Analytisches Denken: Darum ist es so wichtig

In Stellenangeboten wird immer wieder der Wunsch geäußert, dass Bewerber über analytisches Denken vermögen sollten. Diese Fähigkeit stellt neben der unabdingbaren Fachkompetenz und diversen anderen Fähigkeiten eine oft geforderte Voraussetzung für die Stelle dar. Analytisches Denken gehört zu den Soft Skills und wird daher von so manchem Bewerber leicht als Nebensache eingestuft. Tatsächlich kann es allerdings im Beruf maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Was darunter zu verstehen ist und wie Sie Ihre Analysefähigkeit trainieren können…

Analytisches Denken: Darum ist es so wichtig

Analytisches Denken Definition: Was ist darunter zu verstehen?

Mit analytischem Denken verbinden viele Menschen Analyse, Logik. Vor allem bei Logik erscheinen Bilder von Zahlenkolonnen und komplizierten mathematischen Aufgaben vor dem inneren Auge.

Dabei haben Analysefähigkeit und logisches Denken nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, wie schnell wir in Mathematik sind. Analytisches Denken beschreibt vielmehr die Fähigkeit, allgemein Probleme ausmachen und lösen zu können. Das setzt bestimmte Denkprozesse voraus, in denen Kausalitäten erkannt werden.

Wer analytisch denkt, untersucht, was unter welchen Umständen welche Konsequenzen bedingt. Einfach gesprochen, wird dafür ein Sachverhalt unter den Gesichtspunkten wenn…, dann… untersucht. Analytisches Denken läuft im Wesentlichen in drei Schritten ab:

  1. Problemerfassung: Sie erkennen ein Problem als solches.
  2. Kontextualisierung: Sie können es in einen größeren Zusammenhang einordnen, erkennen Teilaspekte und interpretieren die Lage richtig.
  3. Lösungsentwicklung: Sie können aus dem Gesamtzusammenhang eine Lösung herleiten.

Analysefähigkeit wichtig im Berufsleben

Analytisches Denken ist vor allem dann gefragt, wenn ein Arbeitsplatz häufiger mit Veränderungen verbunden ist. Eine stark routinierte Tätigkeit wie etwa Fließbandarbeit erfordert vom Arbeitnehmer keine besonderen analytischen Fähigkeiten.

Das fängt bereits im Studium an. Voraussetzung ist, Dinge von einer wissenschaftlichen Warte her möglichst systematisch anzugehen. Ein Sachverhalt wird dafür zunächst beschrieben, es folgen verschiedene Perspektiven (beispielsweise in Form von Kontroversen), eine Einordnung in das große Ganze, bis sich letzten Endes bestimmte, logische Schlüsse daraus ableiten lassen.

Später im Berufsleben ist analytisches Denken für Arbeitgeber von großer Bedeutung, denn es gibt ihnen eine größere Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Mitarbeiter nicht einfach nur Dienst nach Vorschrift schiebt, sondern sich darüber hinaus zum Wohl des Unternehmens einbringt.

Er erkennt Fehler und arbeitet aktiv an ihrer Lösung. Für bestimmte Berufsbilder ist dieses Soft Skill unverzichtbar, da technische Neuerungen fester Bestandteil sind, beispielsweise in Ingenieurberufen. Aber auch Unternehmensberatungen, Mediziner oder Kriminologen kommen nicht ohne analytisches Denken aus.

Und es ist längst nicht nur wichtig bei Fehlern und Problemen. Vielmehr ist es immer gefragt, wenn es darum geht, Prozesse zu optimieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das erfordert häufig Querdenken, weshalb diese Fähigkeit oft mit Kreativität und Flexibilität einhergeht.

Die Notwendigkeit von Analysen ergibt sich letztlich in allen Berufsfeldern, beispielsweise:

  • ABC-Analyse bei der Strategieentwicklung
  • Bilanzanalyse im Rechnungswesen (Controlling)
  • Kundenanalyse im Marketing
  • Machbarkeitsanalyse in der Konstruktion
  • Risikoanalyse im Produktmanagement
  • Schadensanalyse im Qualitätsmanagement
  • Wertanalyse im Einkauf
  • Wettbewerbsanalyse im Vertrieb

Analysefähigkeit kein Schutz vor Verschwörungstheorien

analytisches Denken PsychologieMan könnte meinen, dass analytisches Denken der beste Schutz vor Irrationalität, Aberglauben und Verschwörungstheorien ist. Schließlich befähigt es Menschen, komplexe Sachverhalte zu untersuchen und auf Basis der vorhandenen Informationen rationale Entscheidungen zu treffen.

Frühere Studien gingen davon aus, dass allein bestimmte ausgeprägte kognitive Fähigkeiten ausreichten, analytisch vorzugehen. Eine im Allgemeinen bessere Bildung wurde als Beweis dafür gewertet, dass jemand paranormalen Dingen weniger Beachtung schenkt.

