Selbstständig machen: 10 Wege, Geschäftsmodelle + Tipps

Sich endlich selbstständig machen! Davon träumen viele. In der Theorie ist die Selbstständigkeit für viele der Himmel und ein Weg zu beruflichem Glück und Wohlstand. Neben Freiheiten bedeutet selbstständig sein aber auch viel Verantwortung, großes Risiko und lange Arbeitszeiten. Nicht umsonst heißt es: „Wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig.“ Nicht jeder ist dafür geeignet. Wenn Sie aber die Leidenschaft und den Willen haben, zeigen wir Ihnen hier Schritt für Schritt, wie Sie sich selbstständig machen können…

Selbstständig machen: 10 Wege, Geschäftsmodelle + Tipps

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Übersicht: Selbstständig machen in 10 Schritten

Sie wollen sich Selbstständig machen? Dann haben wir zunächst einen Überblick über die Schritte erstellt, die dafür notwendig sind. Im weiteren Artikel gehen wir dann im Detail auf jeden der einzelnen Punkte ein.

1. Geschäftsidee entwickeln
Womit wollen Sie sich selbstständig machen? Es braucht eine klare Idee, die Sie umsetzen wollen. Sie brauchen eine Zielgruppe und klare Vorstellungen davon, was Sie anbieten wollen.

2. Beratungen nutzen
Bevor Sie sich unwissend in die Selbstständigkeit stürzen, sollten Sie verschiedene Beratungsangebote wahrnehmen. Hier erhalten Sie wichtige Informationen und Antworten auf Fragen.

3. Businessplan schreiben
Keine erfolgreiche Selbstständigkeit ohne Businessplan. Er enthält wichtige Angaben zum Unternehmen, macht Prognosen über Entwicklungen und wird für Investoren benötigt.

4. Finanzierung klären
Wie viel Eigen- oder Fremdkapital brauchen Sie? Mit einem gründlichen Finanzplan können Sie sich um die genaue Finanzierung kümmern. Sonst gerät das Unternehmen noch vor der Gründung in finanzielle Schwierigkeiten.

5. Markennamen finden
Wer sich selbstständig macht, muss seinem Unternehmen einen Namen geben. Kreativität ist gefragt – aber es müssen unbedingt die Markenrechte berücksichtigt werden.

6. Standort festlegen
Wo wollen Sie sich selbstständig machen? Abwägungen zwischen verschiedenen Standorten können über Erfolg oder Scheitern entscheiden. Kosten und potenzielle Zielgruppe unterscheiden sich je nach Ort.

7. Rechtsform wählen
UG, GbmH, GbR? Als Selbstständiger können Sie zwischen verschiedenen Rechtsformen mit unterschiedlichen Auswirkungen wählen. Gerade für das benötigte Kapital und eine mögliche Haftung ist dieser Punkt sehr wichtig.

8. Anmeldungen durchführen
Mit der Anmeldung beim Gewerbeamt beginnt offiziell die Selbstständigkeit. Aber auch Finanzamt oder die IHK wollen informiert werden. Bei der Bürokratie sollten Sie genau wissen, wo Sie Ihr Unternehmen anmelden müssen.

9. Versicherungen abschließen
Selbstständig zu sein heißt Risiko zu tragen. Um für mögliche Probleme abgesichert zu sein, müssen Sie einige Versicherungen abschließen.

10. Kunden gewinnen
Ein Unternehmen zu gründen ist der Anfang – erfolgreich selbstständig zu sein heißt aber, Kunden zu gewinnen und Umsätze zu generieren. Hier braucht es Werbung, Aufmerksamkeit und gute Arbeit.

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So machen Sie sich selbstständig

Nach dem Überblick erhalten Sie nun genaue Informationen zu jedem einzelnen Schritt auf dem Weg in die Selbstständigkeit. So wollen wir Ihnen den besten Start ermöglichen, wenn Sie sich selbstständig machen. Bedenken Sie dabei, dass die Reihenfolge einzelner Schritte variieren kann.

Geschäftsidee entwickeln und konkretisieren

Jede Selbstständigkeit startet durch eine gute Idee, mit der Sie sich selbstständig machen wollen. Die Möglichkeiten sind dabei nahezu endlos: Sie können ein Geschäft eröffnen, eine Dienstleistung anbieten, Produkte herstellen… Das muss nicht immer eine Weltneuheit sein. Viele Selbstständigkeiten scheitern bereits an unrealistischen Erwartungen an die eigene Idee. Der Gedanke „So etwas in der Art gibt es schon“ muss kein Ausschlusskriterium für eine Geschäftsidee sein. Stattdessen sollten Sie sich fragen: Was kann ich besser, schneller, günstiger als andere Anbieter?

