Melancholie: 4 Vorteile + 6 Tipps gegen Schwermut

Der Duden beschreibt Melancholie als große Niedergeschlagenheit. Es ist ein Gemütszustand, der von Traurigkeit und Schwermut geprägt ist und sogar an Depressivität grenzt. Die Grenzen sind oft schwer auszumachen: Was ist noch Melancholie, wann ist es eine Depression? Was einerseits wenig erstrebenswert klingt, hat allerdings auch verblüffende Vorzüge. Was heißt es, wenn jemand melancholisch ist? Und kann oder sollte man gar etwas gegen eine melancholische Stimmung tun? Hier erfahren Sie über die Schattenseiten und den Nutzen des Wesensmerkmals sowie fünf wertvolle Tipps bei großer Schwermut…

Melancholie: 4 Vorteile + 6 Tipps gegen Schwermut

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Melancholie: Was versteht man unter Schwermut?

Melancholie bedeutet Schwermut. Es ist das Gegenteil von Optimismus, die Lebensfreude oder der Frohsinn. Zahlreiche Synonyme wie

➠ Bedrücktheit
➠ Freudlosigkeit
➠ Tristesse
➠ Trübsinn
➠ Verzweiflung
➠ Wehmut
➠ Weltschmerz

beschreiben das Wesen der Melancholie, das sich durch gedrückte Stimmung und Nachdenklichkeit auszeichnet. Der Begriff Melancholie stammt vom Altgriechischen μελαγχολία / melangcholía ab und bedeutet übersetzt so viel wie „Schwarzgalligkeit“. Dahinter steckt das antike Konzept der Humoralpathologie: Früher dachte man, die Persönlichkeit eines Menschen käme durch einen Überschuss an bestimmten Körpersäften zustande. Während sich beim Choleriker beispielsweise zu viel gelbe Galle aufs Wesen auswirke, sei es beim Melancholiker die schwarze Galle.

Längst hat die moderne Medizin die Temperamentenlehre widerlegt. Aber es erklärt, warum viele auch heute noch eine melancholische Stimmung eher als düster und dunkel beschreiben. Oder eben als Katerstimmung:

Melancholie ist eine Art Kater des Geistes, der sich übernommen hat. (Peter Rudl)

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Was heißt es, wenn jemand melancholisch ist?

Melancholische Menschen sind freudlos, bedrückt. Der Begriff Melancholie hat im Laufe der Zeit viele Bedeutungswechsel erfahren. Auch in der Bewertung durch die Gesellschaft. Wann ist jemand nur traurig, wann schon melancholisch – oder bereits depressiv? Wenn der Schriftsteller Christian Morgenstern aus einer wehmütigen Stimmung heraus ein Gedicht über den Liebeskummer verfasst, das allseits großen Anklang findet, ist es Melancholie. Da werden auch gerne vornehme Synonyme wie Elegie oder Ennui verwendet. Bläst hingegen Erna Kasuppke aus Wanne-Eickel wochenlang Trübsal, interessiert das nicht nur keinen. Sie bekommt womöglich noch den Stempel der Depression aufgesetzt.

Bereits Sigmund Freud unterschied zwischen Trauer und Melancholie und sah bei Melancholikern die Gefahr eines Suizids. Psychologisch gesehen ist eine manische Persönlichkeit das Gegenstück zu einer melancholischen. Während man früher in der Psychologie Melancholie als ein Synonym für Depression sah, unterscheidet die gegenwärtige Forschung deutlich zwischen beiden Begriffen:

  • Melancholie: Ein Zustand vorübergehender Traurigkeit ohne bestimmten Auslöser.
  • Depression: Eine ernstzunehmende psychische Erkrankung, die endogene oder exogene Ursachen haben kann und behandlungswürdig ist.

Orientiert man sich an diesem Verständnis, sind gedrückte Stimmung, selbst Bedauern oder Trauer, typische Symptome einer Melancholie. Da das aber nicht zwangsläufig eine Depression sein muss, ist es auch keine Krankheit. Das gilt zumindest, wenn es sich nicht um eine langanhaltende Phase von mindestens zwei Wochen handelt.

