Kompetenz: Wann ist man kompetent?

Jeder will kompetent sein, denn häufig wird mit Kompetenz das Wissen verbunden, alles umsetzen zu können, was erforderlich ist. Wer kompetent ist, ist klug. Auf beruflicher Ebene assoziieren viele kompetente Menschen mit Erfolg: Wer Kompetenz besitzt und sie gewinnbringend einsetzen kann, kommt weiter und macht Karriere. Dabei ist Kompetenz ist ein vielschichtiger Begriff, der je nach Gebiet Fähigkeit, Zuständigkeit oder Bereitschaft bedeuten kann. Und es gibt viele Arten von Kompetenz, so dass sich schwerlich von der Kompetenz reden lässt. Wir nähern uns der Bedeutung an und erklären, welche Arten von Kompetenz Sie brauchen…

Kompetenz: Wann ist man kompetent?

Definition: Was ist Kompetenz?

Während Begriffe wie Klugheit und Intelligenz sich eher allumfassend auf kognitive Fähigkeiten eines Menschen beziehen, kann eine Person auch lediglich auf einem Gebiet kompetent sein und auf sehr vielen anderen überhaupt keine Ahnung besitzen.

Es gibt wenigstens zwei Definitionen von Kompetenz, die in der Pädagogik und in der Psychologie (dort vom Kognitionspsychologen Franz Weinert) geprägt wurden. Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort competencia ab und bedeutet so viel wie „zu etwas geeignet, fähig oder befugt sein“.

Die ersten beiden Bedeutungen werden auch in folgenden Synonymen deutlich:

  • Befähigung
  • Begabung
  • Beschlagenheit
  • Fertigkeit
  • Können
  • Sachverstand
  • Sachverständnis
  • Vermögen

Andere Synonyme für Kompetenz wie Befugnis/Entscheidungsbefugnis, Zuständigkeit oder Zuständigkeitsbereich, deuten eher auf ein juristisches und organisatorisches Verständnis von Kompetenz hin. Oft wird statt Kompetenz auch von Fähigkeit, Talent oder Qualifikation gesprochen.

Allerdings ist auch das ungenau. Denn Talent deutet an, dass eine Person das Potenzial dazu hat, Kompetenzen in einem Bereich zu entwickeln. Qualifikationen hingegen sind Fähigkeiten, die von offizieller Stelle beglaubigt oder zertifiziert wurden: Dazu gehört beispielsweise das Abschlusszeugnis der Hochschule oder das Zertifikat über eine Weiterbildung.

Nach wirtschaftspsychologischer Ansicht bedeutet Kompetenz die Fähigkeit zu kreativen und selbstorganisiertem Handeln, auch in unüberschaubaren und komplexen Situationen. Erst wenn also vorhandenes Wissen sich in Handlungen manifestiert, spricht man von Kompetenz.

Verschiedene Arten der Kompetenz

Ergänzend muss gesagt werden, dass Arbeits- und Abschlusszeugnisse nur die Hard Skills dokumentieren. Sie gehören zur Kompetenz einer Person dazu. Aber am Arbeitsplatz sind eine Reihe von Fertigkeiten gefragt, die so selten dokumentiert werden und sich eher in der Praxis zeigen.

Kompetenz spiegelt sich in diesen Bereichen wider:

  • Personale Kompetenz

    Diese Kompetenz nennt sich auch Individualkompetenz, Selbstkompetenz oder Humankompetenz. Sie beschreibt die Einstellungen oder Werte, die ein Mensch hat. Beispielsweise erkennt er im Beruflichen wie Privaten die Anforderungen und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen. Das kann bedeuten, dass diese Person beispielsweise erkennt, dass ihre Fremdsprachenkompetenz in Englisch nachgelassen hat und sie mit einem Sprachkurs ihr Business Englisch wieder auffrischt.

    Das kann ebenso gut bedeuten, dass jemand seine Sinnkrise zum Anlass nimmt, sich über seine beruflichen Ziele klar zu werden und einen Jobwechsel in Betracht zieht. Oder dass jemand mehr für seine Kinder da sein möchte und seine Stelle fortan nur noch in Teilzeit ausführt.

  • Soziale Kompetenz

    Soziale Kompetenz zeigt sich im Miteinander mit anderen Menschen. Wie gestaltet sich die Interaktion, gehen Impulse von dieser Person aus? Trägt sie durch überlegtes Handeln dazu bei, Konflikte zu entschärfen oder gar nicht erst entstehen zu lassen?

    Ein grundsätzlicher Respekt anderen Menschen gegenüber ist unumgänglich. Soziale Kompetenz zeichnet sich außerdem durch Konfliktfähigkeit, Empathie, Kritikfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Kompromissbereitschaft. Wobei diese Kompetenz nicht als die Fähigkeit zur friedfertigen Schlaftablette missverstanden werden sollte:

    Konfliktfähigkeit heißt eben auch, sich Reibereien und Meinungsverschiedenheiten in der Sache ruhig, aber bestimmt zu stellen. Es existiert eine grundsätzliche Bereitschaft zur Mitarbeit im Team, aber es wird nicht alles fröhlich abgenickt, sondern die eigene Position vertreten.

