussetzungen nicht vorhanden. Sollten Sie noch unsicher sein, kann Ihnen der folgende Selbsttest helfen.

Dieser hat natürlich keinen wissenschaftlichen Anspruch und gibt Ihnen auch keine Garantie für den späteren Erfolg – er hilft aber bei der Selbsteinschätzung und Analyse.

Schauen Sie sich alle Aussagen an und merken Sie sich, wie oft Sie zustimmen. Über die Anzahl der Zustimmungen kommen Sie am Ende zu Ihrem Ergebnis.

Test zur SelbstständigkeitWie oft stimmen Sie zu?
Rückhalt Meine Familie unterstützt mich.
Mein Partner kann uns finanziell unterstützen.
Mein Partner hilft mir, wo er kann.
Meine Familie nimmt mögliche Abstriche in Kauf.
Meine Familie akzeptiert den großen Zeitaufwand.
Planung Ich habe bereits eine konkrete Idee.
Ich besitze genügend liquide Mittel und Eigenkapital.
Ich habe ein berufliches Netzwerk.
Ich habe langjährige Erfahrung und Expertise.
Ich kenne die Branche und decke einen Bedarf.
Umsetzung Ich verfüge über kaufmännische Kenntnisse.
Ich habe bereits Führungserfahrung sammeln können.
Ich kann mich nebenberuflich selbstständig machen.
Ich habe mich über eine Förderung informiert.
Ich nehme mir die Zeit für die Vorbereitung.
Selbstmotivation Ich bin vom Erfolg meiner Idee überzeugt.
Angst vor dem Scheitern habe ich nicht.
Schwierigkeiten sind dazu da, um bewältigt zu werden.
Ich bin bereit, Risiken einzugehen.
Ich kann andere von meiner Idee überzeugen.
Persönlichkeit Ich kann schnell gute Entscheidungen treffen.
Ich stehe für meine Interessen ein.
Ich glaube an meine Ziele.
Ich ziehe durch, was ich anfange.
Rückschläge machen mich stärker.
Auswertung 0 bis 17 Punkte
18 bis 25 Punkte


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Verschiedene Wege in die Selbstständigkeit

Sich selbstständig machen heißt, ein Unternehmen zu gründen oder ein Gewerbe anzumelden. Das sind die klassischen Vorstellungen, doch gibt es dabei große Unterschiede in der Vorgehensweise und bei der Umsetzung. Auch gibt es unterschiedliche Wege, die in die Selbstständigkeit führen können.

Für manchen heißt das, direkt nach einer Ausbildung oder einem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Andere arbeiten erst über viele Jahre in einem Beruf, bevor Sie sich mit einer Idee selbstständig machen.

Wir haben die verschiedenen Wege in die Selbstständigkeit für Sie aufgelistet:

Weg in die Selbstständigkeit
Aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen Wer seit geraumer Zeit arbeitslos ist, für den Kann die Selbstständigkeit eine reizvolle Alternative zum ohnehin fehlenden Angestelltenverhältnis sein. Hier können Sie sich sogar mit staatlichen Fördermitteln selbstständig machen. Arbeitslosengeldempfänger (umgangssprachlich ALG I genannt) können den Gründerzuschuss beantragen. Die Arbeitsagenturen, Industrie- und Handwerkskammern beraten Interessierte dazu. Für Empfänger von ALG II (umgangssprachlich Hartz IV genannt) kann das sogenannte Einstiegsgeld vom Jobcenter gewährt werden.
Nebenberuflich selbstständig machen Fehlendes Kapital und/oder fehlende Kenntnisse können ein Grund sein, sich nebenberuflich selbstständig zu machen: So können Sie noch fehlendes Fachwissen in dem Bereich erwerben, in dem Sie eine Existenzgründung erwägen. Außerdem garantiert Ihnen ein bestehendes Arbeitsverhältnis die finanzielle Sicherheit, während der eigene Betrieb vielleicht erst langsam Einkünfte abwirft.
Bestehendes Unternehmen übernehmen Ein vergleichsweise geringes Risiko gehen Sie als Nachfolger eines bestehenden Betriebs ein. Geht Ihr Vorgänger beispielsweise in den Ruhestand, können Sie meist auf einen existierenden Kundenstamm zurückgreifen. Natürlich gilt es hierbei, sich gründlich über das Unternehmen zu informieren, über dessen tatsächliche wirtschaftliche Lage und den Markt. Und nicht zuletzt müssen Sie diesen Markt verstehen, um langjährige Kunden nicht zu vergraulen.
Mit Franchise selbstständig machen Beim sogenannten Franchising brauchen Sie keine eigene Idee, sondern lediglich die Branche, in der Sie arbeiten wollen. Der große Vorteil ist, dass Sie auf ein bereits bestehendes System zurückgreifen, das sich bewährt hat. Der Lizenzgeber steht dem Lizenznehmer mit Ratschlägen zur Seite, außerdem profitieren Sie vom Marketing des Lizenzgebers. Häufig brauchen Sie ein geringeres Startkapital als in anderen Formen der Selbstständigkeit. Andererseits haben Sie hier auch weniger Gestaltungsmöglichkeiten. Ein McDonalds bleibt ein McDonalds und wird kein Gourmet-Restaurant.