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Melancholie als willkommene Gabe

Melancholie ist meist vorübergehend und eine Frage des Temperaments oder gar eine Charaktereigenschaft. Zahlreiche Künstler – ob Musiker oder Maler, Dichter oder Philosophen – wurden und werden immer wieder von melancholischen Phasen beflügelt.

Statt mich in Verzweiflung gehen zu lassen, habe ich mich für die tätige Melancholie entschieden, insofern Tätigkeit in meiner Macht stand, oder, mit anderen Worten, ich habe die Melancholie, die hofft und strebt und sucht, einer Melancholie vorgezogen, die trübsinnig und tatenlos verzweifelt. (Vincent van Gogh)

Die bittersüße Note ihrer Zitate, Gedichte und Bilder gibt anderen Menschen die Möglichkeit zur Identifikation: Jeder kennt Liebeskummer, gescheiterte Beziehungen oder den Verlust eines geliebten Menschen. Die Literatur kannte im Mittelalter sogar eine eigene Gattung dafür: Die hohe Minne. Oder wie Sine Maier-Bode es nennt, „das Glück der unglücklichen Liebe“. In der hohen Minne erwiesen Ritter des Hochmittelalters höherrangigen – und somit unerreichbaren – Damen ihre Treue und Loyalität durch Minnesang. Wie das obige Zitat zeigt, vergraben sich melancholische Menschen mitnichten im Bett. Vielmehr profitieren sie von dieser Stimmung:

Melancholie lässt innehalten.

Wer voller Lebensfreude sprüht, ist aktiv, unbekümmert und schaut vielleicht nicht genau hin. Melancholiker sind das Gegenteil: Melancholie hat an dieser Stelle etwas mit Achtsamkeit und Introvertiertheit zu tun. Wer melancholisch ist, nimmt sich Zeit zum Nachdenken. Melancholie fördert Entschleunigung. Situationen, vielleicht auch Probleme oder Werke lassen sich so genauer betrachten, das eigene Verhalten kritisch reflektieren.

Melancholie schärft die Wahrnehmung.

Wer Zeit zum Betrachten hat, sieht mehr. Das gilt für das Gegenständliche ebenso wie für zwischenmenschliche Beziehungen. So kann mehr Sorgfalt auf bestimmte Bereiche gelegt werden. Das ermöglicht es, Nuancen wahrzunehmen, die anderenfalls unentdeckt geblieben wären. Beispielsweise sind melancholische Menschen empfindsam und damit viel empfänglicher für die Befindlichkeiten ihrer Mitmenschen.

Melancholie fördert die Kreativität.

Oft werden solche Phasen von Künstlern willkommen geheißen. In diesen Zuständen ist ihre Schaffenskraft und Kreativität am höchsten. Und das sichert schließlich die Einnahmen. Selbst wenn also ein Leidensdruck existiert, weigern sich Kreative, sich behandeln und etwa therapieren zu lassen. Zu groß die Angst, dass mit einer Therapie nicht nur die Melancholie, sondern womöglich auch das Genialische verschwindet. Dann wären Künstler und Kreative aber ihrer Schaffenskraft und damit ihrer Existenz beraubt.

Melancholie hilft bei der Lebensbewältigung

Psychologen sehen in Melancholie einfach eine Form der Lebensbewältigung. Und eine sehr gesunde und realistische noch dazu. Melancholiker unterscheiden sich von drei weiteren Gruppen: 1. Hoffnungslose Optimisten, die nur das Positive sehen. 2. Menschen, die alles verdrängen. 3. Menschen, die schließlich in eine Depression fallen. Melancholiker hingegen sind diejenigen, welche die Schattenseiten sehen und akzeptieren. Sie wissen aber genauso um die schönen Dinge im Leben.

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6 Tipps: Was kann man gegen Schwermut tun?

Die Kunst besteht darin, eine Balance zu halten. Entscheidend ist, ob die Melancholie Sie im Alltag begrenzt, sie daran hindert, voranzukommen. Dabei kann sowohl die private, aber auch berufliche Entwicklung betroffen sein. Melancholie in Form von Nostalgie kann beispielsweise dazu führen, dass Menschen ihre Komfortzone nicht verlassen. Menschen, Orte und Tätigkeiten sind vertraut und geben Sicherheit. Überwiegt der Wunsch, alles zu bewahren, bremst das die Weiterentwicklung.

