Sabbatical: Modelle, Finanzierung, Vorbereitung, Tipps

Pause machen vom Job, eine längere Auszeit nehmen – das wünschen sich viele. Und planen ein Sabbatical. Eine Art bezahlten Sonderurlaub von bis zu einem Jahr. Dank zunehmend flexibler Arbeitszeitmodell bieten heute zahlreiche Arbeitgeber ihren Mitarbeitern und Managern ein solches Sabbatjahr an. Sabbatical-Modelle gibt es viele. Doch so verlockend eine mehrmonatige oder gar einjährige Auszeit vom Job auch sein mag – das Sabbatical birgt auch Risiken. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich darauf perfekt vorbereiten, welche Regelungen es gibt und worauf Sie achten sollten…

Sabbatical: Modelle, Finanzierung, Vorbereitung, Tipps

Sabbatical Definition: Bedeutung des Begriffs?

Sabbatical Definition BegriffDer aus dem Englischen entliehene Begriff Sabbatical stammt ursprünglich aus der Bibel und vom hebräischen „Sabbat“: „Im siebten Jahr soll das Land eine vollständige Sabbatruhe zur Ehre des Herrn halten“, heißt es in der Heiligen Schrift. Gemeint ist also eine Atempause für Äcker und Ackernde.

Dauer des Sabbaticals

Entsprechend weitreichend ist die heutige Auslegung: Manche Firmen gestehen ihren Mitarbeitern bis zu fünf Jahre unbezahlten Urlaub ohne dass ihr Arbeitsplatz gestrichen wird. Andere Mitarbeiter bekommen einen Monat Sonderurlaub, wieder andere können ihre Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto ansparen und das Zeitsparschwein mit einem Mal schlachten (siehe auch Sabbatical-Modelle). Im Durchschnitt aber beträgt die Dauer einer solchen Phase zwischen drei (Kurz-Sabbatical) und zwölf Monaten (Sabbatjahr). Es kann aber oft erst nach dreijähriger Betriebszugehörigkeit genommen werden – und wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Für alle diese Sabbatical-Regelungen gilt jedoch: Die Auszeit muss in den persönlichen Lebenslauf passen. Sie sollten die Berufspause für sich nehmen und für Ihre persönliche Entwicklung. Nicht, weil es gerade schick ist, ein Sabbatjahr zu machen.

Sabbatical Modelle und Anspruch: So gelingt das Aussteigen auf Zeit

Laut einer Forsa-Umfrage sehnen sich rund 57 Prozent aller Arbeitnehmer nach einer Auszeit. Mehr als zwei Drittel wollten die Pause dazu nutzen, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Eine ARAG-Umfrage kommt zu einem ähnlich Ergebnis. Die Hauptgründe für ein Sabbatjahr sind danach:

Sabbatical Gründe Grafik

Einen Anspruch auf ein Sabbatical gibt es nur für Beamte

Auch wenn die Auszeit in Mode ist: Einen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatical oder überhaupt eine längere Auszeit im Arbeitsrecht nicht. Lediglich Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst haben heute einen solchen rechtlichen Anspruch. Vor allem Lehrer, Polizisten und Bedienstete der Finanzverwaltung machen davon regelmäßg Gebrauch.

Die Regelungen variieren jedoch teils von Bundesland zu Bundesland. Generell aber lässt sich festhalten:

  • Sabbatical für Beamte

    Hier ist das Sabbatical an den Antrag auf Teilzeitbeschäftigung geknüpft. Die Arbeitszeit kann hier um bis zu 50 Prozent verkürzt werden. Um in den Genuss eines Sabbaticals zu kommen, wird während der Teilzeitarbeit jedoch in Vollzeit gearbeitet. Dieses angesparte Guthaben kann später im Sabbatical zusammenhängend genommen werden. Die Sabbatical Regelung für den öffentlichen Dienst findet sich in § 91 Absatz 1 Bundesbeamtengesetz (BBG) in Verbindung mit § 9 Absatz 1 Arbeitszeitverordnung Bund (AZV).

  • Sabbatical für Tarifbeschäftigte

    Die entsprechenden Regelungen für Angestellte im öffentlichen Dienst finden sich in § 10 Absatz 6 TVöD. Danach kann unter Beteiligung des Personalrates der Arbeitgeber mit seinem Beschäftigten ein Langzeitkonto vereinbaren. Eine ausdrückliche Erwähnung des Sabbaticals findet sich in den Regelungen des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) in § 6 Absatz 2.