Selbstständig machen: Schritte zur Selbstständigkeit

Sie haben Ihre Entscheidung getroffen, sind sicher, dass Sie sich selbstständig machen wollen, wissen aber nicht genau, was dafür nötig ist und wie Sie sich selbstständig machen können? Keine Sorge, wir haben Schritt für Schritt eine Anleitung erstellt, um Ihren Einstieg in die Selbstständigkeit zu ermöglichen. Bedenken Sie dabei, dass die Reihenfolge einzelner Schritte variieren kann.

  • Geschäftsidee entwickeln und konkretisieren
    Jede Selbstständigkeit startet durch eine gute Idee, mit der Sie sich selbstständig machen wollen. Die Möglichkeiten sind dabei nahezu endlos: Sie können ein Geschäft eröffnen, eine Dienstleistung anbieten, Produkte herstellen…

    Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um eine absolute Weltneuheit handeln. Viele scheitern auf der Suche nach einer passenden Geschäftsidee für die eigene Selbstständigkeit an unrealistischen Erwartungen. Der Gedanke So etwas in der Art gibt es schon muss kein Ausschlusskriterium für eine Geschäftsidee sein. Stattdessen sollten Sie sich fragen: Was kann ich besser, schneller, günstiger als andere Anbieter?

    Manchmal ist eine Idee, mit der Sie sich selbstständig machen wollen, schon lange vorhanden und wartet nur noch auf die Umsetzung. Andere wollen in die Selbstständigkeit starten, wissen aber noch nicht, womit. Entscheidend ist, dass es einen Bedarf und eine Zielgruppe gibt – nur so können Sie Kunden finden und Umsätze generieren. Die Aufgabe besteht darin, diesen Bedarf zu erkennen. Stellen Sie sich beispielsweise folgende Fragen:
    • Welche Lösung für ein Problem würden Sie sich wünschen?
    • Wo kommt es immer wieder zu Beschwerden?
    • Was ist zu teuer?
    • Welches Produkt müsste noch erfunden werden?

    Beobachten Sie auf der Suche nach einer Geschäftsidee immer auch aktuelle Trends und Entwicklungen. Mit ein wenig Kreativität lässt sich daraus eine Idee ableiten.


    Zusammenfassung zur Geschäftsidee

    Die Idee muss Sie begeistern.
    Sie müssen die nötigen Fähigkeiten mitbringen.
    Es muss einen Bedarf geben.
    Analysieren Sie Trends.

    Mehr zur Geschäftsidee

  • Beratungsangebote nutzen
    Als Gründer wollen Sie Ihr eigener Chef sein, doch auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind Sie nicht auf sich allein gestellt. Online, telefonisch oder auch vor Ort in den meisten größeren Städten gibt es viele verschiedene Angebote zur Beratung und Information, die Sie nutzen können und sollten.

    Eine gute erste Anlaufstelle ist dabei die lokale Industrie- und Handelskammer. Diese bietet oftmals Beratungen an und weiß auf fast alle Fragen rund um das Thema Gründung eine Antwort. Zudem können Sie hier Informationen zur Branche erhalten.

    Andere Beratungsangebote gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit, über Gründervereine oder auch bei Berufsverbänden. Solche Angebote sind für angehende Gründer, die sich selbstständig machen, sehr wichtig.

    Sie müssen viele Entscheidungen treffen, Regelungen beachten und Vorgaben kennen – professionelle Hilfe und Beratung sollte deshalb nie ungenutzt bleiben.


    Zusammenfassung zu Beratungsangeboten

    Lassen Sie sich schon zu Beginn der Gründung beraten.
    Informieren Sie sich bei der IHK.
    Klären Sie Fragen und Unsicherheiten.

    Mehr zur Gründerberatung

  • Businessplan schreiben
    Aus einer Idee wird erst ein wirkliches Geschäftsmodell, wenn Sie einen Businessplan schreiben. Zwar gibt es keine offizielle Pflicht, die einen Businessplan für die Gründung vorschreibt, doch ist ein solcher Plan für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit absolut notwendig.

    Der Businessplan konkretisiert nicht nur Ihre Idee, er gibt die genaue Richtung vor, enthält umfangreiche Angaben zum geplanten Unternehmen und ist ein wichtiges Informationsmittel für nach außen hin.

    Egal ob Banken, Investoren, Geschäftspartner oder auch das Arbeitsamt, wenn Sie sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen – sie alle wollen einen gut durchdachten Businessplan sehen.

