Selbstständig sein, sich nicht mehr mit dem Chef herumschlagen müssen, eine eigene Idee zur Realität werden lassen, damit Geld verdienen und alles genau so gestalten, wie es den eigenen Wünschen entspricht. Der Gedanke an die Selbstständigkeit schwebt vielen Menschen immer wieder im Kopf herum und alle versprechen sich davon, endlich ihr berufliches Glück zu finden, die eigene Leidenschaft zum Job zu machen und selbstständig all das verwirklichen zu können, was im Angestelltenverhältnis nie möglich war. Bei solchen Gedankenspielen stehen natürlich nur die positiven Seiten im Vordergrund und alles wird in den buntesten Farben ausgemalt. Aber ist selbstständig zu sein wirklich ein solcher Traum, wie es sich viele vorstellen? Wir betrachten die Selbstständigkeit möglichst neutral, klären die häufigsten Mythen auf und helfen Ihnen dabei, den richtigen Weg für sich selbst zu finden...

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Selbstständig: Warum träumen so viele davon?

Im Laufe des Berufslebens spielt wohl fast jeder Arbeitnehmer früher oder später einmal mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Manch einer denkt gleich zu Beginn seiner Karriere darüber nach, ob angestellt zu sein das Richtige für ihn ist oder ob selbstständig arbeiten nicht besser passen würde.

Andere kommen im späteren Verlauf auf die Idee, dass die Selbstständigkeit eine verlockende Alternative zur festen Bindung an einen Arbeitgeber sein könnte. Dabei wird meist in den höchsten Tönen geschwärmt, wenn es darum geht, sich vorzustellen, wie es wohl wäre, selbstständig zu sein.

Aber woher kommt die große Faszination und Begeisterung? Scheinbar jeder kann der Vorstellung, selbstständig zu sein, etwas abgewinnen. Dabei stehen besonders drei Faktoren im Vordergrund, die den Traum von der Selbstständigkeit beflügeln:

  • Unzufriedenheit mit der eigenen Situation

    Wer bei einem Unternehmen angestellt ist, denkt vor allem dann daran, sich selbstständig zu machen, wenn er unzufrieden mit der eigenen Situation wird. Macht die Arbeit keinen Spaß mehr, gibt es Ärger mit dem Chef oder den Kollegen oder sorgt der Stress im Job zunehmend für Probleme, wird nach einem Ausweg gesucht.

    Eine selbstständige Tätigkeit kommt vielen dann als erste Alternative in den Sinn, wenn die Befürchtung besteht, dass bei einem anderen Arbeitgeber das ganze Spiel nur von vorne beginnen würde.


  • Fokussierung auf die Vorteile

    Wenn Sie über Selbstständigkeit nachdenken, was fällt Ihnen als erstes ein? Klassischerweise sind es die große Freiheit, die Selbstbestimmung, die Möglichkeit, selbst etwas aufzubauen oder die Chance, sich selbst aussuchen zu können, mit wem zusammengearbeitet wird.

    Kurz gesagt: Die Gedanken drehen sich nur um Vorteile und positive Aspekte – auch deshalb, weil die Selbstständigkeit als heilbringende Alternative zum nervigen Job angesehen wird. Dass unzählige Stunden harter Arbeit, Verzicht und viele Rückschläge ebenso dazu zählen, wird zunächst komplett ausgeblendet.


  • Fehlen von Risiko

    In Gedanken kann es wirklich jedem gefallen, selbstständig zu sein. Einer der Hauptgründe: Solange sich alles nur in Ihrer Vorstellung abspielt, müssen Sie absolut kein Risiko eingehen. Nichts kann schief gehen, Ihre Fantasie entwickelt den perfekten Ablauf für Ihr eigenes kleines Unternehmen von dem Sie gut und glücklich leben.

    Die Realität sieht jedoch oftmals anders aus. Zunächst einmal brauchen Sie den Mut, Ihren Job tatsächlich zu kündigen und ein sicheres Gehalt aufzugeben. Hinzu kommt die Angst, dass an der Selbstständigkeit Ihre gesamte Existenz hängt, was eine große Belastung sein kann.

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9 Mythen rund um die Selbständigkeit

Selbstständigkeit bringt unbestritten einige Vorteile gegenüber dem klassischen Angestelltenverhältnis. Doch die Arbeit als Unternehmer und Gründer birgt auch Risiken und Nachteile, die einige Arbeitnehmer so nicht kennen oder auch gerne ausblenden und übersehen. Gefährlich! Denn aus dem Grund scheitern später so einige, wenn der schöne Traum von der Selbstständigkeit platzt und der Überlebenskampf beginnt.