Der Psychologe Tomas Stahl von der University Illinois in Chicago und sein Kollege Jan-Willem van Prooijen von der Vrije Universiteit Amsterdam konnten in ihren Studien jedoch feststellen, dass das analytische Denkvermögen allein nicht ausreicht.

Vielmehr ist es so, dass zusätzlich zum analytischen Denken der Wunsch vorhanden sein muss, Dinge rational zu erfassen und sich auf Logik und Beweise zu stützen.

Analytisches Denken im Bewerbungsprozess

Analytisches Denken ist daher fast immer Bestandteil von Einstellungstests, da oft in Form von Textanalyseaufgaben. Ebenso gut kann es im Vorstellungsgespräch selbst abgefragt werden.

Dazu zählen unter anderem sogenannte Fermi- oder Schätzfragen, benannt nach dem italienischen Kernphysiker Enrico Fermi. Ein Beispiel dafür wäre die Frage:

Wieviele Schokolinsen passen in einen Smart?

Aber kein Grund zur Sorge, wenn Sie nicht wie aus der Pistole geschossen eine konkrete Zahl benennen können. Bei diesen Fragen geht es nie um eine exakte Antwort. Vielmehr versuchen Personaler Ihren Denkprozess nachzuvollziehen. Und Ihre Aufgabe ist es, diesen klar zu strukturieren.

Alles, was es für die Aufgabe braucht, sind einige Grundinformationen (Sie wissen, dass es sich bei einem Smart um einen Kleinwagen handelt), also ein gesundes Allgemeinwissen und eben analytisches Denken. Sie fangen dann an, Aufgaben in Teilaufgaben zu zerlegen und nähern sich der Lösung in mehreren Schritten.

Ähnlich läuft das mit Fallstudien im Assessment Center. Es wird eine problematische Szene entworfen (etwa Umsatzeinbußen) und Sie müssen dann nachvollziehbar argumentieren, wie Sie zur Lösung des Problems beitragen würden. Anhand solcher Aufgaben versuchen Personaler möglichst realistische Situationen aus dem späteren Berufsalltag darzustellen.

Fachwissen allein reicht nicht

Fachwissen mag der Türöffner sein, aber ob Sie in einem Unternehmen bestehen können, hängt von anderen Dingen ab. Nicht umsonst wird teilweise abfällig von „Fachidioten“ gesprochen. Denn analytisches Denken befähigt Sie, durch Fachwissen und Erfahrung gewonnene Erkenntnisse zu abstrahieren und auf andere Bereiche anzuwenden.

Jemand anderes mag ein höheres Faktenwissen als Sie besitzen – ob er analytisch denken kann, ist damit noch nicht gesagt. Die Fähigkeit, Assoziationen zu bilden und auf Erinnerungen zurückzugreifen, unterstützt den Analyseprozess. Soft Skills wie analytisches Denken speisen sich daher häufig aus Lernprozessen, die in sozialer Interaktion gewonnen werden.

Daher sind allen Unkenrufen zum Trotz gerade für Berufsanfänger Hobbys und/oder Ehrenamt im Lebenslauf nicht zu unterschätzen.

Sie können bei einer Bewerbung dem Personaler Hinweise darauf geben, inwieweit neben Ausbildung oder Studium die sogenannten weichen Faktoren ausgeprägt sind. Denn die lassen sich selten aus Büchern lernen.

Analytisches Denken trainieren

Stellt sich die Frage, wie sich analytisches Denken trainieren beziehungsweise lernen lässt. Wie eingangs erwähnt, braucht es dafür kein Mathematikstudium, wenngleich die Grundrechenarten vorhanden sein sollten. Wichtiger ist neben dem Allgemeinwissen eher Ihre persönliche Herangehensweise.

Wer sonst eher chaotisch und impulsiv ist, sollte sich um ein organisiertes und strukturiertes Vorgehen bemühen. Außerdem lässt sich anhand von diversen Tests (siehe Kasten oben) für Bewerbungssituationen üben. Eine spielerische (etwas aufwändigere) Art, analytisches Denken zu trainieren, sind Spiele, in denen strategisches Vorgehen erforderlich ist.

Dazu können Brettspiele wie Schach oder Kartenspiele wie Poker gehören. Eine andere Möglichkeit sind Planspiele, die in einer Mischung aus sozialen und technischen Komponenten wichtige Kompetenzen vermitteln können. Beispielsweise wird für Piloten in der Ausbildung auf einen Flugsimulator zurückgegriffen.

Für Manager gibt es ein Unternehmensplanspiel oder das Führungsplanspiel zum Training von Führungskompetenzen. Von der Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie HIER einen Link zur Datenbank für politische Planspiele. Enthalten sind sowohl politisch-gesellschaftliche als auch ökologische und wirtschaftliche Planspiele.

Nachfolgend seien diese Artikel empfohlen, um analytisches Denken zu trainieren:

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
19. Oktober 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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