Freundschaft: Was zeichnet wahre Freunde aus?

Was wäre das Leben ohne Freunde? Blass und häufig trostlos. Die Freundschaft, vielleicht sogar innige Freundschaft zu anderen Menschen hilft uns über Durststrecken hinweg, kann inspirierend und unterstützend sein oder einfach nur unglaublich viel Spaß machen. Manche Freundschaften halten ein Leben lang, andere verpuffen nach vergleichsweise kurzer Zeit. Wie eine Freundschaft sich gestaltet, hängt aber davon ab, wieviel Zeit und Energie wir hineinstecken: Gerade in der Anfangszeit müssen gemeinsame Erfahrungen gesammelt werden, um ein Fundament zu legen, von dem beide noch Jahre zehren. So manche Freundschaft entpuppt sich dabei allerdings als Schein…

Freundschaft: Was zeichnet wahre Freunde aus?

Freundschaft Definition: Was zeichnet stabile Beziehungen aus?

Freundschaft DefinitionDas Verständnis von Freundschaft variiert von Kultur zu Kultur. Selbst Forscher tun sich bis heute mit einer Definition schwer. Immerhin lässt sich Freundschaft als eine freiwillige, persönliche Beziehung definieren, die auf gegenseitiger Sympathie, auf Vertrauen, Selbstlosigkeit und Unterstützung beruht.

Ganz eindeutig ist natürlich auch das nicht. So gibt es auch andere persönliche Beziehungen, die Überschneidungen zeigen. Nur weil wir zum Beispiel jemanden sympathisch finden, ist er noch lange nicht unser Freund. Gerade hierzulande wird daher häufig zwischen „Bekannten“, „Freunden“ und „guten Freunden“ unterschieden.

Bis ins 17. Jahrhundert wurden die Begriffe Freundschaft und Verwandtschaft sogar synonym gebraucht. Diese ursprüngliche Bedeutung hat sich bis in die heutige Zeit noch in Dialekten erhalten, ähnliches lässt sich für den Begriff „Blutsfreundschaft“ feststellen, der ursprünglich ebenfalls Verwandtschaft bedeutet.

Obwohl Verwandtschaft oder ein sexuelles Verhältnis nicht Bestandteil einer Freundschaft sind, ist die Vertrauensbasis zu Freunden ähnlich eng wie zu Partnern oder Geschwistern. Freundschaften existieren in den unterschiedlichsten Zusammenhängen – manche bilden sich schon im Sandkasten oder Urlaub, andere beim Sport oder in der Schule, wieder andere entstehen später aus Geschäfts- und Studienkontakten.

Manchmal entwickeln sie sich aus einem Zweckbündnis, um sich gegen fiese Klassenkameraden verteidigen zu können oder nicht allein spielen zu müssen. Andere sind Zeichen inniger Verbundenheit und der Beginn von etwas Wunderbarem, das uns ein Leben lang begleitet – nicht selten länger als die Beziehung zu unserem Lebens- oder Ehepartner.

Der deutsche Soziologe Siegfried Kracauer beschreibt Freundschaft…

als das engste geistige Verhältnis, das die loseren Beziehungen der Kameradschaft, Fachgenossenschaft und Bekanntschaft mit einfasst.

Wahre Freundschaft bedeutet für ihn die Pflege ähnlicher Interessen und gemeinsame Entwicklung. Es wundert kaum, dass er selbst eine über vier Jahrzehnte dauernde enge Freundschaft mit Theodor W. Adorno pflegte.

Keine Freunde? So gefährlich wie 15 Zigaretten am Tag

Mangel an FreundenEine gute Freundschaft macht nicht nur Spaß – sie garantiert sogar ein langes Leben. Forscher haben herausgefunden, dass Menschen mit funktionierenden sozialen Beziehungen zufriedener und gesünder sind als solche, die isoliert leben.

Mehr noch: Eine gute Freundschaft minimiert das Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen zu erkranken. Freundschaften wirken auch umgekehrt – wenn sie fehlen: Wenige oder gar keine Freunde zu haben, wirkt sich enorm negativ auf unsere Gesundheit aus.

Dazu gibt es eine bemerkenswerte Studie von der Psychologin Julianne Holt-Lunstead von der Brigham Young University. Laut ihren Forschungen sind wenige soziale Kontakte so gesundheitsschädlich wie das Inhalieren von 15 Zigaretten pro Tag.