Deshalb, daher und darum haben wir im Folgenden neun der häufigsten Mythen rund um die Arbeit als selbstständiger Unternehmer aufgelistet und entzaubert...

  1. Sie können arbeiten, wann Sie wollen.

    Sicher haben Selbstständige mehr Freiheiten bei den Arbeitszeiten als Beschäftigte mit einem geregelten Arbeitsvertrag. Aber wie heißt es so schön: Selbstständige arbeiten vor allem selbst und ständig... Und es ist auch wahr: Bis ein Unternehmen etabliert ist, einen festen Kundenstamm etabliert hat und rund läuft, kann es locker drei Jahre dauern. In der Zeit arbeiten viele Gründer mehr als 60 Stunden in der Woche - am Wochenende meist auch noch. Und je nach Branche - beispielsweise in der Beratung, als Agentur oder Freiberufler - müssen sich viele nach den Wünschen der Kunden richten - und erreichbar sein. Dann arbeiten Sie vor allem mehr - und dann, wenn Ihre Kunden das wollen.


  2. Sie können arbeiten, wo Sie wollen.

    Unterwegs, im Zug oder am Strand den Laptop aufklappen und arbeiten - das ist der Traum vieler Arbeitnehmer. In manchen (internetlastigen) Branchen und Jobs funktioniert das tatsächlich. Sobald aber ein Projekt beim Kunden stattfinden muss, Sie ein Ladenlokal oder ein Büro für Ihre Mitarbeiter brauchen, ist es mit der Freiheit aber in der Regel vorbei - und die Tage am Strand gezählt.


  3. Sie arbeiten nur noch nach eigenen Regeln.

    Der eigene Chef sein, nur nach den eigenen Regeln spielen - schöne Idee. Aber graue Theorie. Zwar können Sie solche Spielregeln definieren - dumm nur, wenn kein Kunde danach mitspielt, Sie aber den Umsatz brauchen. Eher und insbesondere am Anfang ist es umgekehrt: Bei Projekten mit oder für andere Unternehmen spielen Sie nach deren Regeln (auch was Rechnungsstellung und Zahlungsziele anbelangt). Abweichen ist in solchen Fällen keine gute Idee.


  4. Sie können Ihre Kunden selbst wählen.

    Schön, wenn Sie einmal so weit sind. Das ist gewiss ein Ziel, auf das sich hinzuarbeiten lohnt. Wahr ist aber: Die wenigsten Selbstständigen und Freiberufler können es sich - gerade zu Beginn der Selbstständigkeit - leisten, bei ihren Kunden wählerisch zu sein. Im Lauf der Zeit und mit wachsendem Erfolg ändert sich das, doch auch dann ist völlige Wahlfreiheit eine Illusion - insbesondere wenn es um einen wichtigen Großkunden geht.


  5. Sie wählen Ihre Projekte frei aus.

    Bei der Auswahl der Projekte ist es wie mit der Kundenwahl: Mit wachsendem Erfolg erweitern sich die Wahlmöglichkeiten, davor aber lebt die Mehrheit von dem, was kommt und von der Hand in den Mund. Vor allem aber schreiben Sie viele Angebote, von denen nur ein paar wirklich zum Auftrag führen.


  6. Selbstständige verdienen viel Geld.

    Es stimmt zwar: Als Unternehmer sind die Aussichten, es zu großem Wohlstand zu bringen, größer als bei einer Karriere als Angestellter. Allerdings ist brutto hier nicht gleich netto: Selbstständige brauchen ebenfalls eine Krankenversicherung und müssen zudem überlegen, wie sie privat fürs Alter vorsorgen. Hinzu kommen eine Vielzahl an Steuern und Abgaben: Gewerbesteuer, IHK-Beiträge, Umsatzsteuer, eventuell Körperschaftssteuer, diverse Versicherungen und und und. So bleiben von jedem verdienten Euro am Ende weniger als 50 Cent übrig. Um davon leben zu können, muss man also erst einmal viel verdienen - und das bitte auch jeden Monat regelmäßig.


