Misanthrop: So schadet das negative Weltbild

Ein Misanthrop ist anderen Menschen gegenüber abgewandt, lehnt bisweilen ihre Nähe ab oder hasst sie sogar. Dabei kann ein solch negatives Welt- und Menschenbild einerseits vor Unheil bewahren. Andererseits tut es den Mitmenschen in den meisten Fällen Unrecht. Vorsicht und Argwohn mögen noch verständlich sein, doch ein echter Misanthrop schadet sich und seinem Umfeld. So gibt es in der Psychologie beispielsweise die These, dass Misanthropen eher zu einer Depression neigen könnten. Hier erfahren Sie, was einen Misanthropen ausmacht, können einen Test machen, ob Sie selbst zur Misanthropie neigen und bekommen Tipps, wie Ihre Einstellung und Denkweise ändern können, um von Misanthrop zum Menschenfreund zu werden…

Misanthrop: So schadet das negative Weltbild

Misanthrop: Hass auf die Menschheit und ihre Ursachen

Misanthrop Test Misanthrop Zitate Misanthrop GegenteilDie Bedeutung des Wortes Misanthrop ergibt sich aus dessen Herkunft: Der Begriff stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Wörter für hassen und Mensch zusammen. Als Misanthrop wird also laut Duden ein Mensch bezeichnet, der die Menschheit als solches hasst, ablehnt und die Nähe zu Menschen möglichst meidet – das identische Wort gibt es dabei sowohl auf Englisch als auch in der deutschen Sprache.

Die Misanthropie ist dabei eine Einstellung und Denkweise, die sich nicht in jeder Handlung und Entscheidung spiegeln muss. So wird beispielsweise davon ausgegangen, dass ein Misanthrop durchaus hilfsbereit handeln kann, nur eben damit schon bereits des Öfteren schlechte Erfahrungen gemacht hat. Das Gegenteil eines solchen Menschenfeindes ist der Philanthrop, der die Menschen liebt.

Das Paradoxon der Misanthropie: Offenbar haben Menschenhasser gar nicht unbedingt ein schlechtes Image. Die Figur des immerzu mürrischen und zynischen Dr. House der gleichnamigen Serie erfreut sich großer Beliebtheit. Zum Teil fällt es sogar leicht, sich mit dem misanthropischen Verhalten zu identifizieren und Freude zu empfinden, wenn sich jemand traut, auch mal unsympathisch zu sein.

Allerdings gilt dies nur bis zu einem gewissen Maß. Wie bei allem anderen macht auch bei der Misanthropie die Dosis das Gift. Hin und wieder Kante zeigen, auch mal die Ellenbogen ausfahren und dem Herdentrieb widerstehen – das kann durchaus gut und sogar bewundernswert sein. Da traut sich jemand etwas und sagt auch mal eine unbeliebte Meinung.

Ein stark ausgeprägter Misanthrop hingegen landet zunehmend in der selbst gewählten Isolation. Familie, Freunde, Bekannte oder auch Kollegen wenden sich ab. Das mag von Misanthropen sogar gewollt sein, schließlich meiden diese ohnehin gerne den Kontakt und fühlen Hass und Ablehnung gegenüber anderen.

Dabei darf man allerdings nicht vergessen: Auch Hass ist eine Emotion. Offenbar hat der Misanthrop also doch Gefühle für die Menschheit, ist nur mit der Gesamtsituation nicht zufrieden.

Selbsttest: Sind Sie ein Misanthrop?

Misanthrop Test Misanthrop Zitate Misanthrop GegenteilEinen Misanthropen zu erkennen, braucht vielleicht ein wenig Zeit – doch je länger Sie sich mit einer Person beschäftigen, desto genauer können Sie beurteilen, wie dieser zu anderen Menschen steht. Aber wie sieht es mit Ihnen selbst aus, sind Sie ein Misanthrop?

