D-Faktor: Diese Eigenschaften verbinden Egoisten

Manchen Menschen möchte man lieber nicht begegnen. Egoisten, Machiavellisten, Narzissten, Psychopathen und Sadisten zum Beispiel. Das Problem ist, dass Sie ihnen nicht ansehen können, was sie im Schilde führen. Wenn Sie jedoch den D-Faktor kennen, stehen die Wahrscheinlichkeiten hoch, dass Sie diese Personen identifizieren und sich schützen können. Was Sie dazu wissen müssen und worin der D-Faktor besteht…

D-Faktor: Diese Eigenschaften verbinden Egoisten

D-Faktor: Merkmal aller negativen Eigenschaften

D-Faktor Definition Bedeutung Dark SideBosheit ist ein Sammelbegriff für viele unschöne, negative Eigenschaften. Die Existenz dieser Eigenschaften lässt sich durch die Geschichte und quer durch sämtliche Kulturen beobachten.

Gemeint ist damit ein Verhalten, das unter ethischen, moralischen und sozialen Gesichtspunkten verurteilt wird, weil es rücksichtslos, selbstsüchtig, skrupellos oder schlichtweg bösartig ist. Es ist typisch sowohl für Egoisten, Machiavellisten, Narzissten, Psychopathen als auch Sadisten.

Jüngste Forschungen haben nun den Kern dieser wenig erquicklichen Persönlichkeitseigenschaft ermittelt, den sogenannten D-Faktor (oder D-Factor).

D-Faktor, das stammt aus dem Englischen und leitet sich von dark factor ab. Gemeint sind damit die dark sides oder die dark personality, also die dunklen Seiten eines Menschen, seine dunkle Persönlichkeit.

Den dunklen Seiten anderer Menschen können wir tagtäglich begegnen. Menschen, die anderen die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn Sie gerade hindurchgehen wollen. Die sich vordrängeln, obwohl Sie schon längst anstehen. Die sich bei kostenlosen Pröbchen beide Taschen voll stecken.

Solche Fälle antisozialen Verhaltens mögen ein Kopfschütteln produzieren, aber sind noch vergleichsweise harmlos. Gar nicht mehr so ungefährlich wird es, wenn solche Zeitgenossen Ihnen motorisiert über den Weg laufen. Denn das eigene Bedürfnis wird immer höher angesiedelt als das der anderen.

Infolgedessen verliert die Verkehrsregel von der defensiven Fahrweise oder gar Rücksichtnahme für diese Leute ihre Gültigkeit. Die Geschwindigkeit wird erhöht, das Fahrverhalten ist riskant – und immer zum Nachteil anderer.

Studien ermitteln den D-Faktor

Über die Jahre füllten sich die Listen mit einer Vielzahl von dunklen Merkmalen, die diesen Menschen zugeschrieben werden. Eine grundlegende wissenschaftliche Theorie fehlte jedoch.

Morten Moshagen, Leiter der Abteilung psychologische Forschungsmethoden an der Universität Ulm, und seine Kollegen Benjamin Hilbig von der Universität Koblenz-Landau und Ingo Zettler von der Universität Kopenhagen, haben in Studien mit 2.500 Teilnehmern nun den D-Faktor bestimmt, also die Ausprägungen, die für die genannten Persönlichkeitstypen kennzeichnend sind.

Denn es gibt zwar Unterschiede beispielsweise zwischen einem Egoisten und einem Psychopathen, aber eben auch etliche Gemeinsamkeiten. In Anlehnung an den allgemeinen g-Faktor zur Intelligenz wurde nun der D-Faktor entwickelt, der die Gesamtheit aller dunklen Merkmale darstellt.

Das ermöglicht eine pointierte Zusammenfassung der Eigenschaften einer Person. So wie üblicherweise eine Person beispielsweise als sehr intelligent bezeichnet oder ihr ein hoher IQ bescheinigt wird, könnte fortan gesagt werden, dass jemand einen hohen D-Faktor besitzt – statt erst sämtliche negativen Eigenschaften aufzählen zu müssen.

Der D-Faktor ist weitaus aussagekräftiger als es einfach nur die jeweiligen Persönlichkeitsmerkmale wie Narzissmus oder Psychopathie sind. Denn er ermöglicht eine Vorhersage, wie sich ein Mensch verhalten wird.

Wer einen hohen D-Faktor hat, wird mit größerer Wahrscheinlichkeit kriminell oder gewalttätig, in jedem Fall steigen die Chancen, dass er gegen soziale Regeln verstößt. Diesen D-Faktor zu kennen, erhöht wiederum den Handlungsspielraum derjenigen, die mit solchen Personen zu tun haben.

