Déjà-vu: Was dahinter steckt + Wie die Täuschung entsteht

Kennen Sie das? Dieses merkwürdige Gefühl, etwas schon einmal ganz genau so erlebt zu haben – obwohl Sie sich in einer völlig neuen Situation befinden. Ein klassisches Déjà-vu. In einer Unterhaltung denken Sie plötzlich, dass dieses Gespräch genauso schon einmal stattgefunden hat. Beim Spaziergang begegnen Sie scheinbar zweimal demselben Jogger. Morgens auf der Arbeit grüßen Sie den Chef doppelt im Büroflur – ein Déjà-vu kann in den unterschiedlichsten Situationen auftreten. Fast immer ist es verwirrend und irritierend. Was bleibt, ist Verunsicherung und die Frage, ob man jetzt doch einem Trugschluss aufsitzt oder etwas tatsächlich zum wiederholten Male sieht. Wie kommt es zu einem Déjà-vu? Wir erklären, was ein Déjà-vu ist und was hinter diesem Phänomen steckt…

Déjà-vu: Was dahinter steckt + Wie die Täuschung entsteht

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Definition: Was ist ein Déjà-vu

Der Begriff stammt aus dem Französischen, soll vom Philosophen Emile Boirac verwendet worden sein und bedeutet wörtlich soviel wie „schon mal gesehen“. Das passt, aber wenn man es ganz genau nimmt, liegt die Bedeutung auf einem anderen Aspekt.

Dem britischen Neurowissenschaftler Akira Robert O’Connor zufolge handelt es sich bei einem Déjà-vu um eine „flüchtige, phänomenologisch reiche, aber äußerlich unsichtbare Erinnerungserfahrung“. Etwas verständlicher drückt es der Duden aus. Demnach ist ein Déjà-vu eine…

Erinnerungstäuschung, bei der der Eindruck entsteht, gegenwärtig Erlebtes in gleicher Weise schon einmal erlebt zu haben.

Streng genommen geht es darum, dass jemand glaubt, er habe etwas schon einmal gesehen oder erlebt – das muss aber längst nicht den Tatsachen entsprechen.

In vielen Fällen ist es eben nur das: Eine Täuschung, bei der das Gehirn uns etwas vormacht. Und diese Erinnerungstäuschung kann sich ganz unterschiedliche äußern. Sie können das Gefühl haben, bestimmte Situationen so schon einmal erlebt zu haben.

Ebenso können Ihnen bestimmte Personen und Orte bekannt vorkommen, auch wenn sie es de facto nicht sein können. Es handelt sich beispielsweise um ein Déjà-vu, wenn Sie in einer fremden Stadt plötzlich von dem Gefühl ergriffen werden, dass Sie genau wissen, wie die nächsten Straßen aussehen.

Sie sind sich ziemlich sicher wo es lang geht, dass ein Stück weiter ein kleines Café liegt und dahinter eine Bank unter zwei Bäumen steht – obwohl Sie noch nie zuvor dort gewesen sind.

Ein Déjà-vu ist somit auch, wenn Ihnen eine Situation bekannt vorkommt, obwohl dies eigentlich nicht möglich ist. Dies verdeutlicht den Effekt der Täuschung, denn es braucht keine Erinnerung, um ein Déjà-vu hervorzurufen.

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Wie entstehen Déjà-vus?

Ein Déjà-vu stellt nicht nur denjenigen vor ein Rätsel, der das Gefühl hat, eine Situation erneut zu erleben. Seit mehr als 100 Jahren rätseln Forscher unterschiedlichster Professionen über die Entstehung von Déjà-vus. Sigmund Freud nahm sogar an, dass verborgene Wünsche Auslöser dieses Phänomens seien.

Fest steht, dass verschiedene Faktoren die Entstehung eines Déjà-vus beeinflussen können. Studien zeigen, dass Menschen mit einer hohen Bildung häufiger über das Phänomen berichten – allerdings gilt dies auch für Patienten in der Psychiatrie.