Manchmal ist eine Idee, mit der Sie sich selbstständig machen wollen, schon lange vorhanden und wartet nur noch auf die Umsetzung. Andere wollen in die Selbstständigkeit starten, wissen aber noch nicht, womit. Entscheidend ist, dass es einen Bedarf und eine Zielgruppe gibt – nur so können Sie Kunden finden und Umsätze generieren. Die Aufgabe besteht darin, diesen Bedarf zu erkennen. Stellen Sie sich beispielsweise folgende Fragen:

  • Welche Lösung für ein Problem würden Sie sich wünschen?
  • Wo kommt es immer wieder zu Beschwerden?
  • Was ist zu teuer?
  • Welches Produkt müsste noch erfunden werden?

Zusammenfassung zur Geschäftsidee

➠ Die Idee muss Sie begeistern.
➠ Sie müssen die nötigen Fähigkeiten mitbringen.
➠ Es muss einen Bedarf geben.
➠ Analysieren Sie Trends.

Mehr zur Geschäftsidee

Beratungsangebote nutzen

Als Gründer wollen Sie Ihr eigener Chef sein, doch auf dem Weg in die Selbstständigkeit sind Sie nicht auf sich allein gestellt. Online, telefonisch oder auch vor Ort gibt es verschiedene Angebote zur Informationen und Gründerberatung. Eine gute erste Anlaufstelle ist die lokale Industrie- und Handelskammer (IHK). Hier können Sie Fragen rund um die Selbstständigkeit stellen und erhalten Informationen zur jeweiligen Branche.

Andere Beratungsangebote gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit, über Gründervereine oder auch bei Berufsverbänden. Solche Angebote sind sehr hilfreich, wenn Sie sich selbstständig machen. Sie müssen viele Entscheidungen treffen, Regelungen beachten und Vorgaben kennen – professionelle Hilfe und Beratung sollte deshalb nie ungenutzt bleiben.

Zusammenfassung zu Beratungsangeboten

➠ Lassen Sie sich schon zu Beginn der Gründung beraten.
➠ Informieren Sie sich bei der IHK.
➠ Klären Sie Fragen und Unsicherheiten.

Mehr zur Gründerberatung

Businessplan schreiben

Aus einer Idee wird erst ein wirkliches Geschäftsmodell, wenn Sie einen Businessplan schreiben. Zwar gibt es keine offizielle Pflicht, die einen Businessplan für die Gründung vorschreibt, doch ist ein solcher Plan für den erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit absolut notwendig. Der Businessplan konkretisiert nicht nur Ihre Idee, er gibt die genaue Richtung vor, enthält umfangreiche Angaben zum geplanten Unternehmen und ist ein wichtiges Informationsmittel für nach außen hin.

Egal ob Banken, Investoren, Geschäftspartner oder auch das Arbeitsamt, wenn Sie sich aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen – sie alle wollen einen gut durchdachten Businessplan sehen. Die wichtigsten Inhalte im Businessplan sind:

  • Erläuterung Ihrer Geschäftsidee
  • Anvisierte Zielgruppe
  • Analyse zum Markt, Wettbewerb und Konkurrenz
  • Umsatzprognosen- und Gewinnprognosen
  • Ziele und Strategien
  • Benötigte Finanzen und Kapitalplanung
  • Hintergrundinformationen zu Ihnen als Gründer

Zusammenfassung zum Businessplan

➠ Macht aus einer Idee ein Geschäftsmodell.
➠ Enthält alle relevanten Informationen zur Geschäftsidee.
➠ Definiert Zielgruppe und Umsatzprognosen.
➠ Wichtiges Dokument für Investoren und Geschäftspartner.

Mehr zum Businessplan

Finanzierung klären und Kapital bereitstellen

Wer sich selbstständig machen will, braucht dafür meist Kapital. Vor ersten Einnahmen stehen Ausgaben und Kosten für Geräte, Material oder Produktion an. Auch für die Rechtsform (dazu weiter unten mehr) und eine Homepage mit passendem Corporate Design und Logo müssen Sie erst einmal bezahlen. Die Finanzierung muss deshalb frühzeitig geklärt sein. Wer ohne Eigenkapital gründet, muss sich um Fremdkapital kümmern.