Nachfolgend haben wir einige Aussagen aufgeführt, die recht typisch für einen Misanthropen sind. Zählen Sie die Punkte der Aussagen zusammen, denen Sie zustimmen und die Ihrer Einstellung entsprechen. Durch Ihre Gesamtpunktzahl kommen Sie am Ende zu einer Auflösung:



1. Menschen sind böse. Es gibt keine guten Menschen. Jeder, der etwas anderes behauptet ist absolut naiv. 2 P.

2. Das ist mir zu pauschal. Ich kenne auch gute Menschen, man muss nur genau hinsehen. 1 P.

3. Jeder Mensch hat die Anlage zu etwas Gutem. Die Umwelt prägt einen Menschen. 0 P.

4. Ohne technische Hilfsmittel wäre der Mensch aufgeschmissen. 2 P.

5. Mensch, Tier und Natur leben in einer Symbiose miteinander. 0 P.

6. Die Natur braucht den Menschen, ohne ihn würden Naturkatastrophen ganze Landstriche verwüsten und die Tiere hätten keine Chance zu überleben. 1 P.

7. Die Welt ist völlig überbevölkert, die Erde wäre ohne Menschen besser dran. 2 P.

8. Es gibt sehr viele gute Menschen, die anderen helfen, das zeigt ja schon die Spendenbereitschaft. 0 P.

9. Sicher, vieles ist verbesserungswürdig. Aber ich finde, es kann jeder etwas dazu beitragen, dann wird die Welt ein besserer Ort. 1 P.

10. Ich finde, der Tierschutz in Deutschland zeigt, wie sehr Tiere und Natur hier wertgeschätzt werden. 0 P.

11. Je eher die Menschheit zugrunde geht, desto besser für die Erde – die kann sich dann wieder erholen. 2 P.

12. Ich engagiere mich in meiner Freizeit im örtlichen Naturschutzverein und habe seitdem einige Gleichgesinnte kennengelernt. 1 P.

13. Auch der Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Er soll sich die Natur untertan machen, also folgt alles einem großen Plan. 0 P.

14. Die Menschen wären ohne die Natur völlig aufgeschmissen, andersherum ginge es der Natur ohne Menschen wesentlich besser. 2 P.

15. Die ganzen Umweltverschmutzungen und Kriege können einen zermürben. Aber für meine Kinder lohnt es sich zu kämpfen. 1 P.

16. Ich habe nur wenig Kontakte und die einzig guten Menschen sind meine Freunde. Wir teilen die Ansicht über den Zustand der Menschheit. 2 P.

17. In Deutschland gibt es so viele Wälder und Natur, das Leben ist einfach schön. 0 P.

18. Wer sich nur in einem gewissen Dunstkreis bewegt, muss sich nicht wundern, wenn er die Dinge nur negativ sieht. 1 P.




Auswertung zum Misanthropie-Test

Misanthrop: Tipps für eine neue Denkweise

Keine Frage: Es ist nicht alles rosig auf dieser Welt. Aber gleich der gesamten Menschheit mit Ablehnung begegnen und versuchen, durch die eigene negative Denkweise etwas zu verändern? Damit tun Sie sich selbst keinen Gefallen und klappen kann das auch nicht. Dass Sie wütend und unzufrieden sind, interessiert nur Ihr direktes Umfeld – und auch nur so lange, bis Sie dieses vergrault haben.

Warum also nicht gleich auf diesen Mikrokosmos konzentrieren und eine grundsätzlich positivere Denkweise etablieren? Sie müssen ja nicht gleich zum Philanthropen werden, doch ein wenig mehr Offenheit und Sympathie anderen Menschen gegenüber ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung.