  7. Sie haben keine nervigen Kollegen mehr.

    Selbstständige, die alleine arbeiten, bleiben von solchen Horrorkollegen verschont, das stimmt. Das heißt aber nicht, dass Geschäftspartner und Kunden nicht genauso auf den Nerven La Paloma spielen könnten... So mancher Kunde meint, er könne ständig mehr verlangen, ruft mitten in der Nacht an oder bezahlt die Rechnung einfach nicht. Entspannung geht jedenfalls anders. Außerdem ist das Arbeiten als Ein-Mann- oder Ein-Frau-Unternehmen nicht für jeden optimal. Manche brauchen einfach ein Team um sich herum, um produktiv und motiviert zu bleiben - auch wenn das zeitweilig nerven kann.


  8. Sie können Urlaub machen, wann Sie wollen.

    Und auch solange sie wollen. Theoretisch: ja. Praktisch: Nur wenn Sie es sich leisten können. Denn im Urlaub verdienen Sie unter Umständen nicht nur nichts - er kostet auch noch Geld. Überdies ist es eben noch so ein Mythos, Unternehmer könnten nach Lust und Laune in den Urlaub gehen. Auch den müssen Sie an den Bedürfnissen und Deadlines der Kunden ausrichten. Und manchmal gibt es auch so was wie Zwangsurlaub - dann etwa, wenn es keine Aufträge gibt. Entspannt sind solche Betriebsferien nur dann, wenn es Anschlussaufträge gibt. Sonst sorgt der Leerlauf eher für Panikattacken.


  9. Selbstständige arbeiten in ihrem Traumjob.

    Viele Unternehmer machen sich selbstständig, um ihren Traum oder ihre Vision zu verwirklichen. Das ist erst einmal richtig. Doch ob die Praxis später mit den eigenen Wünschen und Vorstellungen übereinstimmt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Selbstständigkeit kann, muss aber nicht zum Traumjob führen. Manchmal ist es nur eine andere Form des Broterwerbs.

Selbstständig: Ist es eine gute Idee, jung zu gründen?

Selbstständig nebenberuflich Ideen arbeiten Selbstständigkeit Definition ArbeitslosDie Startup-Szene boomt, immer mehr Menschen machen sich selbstständig – mit dabei auch immer mehr junge Gründer, die kurz nach dem Studium oder der Ausbildung stehen und ihren beruflichen Weg nicht in einer Festanstellung, sondern selbstständig beginnen wollen.

Eine oft gestellte Frage lautet jedoch: Ist es wirklich sinnvoll, sich bereits in so jungen Jahren selbstständig zu machen? Wer mit Anfang 20 davon berichtet, dass er sein eigenes Unternehmen aufbauen möchte oder selbstständig tätig sein will, wird mit einer großen Ladung Zweifel und Gegenargumenten konfrontiert.

Die vorherrschende Meinung lautet, dass es durchaus zu früh sein kann, sich selbstständig zu machen. Dr. Alexander Plitsch hat jedoch genau das getan und sich gleich im Anschluss an sein Studium der Kommunikationswissenschaft selbstständig gemacht. Inzwischen hilft er anderen jungen Gründern auf ihrem Weg – und weiß, dass diese oft mit Gegenwind zu kämpfen haben, den es zu entkräften gilt. Hier erklärt er, wie sich die häufigsten Argumente gegen eine junge Selbstständigkeit aushebeln lassen.

  • Vor der Selbstständigkeit sollten einige Jahre Berufserfahrung gesammelt werden

    Ein Punkt, mit dem sich jeder junge Gründer, der selbstständig werden will, auseinandersetzen muss. Es fehlt die Erfahrung im Berufsleben, es konnte noch kein Wissen und Know How gesammelt werden, tiefere Einblicke in Branchen oder Märkte sind noch nicht vorhanden. Gerade am Anfang der Karriere gibt es noch viel zu lernen - und die ersten Arbeitsverhältnisse sind dabei nicht unwichtig.

    Von Chef und Kollegen können Sie sich eine Menge abgucken, Sie lernen, wie alles funktioniert, wo wichtige Schnittstellen sind, welche Probleme, Herausforderungen aber auch Chancen branchenüblich sind. Und nicht zuletzt profitieren Sie von der Erfahrung und dem Wissen Ihres Chefs oder auch der Kollegen, die bereits viele Jahre im Job sind.

    Gründer und Kreativstratege Dr. Alexander Plitsch sieht darin jedoch nicht zwangsläufig einen Grund, sich nicht bereits in jungen Jahren selbstständig zu machen. Sein Argument: Es gibt keine steilere Lernkurve für junge Menschen als in der Selbstständigkeit: Wenn Sie für alles die Verantwortung tragen – und zwar jederzeit – dann lernen Sie in einem extrem hohen Tempo. Sie machen zahlreiche Erfahrungen, die Ihnen im Job vorenthalten werden, die dort Chefsache sind.


