Notorischer Lügner: 7 Merkmale, Ursachen + Umgang

Jeder Mensch lügt gelegentlich. Notorische Lügner aber verdrehen die Wahrheit immer wieder, erfinden komplette Geschichten oder übertreiben maßlos. Das zerstört Vertrauen und kann im Job wie in Beziehungen erheblichen Schaden anrichten. Woran Sie notorisches Lügen erkennen, welche Ursachen dahinterstecken und wie Sie richtig auf notorische Lügner reagieren…

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Was ist ein notorischer Lügner?

Ein notorischer Lügner ist jemand, der gewohnheitsmäßig und auffallend häufig lügt. Betroffene verdrehen Tatsachen, übertreiben Erlebnisse oder erfinden komplette Geschichten. Im Unterschied zur gelegentlichen Notlüge wird die Unwahrheit zum wiederkehrenden Verhaltensmuster.

Nicht jeder notorische Lügner lügt zwanghaft oder krankhaft. Der umgangssprachliche Begriff beschreibt zunächst jemanden, der ständig schwindelt. Davon zu unterscheiden ist pathologisches Lügen bzw. „Pseudologia fantastica“. Hierbei können anhaltende und teils umfangreiche Falscherzählungen das Leben und die Beziehungen der Betroffenen erheblich beschädigen.

Notorischer Lügner: Wichtige Fachbegriffe

Begriff

Bedeutung

Notorischer Lügner Umgangssprachliche Bezeichnung für jemanden, der sehr häufig und gewohnheitsmäßig die Unwahrheit sagt.
Pathologisches Lügen Bezeichnung für anhaltendes und exzessives Lügen, das erheblichen Leidensdruck oder soziale Probleme verursachen kann.
Pseudologia fantastica Beschreibt ausgeprägte, oft detaillierte und fantastische Falscherzählungen. Mehr dazu beim Pinocchio-Syndrom.
Mythomanie Ältere beziehungsweise alternative Bezeichnung, die ebenfalls im Zusammenhang mit pathologischem Lügen verwendet wird.
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Woran erkenne ich einen notorischen Lügner?

Eine einzelne Unwahrheit macht noch keinen notorischen Lügner. Auffällig wird das Verhalten, wenn jemand über längere Zeit und in unterschiedlichen Situationen schwindelt. Typisch sind weniger bestimmte Gesten als ein wiederkehrendes Muster aus erfundenen, ausgeschmückten oder widersprüchlichen Aussagen.

Merkmal

Typisches Verhalten

Häufige Unwahrheiten Die Person flunkert nicht nur gelegentlich, sondern immer wieder und zu ganz unterschiedlichen Themen.
Übertreibungen Erlebnisse, Leistungen oder Erfahrungen werden ausgeschmückt und größer dargestellt, als sie tatsächlich waren.
Widersprüche Details verändern sich. Verschiedene Versionen derselben Geschichte passen bei genauerem Nachfragen nicht mehr zusammen.
Unnötige Lügen Unwahrheiten werden auch erzählt, wenn daraus kein offensichtlicher materieller Vorteil entsteht.
Selbstdarstellung Erfundene Erlebnisse lassen die eigene Person häufig erfolgreicher, interessanter oder bedeutender erscheinen.
Neue Ausreden Werden Aussagen hinterfragt, folgen weitere Erklärungen oder Behauptungen, um die ursprüngliche Geschichte zu retten.
Vertrauensverlust Mit der Zeit wissen andere nicht mehr, welchen Aussagen sie noch glauben können. Beziehungen und Zusammenarbeit leiden darunter.

Körpersprache ist kein Lügendetektor

Verschränkte Arme, Nervosität oder fehlender Blickkontakt beweisen noch keine Lüge. Solche Signale der Körpersprache können zahlreiche Ursachen haben und müssen immer im Zusammenhang betrachtet werden. Achten Sie umso mehr auf Inhalte als auf einzelne Gesten. Widersprüche, wechselnde Versionen und überprüfbar falsche Angaben sind aussagekräftiger als vermeintlich verräterische Augenbewegungen. Wie Sie Täuschungsversuche besser einschätzen, erklären wir ausführlich hier:

Lügen erkennen

Warum lügen notorische Lügner?

Hinter ständigem Lügen können unterschiedliche Motive stecken. Manche Menschen möchten interessanter wirken, Anerkennung bekommen oder den eigenen Status erhöhen. Andere vertuschen Fehler, wollen unangenehmen Konsequenzen entgehen oder versuchen, ein besseres Bild von sich selbst zu vermitteln. Eine einzige psychologische Ursache gibt es nicht. Bei ausgeprägtem pathologischen Lügen werden unter anderem Selbstaufwertung, Aufmerksamkeitssuche und der Wunsch beschrieben, eine attraktivere eigene Lebensgeschichte zu erschaffen. Häufiges Schwindeln kann sich zudem zu einem eingeübten Verhaltensmuster entwickeln.