Dafür brauchen Sie einen Finanzplan, aus dem hervorgeht, wie viel Kapital Sie benötigen und wie sich Ihre Umsätze und Gewinne voraussichtlich entwickeln. Schließlich wollen Banken oder andere Investoren wissen, wann ihr Investment sich bezahlt macht. Für die Finanzierung haben Sie dabei verschiedene Möglichkeiten. Informieren Sie sich über mögliche Voraussetzungen und finden Sie heraus, welche Angebote für Sie am attraktivsten sind:

  • Fördermittel
  • Kontakte
  • Crowdfunding
  • Kreditinstitute

Zusammenfassung zur Finanzierung

➠ Klären Sie Ihren finanziellen Bedarf.
➠ Erstellen Sie einen konkreten Finanzplan.
➠ Wägen Sie Möglichkeiten für Fremdkapital ab.

Mehr zur Finanzierung

Markennamen finden und schützen

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich Gedanken über den Namen Ihres Unternehmens zu machen. Die Frage lautet: Mit welcher Marke wollen Sie sich selbstständig machen? Hier ist in erster Linie Ihre Kreativität gefragt. Die Marke sollte zum Produkt oder zur Dienstleistung passen, sich gut vermarkten lassen und leicht zu merken sein.

Achten Sie unbedingt darauf, keine Markenrechte zu verletzen. Vielleicht gibt es bereits ein Unternehmen oder einen Selbstständigen und der Name ist geschützt. In solch einem Fall drohen Klage und Bußgelder. Gleichermaßen gilt, dass Sie sich Ihren Markennamen schützen lassen sollten, wenn Sie sich festgelegt haben. So verhindern Sie, dass jemand anders Ihre Marke verwenden darf.

Zusammenfassung zur Marke

➠ Finden Sie einen passenden Markennamen.
➠ Beachten Sie Rechte an bereits vorhandenen Marken.
➠ Schützen Sie Ihre eigene Marke.

Mehr zur Personenmarke

Standort analysieren und festlegen

Die Wahl des Standorts sollte nicht unterschätzt werden. Bei einem Geschäft ist die Lage ein großer Erfolgsfaktor, der darüber entscheidet, wie viele Kunden täglich zu Ihnen kommen. Auch selbstständige Dienstleister profitieren von einem gut gewählten Standort.

Ist Ihr Unternehmen an einem Ort, wo Ihre Zielgruppe nicht vertreten ist und entsprechend wenig Bedarf besteht, droht die Selbstständigkeit schon zu Beginn zu scheitern. Analysieren Sie deshalb genau, wo die Chancen für Ihre Geschäftsidee am größten sind.

Zusammenfassung zum Standort

➠ Sehen Sie den Standort als wichtigen Faktor.
➠ Analysieren Sie Zielgruppe und Bedarf an möglichen Standorten.
➠ Bedenken Sie auch unterschiedliche Kosten je nach Lage.

Mehr zur Firmengründung

Rechtsform wählen

Wenn Sie sich selbstständig machen wollen, stehen Sie vor der Frage: Welche Rechtsform wähle ich für mein Unternehmen? Damit verbunden sind ein unterschiedlicher Prozess zur Gründung, Anmeldung und Kosten sowie verschiedene Rechten und Pflichten. Beliebte Formen sind das Einzelunternehmen, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) oder auch eine Unternehmergesellschaft (UG)

Die folgende Übersicht zeigt Ihnen die wichtigsten Punkte verschiedener Rechtsformen bei der Selbstständigkeit – es kann aber sinnvoll sein, dass Sie sich bei der Wahl der Rechtsform beraten lassen.

  • Einzelunternehmer
    • Benötigte Gründer: 1
    • Stammkapital: 0 Euro
    • Haftung mit Privatvermögen
  • GmbH
    • Benötigte Gründer: Mindestens 1
    • Stammkapital: 25.000 Euro
    • Haftung beschränkt auf die Gesellschaft
  • GbR
    • Benötigte Gründer: Mindestens 2
    • Stammkapital: 0 Euro
    • Haftung mit Privatvermögen
  • UG
    • Benötigte Gründer: Mindestens 1
    • Stammkapital: 1 Euro pro Gesellschafter
    • Haftung beschränkt auf die Gesellschaft

Zusammenfassung zur Rechtsform

➠ Richtungsweisende Entscheidung für Rechte und Pflichten.
➠ Entscheidend für Kapital und Gründungsprozess.
➠ Lassen Sie sich im Zweifelsfall beraten.

