Déjà-vu: Wie uns das Gehirn einen Streich spielt

Kennen Sie das? Dieses merkwürdige Gefühl, etwas schon einmal ganz genau so erlebt zu haben – obwohl Sie sich in einer völlig neuen Situation befinden. Ein klassisches Déjà-vu. Vielleicht unterhalten Sie sich mit jemandem und denken plötzlich, dass dieses Gespräch genau so schon einmal stattgefunden hat. So ein Déjà-vu kann in den unterschiedlichsten Situationen auftreten, fast immer ist es jedoch verwirrend und irritierend. Sie können die scheinbare Erinnerung und das damit verbundene Gefühl nicht genau zuordnen. Was bleibt, ist Verunsicherung und die Frage, wie es zu einem Déjà-vu kommt. Wir erklären, was ein Déjà-vu ist und was hinter diesem Phänomen steckt…

Déjà-vu: Wie uns das Gehirn einen Streich spielt

Definition: Was ist ein Déjà-vu

Der Begriff stammt aus dem Französischen, soll vom Philosophen Emile Boirac verwendet worden sein und bedeutet wörtlich soviel wie schon mal gesehen. Das passt, aber wenn man es ganz genau nimmt, liegt die Bedeutung auf einem anderen Punkt.

Der Duden beschreibt Déjà-vu als…

Erinnerungstäuschung, bei der der Eindruck entsteht, gegenwärtig Erlebtes in gleicher Weise schon einmal erlebt zu haben.

Streng genommen geht es darum, dass jemand glaubt, er habe etwas schon einmal gesehen oder erlebt – das muss aber längst nicht den Tatsachen entsprechen. Und diese Erinnerungstäuschung kann sich ganz unterschiedliche äußern.

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Sie können das Gefühl haben, bestimmte Situationen so schon einmal erlebt zu haben. Ebenso können Ihnen bestimmte Personen und Orte bekannt vorkommen, auch wenn sie es de facto nicht sein können. So handelt es sich beispielsweise um ein Déjà-vu, wenn Sie in einer fremden Stadt plötzlich von dem Gefühl ergriffen werden, dass Sie genau wissen, wie die nächsten Straßen aussehen, wo es lang geht, dass ein Stück weiter ein kleines Café liegt und dahinter eine Bank unter zwei Bäumen steht – obwohl Sie noch nie zuvor dort gewesen sind.

Déjà-vu ist der häufig genutzte Sammelbegriff für etwas, das die Sensorik von Menschen betrifft und das Gefühl der Erinnerung auslöst. Ebenso beschreibt es verwandte Phänomene. Es existieren eine Reihe ähnlicher Begriffe wie:

  • Fausse reconnaissance (französisch für „falsches Wiedererkennen),
  • Déjà-entendu/Déjà-écouté (französisch für „schon gehört“),
  • Déjà-vécu (französisch für „schon erlebt“) oder auch
  • Déjà-rêvé (französisch für „bereits geträumt“).
3 Merkmale eines Déjà-vus:
  • Sie wissen trotz des gegenteiligen Gefühls ziemlich sicher, dass diese Vertrautheit nicht echt ist.
  • Sie können nie exakt benennen, an welchen Ort, welche Situation Sie das momentane Déjà-vu erinnert.
  • Sie glauben währenddessen für einen winzigen Moment, die nächsten Ereignisse vorhersehen zu können.
  • Das Gefühl der Vertrautheit ist binnen weniger Sekunden vorbei.

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird mit dem Begriff des Déjà-vu ein wenig lockerer umgegangen. So wird damit oftmals die tatsächliche Wiederholung eines Ereignisses bezeichnet, wenn Sie beispielsweise einem Freund zwei Mal in der Stadt begegnen. Es werden als Déjà-vu Situationen bezeichnet, die mehrmals oder sogar regelmäßig eintreten.

Sinnestäuschungen passieren häufiger

Déjà-vu Erklärung Duden Definition Traum Gegenteil Phänomen ErinnerungWer nun glaubt, ein Déjà-vu sei eine absolute Seltenheit, liegt daneben. Die Zahlen schwanken erheblich; Experten gehen in Untersuchungen davon aus, dass 50 Prozent der Bevölkerung schon einmal ein Déjà-vu hatte oder diese sogar regelmäßig haben.