Psychische Belastungen oder andere Störungsbilder spielen ebenfalls eine Rolle. Daraus folgt jedoch nicht, dass notorische Lügner automatisch Narzissten sind, unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden oder keine Empathie besitzen. Solche Ferndiagnosen lassen sich aus häufigen Unwahrheiten nicht ableiten.

Glauben notorische Lügner ihren eigenen Geschichten?

Wer bewusst lügt, kennt grundsätzlich den Unterschied zwischen seiner Aussage und den tatsächlichen Ereignissen. Bei langjährigem und exzessivem Lügen können erfundene Geschichten jedoch immer stärker Teil der eigenen Selbstdarstellung werden. Davon zu unterscheiden ist die Selbstlüge: Dabei täuschen Menschen vor allem sich selbst, indem sie unangenehme Tatsachen verdrängen oder ihre Situation verzerrt wahrnehmen.

Ist notorisches Lügen eine Krankheit?

„Notorischer Lügner“ ist keine medizinische Diagnose. Auch pathologisches Lügen bzw. Pseudologia fantastica wird bislang nicht als eigenständige psychische Störung geführt. Exzessives Lügen kann dennoch erheblichen Leidensdruck verursachen und gemeinsam mit anderen psychischen Problemen auftreten. Ob hinter dem Verhalten eine Erkrankung steckt, lässt sich aus einzelnen Lügen aber nicht ableiten, sondern muss von einem Facharzt beurteilt werden.

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Notorischer Lügner im Job: Warum ist das gefährlich?

Im Berufsleben sind verlässliche Informationen die Grundlage für Entscheidungen und die Zusammenarbeit. Deshalb wird notorisches Lügen spätestens dann zum ernsten Problem, wenn falsche Aussagen Leistungen, Projekte oder andere Menschen betreffen. Dabei macht das Ausmaß den Unterschied: Eine erfundene Ausrede für 5 Minuten Verspätung ist allenfalls ärgerlich. Vorgetäuschte Qualifikationen, falsche Projektzahlen, vertuschte Fehler oder erfundene Behauptungen über Kollegen können dagegen erheblichen Schaden anrichten. Falsche Angaben in der Bewerbung können etwa auch Jahre später noch den Job kosten, wenn sie einstellungsrelevant waren. Betrug und Veruntreuung sind sogar zivilrechtlich strafbar.

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Wie gehe ich mit einem notorischen Lügner um?

Sie müssen nicht jede Übertreibung entlarven. Sobald die Schwindeleien jedoch Vertrauen, Zusammenarbeit oder wichtige Entscheidungen betreffen, sollten Sie reagieren:

1. Prüfen Sie relevante Aussagen

Verlassen Sie sich weder auf Ihr Bauchgefühl noch auf vermeintlich eindeutige Lügensignale. Prüfen Sie vor allem Aussagen, die Folgen haben: Zahlen, Zusagen, Verantwortlichkeiten, Qualifikationen oder Behauptungen über Kollegen. Nutzen Sie dafür Dokumente, Daten, E-Mails oder andere verlässliche Quellen. Sie müssen nicht jede ausgeschmückte Anekdote widerlegen. Werden aus Geschichten jedoch Entscheidungen oder Vorwürfe abgeleitet, sollten Sie die Fakten kennen.

2. Konfrontieren Sie mit Fakten

Sagen Sie nicht: „Sie sind ein notorischer Lügner.“ Das führt schnell in eine Verteidigungsschlacht. Benennen Sie stattdessen den konkreten Widerspruch: „Im Protokoll steht X, heute sagen Sie Y. Wie erklären Sie den Unterschied?“ So bleibt das Gespräch auf der Sachebene und dreht sich nicht plötzlich um Charakter, Motive oder gegenseitige Beschuldigungen.

3. Stellen Sie gezielte Rückfragen

Bleibt eine Geschichte auffällig vage oder widersprüchlich, fragen Sie nach konkreten Punkten: Wer war beteiligt? Wann ist das passiert? Was genau wurde vereinbart? Welche Unterlagen gibt es dazu? Fragen Sie ruhig und präzise – aber nicht inquisitorisch! Ziel ist nicht, den anderen öffentlich vorzuführen, sondern belastbare Informationen zu bekommen. Wer lediglich blufft, gerät bei konkreten Details eher ins Schwimmen als bei allgemeinen Behauptungen.