Das ist nicht unbedingt leicht, alte Denkmuster lassen sich nur schwer durchbrechen. Doch keine Sorge: Sie sind damit nicht automatisch ein Fall für eine Therapie. Häufig kann es schon ausreichen, an der einen oder anderen kleinen Stellschraube zu drehen. Darum haben wir einige Tipps, mit denen Sie als Misanthrop an Ihrer Denkweise arbeiten können:

  • Haben Sie Geduld
    Eine andere Sichtweise kommt sicherlich nicht über Nacht, sondern ist ein längerer Prozess. Bleiben Sie deshalb geduldig und geben Sie den neuen Denkweisen und Gewohnheiten die nötige Zeit, um die festgefahrenen Ansichten zu ersetzen.
  • Geben Sie anderen nicht die Schuld
    Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr eigenes Leben. Das beinhaltet Erfolge ebenso wie Misserfolge und Fehler. Misanthropen machen es sich oft viel zu einfach, geben der schlechten und ungerechten Welt die Schuld oder machen jemand anders verantwortlich. Lernen Sie, dass Sie selbst entscheiden, was und wie Sie etwas tun.
  • Umgeben Sie sich mit positiven Menschen
    Auch als Misanthrop gibt es Menschen, mit denen Sie besonders gut klar kommen, die Ihnen gut tun und mit denen Sie sich deshalb häufiger umgeben sollten. Es sind diese Personen, die Ihnen das Vertrauen in die Menschheit zurückgeben können. Sie sind der ständige Beweis dafür, dass es eben doch zahlreiche gute Menschen gibt, die Kraft und Inspiration spenden können.
  • Schaffen Sie kleine Erfolgserlebnisse
    Positive Erlebnisse und kleine Erfolge können helfen, die eigene Einstellung zu ändern. Vor allem, wenn diese mit Hilfe von Freunden oder Kollegen erreicht wurden. So zeigen Sie sich selbst, dass die Welt und die Menschen doch gar nicht so schlecht sind. Setzen Sie sich immer wieder kleine Ziele, die Sie mit ein wenig Unterstützung in die Tat umsetzen können.

Wie die Auswertung Ihres Tests, haben wir auch diese Tipps für Sie noch einmal hier in einer PDF-Datei zusammengefasst, die sich herunterladen, ausdrucken auf diese Weise täglich anwenden können.

Sprüche und Zitate zur Misanthropie

Misanthrop Psychologie Zitate Intelligenz Beziehung Gegenteil SprücheMisanthropie ist eine Einstellungssache. Zu dem Thema gibt es im Internet das eine oder andere Meme, aber auch zahlreiche Philosophen und Schriftsteller haben sich bereits mit der Abneigung zum Menschen beschäftigt. Exemplarisch seien hier folgende Zitate über Misanthropen aufgezeigt:

Nichts bist du, nichts ohne die andern. Der verbissenste Misanthrop braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden. (Kurt Tucholsky)

Der Misanthrop hasst alle – bis auf einen, den er nicht kennt; der Philanthrop schließt von seiner Liebe nur jene aus, die er kennt. (Emanuel Wertheimer)

Die angenehmsten Menschen sind jene, die nie gelebt haben. (Edgar Allan Poe)

Ich hasse Menschen nicht. Ich fühl mich einfach besser, wenn sie nicht in der Nähe sind. (Charles Bukowski)

Nicht geboren zu werden ist unbestreitbar die beste Lösung. (Emile Cioran)

Das Wort Leben ist nur ein anderer Ausdruck für Konflikt. (Charlie Chaplin)

Zum Denken sind wenige Menschen geneigt, obwohl alle zum Rechthaben. (Arthur Schopenhauer)

Misanthrop Zitate Test Menschenhasser Negativismus

Folgen und Probleme der Misanthropie

Ganz freisprechen von einem negativen Menschenbild können sich nur wenige. Es artet zwar nur selten in starke Misanthropie und Menschenhass aus, doch der Großteil beurteilt andere Menschen deutlich schlechter, als diese tatsächlich sind. So schätzten Teilnehmer in einer Studie, dass mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer Krankheiten vortäusche, um frei zu bekommen – aber nur gut 20 Prozent gaben zu, dies selbst schon einmal getan zu haben.

