Redeangst überwinden: Nie mehr Angst vorm Sprechen

Die Hände verschwitzt, der Puls pocht. Redeangst kann einem regelrecht die Kehle zuschnüren. Das Reden vor Publikum erfordert von den meisten Menschen große Überwindung. Für einige ist es pure Qual. Heraus kommt dann entweder nur Gestammel oder kein Piep. So muss es nicht bleiben. Man kann lernen, vor anderen Leuten zu sprechen. Welche Ursachen hinter der Redeangst stehen, warum Lampenfieber vor einem Auftritt helfen kann, dazu Tipps, wie Sie Ihre Redeangst überwinden können…

Redeangst überwinden: Nie mehr Angst vorm Sprechen

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Redeangst: Lampenfieber kann nützlich sein

Zuerst die positiven Seiten: Lampenfieber gehört zu jedem Vortrag dazu. Es ist normal. Selbst professionelle Keynote-Speaker mit jahrelanger Erfahrung haben es. Auch feuchte Hände und ein trockener Mund vor einer wichtigen Präsentation können auftreten. Das sollte Sie aber nicht verunsichern oder blockieren.

Lampenfieber ist nützlich. Es fühlt sich zwar nicht danach an, doch die Anspannung und Nervosität, die mit Lampenfieber einhergehen, sorgen dafür, dass eine Rede oder ein Vortrag noch besser werden. Grund dafür ist die Produktion von Adrenalin. Das Hormon macht uns hellwach, steigert Konzentration und Leistungsfähigkeit. Der Körper wird besser mit Energie versorgt. Kurz: Die Spannung hilft uns dabei, die anstehende Aufgabe zu bewältigen.

Welche Situationen können Redeangst auslösen?

Wie stark die Redeangst ausgeprägt ist, unterscheidet sich – wie bei jeder Angst – von Person zu Person. Auch kann sie in verschiedenen Situationen auftreten:

  • Referat in der Schule
    Schon in der Kindheit und Jugend kann Redeangst auftreten. Zum Beispiel bei Referaten in der Schule. Sie werden für die Schüler zu einer enormen Herausforderung.
  • Präsentation an der Universität
    Spätestens im Studium gehört das Präsentieren zum Lehrplan. In Seminare oder im Hörsaal müssen Studenten Projekte oder Hausarbeiten vortragen. Für jemanden, der unter Redeangst leidet, eine Horrorvorstellung.
  • Meeting im Büro
    Im Job ist das Reden und Präsentieren nahezu unumgänglich: im Meeting oder vor Kunden müssen Projekte oder Ideen vorgestellt beziehungsweise verkauft werden. Je größer der Leistungsdruck, desto größer die Angst.
  • Rede auf einem Familenfest
    Selbst im familiären Umfeld kann Redeangst zum Problem werden. Etwa, wenn Sie gebeten werden, spontan ein Tischrede oder Begrüßungsrede zu halten. Egal, wie gut Sie die Anwesenden kennen: Überwindung kostet es jedes Mal.
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Redeangst: Welche Ängste lösen Sie aus?

„Logophobie“ – so der Fachausdruck für „Redeangst“ – erzeugt regelmäßig ein Gefühl von Panik. Aber was steckt dahinter? Logophobie gehört zu den sozialen Ängsten. Bedeutet: Hinter der Redeangst die steckt letztlich die Angst vor Zurückweisung. Diese Angst lässt sich noch weiter unterteilen:

  • Die Angst zu versagen
    Wer unter Redeangst leidet, macht sich meist Sorgen darüber, wie seine Präsentation ankommt. Die Versagensangst, dass man sich vor den Zuhörern blamiert und abgelehnt wird, sorgt schon im Vorfeld für ein ausgeprägtes Schamgefühl.
  • Die Angst im Mittelpunkt zu stehen
    Vor allem schüchterne Menschen hassen die Vorstellung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Allein das Gefühl, von allen Anwesenden beobachtet zu werden, kann Angstzustände auslösen.
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Redeangst: So überwinden Sie die Angst vor dem Sprechen

Es ist unwahrscheinlich, dass Sie Ihre Redeangst von heute auf morgen ablegen oder verlieren werden. Sie ist tief im Charakter verankert. Nicht selten basiert sie auf negativen Erlebnisse in der Vergangenheit, die uns prägen. Das bedeutet aber nicht, dass Sie mit Ihrer Angst leben müssen. Es ist nur eine Art Gewohnheit, die Sie sich wieder abgewöhnen müssen. Und das dauert eben etwas. Dazu benötigen Sie vor allem Mut und Durchhaltevermögen.