Umgekehrt steigerten Menschen mit belastbaren Freundschaften ihre Lebenserwartung um 50 Prozent. Zudem würden positive Menschen im sozialen Umfeld das gefühlte Glück um ganze 15 Prozent anheben, während negative Menschen bis zu sieben Prozent Lebenszufriedenheit kosten. Und ein wirklich guter Freund, den man nahezu täglich sieht, mache so glücklich wie ein Gehalt von rund 90.000 Euro.

Freundschaften beginnen: Wann werden aus Bekannten Freunde?

Wie entstehen Freundschaften überhaupt? Und wann nennen wir einen Bekannten „Freund“? Gute Frage – die sich auch schon Wissenschaftler gestellt haben. Als der Nobelpreisträger und amerikanische Genetiker Jeffrey A. Hall zum Beispiel das genauer untersuchte, fand er heraus:

  • Es braucht mindestens 50 gemeinsame Stunden, um vom „Bekannten“ zum „Freund“ zu werden,
  • weitere 90 Stunden, um vom „Freund“ zum „guten Freund“ zu wechseln
  • und ganze 200 Stunden Beisammensein, damit daraus „beste Freunde“ werden.

Basis der Untersuchung waren 467 Interviews, darunter 255 Personen, die erst kürzlich umgezogen waren und sich daher einen neuen Freundeskreis aufbauen mussten. Alle Studienteilnehmer wurden über einen Zeitraum von neun Wochen über ihre Beziehungen beziehungsweise Freundschaften befragt.

Das wichtigste Ergebnis aber war: Die echte gemeinsame Zeit miteinander war entscheidend. Online-Chats oder Mails hatten kaum bis keinerlei Einfluss. Freunde beziehungsweise beste Freunde müssen real und physisch Zeit zusammen verbringen, bis daraus so etwas wie Seelenverwandtschaft entstand.

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Erfahrungsgemäß ist der Kreis der Freundschaften jedoch eher eng. Oft sogar viel kleiner, als wir denken. Zu diesem Ergebnis kommen wiederum Forscher der Universität von Tel Aviv und des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Stellen Sie sich dazu bitte einfach mal vor, wie viele Menschen Sie als Freunde bezeichnen würden… Und jetzt teilen Sie diese Zahl bitte durch zwei! Voilà, so viele Freunde haben Sie wirklich. Das jedenfalls sagen die Wissenschaftler.

Nur die Hälfte der Menschen, die wir zu unseren Freunden zählen, würde dasselbe ebenso über uns sagen, glauben die Forscher. „Freundschaft“, so der Studienautor Erez Shmueli, „beruht ganz häufig nicht auf Gegenseitigkeit“. Der Anteil gegenseitiger Freundschaften schwanke regelmäßig zwischen 34 und 53 Prozent.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir Schwierigkeiten damit haben, unsere wahren Freunde zu erkennen“, schreiben die Autoren. „Vielleicht hat es damit zu tun, dass die Möglichkeit einseitiger Freundschaft unser Selbstbild ankratzt.“

So gewinnen Sie neue Freunde

Freunde gewinnen FreundschaftNicht immer übersteht eine Freundschaft Krisen oder Veränderungen. Bereits der Umzug in eine andere Stadt oder eine Familiengründung kann dazu beitragen, dass eine Freundschaft zerbricht. Andere Menschen sind von Natur aus eher introvertiert und haben Schwierigkeiten damit, neue Bekanntschaften zu knüpfen und zu intensivieren.

In der Kindheit fällt es vielen Menschen leicht, später kommt die Angst dazu, verletzbar zu sein. Daher hier einige Tipps für Sie:

  • Werden Sie aktiv

    Ganz klar: Ohne dass Sie Signale senden oder aktiv auf andere Menschen zugehen, passiert nichts – wer auf dem Sofa sitzt und darauf wartet, dass etwas passiert, wartet vergeblich. Wie diese Aktivität aussieht, entscheiden Sie. Schüchterne Menschen finden oft den Gedanken beängstigend, beispielsweise alleine ins Kino oder in einen Club zu gehen.