    Die wichtigsten Inhalte im Businessplan sind:
    • Erläuterung Ihrer Geschäftsidee
    • Anvisierte Zielgruppe
    • Analyse zum Markt, Wettbewerb und Konkurrenz
    • Umsatzprognosen- und Gewinnprognosen
    • Ziele und Strategien
    • Benötigte Finanzen und Kapitalplanung
    • Hintergrundinformationen zu Ihnen als Gründer

    Nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um einen guten Businessplan zu erstellen. Das Dokument ist ungemein wichtig für mögliche Investoren, aber auch als eigene Orientierung und Übersicht. Zwar werden Sie den Businessplan immer wieder anpassen müssen, doch bietet dieser eine gute Übersicht, was Sie erreichen wollen und worauf Sie sich konzentrieren.


    Zusammenfassung zum Businessplan

    Macht aus einer Idee ein Geschäftsmodell.
    Enthält alle relevanten Informationen zur Geschäftsidee.
    Definiert Zielgruppe und Umsatzprognosen.
    Wichtiges Dokument für Investoren und Geschäftspartner.

    Mehr zum Businessplan

  • Finanzierung klären und Kapital bereitstellen
    Wer sich selbstständig machen will, braucht dafür meist Kapital. Bevor Einnahmen erwirtschaftet werden können, stehen zunächst Ausgaben und Kosten an. Als Selbstständiger müssen Sie zunächst in Vorkasse gehen, wenn etwa Geräte angeschafft werden müssen oder Materialien für die Produktion benötigt werden. Auch für die Rechtsform (dazu weiter unten mehr) und eine Homepage mit passendem Corporate Design und Logo müssen Sie erst einmal bezahlen.

    Denken Sie deshalb rechtzeitig an die Finanzierung. Wenn Sie ohne Eigenkapital gründen, müssen Sie das nötige Fremdkapital organisieren. Dafür brauchen Sie einen Finanzplan, aus dem hervorgeht, wie viel Kapital Sie benötigen – aber auch, wie sich Ihre Umsätze und Gewinne voraussichtlich entwickeln. Schließlich wollen Banken oder andere Investoren wissen, wann ihr Investment sich bezahlt macht.

    Für die Finanzierung haben Sie dabei verschiedene Möglichkeiten. Informieren Sie sich über mögliche Voraussetzungen und finden Sie heraus, welche Angebote für Sie am attraktivsten sind:
    • Fördermittel
      Außer Gründerzuschuss und Einstiegsgeld gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Je nach Branche können verschiedene Förderungen infrage kommen. Weitere Fördermittel durch Bund, Länder und EU entnehmen Sie der Förderdatenbank.
    • Kontakte
      Nicht jeder stammt aus wohlhabenden Verhältnissen, aber es kann sich lohnen, sich im eigenen Verwandten- und Freundeskreis umzuhören, ob jemand sie womöglich finanziell unterstützen will. Freunde und Familie kennen Sie besser und können in der Regel genauer einschätzen, ob Sie seriös sind als beispielsweise eine Bank.
    • Crowdfunding
      Crowdfunding-Kampagnen starten meist im Internet. Dem Crowdfunding geht eine Mindestkapitalmenge voraus, zu der jeder Crowdfunder einen kleinen Anteil beiträgt. Für beide Seiten ist es eine vergleichsweise risikoarme Situation: Wird die benötigte Summe erreicht, kann der Selbständige loslegen und die Crowdfunder partizipieren am Erfolg. Kommt nach Ablauf des Finanzierungszeitraums die erforderliche Summe nicht zusammen, erhalten alle Geldgeber ihr Geld zurück.
    • Kreditinstitute
      Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken stellen Kredite zur Finanzierung bereit. Dies können kurzfristige Betriebsmittel- beziehungsweise Kontokorrentkredite mit bis zu zwölf Monaten Laufzeit, oder mittelfristige und langfristige Investitionskredite ab einem Jahr Laufzeit sein. Entscheidend für die Gewährung eines Kredits ist die Wahrscheinlichkeit Ihrer Rückzahlung – die wiederum ist abhängig von Bonität und Zahlungsmoral.

    Zusammenfassung zur Finanzierung

    Klären Sie Ihren finanziellen Bedarf.
    Erstellen Sie einen konkreten Finanzplan.
    Wägen Sie Möglichkeiten für Fremdkapital ab.

    Mehr zur Finanzierung

  • Markennamen finden und schützen
    Spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich Gedanken über den Namen Ihres Unternehmens zu machen. Die Frage lautet: Mit welcher Marke wollen Sie sich selbstständig machen? Hier ist in erster Linie Ihre Kreativität gefragt.

    Vorteilhaft ist ein Markenname, der zum Produkt oder der gebotenen Dienstleistung passt, sich gut vermarkten lässt und der leicht zu merken ist. Eine lange und komplizierte Marke bleibt kaum im Gedächtnis, ein prägnanter Name hingegen schon.

    Wichtig ist dabei: Achten Sie unbedingt darauf, keine Markenrechte zu verletzen. Vielleicht gibt es bereits ein Unternehmen oder einen Selbstständigen und der Name ist geschützt. In solch einem Fall drohen Klage und Bußgelder.