Mehr zur Rechtsform GmbH

Genehmigungen einholen und Anmeldungen durchführen

Durch die offiziellen Anmeldung gründen Sie tatsächlich Ihr Unternehmen und sind im Anschluss selbstständig. Je nach gewählter Rechtsform ist es wichtig, dass Sie alle nötigen Anmeldungen vornehmen. Machen Sie sich selbstständig, müssen Sie in der Regel ein Gewerbe anmelden. Eine Ausnahme besteht, wenn Sie als Freiberufler tätig sind. Wenden Sie sich für die Anmeldung an das zuständige Gewerbeamt Ihres Kreises oder Ihrer Stadt.

Zudem können Anmeldungen beim Finanzamt, dem Handelsregister oder der IHK anfallen. Wo Sie sich je nach Rechtsform anmelden müssen, finden Sie in der folgenden Übersicht:

Selbststaendig Machen Voraussetzungen Geschaeftsidee Anmeldungen

Darüberhinaus können weitere Einträge nötig sein, beispielsweise müssen Handwerker sich bei der zuständigen Handwerkskammer registrieren. Möglicherweise ist auch eine Anmeldung bei einer Berufsgenossenschaft erforderlich. Vergessen Sie außerdem nicht, sich um benötigte Genehmigungen zu kümmern. Möglicherweise brauchen Sie eine Gewerbeerlaubnis oder ein Gesundheitszeugnis, wenn Sie einen Betrieb in der Gastronomie eröffnen wollen. Informieren Sie sich frühzeitig und beantragen Sie alle Genehmigungen.

Zusammenfassung zur Anmeldung

➠ Melden Sie sich beim Gewerbe- und Finanzamt an.
➠ Nehmen Sie je nach Rechtsform weitere Anmeldungen vor.
➠ Kümmern Sie sich frühzeitig und benötigte Genehmigungen.

Mehr zur Kleingewerbe anmelden

Versicherungen abschließen

Wer selbstständig ist, trägt immer auch gewisse Risiken. Auf dem Weg zur Selbstständigkeit sollten Sie daher unbedingt die nötigen Versicherungen abschließen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Wichtig ist beispielsweise eine Betriebshaftpflichtversicherung und eine Rechtsschutzversicherung. Damit sind Sie auf der sicheren Seite, sollte es zu Sach- oder auch Personenschäden kommen, die von Ihnen oder einem Ihrer Mitarbeiter verursacht worden sind. Sollten Sie Räume für Ihr Unternehmen anmieten, können Sie über eine Inventarversicherung nachdenken.

Aber auch privat sollten Sie sich versichern, wenn Sie sich selbstständig machen. Eine private Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sind sehr wichtig, ebenso sinnvoll ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Zusammenfassung zur Versicherung

➠ Schließen Sie eine Betriebshaftpflicht, Rechtsschutz und Berufsunfähigkeitsversicherung ab.
➠ Kümmern Sie sich um private Kranken- Renten und Arbeitslosenversicherung.
➠ Informieren Sie sich und lassen Sie sich beraten.

Mehr zur Versicherung für Selbstständige

Werbung betreiben und Kunden gewinnen

Geschafft! Sie haben sich selbstständig gemacht und können nun damit beginnen, Ihr neues Unternehmen zu bewerben und Kunden zu gewinnen. Überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Zielgruppe am besten erreichen – eine gute Präsenz im Internet ist dabei immer wichtig, ebenso können Sie gezielt Anzeigen schalten und einen professionellen Social Media Kanal erstellen.

Gerade für den Anfang ist es Ihr Ziel, Aufmerksamkeit zu erhalten und mit guter Qualität zu überzeugen. Das spricht sich rum und der Kundenstamm erweitert sich. Vergessen Sie aber nicht, auch weiterhin in Werbung zu investieren. Das lohnt sich auch langfristig.

Zusammenfassung zur Werbung und Akquise

➠ Sorgen Sie für Aufmerksamkeit.
➠ Überzeugen Sie Kunden mit Leistung und Qualität.
➠ Setzen Sie auf ein langfristiges Konzept.