    Wer noch nicht den notwendigen Mut dafür aufbringt, mag anfangs Kontakte im Chat knüpfen. Foren für unterschiedlichste Interessen gibt es zur Genüge, egal ob Sie gerne nähen, kochen oder sich über Musik austauschen wollen. Irgendwann sollten diese Kontakte allerdings in die Realität transportiert werden – Hobbys mit jemanden zu teilen, der 300 Kilometer entfernt wohnt, hilft Ihnen im Alltag wenig weiter.

    Aktivitäten wie im Park spazieren zu gehen oder eine Ausstellung zu besuchen, lassen sich gut allein bewerkstelligen. Hundebesitzer sind übrigens klar im Vorteil: Oft kommt man über das Haustier und seine Marotten bereits ins Gespräch. Andere Möglichkeiten sind Sport im Verein oder VHS-Kurse, bei denen Sie sich mit anderen Lernenden austauschen.

  • Zeigen Sie Interesse

    Zu Beginn einer Freundschaft geht es darum, die andere Person besser kennenzulernen. Fragen Sie also nach, wenn jemand Ihnen etwas erzählt. Je mehr Sie über den anderen wissen, desto eher können Sie zu einem späteren Zeitpunkt darauf Bezug nehmen.

    Sie signalisieren so Interesse an Ihrem Gesprächspartner. Vielleicht hat Ihr Kollege irgendwann erzählt, dass er sich eine neue Küche anschaffen will – ein perfekter Aufhänger, um nachzuhaken und vielleicht sogar zur Entscheidungsfindung beizutragen. Zu Beginn einer Bekanntschaft sollten vor allem unverfängliche Themen wie Urlaub oder Anschaffungen gewählt werden.

    Umgekehrt ist Vorsicht bei polarisierenden Themen wie Religion, Gehalt, Politik angebracht – selbst vermeintlich harmlose Themen wie Essen oder Kindererziehung können sich allerdings als Minenfeld erweisen, wenn Sie dogmatisch Ihre Meinung vertreten; daher ist eine grundsätzliche Offenheit anderen Ansichten gegenüber nicht verkehrt.

  • Begegnen Sie anderen freundlich

    Lächeln Sie, grüßen Sie freundlich – am besten mit Namen. Das vermittelt anderen das Gefühl, nicht nur „irgendwie“ wahrgenommen zu werden, sondern Ihnen wichtig zu sein. Wer anderen gegenüber freundlich auftritt, wirkt sympathisch und positiv. Und mit positiven, freundlichen Menschen umgibt man sich lieber als mit griesgrämigen, die kein Wort von sich geben.

    Wichtig dabei: Sie müssen niemanden etwas vorspielen, dass Sie nicht empfinden. Unsympathischen Zeitgenossen sollten Sie mit der gebotenen Höflichkeit begegnen, mehr aber auch nicht. Wer hingegen überschwänglich freundlich zu jemanden ist, den er eigentlich nicht mag, wirkt scheinheilig und wenig vertrauenswürdig.

  • Helfen Sie anderen

    Ihre Bekannte zieht um? Eine Nachbarin sucht verzweifelt einen Babysitter? Der Kollege kann vor lauter Arbeit nicht aus den Augen gucken? Solche Gelegenheiten sind ideal, um anderen seine Unterstützung anzubieten. Wer sich zuvor zugänglich gezeigt hat, wird eher angesprochen.

    Denn sofern Ihr Gegenüber nicht völlig stumpf ist, empfinden die meisten Menschen eine natürliche Hemmschwelle, wenn es darum geht, nahezu Fremde um einen Gefallen zu bitten. Ein erster Schritt ist also damit getan, dass Sie sich entgegenkommend zeigen, denn damit steigen die Chancen, dass diese Person sich bei Ihnen revanchiert.

  • Loben Sie den anderen

    Wenn Sie andere Menschen beobachten, welche Eigenschaften fallen Ihnen an ihnen auf, die Sie gut finden? Was können Sie sich davon abschauen? Hier gibt es einen positiven Doppeleffekt: Zum einen sollten Sie Eigenschaften, Fähigkeiten oder Verhalten in Situationen, dass Sie befürworten, lobend erwähnen.

