Definition: Was ist der D-Faktor?
Der D-Faktor (englisch: „Dark Factor of Personality“) bezeichnet in der Psychologie den gemeinsamen Kern verschiedener dunkler Persönlichkeitseigenschaften. Die Grundidee: Hinter Egoismus, Narzissmus, Psychopathie, Sadismus oder Machiavellismus steckt eine übergeordnete Tendenz.
Im Kern geht es darum, den eigenen Nutzen zu maximieren und dabei Nachteile für andere in Kauf zu nehmen oder bewusst herbeizuführen. Hinzu kommen Überzeugungen, mit denen Betroffene ihr Verhalten rechtfertigen. Wer beispielsweise glaubt, dass jeder nur an sich selbst denkt, kann den eigenen Egoismus leichter legitimieren. Ein hoher D-Faktor bedeutet vereinfacht: Die eigenen Interessen bekommen ein besonders großes Gewicht – selbst wenn andere dafür einen Preis zahlen.
Urpsrung: Wer hat den D-Faktor entwickelt?
Das Konzept stammt von den Psychologen Morten Moshagen, Benjamin Hilbig und Ingo Zettler. Sie stellten das Modell 2018 in der Fachzeitschrift „Psychological Review“ vor. Ihre Idee orientiert sich am G-Faktor der Intelligenz: So wie unterschiedliche geistige Fähigkeiten einen gemeinsamen Kern besitzen, lässt sich auch hinter verschiedenen dunklen Charakterzügen ein übergeordneter Faktor identifizieren.
D-Faktor-Test: Wie dunkel ist meine Persönlichkeit?
Wie stark Ihr persönlicher D-Faktor ausgeprägt ist, können Sie mit dem wissenschaftlich entwickelten Online-Test der Forschenden überprüfen. Der D-Faktor-Selbsttest ist kostenlos, anonym und auf Deutsch verfügbar. Aktuell gibt es drei unterschiedlich lange Varianten:
D-Faktor-Test |
Umfang |
| D16 | Kurztest mit 16 Aussagen |
| D35 | Mittlere Variante mit 35 Aussagen |
| D70 | Ausführlicher Test mit 70 Aussagen |
Die Fragen betreffen unter anderem Eigennutz, Moral, Rache, Misstrauen und den Umgang mit Mitmenschen. Sie geben jeweils an, wie stark Sie einer Aussage zustimmen oder widersprechen.
Der D-Faktor-Test kann übrigens kostenlos online durchgeführt werden und ist auch auf Deutsch verfügbar. Sie können zwischen 16, 35 und 70 Aussagen wählen. Je umfangreicher die Variante, desto differenzierter fällt die Messung aus.
Wie aussagekräftig ist der D-Faktor-Test?
Die Testverfahren wurden psychometrisch entwickelt und wissenschaftlich auf Zuverlässigkeit und Gültigkeit untersucht. Die ausführlicheren Varianten erfassen den dunklen Persönlichkeitskern differenzierter, während D16 einen schnelleren Überblick ermöglicht. Trotzdem bleibt der Online-Test eine Selbsteinschätzung. Das Ergebnis hängt davon ab, wie ehrlich und realistisch Sie sich selbst beurteilen. Es ist weder eine klinische Diagnose noch ein Urteil darüber, ob Sie ein „guter“ oder „böser“ Mensch sind. Wie bei anderen Persönlichkeitstests sollten Sie das Ergebnis vielmehr als Anstoß zur Selbstreflexion verstehen.
Was bedeutet ein hoher D-Faktor?
Ein hoher Wert weist auf eine stärkere Neigung hin, eigene Interessen über die Belange anderer zu stellen und mögliche Nachteile für Mitmenschen eher zu akzeptieren. Charakteristisch ist zugleich die innere Rechtfertigung: Das eigene Vorgehen erscheint beispielsweise legitim, weil andere angeblich genauso eigennützig handeln oder ihre schlechte Behandlung „verdient“ hätten. Ein hoher Testwert bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jemand tatsächlich schädlich handelt.
Welche 9 Eigenschaften gehören zum D-Faktor?