Andere Untersuchungen gehen von deutlich höheren Zahlen aus, das Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik von Werner Stangl gibt bis zu 97 Prozent aller Menschen an. Höher Gebildete haben den Ergebnissen zufolge häufiger ein Déjà-vu, allerdings gilt dies auch für Patienten in der Psychiatrie.

Neben der gesundheitlichen Verfassung spielt die psychische eine Rolle. Wer infolge eines hohen Arbeitsvolumens Stress und Schlafmangel empfindet oder sein Gehirn mit Nervengiften wie Alkohol und Drogen malträtiert, erhöht die Wahrscheinlichkeit, ein Déjà-vu zu haben. Dies hängt mit der Entstehung eines Déjà-vus zusammen, auf die wir im nächsten Abschnitt eingehen.

Ein ähnliches Phänomen ist übrigens auch das Gegenteil zum Déjà-vu, das sogenannte Jamais-vu. Vielleicht haben Sie selbst schon einmal erlebt, dass Sie sich plötzlich nicht mehr an etwas erinnern können, obwohl Sie ständig damit in Kontakt kommen oder es sogar täglich sehen.

Sie haben schon tausend Mal einen Einkauf mit Karte gezahlt, sogar noch vor einer halben Stunde, doch plötzlich stehen Sie an der Kasse und können sich einfach nicht an Ihren PIN erinnern.

Oder Sie erklären einem Bekannten den Weg zu Ihrer Wohnung, den Sie seit Jahren täglich gehen und Ihnen fällt einfach nicht ein, wie die Seitenstraße oder ein Geschäft heißt, obwohl Sie Tag für Tag daran vorbei laufen.

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Mehrere Theorien plausibel

Ein Déjà-vu stellt nicht nur denjenigen vor ein Rätsel, der das Gefühl hat, eine Situation erneut zu erleben, sondern lässt auch bei Experten und Forschern weiterhin einige Fragen offen.

Das zeigt sich deutlich darin, dass es verschiedene Theorien und Erklärungsversuche zur Entstehung eines Déjà-vus gibt. Wenngleich keine Einigkeit darüber herrscht, gibt es einige besonders bekannte und verbreitete Erklärungen dazu, wie ein Déjà-vu entsteht:

  • Déjà-vus sind vergessene Erinnerungen

    Zum Beispiel die französischen Autoren Marc Tadie und seines Bruders Jean-Yves vertreten diese Ansicht. Der eine ist Direktor eines neurochirurgischen Universitätsinstituts, der andere Literaturprofessor. Die beiden haben ein Buch geschrieben, es heißt: „Im Gedächtnispalast“.

    Darin sagen sie, dass es charakteristisch für Déjà-vu-Erlebnisse sei, dass man einen Augenblick sicher ist, die Situation erlebt zu haben. Aber man erinnert sich nicht mehr an den Zeitpunkt. Soll heißen: Ein Déjà-vu kann nach dieser Erklärung entstehen, wenn Sie sich nicht mehr wirklich darin erinnern können, etwas schon mal gesehen zu haben.

    Vielleicht haben Sie bei der Planung Ihrer Reise ein Foto der Straße gesehen, auf der Sie gerade laufen. Sie erinnern sich nicht mehr daran und können das Gefühl nicht zuordnen, aber es kommt Ihnen deshalb so bekannt vor und löst das Déjà-vu aus.

  • Déjà-vus sind die Folge eines neurologischen Vorgangs

    In einem anderen Artikel vermutete der Autor, dass das Déjà-vu-Gefühl von einem neurochemischen Vorgang im Gehirn ausgelöst wird: Das Oberstübchen spielt einem dann einen Streich. Man steckt in einer Situation und fühlt sich komisch. Daraufhin ordnen die grauen Zellen dem Gefühl eine alte Erinnerung zu. Zack – schon erkennt man sie fälschlicherweise als etwas wieder, was man bereits erlebt hat.