  • Das Risiko zu scheitern ist viel zu hoch

    Wer glaubt, sich selbstständig zu machen, führe automatisch zum Erfolg, ist naiv und belügt sich selbst. Ein großer Teil aller Gründer scheitert oder braucht deutlich länger, um wirklich etwas aufzubauen, das langfristig funktioniert. Aber sollte aufgrund der Möglichkeit des Scheiterns die Selbstständigkeit am Anfang der Karriere gleich gänzlich gestrichen werden? Nein, denn selbst wenn etwas schief geht, lässt sich daraus einiges mitnehmen.

    Meistens ist es kein Beinbruch, sondern gehört zum Unternehmerdasein dazu – aus Fehlern lernt man immer noch am besten! Und zweitens ändert sich an diesem Risiko auch nichts im fortgeschrittenen Alter, sagt Dr. Plitsch. Gleichzeitig macht er aufstrebenden jungen Gründern Mut: Scheitern Sie mit Ihrer Idee, können Sie sich ja immer noch anstellen lassen. Was haben Sie zu verlieren? Eben. Aber gewinnen können Sie einiges – und wenn es im Fall des Scheiterns nur eine lehrreiche und spannende Erfahrung ist.


  • Als Grünschnabel wird man von Kunden und Geschäftspartnern nicht ernst genommen

    Ja, wenn Sie sich in jungen Jahren selbstständig machen, haben Sie es sicherlich nicht immer leicht. Manch einer setzt Alter und Kompetenz immer noch in eine sehr enge Verbindung, wobei die jüngere Generation es schwer hat, zu überzeugen. Jungen Selbstständigen wird - oft zu Unrecht - weniger zugetraut oder aufgrund der kleineren Erfahrung die Qualifikation abgesprochen.

    Ändern lässt sich diese Einstellung nur schwer, doch Sie können lernen, mit solchen Einwänden, auch wenn Sie oft unausgesprochen bleiben, richtig umzugehen. Dr. Plitsch empfiehlt, die scheinbare Schwäche in eine Stärke zu wandeln. Ich selbst zum Beispiel habe damals bewusst Kunden adressiert, die junge Zielgruppen ansprechen wollten. Ebenso wichtig ist es, sich von einer negativen Erfahrung nicht abschrecken zu lassen.

    So weiß der junge Gründer, dass es auch eine andere Seite gibt: Viele Menschen zollen einem jungen Unternehmer Respekt für den Mut und die Fähigkeit, schon so früh ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Daraus lässt sich eine Menge Energie und Motivation schöpfen.

Selbstständig arbeiten: Ist es für Sie das Richtige?

Selbstständig zu sein hat zweifellos seine Vorteile und so mancher Arbeitnehmer, der in seinem Job nie wirklich glücklich war und vielleicht sogar privat mit Unzufriedenheit zu kämpfen hatte, blüht erst so richtig auf, nachdem er den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat.

Falsch wäre es aber, dies komplett zu verallgemeinern und es so darzustellen, als wäre es für jeden gleichermaßen ratsam, selbstständig zu sein. Es gibt genügend Menschen, die sich selbstständig nicht wohl fühlen, sondern die festen Strukturen und die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses brauchen, um glücklich zu sein. Nicht jeder ist zum Gründer geboren.

Die große Aufgabe für Sie besteht darin, Ihren persönlichen Weg zu finden und zu entscheiden, ob Sie wirklich selbstständig sein wollen oder nicht. Das klingt erst einmal recht leicht, schließlich kennen Sie sich selbst sehr gut und wissen, was Sie wollen - doch zeigt sich immer wieder, wie schwierig die richtige Wahl tatsächlich fällt.

Auf der einen Seite spielen dabei die verlockenden Argumente und die Unzufriedenheit eine Rolle, die Sie dazu verleiten können, die Selbstständigkeit als besonders attraktiv wahrzunehmen, obwohl diese vielleicht gar nicht so sehr zu Ihnen passt. Oder Sie lassen sich ausschließlich von Ihrer Angst leiten und verharren für Jahre oder gar Jahrzehnte in einem Job, der Sie unglücklich macht, weil Sie sich nicht trauen, selbstständig zu werden.