    Jeder Mensch mag Komplimente, daher werden Sie durch diesen Zuspruch sympathisch wirken. Zum anderen spiegeln Sie mit Ihrer Art das Verhalten der Person, deren Freundschaft Sie gewinnen wollen, wenn Sie ähnlich handeln. So schaffen Sie Gemeinsamkeiten, die verbinden.

Wenn Sie übrigens überlegen, wie Sie mal wieder ein „Danke“ an jemanden formulieren, der Ihnen wichtig ist, haben wir hier 11 Punkte in einem kostenlosen PDF zusammengetragen, die Sie inspirieren können:

Wahre Freunde erkennen: 9 Beispiele und Bilder

Alle sieben Jahre verlieren wir angeblich die Hälfte unserer engsten Kontakte. Das hat der niederländische Soziologe Gerald Mollenhorst ermittelt. Für seine Langzeituntersuchung wertete der Forscher insgesamt 1007 Datensätze von Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren aus.

Während seiner mehrjährigen Interviews stellte er jedoch fest, dass zwar die Anzahl unserer engen Freunde im Verlauf von sieben Jahren einigermaßen stabil blieb, die Beziehungen selbst aber wechselten. Nur 30 Prozent der Freunde von einst standen noch im gleich engen Verhältnis zueinander wie zuvor und nur 48 Prozent waren überhaupt noch miteinander befreundet. Der Rest bestand aus einem völlig neuen Freundeskreis.

Das deckt sich ebenfalls mit den schon etwas älteren Studien von Robin Dunbar. Der ermittelte seinerzeit die sogenannte Dunbar-Zahl, wonach wir – im Durchschnitt – nicht mehr als 150 stabile Kontakte haben (können).

Leider erkennen wir wahre Freunde oft erst in Notlagen – dann, wenn wir sie wirklich brauchen. Immerhin: Es gibt aber schon vorher ein paar Indizien dafür, ob es sich bei unseren Freunden um wahre oder falsche Freunde handelt.

Neun dieser Anzeichen finden Sie in den folgenden plakativen Grafiken:

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Zugegeben, das sind zum Teil hohe Ansprüche. Freundschaft muss daher ertragen, dass diese nicht immer und zu jedem Zeitpunkt erfüllt werden können. Wir sollten zwar mit unseren Freunden durch „dick und dünne“ gehen können, aber manchmal geht das eben nicht. Auch unsere Freunde sind nur Menschen – mit Fehlern und Unzulänglichkeiten.

Apropos: Wenn Sie wissen wollen, welchen Typus Mensch jeder braucht, um gute Freundschaften zu entwickeln, dann lesen Sie HIER in unserem kostenlosen eBook (PDF) mehr über Weisheiten zur Freundschaft.

Freundschaft: Weisheiten, Zitate, Sprüche

  • Ein wahrer Freund ist ein Mensch, der Dein Lächeln sieht, und trotzdem spürt, dass Deine Seele weint.
  • Freunde erkennst Du nicht daran, wie sie Dich loben, sondern daran, wie sie Dich kritisieren.
  • Freundschaft sollte man nie als selbstverständlich sehen, denn wahre Freundschaft ist fast genauso selten wie die große Liebe.
  • Freunde sind Menschen, die bleiben, wenn alle anderen gehen.
  • Freundschaft ist, wenn man nichts sagen muss und der andere trotzdem weiß, was man denkt.
  • Ein wahrer Freund ist der, der Deine Hand nimmt, aber Dein Herz berührt.
  • Glück erwirbt Freunde, Unglück bewährt sie.
  • Freundschaft ist eine Tür zwischen zwei Menschen. Sie kann manchmal klemmen, sie kann knarren, aber sie ist nie verschlossen.
  • Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert als die Bewunderung der ganzen Welt.
  • Wir sind wie zwei Puzzleteile: so unterschiedlich, und doch passen wir perfekt zusammen.
  • Wer nichts für die Freundschaft tut, für den tut die Freundschaft nichts.
  • Wort halten. Hand halten. Zueinander halten. Durchhalten.
  • Gute Freunde erkennt man meist erst dann, wenn das Leben schwierig wird.
  • Bei vielen Menschen lächelt nur mein Mund. Bei dir lächelt mein Herz.
  • Ich mag dich nicht, weil du bist, wer du bist, sondern dafür, wer ich bin, wenn ich mit dir zusammen bin.
  • Du kennst meine verletzlichen Stellen – und bedeckst sie mit Balsam.
  • Die Menschen, die dich so lieben wie du bist, sind deine wahren Freunde.
  • Für die Welt bist du irgendjemand, aber für mich bist du die Welt.
  • Kein Weg ist mir zu weit mit dir an meiner Seite.
  • Wenn du einen Freund verlierst, weil du ehrlich warst, dann war es auch kein Freund.
  • Manchmal ist man unendlich dankbar dafür, eine bestimmte Person kennengelernt und in seinem Leben zu haben. Diese Person bist Du!

