Rational: Handeln Sie logisch begründet?

Logisches Denken, sinnvolle Entscheidungen und vernünftiges Vorgehen – viele Menschen rühmen sich damit, über diese Fähigkeiten zu verfügen und rational zu handeln. Kein Wunder, schließlich hat man von sich selbst gerne ein besonders positives Bild, das dem eigenen Ego schmeichelt. Ob jemand aber wirklich ein rationaler Mensch ist und rationale Entscheidungen trifft, steht auf einem anderen Blatt. Wir gehen der Frage nach, was rational und Rationalität bedeuten, was das Gegenteil davon ist und welche sieben Anzeichen zeigen, dass Sie besonders rational sind…

Rational: Handeln Sie logisch begründet?

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Definition: Was ist überhaupt rational?

Als rational wird ein vernunftgeleitetes, zweckgerichtetes Denken und Handeln bezeichnet. Die sogenannte ratio bezeichnet damit wie der vernünftige Verstand arbeitet: Eben nicht intuitiv (aus dem Bauch heraus), sondern – synonym zu rational – berechnend, abwägend, analytisch, logisch, begründet.

Den Begriffen rational und Rationalität liegt das Anliegen zugrunde, die eigenen Entscheidungen und Handlungen für Außenstehende verständlich zu machen.

Als rationales Handeln gilt, wenn es mehrheitlich als angemessen und wohlbegründet empfunden wird. Rational entscheidet, wer für seine (bewusste) Entscheidung gute Gründe hat und diese benennen kann – insbesondere, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Weil aber Zweck und eingesetzte Mittel oft unterschiedlich bewertet werden, ist es nicht immer eindeutig, was vernünftig ist. Viele Philosophen der Moderne, darunter Max Weber und Karl-Otto Apel, sehen daher auch nicht die eine Rationalität, sondern sprechen vielmehr von verschiedenen Rationalitäten der einen Vernunft.

Beispielsweise wird von objektiver Rationalität gesprochen, sobald sich nach Gesetzen der Naturwissenschaften und Mathematik etwas messen lässt. Keineswegs sollte der Fehler begangen werden, rational mit wahr gleichzusetzen. Die Bewertungskategorie rational ist immer abhängig vom derzeit verfügbaren Wissen:

Zeitmangel und Wissenslücken führen immer wieder zu Entscheidungen, die bei genauerer Betrachtung nicht als logische Konsequenz, also rationales Vorgehen, gewertet würden.

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Was ist das Gegenteil von rational?

In der Philosophie ist die Höherbewertung des Rationalen seit der Aufklärung zu beobachten. Der französische Philosoph René Descartes war es, der im 17. Jahrhundert den Satz „Ich denke, also bin ich“ prägte und damit das Denken über das Fühlen hob. Nach dieser Lesart ist rational, wer nachdenkt.

Bereits seit der Antike sind ratio und emotio, also die Rationalität und das Gefühl, ein altes Gegensatzpaar. Wobei noch heute statt wahrer Emotion die Intuition meist als Gefühl fehlinterpretiert wird.

Dabei kann Intuition sehr wohl rational sein – rational in dem Sinne, dass es einen guten Grund für eine Entscheidung gibt. Im Gegensatz zu anderen Entscheidungen können wir aber ad hoc keine Begründung für etwas liefern. Denn intuitives Handeln greift auf Erfahrungswissen zurück, das ganzheitlich zustande gekommen ist.

Ebenso wenig ist emotional das Gegenteil von rational, denn emotional und rational schließen sich nicht aus. Sehr wohl logisch begründbare Entscheidungen können mit großer Begeisterung vorgetragen werden. Und das Gegenteil von emotional ist emotionslos.

In Wirklichkeit ist irrational das Gegenteil von rational. Und irrationale Gedanken und Handlungen können wie rationale sowohl unter emotionaler Beteiligung stattfinden als auch ohne.

Test: Sind Sie ein rationaler Mensch?