Auch herrscht Einigkeit darüber, dass Stress, Schlafmangel oder Substanzen wie Alkohol und Drogen zu einem häufigeren Auftreten von Déjà-vus führen können.

Über die genaue Entstehung und Ursache von Déjà-vus wird hingegen viel diskutiert. Eine endgültige Erklärung, die allgemeine Zustimmung erhält, gibt es (bisher) nicht. Aber es gibt verschiedene bekannte und verbreitete Theorien und Erklärungsversuche.

Die einen haben einen wissenschaftlichen Ansatz, die anderen folgen eher spirituell-esoterischen Deutungen. Daraus lassen sich wiederum psychologische Motive ableiten:

Déjà-vu als vergessene Erinnerung

Zum Beispiel die französischen Autoren Marc Tadie und seines Bruders Jean-Yves vertreten diese Ansicht. Der eine ist Direktor eines neurochirurgischen Universitätsinstituts, der andere Literaturprofessor. Die beiden haben ein Buch geschrieben, es heißt: „Im Gedächtnispalast“.

Darin sagen sie, dass es charakteristisch für Déjà-vu-Erlebnisse sei, dass man einen Augenblick sicher ist, die Situation erlebt zu haben. Aber man erinnert sich nicht mehr an den Zeitpunkt. Soll heißen: Ein Déjà-vu kann nach dieser Erklärung entstehen, wenn Sie sich nicht mehr wirklich darin erinnern können, etwas schon mal gesehen zu haben.

Vielleicht haben Sie bei der Planung Ihrer Reise ein Foto der Straße gesehen, auf der Sie gerade laufen. Sie erinnern sich nicht mehr daran und können das Gefühl nicht zuordnen, aber es kommt Ihnen deshalb so bekannt vor und löst das Déjà-vu aus.

Déjà-vu als neurologischer Vorgang

In einem anderen Artikel vermutete der Autor, dass das Déjà-vu-Gefühl von einem neurochemischen Vorgang im Gehirn ausgelöst wird: Das Oberstübchen spielt einem dann einen Streich. Man steckt in einer Situation und fühlt sich komisch.

Daraufhin ordnen die grauen Zellen dem Gefühl eine alte Erinnerung zu. Zack – schon erkennt man sie fälschlicherweise als etwas wieder, was man bereits erlebt hat.

Gestützt wird diese Hypothese auf den Erzählungen von Epileptikern, die häufiger Déjà-vus erleben. Bekannt ist, dass im Falle eines epileptischen Anfalls dieselbe Hirnregion betroffen ist (nämlich der Hippocampus oder die Amygdala), die üblicherweise auch Informationen abspeichert und für das Gefühl des Wiedererkennens zuständig ist.

Optical Delay Theory

In dem Bemühen, dem Déjà-vu auf den Grund zu gehen, hat sich die sogenannte Optical Delay Theory (auch als Optical Delay Theorie bekannt) lange als plausible Erklärung gehalten. Demnach nehmen wir Informationen zuerst über das eine (meist rechte) Auge auf und leiten sie ins Gehirn weiter, bevor sie über das andere Auge erneut aufgenommen und weitergeleitet werden. Diese geringe Verzögerung soll Ursache dafür sein, dass wir eine Sache also zweimal sehen und daraus schlussfolgern, wir müssten etwas bereits kennen. Allerdings hat sich diese Theorie bereits als falsch erwiesen: Blinde Menschen berichten ebenfalls von Déjà-vus.

Déjà-vu als falsche Assoziation

Andere Psychologen sind der Meinung, dass man beim Déjà-vu nur ein Fragment erinnert, das beim ersten Mal nicht vollständig erfasst wurde. Also erinnerte Bruchstücke aus der Vergangenheit, die man mit der Gegenwart falsch verknüpft und so wiederholt.

Es kommt daher zu einer falschen Assoziation zwischen etwas Neuem und etwas Altem, das tief im Unterbewusstsein abgespeichert ist. Etwa ein bestimmter Ort. Ein bestimmter Geruch. Oder ein bestimmter Satz. Oder ein bestimmter Satz.