    Gleichermaßen gilt, dass Sie sich Ihren Markennamen schützen lassen sollten, wenn Sie sich festgelegt haben. So verhindern Sie, dass jemand anders Ihre Marke verwenden darf.


    Zusammenfassung zur Marke

    Finden Sie einen passenden Markennamen.
    Beachten Sie Rechte an bereits vorhandenen Marken.
    Schützen Sie Ihre eigene Marke.

    Mehr zur Personenmarke

  • Standort analysieren und festlegen
    Die Wahl des Standorts sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, wenn Sie sich selbstständig machen. Bei einem Geschäft ist die Lage ein großer Erfolgsfaktor, der darüber entscheidet, wie viele Kunden täglich zu Ihnen kommen – und damit auch, wie viel Umsatz Sie generieren können.

    Auch selbstständige Dienstleister profitieren von einem gut gewählten Standort. Ist Ihr Unternehmen in einem abgelegenen Ort, wo Ihre Zielgruppe nicht vertreten ist und entsprechend wenig Bedarf besteht, droht die Selbstständigkeit schon zu Beginn zu scheitern. Analysieren Sie deshalb genau, wo die Chancen für Ihre Geschäftsidee am größten sind.


    Zusammenfassung zum Standort

    Sehen Sie den Standort als wichtigen Faktor.
    Analysieren Sie Zielgruppe und Bedarf an möglichen Standorten.
    Bedenken Sie auch unterschiedliche Kosten je nach Lage.

    Mehr zur Firmengründung

  • Rechtsform wählen
    Wenn Sie sich selbstständig machen wollen, stehen Sie früher oder später vor der Frage: Welche Rechtsform wähle ich für mein Unternehmen? Eine wegweisende Entscheidung, denn nicht nur der Prozess der Gründung, Anmeldung und Kosten ist unterschiedlich. Aus der Rechtsform ergeben sich auch unterschiedliche Rechte und Pflichten.

    Beliebt ist bei vielen Gründern ein sogenanntes Einzelunternehmen. Dies ist leicht zu gründen, Sie haften aber mit Ihrem privaten Vermögen, wenn die Selbstständigkeit nicht erfolgreich verlaufen sollte. Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) sichert Ihr Privatvermögen, da Sie nur bis zur Höhe der Einlagen haften – benötigt aber ein hohes Startkapital.

    So hat eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) den Vorteil, dass Sie nur bis zur Höhe Ihrer Einlagen haften und Ihr Privatvermögen geschützt ist. Auf der anderen Seite benötigen Sie aber ein Startkapital von mindestens 25.000 Euro, um überhaupt eine GmbH gründen zu können.

    Beliebt ist auch die Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Startkapital wird hier nicht benötigt, allerdings benötigen Sie einen Geschäftspartner und haften im schlimmsten Fall voll mit Ihrem Privatvermögen. Die folgende Tabelle zeigt Ihnen übersichtlich die wichtigsten Punkte verschiedener Rechtsformen bei der Selbstständigkeit – es kann aber sinnvoll sein, dass Sie sich bei der Wahl der Rechtsform beraten lassen

    RechtsformBenötigte GründerStammkapitalHaftung
    Einzelunternehmer10 EuroMit Privatvermögen
    GmbH125.000 EuroNur Gesellschaft
    GbR20 EuroMit Privatvermögen
    UG11 Euro*Nur Gesellschaft

    *pro Gesellschafter


    Zusammenfassung zur Rechtsform

    Richtungsweisende Entscheidung für Rechte und Pflichten.
    Entscheidend für Kapital und Gründungsprozess.
    Lassen Sie sich im Zweifelsfall beraten.

    Mehr zur Rechtsform GmbH

  • Genehmigungen einholen und Anmeldungen durchführen
    Durch die offiziellen Anmeldung gründen Sie tatsächlich Ihr Unternehmen und sind im Anschluss selbstständig. Je nach gewählter Rechtsform ist es wichtig, dass Sie alle nötigen Anmeldungen vornehmen.

    Wenn Sie sich selbstständig machen, müssen Sie dafür in der Regel ein Gewerbe anmelden – eine Ausnahme besteht, wenn Sie als Freiberufler tätig sind. Wenden Sie sich an das zuständige Gewerbeamt Ihres Kreises oder Ihrer Stadt, um Ihr Gewerbe anmelden zu können.

    Wo Sie sich je nach Rechtsform anmelden müssen, finden Sie in der folgenden Übersicht:

    BehördeEinzelunternehmer / GbRGmbH / UGFreiberufler
    GewerbeamtJaJaNein
    FinanzamtJaJaJa
    HandelsregisterJaNeinNein
    IHKJaJaNein


    Darüberhinaus können weitere Einträge nötig sein, beispielsweise müssen Handwerker sich bei der zuständigen Handwerkskammer registrieren. Möglicherweise ist auch eine Anmeldung bei einer Berufsgenossenschaft erforderlich.