In der freien Wirtschaft findet sich ein solcher Anspruch auf Auszeit ebenfalls in manchem Tarifvertrag – wie etwa in der chemischen Industrie. Die meisten Angestellten der freien Wirtschaft aber haben keinen Rechtsanspruch darauf. In diesen Fällen liegt es allein im Ermessen des Arbeitgebers, ob er Ihnen eine solches Arbeitszeitmodell anbietet beziehungsweise auf Anfrage genehmigt oder nicht.

Und je kleiner der Betrieb, desto unwahrscheinlicher die Chance dazu. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels können kleine Mittelständler kaum für ein Jahr auf ihre eingespielten Fachkräfte verzichten.

Die Sabbatical-Modelle im Überblick

Falls das Sabbatical aber doch eine generelle Option im Unternehmen ist, gibt es gleich mehrere Modelle, um es zu realisieren:

  • Sabbatical dank unbezahlter Freistellung: Das simpelste Modell ist: Der Mitarbeiter wird von der Arbeit freigestellt, bekommt in der Zeit allerdings auch kein Gehalt. Es handelt sich damit de facto um ein ruhenden Arbeitsverhältnis. Eine solche Auszeit ist theoretisch unbegrenzt lange realisierbar. Das bedeutet aber auch, dass sich die Arbeitnehmer in dieser Zeit selbst um seine Kranken- und Pflegeversicherung sowie Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern muss. Für das Unternehmen ist die Freistellung zugleich das günstigste Modell – es zahlt dafür nichts.
  • Sabbatical per Sonderurlaub: Solange das Sabbtical nicht länger als vier Wochen dauert, kann der Chef dieses als Sonderurlaub genehmigen. Vorteil: Die Sozialversicherungsbeiträge übernimmt bei der Beurlaubung weiterhin der Arbeitgeber. Ein Gehalt gibt es aber nicht. Immerhin: Wer seinen Jahresurlaub noch dazu nimmt, kann das Sabbtical so auch auf ingesamt rund zwei Monate verlängern. Länger als vier Wochen darf der Sonderurlaub aber nicht genehmigt werden, sonst gilt das Beschäftigungsverhältnis als unterbrochen. Die Sozialversicherung würde dann nicht mehr vom Unternehmen bezahlt.
  • Sabbatical durch Lohnverzicht: Ganz klassisch wird das Sabbatical über Lohnverzicht finanziert. Das heißt zum Beispiel: Der Mitarbeiter bekommt sechs Jahre lang nur sechs Siebtel seines Vollzeit-Gehalts ausbezahlt, verzichtet also auf ein Siebtel und spart dieses an. Im siebten Jahr nimmt er dann eine einjährige Auszeit und bekommt weiterhin die (angesparten) sechs Siebtel als Gehalt ausbezahlt. Vorteil: Das Arbeitsverhältnis bleibt bei diesem Sabbatical-Modell bestehen, der Angestellte bleibt weiterhin versichert. Und mit 85 Prozent vom Gehalt lässt sich vielleicht auch ganz gut leben.
  • Teilzeitmodell Hierbei wird vor Beginn des Sabbaticals eine Teilzeitbeschäftigung vereinbart – der Beschäftigte arbeitet aber für ein entsprechend niedrigeres Gehalt weiterhin in Vollzeit. So wird Gehalt angespart (Ansparphase). Der vom Arbeitgeber einbehaltene Lohn wird jedoch später mit dem Sabbatjahr wieder ausgezahlt (Freistellungsphase). Für dieses Modell ist jedoch Voraussetzung, dass der Mitarbeiter mindestens sechs Monate beschäftigt war und der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter hat. So will es das Teilzeitgesetz. Der Chef kann diesen Teilzeitanspruch allerdings auch betrieblichen Gründen auch ablehnen.
  • Sabbatical dank Arbeitszeitguthaben: Dieses Modell ist das heute wohl am weitesten verbreitete. Dabei sparen die Mitarbeiter auf einem Arbeitszeitkonto über mehrere Jahre ihre Überstunden an und feiern diese Mehrarbeit dann auf einen Schlag ab. Wie lange das Sabbatical dauert, hängt in dem Fall natürlich von der sogenannte Ansparphase und der Anzahl der Überstunden ab – sowie von der Möglichkeit, eventuell auch Negativstunden nehmen zu können. Also noch nicht geleistete Überstunden schon vorab anrechnen zu können. Vorteil: Hier erhält der Mitarbeiter während der Auszeit seine vollen Bezüge und ist auch komplett sozialversichert, da die Überstunden ja nicht bezahlt, sondern nur angespart wurden. Nachteil: Das Modell funktioniert bei Vertrauensarbeitszeit nicht. Die Überstunden müssen dazu offiziell erfasst und auf einem Konto festgehalten werden.
  • Sabbatical per Zeitwertguthaben: Dieses Sabbatical-Modell ist eine Variante des vorherigen – nur dass hierbei nicht nur Überstunden, sondern auch Weihnachtsgeld, Boni, nicht genutzte Urlaubstage auf einem sogenannten Langzeitkonto oder Lebensarbeitszeitkonto angespart werden können. Diese Alternative muss natürlich im Arbeitsvertrag geregelt sein. Und die Mitarbeiter sollten sich durch ein sogenanntes Contractual Trust Arrangement (CTA) gegen eine Firmenpleite absichern. Sonst sind die angesparten Werte bei einer Insolvenz futsch. Die zustehenden Werte können – theoretisch – zwar eingeklagt werden. Es ist jedoch fraglich, ob diese Ansprüche aus der Konkursmasse wirklich noch bedient werden. Immerhin: Wer bei diesem Modell ins Sabbatical geht, bekommt den Gegenwert seiner angesparten Boni oder Überstunden als Gehalt ausbezahlt und bleibt deshalb auch sozialversichert.