Um noch einmal das Déjà-vu der fremden Straße aufzugreifen, die Ihnen plötzlich bekannt vorkommt: Möglicherweise ähnelt diese Straße im Aussehen oder in anderen Faktoren einem Ihnen vertrauten Weg. Ihr Gehirn stellt falsche Assoziationen zwischen dem, was Sie kennen und dem, was neu ist, her. So entsteht für Sie ein schwer erklärendes Gefühl der Vertrautheit in der Fremde.

Für diese Theorie spricht eine Studie von Forschern an der St. Andrews Universität in Schottland. Sie haben mittels Gehirnscan herausgefunden, dass bei einem Déjà-vu gar nicht die Areale für Gedächtnisleistung im Gehirn aktiv sind, sondern jene für Entscheidungen.

Déjà-vu als Vorahnung

Das scheinbar untrügliche Gefühl, etwas bereits gesehen oder erlebt zu haben und gleichzeitig das Wissen darum, dass es nicht möglich ist, lädt zu wilden Theorien ein.

Eher spirituell oder esoterisch veranlagte Menschen werden versucht sein, ein Déjà-vu als Zeichen zu deuten. Von Geistern der Verstorbenen, die versuchen zu kommunizieren, bis hin zu Warnungen vor schrecklichen Unglücken ist alles drin.

Es ist wie in der Traumdeutung: Einzelne Aspekte sollten im Gesamtzusammenhang betrachtet werden, um in irgendeiner Form zu einer plausiblen Erklärung zu kommen.

Alles andere ist unseriös. Wer an einem sehr heißen Sommertag plötzlich meint, eine Eingebung zu haben, nur weil etwas vertraut erscheint, kann auch einfach nur völlig dehydriert sein – die Synapsen spielen gerade verrückt.

In die Kategorie „Spiritualität und Esoterik“ ist wohl auch die Deutung einzuordnen, die ein Déjà-vu wörtlich nimmt. Demnach gibt es Menschen, die daran glauben, dass sie bereits früher einmal gelebt haben. Sie sind davon überzeugt, dass ein Déjà-vu in Wirklichkeit etwas Erlebtes aus einem früheren Leben ist.

Übernatürliche Kräfte oder Wunschdenken?

Sowohl Erinnerung als auch Wahrnehmung laufen über neuronale Prozesse ab. Die Realität, die wir wahrnehmen, ist nie die Realität, die tatsächlich existiert – sondern die, die unser Gehirn abbildet. Was jetzt nach Verschwörungstheorie klingt, lässt sich im Alltag tatsächlich immer wieder beobachten: Zwei Personen erleben eine Situation völlig unterschiedlich. Im Normalfall wird es sich nicht um Extreme wie „es scheint die Sonne – es regnet“ handeln.

Aber es können Situationen, die der persönlichen Einschätzung folgen, dazu gehören. Während Sie beispielsweise auf einer Veranstaltung eine fremde Person als zurückhaltend und introvertiert wahrnehmen, empfindet Ihre Kollegin dieselbe Person womöglich unfreundlich.

Sehr oft lassen sich Sinnestäuschungen und Déjà-vus als Wahrnehmungsfehler psychologisch erklären. Aus der Wissenschaft ist beispielsweise das Confirmation Bias bekannt.

Wir filtern Informationen auf Grundlage bestimmter Erwartungen. Statt uns objektiv zu informieren, suchen wir nach Informationen, die unsere Meinung bestätigen. Was das mit Déjà-vus zu tun hat? Nun, vielleicht ist der Wunsch häufig Vater des Gedankens. Jemand vermisst eine Person sehr schmerzlich. Da liegt aus ihrer Sicht die Deutung nahe, dass es sich beim Déjà-vu in Wirklichkeit um eine Kontaktaufnahme aus dem Jenseits handelt.

Auch hängt die Erklärung eines Déjà-vus mit der eigenen Persönlichkeit zusammen. Der Vorstellung, mit Geistern oder Engeln kommunizieren und in die Zukunft sehen zu können, haftet ein gewisser Geltungsdrang an.