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Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Ob Mädchen oder Jungen – im Kindesalter haben wir alle gute, beste Freunde. In diesem Alter sind Freundschaften häufig noch zerbrechlich und können schnell wechseln. Mit der Zeit verfestigen sie sich, bleiben aber bis ins hohe Alter dynamisch und können sich im Laufe der Jahre immer wieder verändern. Was zum Teil daran liegt, dass wir selbst uns verändern – und unsere Freunde nicht (oder in eine andere Richtung).

Als Forscher der Aalto Universität und der Oxford Universität sich mit Freundschaften intensiver auseinander setzten, stellten sie allerdings fest, dass das 25. Lebensjahr einen Wendepunkt in unserem Leben markiert: Bis dahin vergrößert sich bei beiden Geschlechtern der Freundeskreis. Danach wird er immer kleiner.

Aus der 2016 veröffentlichten Studie gehen allerdings noch weitere überraschende Erkenntnisse hervor:

  • In jüngeren Jahren pflegen Männer mehr Kontakte als Frauen. Männer waren im Alter von 25 Jahren durchschnittlich mit 19 Menschen pro Monat in Kontakt, Frauen nur mit 17,5.
  • Dieses Verhältnis kehrt sich im Alter jedoch um. Mit 39 Jahren haben Frauen durchschnittlich zu 15 Menschen pro Monat Kontakt, Männer nur noch zu 12.
  • Auch die Intensität dieser Kontakte ist bei Männern und Frauen unterschiedlich: So haben Männer später häufig nur noch einen engen Freund und einige „Bekanntschaften“. Frauen hingegen haben noch bis zu drei „beste“ Freundinnen („Busenfreundinnen„) – und die genießen einen hohen Stellenwert.

Dieser verkleinerte Freundeskreis sei aber kein Grund zur Sorge, sagen die Wissenschaftler. Vielmehr zeige er, dass wir mit zunehmendem Alter genauer wissen, was wir wollen und gelernt haben, worauf es in einer Freundschaft ankommt.

Friends with benefits: Ist Sex unter Freunden ok?

Friends with benefits: Ist Sex unter Freunden ok?„1000 Mal berührt, 1000 Mal ist nix passiert. Doch dann hat es Zoom gemacht…“ – so besang einst Klaus Lage das Problem von angeblich so platonischen Freundschaften zwischen Männern und Frauen (unter gleichgeschlechtlichen Freunden passiert das aber auch). Irgendwann wird die Freundschaft so innig, dass sich beide mehr wünschen – einen One Night Stand zum Beispiel. Oder mehr. Sogenannte „Freundschaften Plus“ oder „Friends with benefits“ funktionieren aber selten. Wenn freundschaftliche Beziehung und Affäre vermischt werden, geht meist die Freundschaft kaputt. Denn, so warnen Psychologen, es gibt Dinge, die man eben nur seiner besten Freundin oder seinem besten Freund anvertrauen will – nicht dem Partner (insbesondere wenn es um Probleme mit dem Partner geht). Da wo vorher große Offenheit herrschte, gibt es in einer Sexfreundschaft dann auf einmal Geheimnisse. Hinzu kommt nicht selten die Angst, die bisherigen Freiheiten zu verlieren: Unter Freunden gibt es keine Exklusivitäten, in einer Partnerschaft schon. Eifersucht ist also programmiert.

Auch wenn die Vertrautheit den Wunsch nach Sex wachsen lässt, sollten beide genau überlegen, ob sie dafür ihre Freundschaft riskieren wollen. Die Hamburger Psychologin und Sexualtherapeutin Nele Sehrt etwa sagte in einem N-TV-Interview: „Ich empfehle, diesen blöden verliebten Gefühlen nicht so viel Bedeutung beizumessen.“

Falsche Freunde: Wann sollte Schluss sein?