Egal, welches Modell am Ende zur Anwendung kommt: Ist die Sabbatical-Vereinbarung erst einmal getroffen, ist der Arbeitgeber grundsätzlich an diese gebunden. Der Chef kann das genehmigte Sabbatjahr also nicht einfach zurücknehmen und wieder verbieten.

Wenn Sie eine einjährige Auszeit nehmen – ob bezahlt oder nicht – besteht auch weiterhin der gesetzliche Mindesturlaubsanspruch nach §§ 1, 3 BUrlG von 24 Werktagen. Das heißt: Diese freie Zeit kommt noch einmal hinzu. Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist schließlich keine Gegenleistung des Arbeitgebers für erbrachte oder noch zu erbringende Arbeitsleistung, sondern eine gesetzliche Verpflichtung. Besteht also formell ein Arbeitsverhältnis weiter, existiert auch der dazugehörige Urlaubsanspruch.

Argumente für das Sabbatical: So überzeugen Sie den Chef

Argumente für das Sabbatical: So überzeugen Sie den ChefFalls Ihr Unternehmen seinen Mitarbeitern ein solches Sabbatjahr nicht anbietet, bedeutet das noch nicht das Aus für Ihren Traum. In dem Fall können Sie Ihren Chef immer noch vom Nutzen der Auszeit überzeugen.

Das ist gar nicht mal so schwer. Tatsächlich bietet das Sabbatical auch Unternehmen zahlreiche Vorteile. Vor allem diese sollten Sie bei Ihrer Argumentation und Verhandlung in den Vordergrund stellen. Zum Beispiel:

  • Sie möchten die Auszeit zur Weiterbildung nutzen. Denkbar ist, dass Sie während des Sabbatjahres einen MBA absolvieren oder eine berufliche Weiterbildung mit Zertifikat abschließen, die dem Arbeitgeber und Ihren künftigen Projekten zugute kommt.
  • Sie sparen Ihrem Arbeitgeber Kosten. Einige Sabbaticals sind unbezahlt, bei anderen Modellen müssen Sie vorab und eine zeitlang auf Teile Ihres Gehalts verzichten. So oder so: Der Arbeitgeber spart für das eine Jahr Geld – und das kann gerade in Krisenzeiten Ihren Arbeitsplatz retten und Entlassungen vermeiden helfen. Statt Sie ganz rauszuschmeißen, entlässt Sie der Chef in eine längere Pause, die ihn nichts kostet.
  • Sie entwickeln neue Talente. So ein Sabbatical kann auch ein wunderbares Experimentierfeld sein. Vielleicht gehen Sie dazu ins Ausland, testen sich und schnuppern in verschiedene Arbeitsweisen hinein, vielleicht bloggen Sie gar darüber. Auf jeden Fall sammeln Sie neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die sie später im (alten) Job gewinnbringend nutzen können.