Wenn nur bestimmte Personen über diese Gabe verfügen und die große Mehrheit nicht, müssen diese etwas Besonderes sein. Die Vorstellung, ein ganz normaler Mensch zu sein, der es nicht geschafft hat, etwas Überdurchschnittliches zu erreichen, ist für manche offenbar schwer zu ertragen.

Déjà-vu als Schutzmechanismus

Manche Déjà-vus kreieren wir geradezu selbst. Stellvertretend dafür können Sprüche stehen, die als Witze häufig durchs Netz kursieren: „Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig?“ Oder auch: „Die drei Biere gestern Abend können doch unmöglich 50 Euro gekostet haben.“ Bestimmte Situationen tauchen immer wieder auf.

Gerade wenn sich tiefgreifende Wandel im Leben ankündigen – etwa ein Jobwechsel, eine kriselnde Partnerschaft – neigen manche Menschen dazu, wieder in alte Muster und Gewohnheiten zu fallen.

Denn diese geben ihnen Sicherheit. Wir wiederholen, was wir schon immer gemacht haben, weil wir es kennen. Damit werden leider häufig auch die gleichen Fehler gemacht.

Veränderungen werden tendenziell als Bedrohung gesehen, stattdessen fällt es leichter, einen Prozess an einer bestimmten Stelle abzubrechen oder zumindest nicht genauer hinzuschauen, was der Grund für Misserfolg und Unzufriedenheit sein könnte.

Déjà-vu im Film

Vor diesem Hintergrund sind Déjà-vus gar kein Wunder. Selbst die Filmindustrie hat dieses Motiv aufgegriffen. Der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ präsentiert dem Zuschauer ein reales Déjà-vu, indem der Protagonist, ein zynischer Wettermoderator, in einer Zeitschleife einen bestimmten Tag immer wieder erlebt. Das geht solange, bis er tatsächlich beginnt, seine Einstellungen und sein Verhalten zu ändern. Gleiches kann bei selbst inszenierten Déjà-vus notwendig sein, um nicht in alten Gewohnheiten festzustecken.


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Mit allen Sinnen erleben

Déjà-vu ist der häufig genutzte Sammelbegriff für etwas, das die Sensorik von Menschen betrifft und das Gefühl der Erinnerung auslöst.

Ebenso beschreibt es verwandte Phänomene, bei denen unterschiedliche Sinne betroffen sind. Es existieren eine Reihe ähnlicher Begriffe, die sich zum Teil inhaltlich überschneiden:

➠ Fausse reconnaissance (französisch für „falsches Wiedererkennen)
➠ Déjà-entendu/Déjà-écouté (französisch für „schon gehört“)
➠ Déjà-vécu (französisch für „schon erlebt“)
➠ Déjà-rêvé (französisch für „schon geträumt“)
➠ Déjà-senti (französisch für „schon gefühlt“)
➠ Déjà-visité (französisch für „schon besucht“)
➠ Déjà-èprouvé (französisch für „schon durchgemacht“)

Vermutlich ist jeder schon einmal einer Person begegnet, die er glaubte zu kennen (Fausse reconnaissance). Das Phänomen beruht hier schlicht auf einer Verwechslung mit einer anderen, tatsächlich bekannten Person. Das können flüchtige Bekannte sein oder tatsächlich frühere Freunde, die man jahrelang nicht mehr gesehen hat.

Marginal sind die Unterschiede beim Déjà-vécu und dem Déjà-èprouvé: Hier geht es um das gesamte Setting, um Erfahrungen. Das kann sich in mehreren Erinnerungstäuschungen gleichzeitig äußern: beispielsweise der Ort, die Jahreszeit, der Geruch – in dieser Kombination haben Sie etwas schon einmal erlebt.

Vorstellbar sind prägende Erlebnisse wie besondere Feierlichkeiten, aber auch Trennungen oder Krankheit. Hier spielt das Déjà-senti mit hinein. Auch die Begriffe Déjà-visité und Déjà-vu lassen sich schwer trennen. Wer glaubt, bereits an einem Ort gewesen zu sein, hat diesen in der Regel mit seinen Augen wahrgenommen.