So schön und erfüllend eine Freundschaft sein kann – so negativ kann sie sich entwickeln. Was verbindet, kann auch verschwinden. Der regelmäßige Austausch ist wichtig, um die Vertrauensbasis zu erhalten, aber keine Garantie.

Nicht wenige Freundschaften zerbrechen mit der Zeit. In manchen Fällen verändern sich einfach nur die Interessen – man lebt sich gewissermaßen auseinander. Ein „offizielles Ende“ gibt es dann nicht, der Kontakt schläft einfach ein. In anderen Fällen ist das Ende begleitet von heftigen Auseinandersetzungen, bösen Worten, dem Gefühl von Verrat und Enttäuschung (im Wortsinn).

Was Freunde verbindet, ist nicht zuletzt ein gemeinsamer Werte-Codex. Eine Art ungeschriebenes Gesetz, was sie von einander erwarten und worauf sie sich verlassen. Ein einseitiger (aber einmaliger) Bruch gibt der Freundschaft nicht selten einen tiefen Knacks.

Fühlt sich eine(r) jedoch dauerhaft hintergangen, ist es mit der Freundschaft bald vorbei – und die meisten würden ihre ehemaligen Weggefährten dann als „falsche Freunde“ bezeichnen. Zu Recht. So sollten Sie besser Schluss machen, wenn Sie…

  • ausgenutzt werden.

    Sie haben Ihre Hilfe häufig unter Beweis gestellt, bei Umzügen geholfen, getröstet (selbst mitten in der Nacht), waren da. Aber jetzt bräuchten Sie mal Unterstützung – doch Fehlanzeige. „Keine Zeit!“ „Passt gerade ganz schlecht!“ Passiert das öfter, sollten Sie sich gut überlegen, ob sich Geben und Nehmen in dieser Freundschaft noch die Waage halten.

  • nicht unterstützt werden.

    Manche Situationen und Lebensphasen können wir fast nur mithilfe guter Freunde bewältigen. Schicksalsschläge und Todesfälle etwa. Oder wenn der Job einen auffrisst, man arbeitslos wird oder wenn die Beziehung in die Brüche geht. In solchen Zeiten wollen wir jemanden haben, der uns zuhört, vielleicht einen Rat gibt, beisteht. Wer aber in unseren schwersten Tagen, in Zeiten größter Not das Weite sucht und sich rar macht, kann kein Freund sein. Denn was unterscheidet ihn dann noch von flüchtigen Bekannten? Auf Schönwetterfreunde können und sollten Sie getrost verzichten.

  • hintergangen werden.

    Der vermutlich schlimmste Verrat ist, wenn der Freund oder die Freundin einem den eigenen Partner ausspannt. Oder wenn die eigenen (angeblichen) Freunde hinter dem Rücken schlecht über einen reden oder gar intrigieren, dann kommt das einem Tiefschlag gleich. Von einer Freundschaft erwarten wir Loyalität und Ehrlichkeit. Fehlt beides, sollten Sie sich trennen.

  • in ständiger Konkurrenz leben.

    Kennen Sie das? Kaum erzählen Sie von einem Erfolgserlebnis, hören Sie eine Geschichte, die Ihre Sache irgendwie toppt und in den Schatten stellt?! Nie haben Sie das Gefühl, dass sich Ihr Freund/Ihre Freundin mit Ihnen freut? Es geht immer nur darum, selbst noch besser zu sein… Ein klarer Fall von Missgunst. Ganz ehrlich: Brauchen Sie so jemanden in Ihrem Leben?

  • unwichtig werden.

    Natürlich darf ein Freund auch mal etwas anderes vorhaben. Wenn Sie allerdings immer wieder versetzt werden und die andere Person sich keinerlei Mühe gibt, den Kontakt zu Ihnen zu halten oder einen Alternativtermin vorschlägt, haben sich offensichtlich die Prioritäten bei dieser Person verschoben. Ein von Konfuzius abgewandelter Spruch besagt: Was du liebst, lass frei. Kommt es zurück, gehört es dir für immer. Kommt es nicht zurück, hat es dir auch nie gehört. Auf solche Freundschaften können Sie verzichten.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
9. August 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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