Die Forschung zum Dark Factor untersuchte verschiedene aversive Persönlichkeitsmerkmale. Sie unterscheiden sich in ihrer konkreten Ausprägung, weisen aber einen gemeinsamen dunklen Kern auf. Besonders bekannt sind diese neun Eigenschaften:
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Egoismus
Die starke Konzentration auf die eigenen Interessen und Vorteile – auch zulasten anderer.
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Gehässigkeit
Die Bereitschaft, Mitmenschen zu schaden, selbst wenn dadurch eigene Nachteile entstehen.
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Narzissmus
Ein überhöhtes Selbstbild, Anspruchsdenken und ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung.
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Moralische Enthemmung
Denkweisen, mit denen unmoralisches oder schädliches Verhalten gerechtfertigt wird.
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Machiavellismus
Die strategische Manipulation und Instrumentalisierung anderer, um persönliche Ziele zu erreichen.
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Anspruchsdenken
Die Überzeugung, mehr als andere zu verdienen oder Anspruch auf eine bevorzugte Behandlung zu haben.
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Psychopathie
Persönlichkeitszüge wie Gefühlskälte, geringe Reue und antisoziale Verhaltensneigungen.
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Selbstbezogenheit
Das ausgeprägte Streben nach eigenem Status, Erfolg oder eigenem Vorteil.
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Sadismus
Die Neigung, Befriedigung aus dem Leiden oder der Erniedrigung anderer zu ziehen.
Die neun Merkmale sind jedoch keine Checkliste für „toxische Menschen“. Eine Person muss auch nicht alle Eigenschaften besitzen. Der D-Faktor erklärt vielmehr, warum unterschiedliche dunkle Charaktereigenschaften miteinander zusammenhängen und häufig gemeinsam auftreten.
D-Faktor und Dunkle Triade: Was ist der Unterschied?
Die Dunkle Triade konzentriert sich auf drei Persönlichkeitsmerkmale: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Der D-Faktor setzt eine Ebene tiefer an und beschreibt den gemeinsamen psychologischen Kern zahlreicher aversiver Eigenschaften.
Modell |
Schwerpunkt |
| Dunkle Triade | Drei konkrete Merkmale: Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie |
| D-Faktor | Gemeinsamer Kern verschiedener dunkler Persönlichkeitsmerkmale |

Der D-Faktor ersetzt die einzelnen Eigenschaften aber nicht. Er liefert vielmehr eine Erklärung dafür, warum jemand mit einem stark ausgeprägten dunklen Merkmal häufig auch erhöhte Werte bei anderen aversiven Tendenzen aufweist.
Welche Bedeutung hat der D-Faktor im Job?
Im Berufsleben treffen Eigeninteressen regelmäßig auf die Bedürfnisse anderer: bei Beförderungen, Verhandlungen, Anerkennung, Geld, Einfluss oder Informationen. Ein hoher D-Faktor kann dabei mit destruktivem, manipulativem oder rücksichtslosem Verhalten zusammenhängen. Besonders interessant: Ein hoher D-Wert bedeutet nicht automatisch mehr beruflichen Erfolg. Aktuelle Studien zeigen keinen eindeutigen Zusammenhang zu Gehalt oder dem Erreichen einer Führungsposition. Die Vorstellung, besonders rücksichtslose Menschen machten zwangsläufig Karriere, greift zu kurz. Für Führung und Zusammenarbeit ist der D-Faktor trotzdem relevant: Hohe Werte gehen häufiger mit unfairer Verhandlungsführung, Täuschung und unfairem Führungsverhalten einher.
Karrierebibel-Check: D-Faktor im Job erkennen
Einen D-Faktor-Wert können Sie anderen Menschen nicht ansehen. Im Berufsalltag lohnt es sich aber, auf ein wiederkehrendes Grundmuster zu achten: Eine Person verschafft sich selbst Vorteile, andere tragen dafür die Nachteile – und anschließend wird dieses Vorgehen gerechtfertigt.