    Vergessen Sie außerdem nicht, sich um benötigte Genehmigungen zu kümmern. Möglicherweise brauchen Sie eine Gewerbeerlaubnis oder ein Gesundheitszeugnis, wenn Sie einen Betrieb in der Gastronomie eröffnen wollen. Informieren Sie sich frühzeitig und beantragen Sie alle Genehmigungen.


    Zusammenfassung zur Anmeldung

    Melden Sie sich beim Gewerbe- und Finanzamt an.
    Nehmen Sie je nach Rechtsform weitere Anmeldungen vor.
    Kümmern Sie sich frühzeitig und benötigte Genehmigungen.

    Mehr zur Kleingewerbe anmelden

  • Versicherungen abschließen
    Wer selbstständig ist, trägt immer auch gewisse Risiken. Auf dem Weg zur Selbstständigkeit sollten Sie daher unbedingt die nötigen Versicherungen abschließen, um für den Ernstfall gewappnet und abgesichert zu sein.

    Wichtig ist beispielsweise eine Betriebshaftpflichtversicherung und eine Rechtsschutzversicherung. Damit sind Sie auf der sicheren Seite, sollte es zu Sach- oder auch Personenschäden kommen, die von Ihnen oder einem Ihrer Mitarbeiter verursacht worden sind. Sollten Sie Räume für Ihr Unternehmen anmieten, können Sie über eine Inventarversicherung nachdenken.

    Aber auch privat sollten Sie sich versichern, wenn Sie sich selbstständig machen wollen. Eine private Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sind sehr wichtig, ebenso sinnvoll ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung.


    Zusammenfassung zur Versicherung

    Schließen Sie eine Betriebshaftpflicht, Rechtsschutz und Berufsunfähigkeitsversicherung ab.
    Kümmern Sie sich um private Kranken- Renten und Arbeitslosenversicherung.
    Informieren Sie sich und lassen Sie sich beraten.

    Mehr zur Versicherung für Selbstständige

  • Werbung betreiben und Kunden gewinnen
    Geschafft! Sie haben sich selbstständig gemacht und können nun damit beginnen, Ihr neues Unternehmen zu bewerben und Kunden zu gewinnen. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Zielgruppe am besten erreichen – eine gute Präsenz im Internet ist dabei immer wichtig, ebenso können Sie gezielt Anzeigen schalten, einen professionellen Social Media Kanal erstellen und Kunden erreichen.

    Gerade für den Anfang ist es Ihr Ziel, Aufmerksamkeit zu erhalten und mit guter Qualität zu überzeugen. Das spricht sich rum und der Kundenstamm erweitert sich. Vergessen Sie aber nicht, auch weiterhin in Werbung zu investieren. Das lohnt sich auch langfristig.

  • Zusammenfassung zur Werbung und Akquise

    Sorgen Sie für Aufmerksamkeit.
    Überzeugen Sie Kunden mit Leistung und Qualität.
    Setzen Sie auf ein langfristiges Konzept.

    Mehr zur Akquise

Hier haben wir noch einmal alle Schritte aufgelistet, wenn Sie sich selbstständig machen wollen:


Übersicht der Schritte in die Selbstständigkeit

Geschäftsidee entwickeln
Beratungen nutzen
Businessplan schreiben
Finanzierung klären
Markennamen finden
Standort festlegen
Rechtsform wählen
Anmeldungen durchführen
Versicherungen abschließen
Kunden gewinnen
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Für Gründer: 7 Wahrheiten, die einem keiner sagt

Die Wahrheit ist nicht immer angenehm, doch wenn Sie sich selbstständig machen wollen, sollten Sie auch wissen: Gründen hat nicht nur Vorteile.

Viele Selbstständigkeiten sind keine Erfolgsgeschichten, sondern steinige Wege mit vielen Rückschlägen. Scheitern ist keine Seltenheit. Es gibt eben auch veritable Schattenseiten des Unternehmertums. Man könnte auch sagen:


Die meisten Menschen schauen nur auf die süßen Früchte – und übersehen den Baum, der lange gehegt und gepflegt werden muss, bis er überhaupt die ersten Früchte trägt.


Damit wollen wir Sie nicht abschrecken oder Ihnen ausreden, sich selbstständig machen zu wollen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen Sie nur vollumfänglich informieren – und dazu zählen immer zwei Seiten.

Deshalb an dieser Stelle sieben Wahrheiten über das Gründen und selbstständig sein, die einem vorher kaum einer sagt…

  1. Das Geschäftsmodell, mit dem Du startest, ist nicht das, mit dem Du reüssierst
    Am Anfang steht zwar immer die Grundidee. Aber die lässt sich nur selten in der Form gewinnbringend umsetzen: Entweder, weil es dafür doch keinen Markt gibt oder sich das Geschäftsmodell schlicht nicht rechnet. Auch die erste Website wird sich noch einige Male wandeln und das Business immer weiter verfeinern.

    Gut so! Denn das Geheimnis des Erfolgs als Selbstständiger und Unternehmer ist dasselbe wie in der Evolution auch: Anpassungsfähigkeit.