Was für Sie das Richtige ist, können Sie am Ende nur selbst herausfinden. Die Unternehmerin Katja Andes hat aber vier Schritte entwickelt, die Ihnen bei der Entscheidung zwischen Selbstständigkeit und Angestelltenverhältnis helfen können:

1. Der perfekte Tag

Stellen Sie sich Ihren perfekten Tag vor und analysieren Sie, wie weit Sie heute davon entfernt sind!

Der Wunsch nach Veränderung basiert fast immer auf aktueller Unzufriedenheit. Heißt im Klartext: Wenn Sie sich fragen, ob Sie sich eventuell selbstständig machen sollten, dann wahrscheinlich, weil es im aktuellen Beruf ganz und gar nicht so läuft, wie Sie es sich erhofft haben. Was genau daran schuld ist, finden Sie durch Selbstreflexion heraus. Die Kernfrage lautet dabei: Wo ist der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit?

Um herauszufinden und zusammenzufassen, was Ihnen wirklich wichtig ist, empfiehlt Andes eine einfache Methode. Erstellen Sie in Gedanken oder auch schriftlich in einem Notizblock den für Sie perfekten Tag. Dieser perfekte Tag sollte alle für Sie wichtigen Lebensbereiche abdecken - also neben dem Beruf auch Ihr Privatleben, Familie, Hobbys und Freizeitgestaltung. Wichtig ist dabei vor allem absolute Ehrlichkeit.

Es bringt Ihnen überhaupt nichts, wenn Sie sich hier selbst in die Tasche lügen. Denken Sie daran: Die Vorstellung ist nur für Sie allein, also kein Grund sich zu schämen oder etwas zu verheimlichen.

Um Ihren perfekten Tag zu gestalten, hat die Unternehmerin einige Fragen aufgelistet, an denen Sie sich orientieren können:

  • Was tun Sie an diesem Tag?
  • Was lernen Sie?
  • Was erschaffen/kreieren/arbeiten Sie?
  • Welchen Hobbies gehen Sie nach?
  • Mit wem verbringen Sie den Tag?
  • Wo sind Sie?
  • Wie leben Sie?
  • Wie fühlen Sie sich?

Im zweiten Schritt geht es an den Vergleich zwischen Ihrer gerade erstellten Idealvorstellung und der Realität. Wo gibt es Überschneidungen? Wo klaffen deutliche Lücken? Wo lassen sich beide Bilder so gar nicht miteinander vereinen? Je ähnlicher sich die beiden Seiten in der Gegenüberstellung sind, desto mehr spricht dafür, dass Sie auf einem guten Weg sind.

Glücklich und zufrieden werden Sie vor allem dann, wenn Ihr Leben zu Ihren Vorstellungen passt. Ist dies noch nicht der Fall, liegt es dann an Ihnen, die nötigen Veränderungen einzuleiten, um dem perfekten Tag Stück für Stück näher zu kommen.

2. Die Alternativen

Schreiben Sie sich mögliche Handlungsalternativen auf und halten Sie detailliert deren Vor-und Nachteile fest!

Mit dem Ziel vor Augen, dass Sie durch die obige Aufstellung gefunden haben, geht es nun darum, einen Weg zu finden, dieses zu erreichen. Suchen Sie dafür nach möglichen Optionen und Handlungsalternativen, die Sie auf den Weg bringen und die dazu beitragen, die von Ihnen definierte Vorstellung real werden zu lassen.

Eine grundlegende Frage lautet dabei: Ist Selbständigkeit die Alternative, die Sie am nächsten an diesen optimalen Zustand heranführen könnte? Oder gibt es vielleicht weitere Alternativen, die in Betracht kommen, an die Sie bisher aber noch gar nicht gedacht haben - zum Beispiel Teilzeit, ein Jobwechsel oder auch der Neustart in einer anderen Branche?

Darüberhinaus gibt Andes den Ratschlag: Wenn Sie die Handlungsalternativen definiert haben, nehmen Sie sich etwas Zeit und schreiben Sie pro Alternative die Vor- und Nachteile detailliert auf. Beantworten Sie zudem die Frage, welche der Alternativen Sie Ihrem perfekten Tag am nächsten bringen.

Haben Sie dies abgeschlossen, geht es auch hier mit einem Vergleich weiter. Schauen Sie sich noch einmal alle Optionen und deren Bewertungen an - und schon sollten Sie eine Idee davon bekommen, welche Alternative den größten Erfolg verspricht.

Sie kennen nun den Weg, der das größte Potenzial mitbringt. Leider ist genau das aber oft auch die Alternative, die mit dem größten Risiko einhergeht. Aber auch das lässt sich lösen.