    Gestützt wird diese Hypothese auf den Erzählungen von Epileptikern, die häufiger Déjà-vus erleben. Bekannt ist, dass im Falle eines epileptischen Anfalls dieselbe Hirnregion betroffen ist (nämlich der Hippocampus oder die Amygdala), die üblicherweise auch Informationen abspeichert und für das Gefühl des Wiedererkennens zuständig ist.

  • Déjà-vus sind falsche Assoziationen

    Andere Psychologen sind der Meinung, dass man beim Déjà-vu nur ein Fragment erinnert, das beim ersten Mal nicht vollständig erfasst wurde. Also erinnerte Bruchstücke aus der Vergangenheit, die man mit der Gegenwart falsch verknüpft und so wiederholt. Es kommt daher zu einer falschen Assoziation zwischen etwas Neuem und etwas Altem, das tief im Unterbewusstsein abgespeichert ist. Etwa ein bestimmter Ort. Ein bestimmter Geruch. Oder ein bestimmter Satz. Oder ein bestimmter Satz.

    Um noch einmal das Déjà-vu der fremden Straße aufzugreifen, die Ihnen plötzlich bekannt vorkommt: Möglicherweise ähnelt diese Straße im Aussehen oder in anderen Faktoren einem Ihnen vertrauten Weg. Ihr Gehirn stellt falsche Assoziationen zwischen dem, was Sie kennen und dem, was neu ist, her. So entsteht für Sie ein schwer erklärendes Gefühl der Vertrautheit in der Fremde.

Entschlüsselung näher dank Versuche

Ein Teil der Bevölkerung nimmt übernatürliche Ursachen für Déjà-vus an, andere vermuten einfach ein schlechtes Gedächtnis. Offenbar tauchen sie bei jüngeren Menschen deutlich häufiger als bei älteren auf – was insofern überraschen mag, da dann ein Zusammenhang mit dem Gedächtnis plausibel wäre.

Wie lässt sich etwas nachstellen, das binnen weniger Sekunden wieder weg ist? Diverse Forscher haben sich diese Frage gestellt, um dem Mysterium auf den Grund zu gehen.

Ein Versuch dazu von Forschern rund um den schottischen Neurowissenschaftler Akira O’Connor von der St. Andrews Universität sah folgendermaßen aus: 21 Probanden wurden Wörter wie Bett, Kissen, Nacht, Traum aus dem Themenfeld „schlafen“ vorgelesen – jedoch ohne diesen Begriff konkret zu nennen. Es folgte eine Befragung, bei der sich die Mehrheit der Probanden sicher war, den Begriff „schlafen“ ebenfalls gehört zu haben.

Es wurde noch etwas genauer gefragt: Ob denn unter den gehörten Wörtern auch eins mit Anfangsbuchstaben „s“ gewesen sei? Diese Frage wurde verneint – später bestätigten die Probanden jedoch die Frage, ob sie das Wort „schlafen“ gehört hätten.

Als sie mit dem Widerspruch konfrontiert wurden, waren die Teilnehmer durcheinander. Es entstand das Gefühl eines Déjà-vus. Während des Versuchs wurden die Gehirne der Probanden gescannt, um den aktiven Teil identifizieren zu können. Annahme war, dass der Hippocampus aktiv wäre. Das ist der Bereich, der für die Erinnerung zuständig ist.

Tatsächlich war jedoch der Teil des Gehirns aktiv, der für die Entscheidungsfindung zuständig ist. Die Forscher vermuten, dass das Gehirn im Falle eines Déjà-vus überprüft, ob wir uns gerade womöglich irren und gar nicht auf echte Erlebnisse ( = Erinnerungen) zurückgreifen, sondern in Wirklichkeit dabei sind, einen Fehler zu begehen.

Déjà-vu: Ein Grund zur Sorge?

Déjà-vu: Ein Grund zur Sorge?Etwas Geheimnisvolles umgibt das Déjà-vu – und was sich nicht restlos erklären lässt, kann ein mulmiges Gefühl auslösen. Auf manche wirkt es gar verstörend, wenn sie das Gefühl haben, etwas schon einmal erlebt zu haben, ohne es sich näher erklären zu können.