9 verräterische Eigenschaften

Üblicherweise wird die Trias aus Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie in den Vordergrund der Forschung gerückt. Im Mittelpunkt der Psychologen aus Ulm, Landau und Kopenhagen standen nicht weniger als neun Persönlichkeitseigenschaften:

  • Egoismus: Die vornehmliche Beschäftigung mit den eigenen Wünschen und Zielen.
  • Gehässigkeit: Der Wunsch, anderen zu schaden, selbst auf die Gefahr hin, selbst Schaden zu nehmen.
  • Narzissmus: Übergroße Selbstsucht.
  • moralische Enthemmtheit: Die Überzeugung, dass Regeln nicht für einen selbst gelten.
  • Machiavellismus: Die Bereitschaft, andere zu manipulieren, um eigene Ziele zu erreichen.
  • Anspruchsdenken: Der Glaube, dass einem selbst mehr zusteht als anderen.
  • Psychopathie: Ausgesprochene Gefühlskälte und antisoziales Verhalten.
  • Selbstbezogenheit: Extremes auf die eigene Person ausgerichtetes Streben nach Status, Macht, Anerkennung (siehe Egozentrik).
  • Sadismus: Die Lust am Leiden anderer und/oder sie zu dominieren.

Eine vierteilige Forschung liegt dem D-Faktor zugrunde, in der umfangreiches Datenmaterial über jede dieser Persönlichkeitseigenschaften zusammengetragen wurde. Dabei zeigte sich, dass sich alle neun Eigenschaften auf den D-Faktor als dunklen Persönlichkeitskern zurückführen lassen.

Somit hat eine ausgesprochen narzisstische Persönlichkeit sehr wahrscheinlich auch ausgeprägte machiavellistische und psychopatische Persönlichkeitsanteile und umgekehrt. Der D-Faktor zeigt problematische Verhaltensweisen auf.

Die Psychologen erfassten zunächst anhand eines Online-Fragebogens strukturiert die Persönlichkeitszüge der Teilnehmer. Dazu wurden Fragen zur Auswahl angeboten wie:

  • Menschen, die schlecht behandelt werden, haben meistens zuvor etwas getan, um so eine Behandlung zu provozieren.
  • Ich nutze gerne clevere Manipulation, um meine Ziele zu erreichen.
  • Ich bin ernsthaft davon überzeugt, dass ich mehr verdiene als andere.

Es folgten Verhaltensexperimente wie das „Diktatorspiel“, bei dem die Probanden Geld an sich und andere Mitspieler verteilen können. Hierbei lässt sich das Maß an Egoismus beziehungsweise Altruismus gut beobachten.

Ein anderes Experiment untersuchte, inwieweit die Probanden aktiv lügen, um ihren Profit zu maximieren. Hierbei wurde erfasst, wie stark die Unehrlichkeit ausgeprägt ist.

Selbsttest: Wie viel D-Faktor steckt in Ihnen?

D-Faktor SelbsttestWer überprüfen möchte, wie viel D-Faktor in ihm oder ihr steckt, kann das direkt überprüfen. In gemeinsamer Kooperation stellen die Universitäten den Online-Fragebogen nebst Auswertung kostenlos in einer englischen Version zur Verfügung.

Zum Selbsttest geht es HIER.

Erkenntnisse für Umgang mit diesen Persönlichkeitstypen

Aus den Studien leiten die Forscher folgende Definition für den D-Faktor ab:

The general tendency to maximize one’s individual utility — disregarding, accepting, or malevolently provoking disutility for others —, accompanied by beliefs that serve as justifications.

(Die allgemeine Tendenz zur Maximierung des eigenen Nutzens – das Ignorieren, Akzeptieren oder die böswillige Unterdrückung anderer – wird begleitet von Überzeugungen, die als Rechtfertigung dienen.)

Mit anderen Worten, der D-Faktor beschreibt die Wahrscheinlichkeit, mit der jemand seine eigenen Ziele rücksichtslos verfolgt, ganz gleich, welchen Schaden andere dabei nehmen. Gleichzeitig helfen ihm oder ihr die eigenen Überzeugungen dabei, dieses Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen.

„Zugespitzt formuliert könnte man sagen, dass wenn ein Chef genüsslich seine Mitarbeiter herunterputzt, die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er auch seine Geschäftspartner ausnutzt, Steuern hinterzieht oder seine Frau betrügt“, erklärt Morten Moshagen, der Psychologe der Universität Ulm.

Alles in allem wenig erfreuliche Nachrichten. Es stellt sich auch die Frage, wie Sie sich vor solchen Personen schützen können. Die unschöne Antwort: Das geht nur schwer und vor allem mit Lebenserfahrung. Denn ein wesentliches Merkmal von Psychopathen ist, dass sie sich gut verstellen können.

Erst wenn Sie hinter das Lügengebilde und die charmanten Schmeicheleien blicken und an der Oberfläche kratzen, wird sich das wahre Ich zeigen. Gerade wenn es darum geht, vom Gegenüber die Hilfe einzufordern, die Sie selbst oft gewährt haben. Daher haben sich im Umgang mit fremden Personen eine gesunde Skepsis und ein nicht allzu vorbehaltloses Vertrauen bewährt.

Momentan ist der D-Faktor noch Grundlagenforschung, die demnächst möglicherweise in der Forensik Einsatz finden wird, um beispielsweise einschätzen zu können, ob Straftäter erneut rückfällig werden.

Zukünftig kann sich Moshagen die Berücksichtigung des D-Faktors auch bei der Bewerberauswahl vorstellen, denn für manche Stellen sind ein gewisses Maß an Durchsetzungsvermögen durchaus entscheidend.

[Bildnachweis: Cameron Whitman by Shutterstock.com]
12. November 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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