Arbeitgeber wünschen sich oft Eigenschaften wie schnelles Denken oder eine schnelle Auffassungsgabe. Der israelisch-amerikanische Psychologe Daniel Kahneman hat durch seine herausragenden Forschungen (Wirtschafts-Nobelpreis 2002) nachgewiesen, dass Menschen auf zweierlei Arten denken:

Eine Möglichkeit ist schnelles Denken, das fehleranfällig ist. Langsames Denken hingegen ist oft gründlicher. Kahneman zufolge ist das schnelle Denken eher irrational, das langsame eher ein Zeichen für rationales Verhalten. Wie Sie ticken, können Sie leicht anhand dieses kleinen Selbsttests ermitteln:

  1. Eine Frau ist leibliche Mutter zweier Söhne, die zur selben Stunde am selben Tag im selben Jahr geboren wurden. Trotzdem sind die Kinder keine Zwillinge. Wie ist das möglich?
  2. Michael guckt Leonie an, Leonie guckt Lars an. Michael ist verheiratet, Lars ist Single. Blickt eine verheiratete Person auf eine unverheiratete?
  3. Fünf Maschinen stellen fünf Produkte in fünf Stunden her. Wie lange brauchen zehn Maschinen für zehn Produkte?

Die Lösungen finden Sie hier:

Rationalität wird gerade dann als Stärke angesehen, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Nur wer abwägt, eine vernünftige Argumentation vorbringt und logisch denkt und handelt, kann in einem solchen Fall regelmäßig die besten Ergebnisse erzielen.

Nicht jeder trifft besonders rationale Entscheidungen, manche hören stattdessen lieber auf ihre Emotionen. Sind Sie aufgrund der Testergebnisse noch unsicher? Wir haben sieben Anzeichen zusammengestellt, die Ihnen zeigen, dass Sie besonders rational sind und sich auf Ihr vernunftgesteuertes Denken verlassen können:



Sie suchen immer nach den Gründen

Informationen, Vorgaben, Abläufe oder Entwicklungen einfach akzeptieren? Das kommt für Sie nicht infrage. Stattdessen suchen Sie immer nach den dahinter stehenden Gründen und versuchen diese zu verstehen. Ein weiteres Anzeichen, dass Sie besonders rational sind: Es fällt Ihnen schwer, eine Aufgabe zu erledigen, deren Sinn Sie nicht erkennen. Auch hier versuchen Sie zu verstehen, welchen Wert Ihre Arbeit für das gesamte Projekt hat und warum Sie für diese Aufgabe ausgewählt wurden.

Bei Entscheidungen lassen Sie sich Zeit

Das erste Bauchgefühl kann durchaus richtig sein und einen wichtigen Impuls liefern, rational ist es jedoch nicht. Wenn Sie sich bei Entscheidungen lieber mehr Zeit lassen, noch eine Nacht darüber schlafen und erst einmal weitere Informationen einholen wollen, bevor Sie sich endgültig festlegen, spricht vieles dafür, dass Sie rational denken und auch Ihre Entscheidungen von dieser Rationalität geprägt sind.

Sie wissen genau, wo Sie wichtige Informationen finden

Nicht selten wird Rationalität missverstanden. Es geht nicht darum, immer alles zu wissen und auf jede Frage die passende Antwort zu haben. Vielmehr zeugt es von Rationalität, wenn man wichtige Informationen schnell finden kann, wenn sie benötigt werden. Damit zeigen Sie, dass Sie die Antworten auch auf schwierige Fragen finden können und dabei immer ein vielversprechendes Ergebnis erzielen.

Sie haben immer einen genauen Plan

Wenn Sie etwas machen, wollen Sie es richtig machen. Also haben Sie immer einen konkreten Plan von Ihrem Vorhaben im Kopf, an dem Sie sich orientieren können. So wissen Sie bereits im Vorfeld, welche möglichen Schwierigkeiten auftreten können, haben aber bereits die passende Lösung parat. Das zeigt sich auf der Arbeit ebenso wie in Ihrem Privatleben. Beispielsweise planen Sie ein Projekt detailliert durch. Sie würden eine Reise nie spontan antreten, sondern immer genau wissen, welche Sehenswürdigkeiten Sie wann und wie lange besichtigen wollen.

Sie legen großen Wert auf Vor- und Nachteile

Es ist der Klassiker der Rationalität: Sie wägen immer die Vor- und Nachteile verschiedener Optionen ab, um am Ende zu einer Wahl zu kommen, die aus Ihrer Sicht die größten Aussichten auf Erfolg hat. Sie wissen immer genau, welche Chancen es auf der einen Seite gibt und kennen das Risiko, das damit verbunden ist. Ob Sie hingegen zur Sicherheit oder zum Risiko tendieren, hängt von Ihrer Persönlichkeit ab.