Mehr zur Akquise


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Verschiedene Wege in die Selbstständigkeit

Sich selbstständig machen heißt, ein Unternehmen zu gründen oder ein Gewerbe anzumelden – wie in den obigen Schritten gezeigt. Neben diesen klassischen Vorgehensweisen kann es aber verschiedene Wege geben, die in die Selbstständigkeit führen. Wir haben diese Wege in die Selbstständigkeit für Sie aufgelistet:

Aus der Arbeitslosigkeit selbstständig machen

Wer seit geraumer Zeit arbeitslos ist, für den Kann die Selbstständigkeit eine reizvolle Alternative zum ohnehin fehlenden Angestelltenverhältnis sein. Hier können Sie sich sogar mit staatlichen Fördermitteln selbstständig machen. Arbeitslosengeldempfänger (ALG I) können den Gründerzuschuss beantragen. Für Empfänger von ALG II kann das sogenannte Einstiegsgeld vom Jobcenter gewährt werden.

Nebenberuflich selbstständig machen

Fehlendes Kapital oder noch fehlende Kenntnisse können ein Grund sein, sich nebenberuflich selbstständig zu machen: So können Sie noch Fachwissen in dem Bereich erwerben, in dem Sie eine Existenzgründung erwägen. Außerdem garantiert Ihnen ein bestehendes Arbeitsverhältnis die finanzielle Sicherheit, während der eigene Betrieb vielleicht erst langsam Einkünfte abwirft.

Bestehendes Unternehmen übernehmen

Ein vergleichsweise geringes Risiko gehen Sie als Nachfolger eines bestehenden Betriebs ein. Geht Ihr Vorgänger beispielsweise in den Ruhestand, können Sie meist auf einen existierenden Kundenstamm zurückgreifen. Natürlich gilt es hierbei, sich gründlich über das Unternehmen zu informieren, über dessen tatsächliche wirtschaftliche Lage und den Markt.

Mit Franchise selbstständig machen

Beim Franchising brauchen Sie keine eigene Idee, sondern lediglich die Branche, in der Sie arbeiten wollen. Der große Vorteil ist, dass Sie auf ein bereits bestehendes System zurückgreifen, das sich bewährt hat. Der Lizenzgeber steht dem Lizenznehmer mit Ratschlägen zur Seite, außerdem profitieren Sie vom Marketing des Lizenzgebers. Häufig brauchen Sie ein geringeres Startkapital als in anderen Formen der Selbstständigkeit.

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Voraussetzungen für Selbstständige

In Deutschland kann sich grundsätzlich jeder deutsche Staatsbürger und EU-Bürger selbstständig machen. Die Voraussetzungen aus rechtlicher Sicht sind somit sehr gut, um einen eigenen kleinen Betrieb aufzubauen, Dienstleistungen aller Art anzubieten und in die Selbstständigkeit zu starten.

Damit Ihr Vorhaben, sich selbstständig zu machen, aber langfristig Aussicht auf Erfolg hat, müssen Sie selbst einige Voraussetzungen mitbringen:

Persönliche Voraussetzungen

Es gibt geborene Selbstständige – aber auch Menschen, die nicht dafür gemacht sind. Das Unternehmertum verlangt dabei große Risikofreude. Auch wenn Ihre Geschäftsidee ausgereift ist, gibt es immer wirtschaftliche Unwägbarkeiten. Wer dem Sicherheitsdenken zu stark verhaftet ist, wird mit dem Gründen Schwierigkeiten haben.

Soziale Kompetenz, Kommunikations- und Kompromissfähigkeit sowie Verhandlungsgeschick sind unerlässlich, denn Sie werden mit Kunden, Geschäftspartnern und Mitarbeitern zu tun haben. Und: Kein anderer wird für Sie die unangenehmen Teile des Jobs übernehmen.

Fachliche Qualifikationen

Um erfolgreich (!) selbstständig zu sein, müssen Sie über Expertise auf Ihrem Gebiet verfügen. Sie können nur Aufträge bekommen und Kunden überzeugen, wenn die Qualität Ihrer Leistungen stimmt. Auch müssen Sie fachliche Qualifikationen nachweisen, um finanzielle Unterstützung wie den Existenzgründerzuschuss zu nutzen.

Sie müssen nicht nur in der Lage sein, sich Wissen im betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Bereich anzueignen. Sie sollten auch die Frage beantworten können: Was kann ich (persönlich) anbieten, was Kunden suchen?