    Wer krampfhaft an seinem ersten Plan festhält und nicht flexibel ist, übersieht höchstwahrscheinlich eine große Chance, die sich abseits des erdachten Weges auftut.

  2. Du wirst Zweifel haben und alles hinschmeißen wollen
    Nicht einmal Karrieren verlaufen heute linear; Unternehmertum erst recht nicht. Mal läuft es richtig gut, mal gar nicht. Rechnungen müssen trotzdem weiter bezahlt werden.

    Spätestens dann kommen einem die (Selbst-)Zweifel, der Mut schwindet. Das gehört dazu – und ist zugleich der Lackmus-Test für den wahren Unternehmer: Der kann sich in solchen Phasen (die immer wieder kommen) trotzdem motivieren, arbeitet diszipliniert weiter und verfolgt seine Ziele – oder justiert sie neu (siehe Punkt 1).

  3. Familie und Freunde werden deine Euphorie nicht teilen
    Vor allem wenn diese selbst nie selbstständig waren. Die meisten Menschen sind nun mal auf Sicherheit bedacht und scheuen das Risiko und Ungewisse. Auch wenn Sie selbst für Ihre Idee brennen – viele andere werden es nicht tun. Womöglich, weil die Ihre Idee und Ihr Produkt nicht verstehen oder nicht das sehen, was Sie visionieren.

    Machen Sie das keinem zum Vorwurf – so ist das eben. Hauptsache, Ihr Partner zieht mit, denn an zwei Fronten kann keiner dauerhaft kämpfen.

    Wenn also sonst keiner an Ihre Idee glaubt: Betrachten Sie das als Test, wie stark Ihr eigener Glaube ist. Denn genau diese unbeirrbare Leidenschaft und Begeisterung brauchen Sie später auch, um Kunden zu begeistern.

  4. Es gibt keinen Instant-Erfolg
    Im Fernsehen und in Büchern werden sie häufig gefeiert: Jene, die es vom Tellerwäscher zum Millionär gebracht haben. Bravo! Aber das sind die glorreichen Ausnahmen – und selbst bei diesen wird meist unterschlagen, dass der Weg dorthin lange und beschwerlich war.

    Wir sehen oft nur den Erfolg – und ignorieren die Arbeit die dahinter steckt.

    Es dauert meist Jahre oder gar Jahrzehnte, bis zum großen Erfolg. Wer schnell reich werden will, sollte sich nicht selbstständig machen, sondern Lotto spielen.

  5. Die Akquise ist das härteste Stück Arbeit
    Auch das sagt einem keiner: Die Kunden kommen nicht von alleine. Die tollste Geschäftsidee, die schickste Website nutzen nichts, wenn man sich nicht um Akquise und Vertrieb kümmert.

    Qualität setzt sich eben nicht von alleine durch, sondern braucht erst mal einen kräftigen Anschub.

    Nicht umsonst spricht man davon, das Geschäft anzukurbeln. In dem Begriff steckt schon ein wichtiger Hinweis: Kurbeln ist nichts Passives, man muss selber Hand anlegen und aktiv werden, zum Hörer oder zur Tastatur greifen und sich etwas ausdenken.

  6. Als eigener Chef machst Du trotzdem die Drecksarbeit
    Endlich der eigene Chef sein und andere für sich arbeiten lassen… Hübsche Vorstellung, leider naiv.

    Natürlich ist es sinnvoll, später einmal jene Arbeiten auszulagern, die man nicht so gut und so schnell erledigen kann wie Spezialisten dafür. Zum Beispiel die Buchhaltung.

    Aber am Anfang fehlen dazu meist das Budget und folglich auch die Mitarbeiter. Der Solopreneur darf sich also für nichts zu schade sein. Ja, man ist jetzt Chef – zugleich aber auch sein eigener 400-Euro-Jobber.

  7. Nach drei Jahren willst Du nie wieder etwas anderes machen – oder gibst auf.
    So wie der Erfolg nicht über Nacht kommt, stellt sich auch so etwas wie Routine und ein halbwegs geregeltes Arbeitsleben erst nach Jahren ein. Fragt man Unternehmer, sagen die: Frühestens nach durchschnittlich drei Jahren weiß man, ob man wirklich davon leben kann oder nicht.

    Bis dahin braucht es die Zeit, um Netzwerke und eine Marke aufzubauen, Absatzmärkte und einen Kundenstamm zu etablieren. Wer dann fest im Sattel sitzt, will in der Regel nie wieder ins Angestelltendasein zurück – oder gibt auf.

    Aber auch das ist genau genommen kein Scheitern: Denn man hat es wenigstens versucht!

9 Mythen über die Selbstständigkeit

Nach den obigen unangenehmen Wahrheiten ist es zum Abschluss an der Zeit, einige der häufigsten Mythen und Legenden rund um die Selbstständigkeit einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Deshalb, daher und darum haben wir im Folgenden die häufigsten Mythen rund um die Arbeit als selbstständiger Unternehmer aufgelistet und entzaubert…

  • Sie können arbeiten, wann Sie wollen
    Sicher haben Selbstständige mehr Freiheiten bei den Arbeitszeiten als Beschäftigte mit einem festen Arbeitsvertrag. Wenn Sie sich selbstständig machen, können Sie zwar in der Theorie wählen, wann Sie arbeiten – um erfolgreich zu sein, müssen Sie aber viel und oft arbeiten.