Warnsignal | Beispiel |
| Vorteil um jeden Preis | Eigene Ziele werden verfolgt, obwohl Kollegen wiederholt darunter leiden. |
| Doppelte Standards | Von anderen werden Regeln verlangt, die für die eigene Person angeblich nicht gelten. |
| Menschen als Mittel zum Zweck | Kollegen werden vor allem danach behandelt, wie nützlich oder einflussreich sie sind. |
| Schaden wird verharmlost | Nachteile anderer werden heruntergespielt oder als unvermeidbar dargestellt. |
| Verhalten wird gerechtfertigt | Rücksichtslosigkeit wird mit Wettbewerb, Notwendigkeit oder der Schuld anderer begründet. |
Wie gehe ich mit einem hohen D-Faktor im Umfeld um?
Sie müssen den Charakter Ihres Gegenübers weder analysieren noch verändern. Im Beruf ist es hilfreicher, problematische Handlungen konkret zu benennen und die eigene Angriffsfläche zu reduzieren:
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Verhalten statt Persönlichkeit ansprechen
Benennen Sie konkrete Handlungen und deren Folgen, statt psychologische Etiketten zu vergeben.
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Absprachen dokumentieren
Halten Sie wichtige Entscheidungen, Zuständigkeiten und Zusagen schriftlich fest.
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Klare Grenzen ziehen
Kommunizieren Sie eindeutig, welches Verhalten Sie akzeptieren und wo Sie widersprechen. Mehr dazu: Grenzen setzen.
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Informationen gegenprüfen
Verlassen Sie sich bei wichtigen Entscheidungen nicht ausschließlich auf eine Person oder Informationsquelle.
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Unterstützung suchen
Bei wiederholter Manipulation, Mobbing oder Regelverstößen können Vorgesetzte, Personalabteilung oder Betriebsrat geeignete Ansprechpartner sein.
Je größer das Machtgefälle, desto wichtiger werden Transparenz und Dokumentation. Statt über vermeintliche Motive zu spekulieren, sollten Sie konkrete Vorfälle, Aussagen und Auswirkungen festhalten.
Ist ein hoher D-Faktor immer schlecht?
Ein hoher D-Wert beschreibt zunächst eine statistische Persönlichkeitstendenz und kein unausweichliches Verhalten. Menschen entscheiden weiterhin, wie sie handeln. Situation, Regeln, Anreize und soziale Normen beeinflussen zusätzlich, ob eine dunkle Neigung tatsächlich sichtbar wird. Umgekehrt macht ein niedriger Wert niemanden automatisch selbstlos oder moralisch besser. Der D-Faktor erfasst einen bestimmten Bereich der Persönlichkeit – nicht den gesamten Charakter eines Menschen.
Das ist zugleich eine wichtige Grenze des Modells: Persönlichkeit ist wesentlich umfassender als ihre dunklen Facetten. Für ein breiteres Persönlichkeitsprofil sind beispielsweise Modelle wie die Big Five geeigneter.
Wie gut kennen Sie Ihre Persönlichkeit?
Der D-Faktor konzentriert sich gezielt auf aversive Eigenschaften. Ein umfassenderes Bild liefert das Big-Five-Modell mit Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionaler Stabilität. Finden Sie mit unserem kostenlosen Test heraus, wie diese fünf Merkmale bei Ihnen ausgeprägt sind.
FAQ – Häufige Fragen zum D-Faktor
Ist der D-Faktor eine Persönlichkeitsstörung?
Der D-Faktor ist ein psychologisches Persönlichkeitskonstrukt und keine medizinische Diagnose. Entsprechend gibt es keinen klinischen Grenzwert, ab dem ein Mensch eine „D-Persönlichkeit“ besitzt. Auch ein hoher Testwert belegt keine psychische Erkrankung.
Verändert sich der D-Faktor mit dem Alter?
Studien deuten darauf hin, dass der D-Faktor mit zunehmendem Alter sinkt. Das beschreibt allerdings Unterschiede beziehungsweise Entwicklungen auf Gruppenebene und erlaubt keine sichere Vorhersage für eine einzelne Person. Lebensbedingungen und gesellschaftliches Umfeld spielen ebenso eine Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen D-Faktor und Egoismus?
Egoismus ist eine einzelne dunkle Persönlichkeitstendenz. Der D-Faktor ist übergeordnet: Er beschreibt den gemeinsamen Kern verschiedener aversiver Eigenschaften und schließt die Rechtfertigung eigener Vorteile auf Kosten anderer ein.
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