Sie lernen schnell neue Fähigkeiten

Neue Fähigkeiten brauchen immer Zeit und Übung, doch wenn Sie sich vornehmen, etwas Neues zu lernen, machen Sie dabei meist schneller Fortschritte als andere. Der Grund: Sie gehen mit einem durchdachten Konzept an die Sache heran, haben klare Ziele festgelegt und wissen genau, was zu tun ist, um Erfolge zu verzeichnen.

Sie kontrollieren Ihre Emotionen

Emotionen lassen sich nicht ausstellen – unabhängig davon, wie rational eine Person ist. Entscheidend ist, wie Sie damit umgehen. Die einen lassen sich von ihren Emotionen blenden und lenken. Wenn Sie hingegen besonders rational sind, sind Sie in der Lage, Ihre Emotionen auch einmal unbeachtet zu lassen, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen oder Situation rational und objektiv zu beurteilen.



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Handeln wir immer absolut logisch?

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es erforderlich, dass Ziele und Entscheidungsprozesse am besten rational sind. Bei Zielen ist das schlecht möglich, da sie häufig persönliche Wertungen widerspiegeln. Ein Entscheidungsprozess wird als rational gewertet, wenn…

  • er durchgängig aufs Ziel ausgerichtet ist,
  • eine Kosten-Nutzen-Analyse berücksichtigt wird und
  • er strukturiert und transparent für Dritte nachvollziehbar wird.

Das Gemeine ist: Obwohl rationale Entscheidungen so hoch geschätzt werden und wir uns alle erdenkliche Mühe geben, sachlich begründbare, logische, rationale Entscheidungen zu treffen, sind wir nicht nur manipulierbar, sondern auch Opfer unserer eigenen Vorurteile.

Und die müssen nicht zwangsläufig dem anderen schaden. Die Autoritätsgläubigkeit ist so ein Fall. Manche Menschen schreiben Autoritäten per se mehr Ahnung zu – irgendwie müssen sie ja schließlich auf diese Position gelangt sein. Aus Sicht der obrigkeitsgläubigen Person vielleicht rational, in Wirklichkeit aber ein Bias.

Denkfehler schleichen sich auch bei den Besten ein. Zum Beispiel entscheiden wir bei Wärme wohlwollender. Eine bereits etwas ältere, aber faszinierende amerikanische Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich die körperliche Wärme offenbar auf die innere Wärme auswirkt, sprich: das Gemüt.

In einer ersten Untersuchung hielten die Teilnehmer kurzfristig eine Tasse mit heißem Kaffee oder Eiskaffee. Wer eine heiße Tasse gehalten hatte, beurteilte anschließend eine Zielperson als „wärmer“, freundlich und fürsorglich. In einer zweiten Untersuchung hielten die Teilnehmer ein Therapiekissen in der Hand. Diejenigen mit einem warmen Therapiekissen wählten anschließend deutlich häufiger ein Geschenk für einen Freund statt für sich selbst aus.

Verschiedene Studien belegen, dass Menschen durch bestimmte Umstände in ihren Entscheidungen leicht zu beeinflussen sind. Trotzdem erscheinen uns Entscheidungen oft rational – wie kommt das?

Wir schummeln. Weil niemand zugeben will, dass er seine Entscheidung aufgrund von Sympathien (gerade im Bewerbungsverfahren heikel), persönlichen Vorlieben und höchst subjektiven und schwer überprüfbaren Kriterien getroffen hat. Alles andere als rational. Stattdessen werden im Nachhinein Begründungen dafür gefunden:

  • Der Kandidat hatte mehr Erfahrung in XY.
  • Wir brauchen dringend jemanden wie…
  • Die Bewerberin hat exzellente Kontakte.

Theorie der rationalen Entscheidung

In den Sozialwissenschaften, in der Volkswirtschaftslehre und der Betriebswirtschaftslehre existiert die Theorie der rationalen Entscheidung (Englisch: rational choice theory).

Dahinter verbirgt sich eine Handlungstheorie, die davon ausgeht, dass Menschen so handeln, dass der größtmögliche Nutzen bei geringstem persönlichen Aufwand herauskommt. Was im ersten Moment egoistisch klingt, muss nicht zwangsläufig für den eigenen Vorteil gehandhabt werden. Auch müssen die Motive keineswegs finanzieller Natur sein.