Test zur Selbstständigkeit

Nicht jeder ist für die Selbstständigkeit gemacht. Manchmal stimmen die Rahmenbedingungen nicht, manchmal sind die persönlichen Voraussetzungen nicht vorhanden. Sollten Sie noch unsicher sein, kann Ihnen der folgende Selbsttest helfen. Dieser hat natürlich keinen wissenschaftlichen Anspruch und gibt Ihnen auch keine Garantie für den späteren Erfolg – er hilft aber bei der Selbsteinschätzung und Analyse. Schauen Sie sich alle Aussagen an und merken Sie sich, wie oft Sie zustimmen. Über die Anzahl der Zustimmungen kommen Sie am Ende zu Ihrem Ergebnis.

Rückhalt
➠ Meine Familie unterstützt mich.
➠ Mein Partner kann uns finanziell unterstützen.
➠ Mein Partner hilft mir, wo er kann.
➠ Meine Familie nimmt mögliche Abstriche in Kauf.
➠ Meine Familie akzeptiert den großen Zeitaufwand.

Planung
➠ Ich habe bereits eine konkrete Idee.
➠ Ich besitze genügend liquide Mittel und Eigenkapital.
➠ Ich habe ein berufliches Netzwerk.
➠ Ich habe langjährige Erfahrung und Expertise.
➠ Ich kenne die Branche und decke einen Bedarf.

Umsetzung
➠ Ich verfüge über kaufmännische Kenntnisse.
➠ Ich habe bereits Führungserfahrung sammeln können.
➠ Ich kann mich nebenberuflich selbstständig machen.
➠ Ich habe mich über eine Förderung informiert.
➠ Ich nehme mir die Zeit für die Vorbereitung.

Selbstmotivation
➠ Ich bin vom Erfolg meiner Idee überzeugt.
➠ Angst vor dem Scheitern habe ich nicht.
➠ Schwierigkeiten sind dazu da, um bewältigt zu werden.
➠ Ich bin bereit, Risiken einzugehen.
➠ Ich kann andere von meiner Idee überzeugen.

Persönlichkeit
➠ Ich kann schnell gute Entscheidungen treffen.
➠ Ich stehe für meine Interessen ein.
➠ Ich glaube an meine Ziele.
➠ Ich ziehe durch, was ich anfange.
➠ Rückschläge machen mich stärker.

Auswertung
0 bis 17 Punkte
18 bis 25 Punkte

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Für Gründer: 7 Wahrheiten, die einem keiner sagt

Die Wahrheit ist nicht immer angenehm, doch wenn Sie sich selbstständig machen wollen, sollten Sie auch wissen: Gründen hat nicht nur Vorteile. Viele Selbstständigkeiten sind keine Erfolgsgeschichten, sondern steinige Wege mit vielen Rückschlägen. Scheitern ist keine Seltenheit. Es gibt eben veritable Schattenseiten des Unternehmertums. Man könnte auch sagen:

Die meisten Menschen schauen nur auf die süßen Früchte – und übersehen den Baum, der lange gehegt und gepflegt werden muss, bis er überhaupt die ersten Früchte trägt.

Damit wollen wir Sie nicht abschrecken oder Ihnen ausreden, sich selbstständig machen zu wollen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen Sie nur vollumfänglich informieren – und dazu zählen immer zwei Seiten. Deshalb an dieser Stelle sieben Wahrheiten über das Gründen und selbstständig sein, die einem vorher kaum einer sagt…

  • Das Geschäftsmodell, mit dem Du startest, ist nicht das, mit dem Du reüssierst
    Am Anfang steht zwar immer die Grundidee. Aber die lässt sich nur selten in der Form gewinnbringend umsetzen: Entweder, weil es dafür doch keinen Markt gibt oder sich das Geschäftsmodell schlicht nicht rechnet. Auch die erste Website wird sich noch einige Male wandeln und das Business immer weiter verfeinern.

    Gut so! Denn das Geheimnis des Erfolgs als Selbstständiger und Unternehmer ist dasselbe wie in der Evolution auch: Anpassungsfähigkeit. Wer krampfhaft an seinem ersten Plan festhält und nicht flexibel ist, übersieht höchstwahrscheinlich eine große Chance, die sich abseits des erdachten Weges auftut.
  • Du wirst Zweifel haben und alles hinschmeißen wollen
    Nicht einmal Karrieren verlaufen heute linear; Unternehmertum erst recht nicht. Mal läuft es richtig gut, mal gar nicht. Rechnungen müssen trotzdem weiter bezahlt werden. Spätestens dann kommen die (Selbst-)Zweifel, der Mut schwindet.