4. Halten Sie Absprachen schriftlich fest

Bei wiederholten Verdrehungen ist Dokumentation Ihr stärkster Schutz. Fassen Sie nach Gesprächen kurz zusammen: Wer macht was bis wann? Welche Entscheidung wurde getroffen? Gerade im Job verhindert das spätere Diskussionen nach dem Muster „Das habe ich nie gesagt“ oder „Dafür war ich nicht zuständig“. Schriftliche Klarheit schützt das Team auch vor gegenseitigen Schuldzuweisungen.

5. Begrenzen Sie den Raum für Geschichten

Notorische Lügner erzeugen mitunter immer neue Erklärungen, sobald eine Aussage infrage gestellt wird. Lassen Sie sich nicht in endlose Nebenkriegsschauplätze ziehen! Ist ein Punkt zu klären, bleiben Sie dabei: „Darum geht es gerade nicht. Wir klären jetzt ausschließlich die Frage X.“ Je enger Sie das Thema halten, desto schwerer wird es, die Diskussion mit neuen Geschichten, Ausflüchten und Ablenkungsmanövern zu verwässern.

6. Wählen Sie, welche Lügen Sie prüfen

Nicht jede Prahlerei verdient Ihre Aufmerksamkeit. Eine erfundene Heldengeschichte beim Mittagessen können Sie ignorieren. Anders sieht es aus, wenn jemand falsche Projektstände meldet, Leistungen anderer vereinnahmt oder Kollegen mit erfundenen Behauptungen belastet. Fragen Sie sich immer: Hat die Unwahrheit Folgen für Arbeit? Je größer der mögliche Schaden, desto wichtiger ist eine klare Reaktion.

7. Reduzieren Sie Vertrauen

Vertrauen ist keine Pflichtveranstaltung. Wer Sie wiederholt täuscht, muss damit rechnen, dass Sie Aussagen künftig stärker überprüfen. Das ist keine Rache, sondern eine Konsequenz. Verlassen Sie sich bei wichtigen Aufgaben stärker auf überprüfbare Informationen und vermeiden Sie unnötige Abhängigkeiten. Glaubwürdigkeit muss sich nach einem Vertrauensbruch erst wieder bewähren.

8. Schützen Sie sich vor Manipulation

Besondere Vorsicht ist nötig, wenn Geld oder Karriere betroffen sind. Treffen Sie wichtige Entscheidungen nicht allein aufgrund emotionaler Geschichten oder dramatischer Behauptungen, sondern checken Sie entscheidende Angaben unabhängig. Achten Sie zusätzlich auf Schuldverschiebung: Manche Lügen dienen dazu, Fehler anderen anzulasten oder Verantwortung zu delegieren. Reagieren Sie dann nicht auf die Dramaturgie, sondern auf den belegbaren Sachverhalt.

9. Eskalieren Sie bei relevantem Schaden

Werden Kollegen verleumdet, Geschäftszahlen manipuliert, Qualifikationen erfunden oder Fehler vertuscht, reicht ein persönliches Gespräch nicht mehr. Dann sollten Sie Vorgesetzte, Personalabteilung oder andere zuständige Stellen einschalten. Dokumentieren Sie konkrete Vorfälle und bleiben Sie bei überprüfbaren Tatsachen.

Sie müssen notorische Lügner nicht bei jeder Unwahrheit überführen. Entscheidend ist, dass dessen Geschichten nicht bestimmen, welche Entscheidungen Sie treffen.

Notorischer Lügner in einer Beziehung: Was tun?

Eine Partnerschaft braucht Grundvertrauen. Wer permanent prüfen muss, ob Erzählungen, Termine oder Erklärungen überhaupt stimmen, wird zum Ermittler in der eigenen Beziehung. Hier sollten Sie über das grundsätzliche Problem und die Folgen für Ihre Beziehung sprechen. Wichtig ist die Reaktion des Partners: Erkennt er die Täuschungen an, übernimmt Verantwortung und möchte er oder sie das Verhalten ändern? Dauerhafte Lügen müssen Sie nicht hinnehmen. Werden Sie zusätzlich manipuliert, finanziell geschädigt oder systematisch über wichtige Dinge getäuscht, sollten Sie sich schützen und entsprechende Konsequenzen ziehen – und in letzter Konsequenz die Beziehung beenden, wenn Sie damit nicht weiter leben können oder wollen.

Kann man notorisches Lügen behandeln?

Wenn ständiges Lügen außer Kontrolle gerät, Beziehungen zerstört oder das Berufsleben beeinträchtigt, hilft oft nur eine psychotherapeutische Unterstützung. Dabei lassen sich Auslöser, Funktionen und Folgen des Verhaltens untersuchen und alternative Strategien entwickeln. Eine einheitliche „Therapie gegen Lügen“ gibt es allerdings nicht. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von der individuellen Situation und möglichen Begleiterkrankungen ab. Voraussetzung für eine Veränderung ist zudem, dass Betroffene ihr Verhalten als Problem erkennen und bereit sind, daran zu arbeiten.

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