Beim Déjà-rêvé handelt es sich um ein ebenfalls weit verbreitetes Phänomen, das bereits Kinder kennen. Exakt derselbe Traum wird nicht geträumt, aber es gibt ein bestimmtes Motiv, das immer wieder vorkommt. Wiederkehrende Träume treten vor allem in Form von Albträumen auf.

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4 Merkmale eines Déjà-vus

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff Déjà-vu ein wenig lockerer umgegangen. So wird damit oftmals die tatsächliche Wiederholung eines Ereignisses bezeichnet, wenn Sie beispielsweise einem Freund zweimal in der Stadt begegnen. Oder wenn Sie an mehreren Tagen hintereinander einen Kollegen in der Kaffeeküche treffen. Solche Situationen, die tatsächlich mehrmals oder sogar regelmäßig eintreten, werden in dieselbe Kategorie eingeordnet, zählen aber eigentlich nicht zu den Déjà-vus. Ein echtes Déjà-vu zeichnet sich durch verschiedene Merkmale aus:

  • Sie wissen trotz des gegenteiligen Gefühls ziemlich sicher, dass diese Vertrautheit nicht echt ist.
  • Sie können nie exakt benennen, an welchen Ort, welche Situation Sie das momentane Déjà-vu erinnert.
  • Sie glauben währenddessen für einen winzigen Moment, die nächsten Ereignisse vorhersehen zu können.
  • Das Gefühl der Vertrautheit ist binnen weniger Sekunden vorbei.

Treffen diese Merkmale zu, handelt es sich um ein Déjà-vu. Eine solch genaue Unterscheidung wird jedoch nur selten vorgenommen.

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Jamais-vu: Das Gegenteil von Déjà-vu

Wer nun glaubt, ein Déjà-vu sei eine absolute Seltenheit, liegt falsch. Die Zahlen schwanken erheblich; Experten gehen in Untersuchungen davon aus, dass 50 Prozent der Bevölkerung schon einmal ein Déjà-vu hatte oder diese sogar regelmäßig haben. Andere Untersuchungen gehen von deutlich höheren Zahlen aus, das Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik gibt bis zu 97 Prozent aller Menschen an.

Ein ähnliches und ebenfalls häufiges Phänomen ist zudem das Gegenteil zum Déjà-vu, das sogenannte Jamais-vu. Jamais-vu bedeutet übersetzt so viel wie „noch nie gesehen“ oder „noch nie dagewesen“. Vielleicht haben Sie selbst schon einmal erlebt, dass Sie sich plötzlich nicht mehr an etwas erinnern können, obwohl Sie ständig damit in Kontakt kommen oder es sogar täglich sehen.

Jamais Vu Gegenteil Deja Vu Definition Psychologie

Sie haben schon tausend Mal einen Einkauf mit Karte gezahlt, sogar noch vor einer halben Stunde, doch plötzlich stehen Sie an der Kasse und können sich einfach nicht an Ihre PIN erinnern. Oder Sie erklären einem Bekannten den Weg zu Ihrer Wohnung, den Sie seit Jahren täglich gehen und Ihnen fällt einfach nicht ein, wie die Seitenstraße oder ein Geschäft heißt, obwohl Sie Tag für Tag daran vorbeilaufen.

Es sind beim Gegenteil des Déjà-vus die Dinge, an die wir uns eigentlich ohne Probleme erinnern müssten, die nicht mehr einfallen wollen. Hervorgerufen werden kann es wie das Déjà-vu durch Einnahme von Drogen oder Medikamenten, die sich auf die Gedächtnisleistung auswirken. Kommt das Jamais-vu allerdings häufig vor, ohne dass Sie es auf konkrete Ursachen wie Drogen, Schlafmangel oder Ähnliches zurückführen können, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen.

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So gehen Sie mit einem Déjà-vu um

Meist geht ein Déjà-vu genauso schnell, wie es gekommen ist. Nach ein paar Sekunden ist die Erinnerungstäuschung vorbei, das Gefühl des erneuten Erlebens und der Wiedererkennung verschwindet und Sie bleiben verdutzt zurück. Was können Sie nun tun, außer sich über das zu wundern, was gerade passiert ist?