    Das gehört dazu – und ist zugleich der Lackmus-Test für den wahren Unternehmer: Der kann sich in solchen Phasen (die immer wieder kommen) trotzdem motivieren, arbeitet diszipliniert weiter und verfolgt seine Ziele – oder justiert sie neu (siehe Punkt 1).
  • Familie und Freunde werden deine Euphorie nicht teilen
    Vor allem wenn diese selbst nie selbstständig waren. Die meisten Menschen sind nun mal auf Sicherheit bedacht und scheuen das Risiko und Ungewisse. Auch wenn Sie selbst für Ihre Idee brennen – viele andere werden es nicht tun. Womöglich, weil sie Ihre Idee und Ihr Produkt nicht verstehen oder nicht das sehen, was Sie visionieren. Machen Sie das keinem zum Vorwurf. Hauptsache, Ihr Partner zieht mit, denn an zwei Fronten kann keiner dauerhaft kämpfen.

    Wenn also sonst keiner an Ihre Idee glaubt: Betrachten Sie das als Test, wie stark Ihr eigener Glaube ist. Denn genau diese unbeirrbare Leidenschaft und Begeisterung brauchen Sie auch, um Kunden zu begeistern.
  • Es gibt keinen Instant-Erfolg
    Im Fernsehen und in Büchern werden sie häufig gefeiert: Jene, die es vom Tellerwäscher zum Millionär gebracht haben. Bravo! Aber das sind die glorreichen Ausnahmen – und selbst bei diesen wird meist unterschlagen, dass der Weg dorthin lange und beschwerlich war. Wir sehen oft nur den Erfolg – und ignorieren die Arbeit die dahinter steckt.

    Es dauert meist Jahre oder gar Jahrzehnte, bis zum großen Erfolg. Wer schnell reich werden will, sollte sich nicht selbstständig machen, sondern Lotto spielen.
  • Die Akquise ist das härteste Stück Arbeit
    Leider wahr: Kunden kommen nicht von alleine. Die tollste Geschäftsidee, die schickste Website nutzen nichts, wenn man sich nicht um Akquise und Vertrieb kümmert. Qualität setzt sich eben nicht von alleine durch, sondern braucht erst mal einen kräftigen Anschub.

    Nicht umsonst spricht man davon, das Geschäft anzukurbeln. In dem Begriff steckt schon ein wichtiger Hinweis: Kurbeln ist nichts Passives, man muss selber Hand anlegen und aktiv werden, zum Hörer oder zur Tastatur greifen und sich etwas ausdenken.
  • Als eigener Chef machst Du trotzdem die Drecksarbeit
    Endlich der eigene Chef sein und andere für sich arbeiten lassen… Hübsche Vorstellung, leider naiv. Natürlich ist es sinnvoll, später einmal jene Arbeiten auszulagern, die man nicht so gut und so schnell erledigen kann wie Spezialisten dafür. Zum Beispiel die Buchhaltung.

    Aber am Anfang fehlen dazu meist das Budget und folglich auch die Mitarbeiter. Der Solopreneur darf sich für nichts zu schade sein. Ja, man ist jetzt Chef – zugleich aber auch sein eigener 400-Euro-Jobber.
  • Nach drei Jahren willst Du nie wieder etwas anderes machen – oder gibst auf.
    So wie der Erfolg nicht über Nacht kommt, stellt sich auch so etwas wie Routine und ein halbwegs geregeltes Arbeitsleben erst nach Jahren ein. Fragt man Unternehmer, sagen die: Frühestens nach durchschnittlich drei Jahren weiß man, ob man wirklich davon leben kann oder nicht.

    Bis dahin braucht es die Zeit, um Netzwerke und eine Marke aufzubauen, Absatzmärkte und einen Kundenstamm zu etablieren. Wer dann fest im Sattel sitzt, will in der Regel nie wieder ins Angestelltendasein zurück – oder gibt auf.

Neben den Dingen, die einem keiner sagt, gibt es auch zahlreiche Mythen zur Selbstständigkeit, die sich hartnäckig halten. Diese haben wir für Sie in einem kostenlosen PDF-Dokument zum Download bereit gestellt.

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
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16. Oktober 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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