Womöglich fragen Sie sich: Ist das überhaupt normal oder muss ich mir Sorgen machen und möglicherweise sogar einen Arzt aufsuchen? Experten geben glücklicherweise Entwarnung: Auch wenn die konkrete Ursache im Dunkeln liegt, besteht in den meisten Fällen kein Grund zur Sorge.

Déjà-vus haben nur in absoluten Ausnahmen eine Verbindung zu Krankheiten, etwa in besonderen Formen der Epilepsie. Im Allgemeinen müssen Sie deshalb nur aufgrund eines Déjà-vus nicht zum Arzt gehen oder gesundheitliche Ursachen befürchten.

So gehen Sie mit einem Déjà-vu um

Seit mehr als 100 Jahren rätseln Forscher unterschiedlichster Professionen über die Entstehung von Déjà-vus. Sigmund Freud nahm sogar an, dass verborgene Wünsche Auslöser dieses Phänomens seien. Meist geht ein Déjà-vu genauso schnell, wie es gekommen ist.

Nach ein paar Sekunden ist die Erinnerungstäuschung vorbei, das Gefühl des erneuten Erlebens und der Wiedererkennung verschwindet und Sie bleiben verdutzt zurück. Was können Sie nun tun, außer sich über das zu wundern, was gerade passiert ist?

Als erstes sollten Sie sich kurz zurecht finden, denn eine solch verzerrte Wahrnehmung kann den Sinnen einen ordentlichen Streich spielen. Machen Sie sich bewusst, wo Sie sind – vor allem wenn Sie ein Déjà-vu in einer fremden Umgebung hatten. Geben Sie sich nicht der Illusion hin, dass Sie tatsächlich wissen würden, wie es hinter der nächsten Straßenecke aussieht. Während des Déjà-vus waren Sie sich zwar sicher, die Realität sieht aber anders aus.

Im zweiten Schritt können Sie ein wenig in Ihren Erinnerungen kramen. Was könnte das Déjà-vu ausgelöst haben? Vielleicht können Sie sich so im Nachhinein einen besseren Reim darauf machen und erkennen, was die Erinnerungstäuschung ausgelöst hat.

Zu guter Letzt sollten Sie sich von einem Déjà-vu nicht weiter beirren lassen. Selbst wenn Sie nicht verstehen, wie Ihnen eine Situation so bekannt vorkommen kann, hat die Täuschung keine weiteren Folgen – im Zweifelsfall bringt es deshalb nichts, einem Déjà-vu lange hinterher zu hängen.

Selbst inszenierte Déjà-vus

Manche Déjà-vus kreieren wir geradezu selbst. Symbolisch stehen dafür witzig gemeinte Sprüche wie Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig? oder Die drei Biere gestern Abend können doch unmöglich 50 Euro gekostet haben. Bestimmte Situationen tauchen immer wieder auf.

Gerade wenn sich tiefgreifende Veränderungen im Leben ankündigen – etwa ein Jobwechsel, eine kriselnde Partnerschaft – neigen manche Menschen dazu, wieder in alte Muster und Gewohnheiten zu fallen.

Denn diese geben ihnen Sicherheit. Wir wiederholen, was wir schon immer gemacht haben – was man kennt, kennt man eben. Damit werden dann leider häufig auch die gleichen Fehler gemacht. Denn Veränderungen werden tendenziell als Bedrohung gesehen, stattdessen fällt es leichter, einen Prozess an einer bestimmten Stelle abzubrechen oder zumindest nicht genauer hinzuschauen, was der Grund für Misserfolg und Unzufriedenheit sein könnte.

Vor diesem Hintergrund sind Déjà-vus gar kein Wunder. Selbst die Filmindustrie hat dieses Motiv aufgegriffen. Der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ präsentiert dem Zuschauer ein reales Déjà-vu, indem der Protagonist, ein zynischer Wettermoderator, in einer Zeitschleife einen bestimmten Tag immer wieder erlebt.

Das geht solange, bis er tatsächlich beginnt, seine Einstellungen und sein Verhalten zu ändern. Gleiches kann bei selbst inszenierten Déjà-vus notwendig sein, um nicht in alten Gewohnheiten festzustecken.

[Bildnachweis: Cartoonresaouce by Shutterstock.com]
5. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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