Als erstes sollten Sie sich kurz zurecht finden, denn eine solch verzerrte Wahrnehmung kann den Sinnen einen ordentlichen Streich spielen. Machen Sie sich bewusst, wo Sie sind – vor allem wenn Sie ein Déjà-vu in einer fremden Umgebung hatten. Geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass Sie tatsächlich wissen würden, wie es hinter der nächsten Straßenecke aussieht. Während des Déjà-vus waren Sie sich zwar sicher, die Realität sieht aber anders aus.

Im zweiten Schritt können Sie ein wenig in Ihren Erinnerungen kramen. Was könnte das Déjà-vu ausgelöst haben? Vielleicht können Sie sich so im Nachhinein einen besseren Reim darauf machen und erkennen, was die Erinnerungstäuschung ausgelöst hat.

Zu guter Letzt sollten Sie sich von einem Déjà-vu nicht weiter beirren lassen. Selbst wenn Sie nicht verstehen, wie Ihnen eine Situation so bekannt vorkommen kann, hat die Täuschung keine weiteren Folgen – im Zweifelsfall bringt es deshalb nichts, einem Déjà-vu lange hinterher zu hängen.

Ist ein Déjà-vu ein Grund zur Sorge?

Etwas Geheimnisvolles umgibt das Déjà-vu – und was sich nicht restlos erklären lässt, kann ein mulmiges Gefühl auslösen. Auf manche wirkt es gar verstörend, wenn sie das Gefühl haben, etwas schon einmal erlebt zu haben, ohne es sich näher erklären zu können.

Womöglich fragen Sie sich: Ist das überhaupt normal oder muss ich mir Sorgen machen und möglicherweise sogar einen Arzt aufsuchen?

Laut O’Connor treten Déjà-vus vor allem in jüngeren Jahren auf. Das ist umso erstaunlicher, als sie als Erinnerungsfehler gelten. Diese würde man eher bei Senioren erwarten, da die Gedächtnisleistung im Alter abnimmt.

Experten geben glücklicherweise Entwarnung: Auch wenn die konkrete Ursache im Dunkeln liegt, besteht in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge. Eine Möglichkeit ist O’Connor zufolge, dass es sich dabei lediglich um eine Art Überprüfungsmechanismus unserer Erinnerung handelt.

Diese Überprüfung funktioniert in jungen Jahren noch gut aufgrund der regelmäßigen Dopaminzufuhr. Es ist bekannt, dass diese im Alter abnimmt – das könnte wiederum ein Grund dafür sein, warum ältere Menschen weniger Déjà-vus haben.

Diese Theorie passt zu der Beobachtung, dass Menschen vermehrte Déjà-vus unter Gabe bestimmter Medikamente erleben, die dafür bekannt sind, den Dopamin-Level zu erhöhen. Nur in Ausnahmefällen gibt es eine Verbindung zwischen Déjà-vus und Krankheiten, etwa in besonderen Formen der Epilepsie.

Im Allgemeinen müssen Sie deshalb nur aufgrund einer Déjà-vu-Erfahrung nicht zum Arzt gehen oder gesundheitliche Ursachen befürchten. Ärztlichen oder psychologischen Rat sollten Sie dann hinzuziehen, wenn Sie wiederholte Déjà-vus haben und diese bei Ihnen Ängste und negative Gefühle auslösen.

In so einem Fall sind es allerdings weniger die Déjà-vus selbst, die schädlich sind. Vielmehr sind es die Begleitumstände, da es sich in den meisten bekannten Fällen um Phobien oder Zwangsstörungen handelt.

Ist kein Déjà-vu etwa ein Grund zur Sorge?

Wenn Déjà-vus zu haben völlig normal und gesund ist, könnte man auf die Idee kommen, keine zu haben, sei ein Indiz dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Auch hier können Sie unbesorgt sein: Zahlreiche Menschen haben keinerlei Déjà-vus oder schenken ihnen keine besondere Aufmerksamkeit.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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27. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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