    Gerade zu Beginn, bis ein Unternehmen etabliert ist und einen festen Kundenstamm hat, können Jahre vergehen. In dieser Zeit arbeiten viele Gründer locker 60 Stunden pro Woche, am Wochenende meist auch noch.

    Je nach Branche müssen Sie sich auch nach Ihren Kunden und deren Wünschen richten und erreichbar sein. Dann können Sie eben nicht mehr arbeiten, wann sie wollen, sondern wenn Ihre Kunden das wollen.

  • Sie können arbeiten, wo Sie wollen
    Unterwegs, im Zug oder am Strand den Laptop aufklappen und arbeiten – das ist der Traum vieler Arbeitnehmer. In manchen (internetlastigen) Branchen funktioniert das tatsächlich. Wer sich hier selbstständig macht, ist beim Arbeitsort vollkommen flexibel.

    Sobald aber ein Projekt beim Kunden stattfinden muss, Sie ein Ladenlokal oder ein Büro für Ihre Mitarbeiter brauchen, ist es mit der Freiheit aber in der Regel vorbei. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie ein Geschäft oder etwa ein Restaurant betreiben. Hier können Sie natürlich nicht woanders arbeiten.

  • Sie arbeiten nur noch nach eigenen Regeln
    Der eigene Chef sein, nur nach den eigenen Regeln spielen – schöne Idee. Aber graue Theorie. Zwar können Sie solche Spielregeln definieren – dumm nur, wenn kein Kunde danach mitspielt, Sie aber den Umsatz brauchen. Eher und insbesondere am Anfang ist es umgekehrt: Bei Projekten mit oder für andere Unternehmen spielen Sie nach deren Regeln (auch was Rechnungsstellung und Zahlungsziele anbelangt). Abweichen ist in solchen Fällen keine gute Idee.

  • Sie können Ihre Kunden selbst wählen
    Schön, wenn Sie einmal so weit sind. Das ist gewiss ein Ziel, auf das sich hinzuarbeiten lohnt. Wahr ist aber: Die wenigsten Selbstständigen und Freiberufler können es sich – gerade zu Beginn
    der Selbstständigkeit – leisten, bei ihren Kunden wählerisch zu sein.

    Im Lauf der Zeit und mit wachsendem Erfolg ändert sich das, doch auch dann ist völlige Wahlfreiheit eine Illusion – insbesondere wenn es um einen wichtigen Großkunden geht.

  • Sie wählen Ihre Projekte frei aus
    Bei der Auswahl der Projekte ist es wie mit der Kundenwahl: Mit wachsendem Erfolg erweitern sich die Wahlmöglichkeiten, davor aber lebt die Mehrheit von dem, was kommt und von der Hand in den Mund.

    Vor allem aber schreiben Sie viele Angebote, von denen nur ein paar wirklich zum Auftrag führen. Das ist frustrierend, aber leider Realität, wenn Sie sich selbstständig machen.

  • Selbstständige verdienen viel Geld
    Es stimmt zwar: Als Unternehmer sind die Aussichten, es zu großem Wohlstand zu bringen, größer als bei einer Karriere als Angestellter. Allerdings ist brutto hier nicht gleich netto: Selbstständige brauchen ebenfalls eine Krankenversicherung und müssen zudem überlegen, wie sie privat fürs Alter vorsorgen.

    Hinzu kommen eine Vielzahl an Steuern und Abgaben: Gewerbesteuer, IHK-Beiträge, Umsatzsteuer, eventuell Körperschaftssteuer, diverse Versicherungen und vieles mehr. So bleiben von jedem verdienten Euro am Ende weniger als 50 Cent übrig. Um davon leben zu können, muss man also erst einmal viel verdienen – und das bitte auch jeden Monat regelmäßig.

    Schließlich tragen Sie als Selbstständiger auch das unternehmerische Risiko. Wenn über mehrere Monate kaum Umsatz gemacht wird, zahlen Sie drauf. Dann verdienen Sie gar nichts mehr, sondern müssen von Ihrem Ersparten leben und möglicherweise weiterhin Mitarbeiter bezahlen.

  • Sie haben keine nervigen Kollegen mehr
    Selbstständige, die alleine arbeiten, bleiben von Horrorkollegen verschont, das stimmt. Das heißt aber nicht, dass Geschäftspartner und Kunden nicht genauso auf den Nerven La Paloma spielen können. So mancher Kunde meint, er könne ständig mehr verlangen, ruft mitten in der Nacht an oder bezahlt die Rechnung einfach nicht.