Mit den folgenden Tipps, können Sie Ihre Redeangst überwinden:

  1. Relativieren

    Rund 40 Prozent der Menschen haben Angst davor, öffentliche Reden zu halten. Sie sind also alles andere als ein Außenseiter oder besonders gehandicapt. Mehr noch: Ein Großteil Ihrer Zuhörer weiß ganz genau wie es Ihnen auf der Bühne geht und welchen Stress Sie gerade durchmachen. Indem Sie sich das bewusst machen, sinkt oft schon der Druck.

  2. Analysieren

    Wer Ängste überwinden möchte, muss sich diesen stellen. Oft verschwinden sie schon, indem wir uns bewusst machen, warum oder wovor wir Angst haben – und wie realistisch das ist. Spielen Sie den Gedanken also ruhig einmal in Form eines Worst Case Szenarios durch: Was könnte schlimmstenfalls passieren? Wäre das wirklich so schlimm? Wie realistisch ist das? Und was könnten Sie dann tun? Meist ist das Ergebnis: Alles halb so wild.

  3. Vorbereiten

    Je besser die Vorbereitung, desto größer die Selbstsicherheit. Damit sinkt zugleich die Angst zu versagen. Solange die Routine fehlt, sollten Sie also mehr Zeit in die Vorbereitung investieren. Machen Sie sich Notizen oder Stichpunkte auf Karteikarten und üben Sie die Präsentation vor Freunden oder der Handykamera. Alle großen Speaker haben klein angefangen.

  4. Entspannen

    Wenn Sie merken, dass Nervosität und Panik in Ihnen aufsteigen, können kurze Entspannungsübung helfen, wieder zur Ruhe zu kommen (wie zum Beispiel das sogenannte Stern-Atmen, siehe Grafik). Probieren Sie verschiedene Übung aus, um herausfinden, was am besten funktioniert. Wir empfehlen die folgende Atemtechnik, die in jeder Situation einsetzbar ist: Normal einatmen, Luft anhalten, langsam ausatmen. Die Technik kann solange wiederholt werden, bis die innere Ruhe spürbar einsetzt.

    Stern Atmen Technik 4 6 8 Methode Atmung Stress

  5. Reden

    Okay, dieser Tipp erfordert sicher einige Überwindung. Es kann in Extremfällen aber helfen, Redeangst zu überwinden: Verbalisieren Sie Ihre Nervosität und bitten Sie die Zuhörer um Verständnis. Die können das – wie gesagt – meist nachvollziehen. Durch den Befreiungsschlag und die Beichte sinkt meist schon die Anspannung. Je professioneller Sie werden, desto weniger sollten Sie das Mittel aber einsetzen. Es wirkt leider auch nicht besonders souverän.

  6. Ansehen

    Unsicherheit flüchtet, sobald wir ihr ins Auge sehen. Blicken Sie also nicht zu Boden, sondern suchen Sie sich freundliche, wohlgesonnene Menschen im Publikum und halten Sie mit diesen immer wieder Blickkontakt. Erstens wirkt das sympathisch; zweitens stärkt der Trick Ihr Selbstvertrauen. Letzteres können Sie sogar mit Ihrer Körpersprache steigern. Wenn Sie einen sicheren Stand einnehmen und aufrecht sprechen, vertreibt das sogenannte Biofeedback die Redeangst.

  7. Ignorieren

    Redeangst sorgt nicht selten dafür, dass wir alles überinterpretieren oder persönlich nehmen. Jemand gähnt im Publikum – schon denken wir, der Vortrag ist sterbenslangweilig. Zwei Zuhörer unterhalten sich – sicher lästern die gerade über das dumme Blabla. Ist natürlich Quatsch und eine Lüge unserer Selbstzweifel. Versuchen Sie solche falschen Annahmen zu ignorieren und weniger persönlich zu nehmen.

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[Bildnachweis: Aleutie by Shutterstock.com]
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31. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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