Umgekehrt kann ein Blick zurück in Wehmut genauso gut radikales Umdenken bewirken. Beispielsweise wenn Sie feststellen, dass Sie einmal richtig sportlich/schlank/glücklich waren und das schon lange vermissen. Ein Anlass also, das Ruder herumzureißen. Beide Beispiele haben ihre Berechtigung. Aufhorchen sollten Sie, wenn Sie einen Leidensdruck verspüren, ihre Trauer und Melancholie nicht zuordnen können. Diese Tipps können dabei helfen:

Nehmen Sie die Melancholie an.

Akzeptieren Sie Ihren derzeitigen Gemütszustand. Es ist ähnlich wie mit einer Krankheit: Man weiß die Gesundheit danach umso mehr zu schätzen. Nach einer melancholischen Phase werden Sie die kleinen Dinge wieder mit anderen Augen sehen. Ihr Job, Ihre Freunde und Familie, das Dach übern Kopf – all das ist wertvoll. Die Glücksmomente können Sie so viel intensiver wahrnehmen, als wenn alles immer fantastisch liefe.

Nutzen Sie die Zeit zur Entspannung.

Über Dinge im Leben, den eigenen Lebensweg und Entscheidungen nachzudenken, ist nicht nur legitim, sondern wichtig. Mit Melancholie kehrt eine gewisse Langsamkeit ein. Das gibt Ihnen Gelegenheit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Gehen Sie achtsam mit sich um und schalten Sie in stressigen Situationen einen Gang herunter, bevor Sie im Burnout landen. Verschiedene Entspannungsübungen helfen Ihnen dabei.

Verwöhnen Sie sich.

Seien Sie zu sich selbst gut. Gönnen Sie sich etwas, was nicht zum Alltag gehört. Das kann eine Wohlfühlmassage oder ein Saunabesuch, ein Städtetrip oder ein nettes Kleidungsstück sein. Hauptsache Sie haben das Gefühl, dass Sie sich dadurch vom Alltag abheben. Schenken Sie sich ein wenig Aufmerksamkeit mit etwas Schönem.

Gehen Sie ins Grüne.

Wenn Sie merken, dass Sie in ein Gedankenkarussell abdriften, sollten Sie entgegensteuern. Das geht am besten, indem Sie raus gehen, beispielsweise in die Natur. Das Grün der Pflanzen und Bäume hat eine nachweislich beruhigende Wirkung auf den Menschen. Luft, Sonne, vielleicht auch leichten Regen auf der Haut zu spüren, hilft Ihnen, im Hier und Jetzt zu sein. Bewegung – gerne auch als Walking oder Jogging – unterstützt den Stressabbau und schüttet Glückshormone aus.

Wandeln Sie die Melancholie um.

Oder Sie machen es wie die großen Künstler: Sie versuchen das, was Sie fühlen, durch Gedichte, Bilder oder dergleichen auszudrücken. Es muss auch nicht immer das große Kunstwerk dabei herauskommen. Oft hilft die handwerkliche Beschäftigung mit einer Sache. Ein alter Küchenstuhl kann neu lackiert, mit Serviettentechnik verschönert werden. Oder Sie arrangieren Ihre Wohnung neu, pflanzen etwas Schönes im Garten. Die Beschäftigung mit den Händen hat in jedem Fall etwas Schöpferisches und verleiht ein Gefühl der Kontemplation und Zufriedenheit.

Treffen Sie sich mit anderen.

Wer schon längere Zeit melancholisch ist, hat womöglich Schwierigkeiten, von selbst wieder positiv zu denken. Auf keinen Fall sollten Sie dann allein bleiben. Verabreden Sie sich mit Freunden und Menschen, die Ihnen gut tun. Oft hilft ein Gedankenaustausch, einen Perspektivwechsel hinzubekommen oder einfach auf andere Gedanken zu kommen.

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[Bildnachweis: Mary Long by Shutterstock.com]
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23. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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