Beispielsweise könnte dieser Ansatz im Rahmen eines Projekts einer Nichtregierungsorganisation verfolgt werden, bei dem möglichst viele Dorfbewohner in einem indischen Ort mit frischem Trinkwasser versorgt werden.

Rational Choice ist ebenfalls in der Kriminologie ein Begriff. Er beschreibt dort, wie die Gesellschaft durch ihre Gesetzgebung Einfluss auf die rationale Entscheidung von Menschen nimmt. Beispielsweise, indem regelkonformes Verhalten „belohnt“ wird beziehungsweise sich kriminelles Verhalten für Straftäter „nicht lohnt“, weil Strafen die Folge sind.

Die Theorie der rationalen Entscheidung liefert im Bereich der Wirtschaftskriminalität eine plausible Erklärung dafür, warum Topmanager trotz hoher Gehälter dennoch kriminell werden. Dahinter steckt schlichtweg eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Ein entscheidender Grund dafür, warum aus Sicht der Kriminologie ein abschreckendes Strafrecht gefordert wird, so dass Straftaten möglichst von vornherein verhindert werden.

Allerdings kommt die Rational Choice Theory hier an ihre Grenzen. Sie kann zwar finanzielle Motive in der Kriminalität erklären, aber impulsgesteuerte Handlungen im Affekt fallen heraus.

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Denkfehler bestimmen Vorstellung von Rationalität

Hinter der Höherbewertung von Rationalität stehen überholte Vorstellungen und Klischees davon, welcher Art Menschen sind, welche Persönlichkeitsmerkmale sie haben und wie leistungsfähig sie sind. Zum Beispiel diese:

  • Frauen sind einfach emotionaler

    Frauen wird eine größere Emotionalität (und damit geringere Rationalität) zugewiesen, weil sie „näher am Wasser gebaut“ seien und daher weniger belastbar. Demgegenüber steht der Mann, der grundsätzlich die Dinge nüchtern und rational angehe. Ein Fehler dieser Denke liegt bereits darin, dass Emotionalität an dem festgemacht wird, was äußerlich sichtbar ist – beispielsweise, wenn ein Angestellter (oder vermutlich häufiger: eine Angestellte) in Tränen ausbricht.

    Ebenso falsch ist die Gleichsetzung von emotional mit mangelnder Belastbarkeit. Ein Affront, wenn man bedenkt, wie viele Frauen, die nach wie vor die Mehrzahl der Alleinerziehenden bilden, die Doppelbelastung von Arbeit (wenngleich oftmals Teilzeitarbeit) und Kindererziehung meistern.

  • Unsichtbarkeit von Gefühlen gleich Abwesenheit

    Umgekehrt wird vermutet, wenn keine Emotionen sichtbar sind, existieren auch keine. Vor allem in Führungspositionen gilt es als Vorteil, wenn jemand seine Gefühle kontrollieren kann. Man stelle sich Geschäftsleute in einer knallharten Verhandlung vor, bei der einem der Teilnehmer der Schweiß auf der Stirn steht und die Nervosität deutlich anzumerken ist – ein klarer Verhandlungsfehler. Nur ist eben die Kontrolle von Gefühlen nicht gleichbedeutend mit Abwesenheit.

    Ein Verhandlungsführer kann innerlich sehr wohl nervös sein, aber er hat gelernt, seine Körpersprache entsprechend zu nutzen. Weil er um mögliche Schwachpunkte weiß, hat er sich im Vorfeld intensiv vorbereitet – ein völlig rationales Vorgehen also.

  • Rationales Handeln resultiert in Erfolg

    Auch diese Grundannahme stimmt so nicht. Wieder zwei einfache Beispiele: Sie haben nach sorgfältigen Abwägungen, in Beratung mit Experten Aktien erworben. Diese standen gut im Kurs, aber dann tritt ein nicht vorhersehbares Ereignis – wie die gegenwärtige Corona-Krise – ein. Die Aktie fällt entgegen der erwartbaren Prognosen.

    Umgekehrt können Sie den Eurojackpot geknackt haben oder sehr erfolgreich im Glücksspiel gewesen sein – mit rationalem Handeln hat das aber nichts zu tun. Die Gewinnchancen, beim Eurojackpot in der höchsten Klasse zu gewinnen, liegen bei eins zu 95 Millionen. Deutlich rationaler wäre es dann, das Geld langfristig anzulegen.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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17. April 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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