3. Das Worst Case Szenario

Stellen Sie sich das absolute Worst Case Szenario vor!

Wer sich mit dem Thema Risiko beschäftigt, liegt dabei meist weit daneben und geht von einem viel zu hohen Risiko und drastischen Folgen aus. Schritt Nummer 3 dient deshalb dazu, Ungewissheiten und bedrohliche Annahmen aus der Alternative mit dem größten Potenzial zu nehmen - und keine Panik davor zu machen, sondern diese in eine realistischere Einschätzung zu wandeln.

Stellen Sie sich vor, was schlimmstenfalls passieren könnte. Und bitte im Detail. Es geht darum, ein bewusst schlechtes Szenario zu zeichnen für den Fall, dass Sie scheitern. Was wäre das Allerschlimmste, das passieren könnte? Überzeichnen Sie hier ruhig – es darf skurril und unrealistisch wirken, empfiehlt Katja Andes.

Zu sehen, was wirklich das Worst Case ist, hilft dabei zu erkennen, dass es eben doch gar nicht so schlimm ist. Sie werden sehen: Selbst wenn Sie scheitern sollten, ist es in der Regel kein Weltuntergang. Ein Rückschlag, aber nichts, dass sich nicht wieder richten ließe.

Der zweite Teil dieses Schrittes besteht laut Andes darin, gleich mögliche Lösungen parat zu haben: Fragen Sie sich auch, wie Sie es danach schaffen könnten, den aktuellen Status quo wieder herzustellen. Könnten Sie beispielsweise in Ihren jetzigen Job zurückkehren oder einen vergleichbaren Job finden?

Mit dem Wissen über ein Worst Case Szenario und den Weg zurück sind Sie gewappnet, sich der Herausforderung zu stellen. Sie wissen genau, worauf Sie sich einlassen - und brauchen das Risiko nicht mehr zu scheuen, da Sie für den schlimmsten Fall bereits eine Lösung in der Hinterhand haben.

4. Das richtige Timing

Verlassen Sie Ihre Komfortzone!

Die Vorbereitungen sind nun getroffen, bisher war jedoch alles graue Theorie. Nun kommt es noch darauf an, den optimalen Zeitpunkt zu finden, um das den ausgewählten Weg in die Tat umzusetzen, aktiv zu werden und die Veränderungen einzuleiten.

Dabei werden Sie nicht drumherum kommen, Ihre Komfortzone zu verlassen. Dabei stehen Ihnen zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Entweder Stück für Stück oder durch einen Sprung ins kalte Wasser.

So ist es nicht zwangsläufig notwendig oder der beste Weg, sofort Ihren Job zu kündigen und sich selbstständig zu machen. Ist Ihnen das zu viel, sollten Sie aber dennoch beginnen, auf die Umsetzung Ihrer Pläne hinzuarbeiten und möglichst jeden Tag etwas dafür zu tun. Auch kleine Schritte führen schließlich ans Ziel. Beginnen Sie beispielsweise damit, sich zunächst nebenbei selbstständig etwas aufzubauen, bevor Sie endgültig den Absprung aus Ihrem Job wagen.

Das nimmt auch einen Teil der Angst, da Sie langsam vorfühlen können, wie sich die Selbstständigkeit entwickelt, ob die Nachfrage stimmt und Sie Kunden überzeugen können. Andes sieht noch einen weiteren Pluspunkt: Nebenher die ersten Schritte zu unternehmen hat den Vorteil, dass Sie frühzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln und Selbstsicherheit gewinnen.

Zum Abschluss hat sie auch noch einen wertvollen Tipp für all jene, die sich selbstständig machen wollen: Viele Menschen glauben, dass es notwendig ist, zunächst einen riesigen finanziellen Puffer aufzubauen, bevor man das Risiko einer selbständigen Tätigkeit eingehen kann. Sollten Sie zu dieser Gruppe zählen, möchte ich Sie gerne ermutigen, zu prüfen, ob der Puffer, den Sie glauben zu benötigen, realistisch ist:

Wie lange haben Sie den Zeitraum eingeschätzt, um aus dem absoluten Worst Case Szenario herauszufinden und wieder Geld zu verdienen zu können?

In einem eher realistischen Szenario werden Sie weniger Zeit und damit weniger Geld benötigen. Diese Annahme kann dabei helfen Ihren benötigten finanziellen Puffer realistischer einzuschätzen.

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]

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