Oder anders ausgedrückt: Wir sehen oft das Schlechte im Menschen, aber eben nur bei anderen. Andere Autofahrer sind immer schlecht und machen Fehler auf der Straße, ein großer Teil der Kollegen ist überfordert und inkompetent. Man selbst ist hingegen ein fehlerfreier Autofahrer und ein Leistungsträger im Job.

Was sich daraus ableiten lässt: Wir schreiben unseren Mitmenschen allzu leicht negative Verhaltensweisen zu. Das Schlimme daran: Diese Denke kann sich schnell auf unser eigenes Verhalten auswirken. Wer das Gefühl hat, dass alle anderen schummeln und sich auf unfaire Weise Vorteile verschaffen, in dem wächst die Neigung, das gleiche zu tun.

Die Folgen starker Misanthropie sind noch weitaus schlimmer. Zwar haben Misanthropen oft das Gefühl, ihr Verhalten würde eine deutliche Botschaft schicken, die das Verhalten anderer verändert – im Normalfall schadet sich der Misanthrop aber vor allem selbst:

  • Soziale Ausgrenzung
    Mit der Zeit führt Misanthropie in die soziale Ausgrenzung oder gar komplette Isolation. Einsamkeit, Frust oder sogar Depressionen können die Folge sein. Ein Misanthrop meidet zwar den Kontakt zu anderen Menschen, aber längst nicht jeder kann tatsächlich mit der Stellung eines absoluten Außenseiters umgehen.
  • Berufliche Schwierigkeiten
    Wie Sie sich im Privatleben anderen Menschen gegenüber verhalten, ist allein Ihre Sache. Im Job kommt ein Misanthrop hingegen nicht sonderlich gut an. Wer sich hier ständig absondert, schlechte Laune verbreitet, egoistisch ist und sich nicht integriert, hat es in vielen Jobs und bei vielen Arbeitgebern schwer. Einige Jobs, die für Misanthropen geeignet sind, haben wir in diesem PDF für Sie zusammengestellt.

Misanthropie durch Erfahrung und Entscheidung

Nimmt man die obigen Zitate und Beispiele, so zeigt sich, dass Misanthropen eine gewisse Faszination ausüben. Auch große Schriftsteller wie Shakespeare und Molière haben sich des Themas angenommen und ein gewisser Arthur Conan Doyle, seines Zeichens Erfinder des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, kreierte einen Misanthropen. Oft sind diese berühmten Misanthropen gleichzeitig Intelligenzbestien, die anderen immer einen Schritt voraus sind.

Blöderweise trifft das auf die wenigsten Misanthropen im Alltag zu. Zumeist fallen sie ausschließlich durch mürrisches, eigenbrötlerisches Verhalten und wenig Empathie auf. Es liegt der Verdacht nahe, dass der Pessimismus von vielen Misanthropen durch schlechte Erfahrungen zustande gekommen ist.

Sie haben selbst niemals auf der Gewinnerseite gestanden, sind gescheitert und haben dafür allen anderen die Schuld gegeben. Also zweifeln sie nun an allem Guten und infolgedessen kann die Welt nur schlecht sein. Es scheint, als sei Misanthropie ein Weg für diejenigen, die keine Verantwortung übernehmen wollen.

Denn Misanthropie ist keine Krankheit, es bedarf also auch keiner Therapie. Es ist eine Überzeugung und eine innere Geisteshaltung – und damit auch eine selbst getroffene Entscheidung. Abzugrenzen sind deshalb unbedingt psychische Störungen, wie etwa eine soziale Phobie. Hier handelt es sich nicht um Menschenhass, sondern um große Angst, wie man von anderen wahrgenommen wird.

[Bildnachweis: AnnaTamila by Shutterstock.com]
11. Februar 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Ebenfalls interessant:

Weiter zur Startseite

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Details

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close