  • Methodenkompetenz

    Wer über Methodenkompetenz verfügt, besitzt die Fähigkeit, verschiedene Methoden anzuwenden und Probleme lösen zu können. Diese Kompetenz ist daher eine echte Schlüsselqualifikation. Sie beinhaltet die Beschaffung, Aufbereitung und Präsentation von Informationen. Erkennbar ist dies beispielsweise im Umgang mit Medien und einer gewissen Präsentationsfähigkeit. Eine gute Methoden- und Lernkompetenz ist meist Voraussetzung dafür, Fachkompetenz entwickeln zu können.

  • Fachkompetenz

    In vielen Kompetenzbereichen gibt es Überschneidungen, so auch bei der Methoden- und der Fachkompetenz. Sind es zwei eigene Kompetenzen, ist es am Ende gar dasselbe? Klar ist: Ohne das Wissen um bestimmte Lern- und Arbeitstechniken können Sie sich kein Fachwissen in dem von Ihnen favorisierten Bereich aneignen, also keine Fachkompetenz erwerben.

    Das geht bereits mit absoluten Basisfähigkeiten wie Lesen und Auswendiglernen los. Auf der anderen Seite ist Fachkompetenz (auch Sachkompetenz genannt) weitaus mehr als ein Repertoire an verschiedenen Techniken. Vielmehr geht es darum, das erworbene Fachwissen zur Lösung bestehender Probleme anwenden zu können.

  • Handlungskompetenz

    Die Umsetzung exakt dieses erworbenen Wissens wird dann als Handlungskompetenz bezeichnet. Sie bildet die Schnittmenge aus personaler, sozialer, methodischer und fachlicher Kompetenz und steht für eigenverantwortliches Handeln. Grundvoraussetzung dafür ist das kognitive Vermögen: Wer angesichts einer bestimmten Problemstellung reflektiert, kommt aufgrund seiner Fachkompetenz zu einem bestimmten Ergebnis und wird angemessen handeln.

  • Medienkompetenz

    Als separate Kompetenz lässt sich die Medienkompetenz herausgreifen. Dazu gehört nicht allein der versierte Umgang mit Technik, der als solcher auch Teil der Methodenkompetenz sein kann. Medienkompetenz beschreibt vielmehr die Einordnung existierender Medien in den Gesamtzusammenhang.

    Das umfasst sowohl digitale als auch analoge Medien und erfordert eine kritische und analytische Herangehensweise beim Sichten von Informationen. Diese müssen vor einer Präsentation geprüft und entsprechend aufbereitet werden, beispielsweise durch eine Anpassung an die Altersgruppe oder weitere Hintergrundinformationen über Ort und Zeit.

  • Führungskompetenz

    Wer Führungskompetenz besitzt, braucht auch eine gute Sozialkompetenz. Hier geht es darum, sich gegenüber Mitarbeitern einerseits durchsetzen zu können, andererseits ein Gespür für deren Anliegen zu haben und darauf eingehen zu können.

    Schließlich geht es nicht darum, mit brachialer Gewalt Anordnungen umzusetzen, sondern seine Mitarbeiter motivieren und für gemeinsame Ziele begeistern zu können. Gleichzeitig übernimmt eine Führungskraft die Verantwortung fürs große Ganze und geht mit gutem Beispiel voran, wenn die Dinge mal nicht so glorreich verlaufen.

Wie erwirbt man Kompetenz?

Was klar sein dürfte: Kompetenz fällt nicht vom Himmel, sie hängt eng mit Bildung zusammen. Die ist wiederum nicht statisch: Inhalte verändern sich, neue Entdeckungen und Innovationen machen alte Erkenntnisse und Theorien obsolet. Wissen ist einem ständigem Wandel unterworfen.

Die Frage danach, wann man kompetent ist und wie man Kompetenz erwirbt, ist daher fast schon eine philosophische, mindestens aber eine, die historisch unterschiedlich beantwortet wird.

In früheren Jahrhunderten passte das, was für verschiedene Wissensgebiete als wissenswert erachtet wurde, in ein Konversationslexikon; war es umfangreich, gab es eine zehnbändige Reihe. Das war das damalige Wissen-to-Go, lange bevor es Wikipedia geschweige denn das Internet gab. An derart überschaubares Wissen ist heutzutage nicht mehr zu denken.

Deshalb ist nicht nur in privaten Zusammenhängen vom lebenslangen Lernen die Rede. Als Arbeitnehmer erwerben Sie ihm Rahmen Ihrer Ausbildung oder Ihres Studiums ein bestimmtes Maß an Wissen mit Ihrem Abschluss – Ihre Kompetenzen werden in Abschluss- und Arbeitszeugnissen beglaubigt.

Mit Blick auf den Wissensverfall bedeutet Kompetenz für eine Fachkraft, durch Fortbildung und Weiterbildung vorhandenes Wissen auf dem aktuellen Stand zu halten und möglichst auszubauen. Wer sein Gebiet geradezu durchdringt, wird so zum Experten.

[Bildnachweis: hvostik by Shutterstock.com]
24. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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