    Entspannung geht jedenfalls anders. Außerdem ist das Arbeiten als Ein-Mann- oder Ein-Frau-Unternehmen nicht für jeden optimal. Manche brauchen einfach ein Team um sich herum, um produktiv und motiviert zu bleiben – auch wenn das zeitweilig nerven kann. Zudem kann der fehlende soziale Kontakt zur Belastung werden.

  • Sie können Urlaub machen, wann Sie wollen.
    Und auch solange sie wollen. Theoretisch: ja. Praktisch: Nur wenn Sie es sich leisten können. Denn im Urlaub verdienen Sie unter Umständen nicht nur nichts – er kostet auch noch Geld. Überdies ist es eben noch so ein Mythos, Unternehmer könnten nach Lust und Laune in den Urlaub gehen.

    Auch den müssen Sie an den Bedürfnissen und Deadlines der Kunden ausrichten. Und manchmal gibt es auch so was wie Zwangsurlaub – dann etwa, wenn es keine Aufträge gibt. Entspannt sind solche Betriebsferien nur dann, wenn es Anschlussaufträge gibt. Sonst sorgt der Leerlauf eher für Panikattacken.

  • Selbstständige arbeiten in ihrem Traumjob
    Viele Unternehmer machen sich selbstständig, um ihren Traum oder ihre Vision zu verwirklichen. Das ist erst einmal richtig. Doch ob die Praxis später mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen übereinstimmt, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Selbstständigkeit kann, muss aber nicht zum Traumjob führen. Manchmal ist es nur eine andere Form des Broterwerbs. Manche machen sich selbstständig, stellen dann aber fest, dass es doch nichts für sie ist – und kehren in ein Angestelltenverhältnis zurück.

Die obigen Mythen zur Selbstständigkeit haben wir für Sie auch noch einmal in einem kostenlosen PDF-Dokument zum Download bereit gestellt.

Interview: Ist es besser, sich jung selbstständig zu machen?

Wer sich die Gründer-Szene so anschaut, stellt bald fest: Viele Entrepreneure gründen kurz nach dem Studium oder nach der Ausbildung ihr Unternehmen – also in jungen Jahren. Auch Steve Jobs, Bill Gates oder Mark Zuckerberg waren noch keine 30 als Sie Ihre Milliarden-Konzerne starteten. Ist es also womöglich besser, sich schon in jungen Jahren selbstständig zu machen? Also mit Anfang 20 oder Mitte 30?

Der Kommunikationswissenschaftler und Gründerberater, Alexander Plitsch, hat sich ebenfalls mit der Frage intensiv beschäftigt. Wir haben deshalb mit ihm ein Kurz-Interview geführt:

Herr Plitsch, viele meinen, vor der Selbstständigkeit sollte man erst einmal einige Jahre Berufserfahrung sammeln. Stimmt das?

Nein, jedenfalls nicht so absolut. Es stimmt zwar, dass tiefere Einblicke in Branchen oder Märkte hilfreich sind. Auch kann man sich von Chefs und Kollegen einiges abgucken. Für junge Menschen gibt es aber keine steilere Lernkurve als in der Selbstständigkeit: Wenn Sie für alles die Verantwortung tragen – und zwar jederzeit – dann lernen Sie in einem extrem hohen Tempo. Sie machen zahlreiche Erfahrungen, die Ihnen im Job vorenthalten werden, weil die dort Chefsache sind.

Aber ist das Risiko zu scheitern, so nicht größer?

Die Möglichkeit des Scheiterns gibt es in der Selbstständigkeit genauso wie im Job auch. Beides ist aber meist kein Beinbruch. Gerade zum Unternehmerdasein gehören Rückschläge dazu. Aus Fehlern lernt man schließlich am meisten. Außerdem ändert sich an diesem Risiko auch nichts im fortgeschrittenen Alter. Gerade bei jungen Menschen ist es doch so: Scheitern Sie mit Ihrer Idee, können Sie sich immer noch anstellen lassen. Was haben sie schon zu verlieren?

Also halten Sie das Gründen in jungen Jahren für besser?

Auch das ist kein Automatismus. Als Grünschnabel wird man von manchen Kunden und Geschäftspartnern nicht ernst genommen. Viele setzen Alter und Kompetenz immer noch in eine enge Verbindung. Jungen Selbstständigen wird dann – oft zu Unrecht – weniger zugetraut oder aufgrund der geringeren Erfahrung die Qualifikation abgesprochen.

Was also tun?

Ändern lässt sich an dieser Einstellung nur schwer etwas. Sie können aber lernen, mit solchen – oft unausgesprochen – Einwänden besser umzugehen. Ich selbst habe zu Beginn meiner Selbstständigkeit bewusst Kunden adressiert, die junge Zielgruppen ansprechen wollten. Und es gibt ja auch die andere Seite der Medaille: Nicht wenige zollen einem jungen Unternehmer Respekt für den Mut und die Fähigkeit, schon so früh ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Daraus lässt sich ebenso eine Menge Energie und Motivation schöpfen.

Herr Plitsch, Danke für das Gespräch.

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
26. Juni 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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