Natürlich können auch private Gründe für eine Arbeitspause überzeugend sein und Verständnis wecken. Dazu gehören etwa:

  • Der wichtige Umbau und die Renovierung des eigenen Hauses
  • Ein akuter Pflegefall in der Familie
  • Ehrenamtliches Engagement (im Ausland)
  • Mehr Zeit für die Familie und Kinder (in einer wichtigen Entwicklungsphase)
  • Entlastung des Partners

Wichtig ist dann, dass Sie neben Ihrer persönlichen Motivation auch Vorschläge für Ihre Vertretung und die Verteilung Ihrer bisherigen Aufgaben machen. Schließlich soll der Chef den Eindruck bekommen, Sie haben wirklich die Interessen des Unternehmens und des ungestörten Betriebsablaufs im Blick – und nicht nur die eigene Freizeit.

Sabbatical Vorbereitung: Regelungen zu Krankenversicherung & Rückkehr

Klären Sie als Erstes mit dem Arbeitgeber (aber auch für sich selbst) die Versicherungsfrage:

  • Wer mehr als einen Monat unbezahlten Urlaub nimmt, muss sich um seine Sozialversicherungen selber kümmern.
  • Wer die Zeit zudem im Ausland verbringt, sollte den Umfang seines Versicherungsschutzes prüfen. Halten Sie sich dabei innerhalb Europas auf, bleiben Sie meist gesetzlich krankenversichert. Für andere Regionen ist allerdings eine spezielle Auslandskrankenversicherung nötig.

Klären Sie überdies auch die Modalitäten Ihrer Rückkehr und fixieren Sie diese im Arbeitsvertrag oder einem gesonderten Vertrag.

Es könnte sonst passieren, dass Ihre alte Position nicht mehr zur Verfügung steht, wenn Sie zurückkommen. Experten raten daher zum Abschluss eines sogenannten Sabbatical-Vertrags. Dieser sollte unbedingt beinhalten:

  • Länge und Beginn des Sabbatjahres
  • Übergabe und Dokumentation der bisherigen Aufgaben
  • Die (eventuelle) Vergütung während der Freistellung
  • Regelungen zu möglichen Versicherungsleistungen
  • Ausschluss oder Anrechnung von Krankheitstagen innerhalb des Sabbatjahrs
  • Die Fortzahlung der betrieblichen Altersvorsorge oder anderen freiwilligen Leistungen
  • Erreichbarkeit während des Sabbaticals
  • Kündigungsschutz während der Abwesenheit
  • Die Aufgabe und Position nach der Rückkehr.

Wer kann, sollte sicherheitshalber noch eine Abfindungsvereinbarung treffen – für den Fall, dass man Ihnen eine schlechtere Stelle zuweist.

Vorsicht Haken: In den meisten Arbeitsverträgen wird dem Arbeitgeber ein sogenanntes „erweitertes Direktionsrecht“ zugebilligt. Das heißt im Klartext: Er kann Ihre Arbeit nach der Rückkehr frei bestimmen, solange diese vergleichbar und zumutbar ist.

Wer vom Sabbatjahr zurückkehrt, kann dann womöglich auf eine andere Position versetzt werden – eine Garantie auf den alten Job gibt es in dem Fall also nicht.

Im Zweifel ziehen Sie deshalb bitte noch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht hinzu, der den Sabbatical-Vertrag genau prüft – bevor Sie ihn unterschreiben. In einem Jahr Abwesenheit kann schließlich viel passieren…

Sabbatjahr Checkliste: Wie Sie Ihr Sabbatical richtig planen

Sabbatical Ratgeber CoverFalls Sie nun Lust bekommen haben, Ihren Wunsch nach einer Auszeit in die Tat umzusetzen, sollten Sie dies sorgfältig planen und vorbereiten. Wenn Sie dabei die folgenden Punkte beachten, stehen Ihre Chancen gut, dass Ihr Sabbatical zur Erfolgsstory wird.

Überdies haben wir für Sie einen kleinen Sabbatical-Ratgeber mit den häufigsten Fragen zum Sabbatjahr zusammengestellt, den Sie sich HIER kostenlos als PDF herunterladen können (oder indem Sie auf das Bild oben rechts klicken):

  • Auszeit beantragen: Bitten Sie Ihren Chef rechtzeitig um Erlaubnis, einen längeren unbezahlten Urlaub nehmen zu dürfen – je nach Aufwand für die Vorbereitung Ihres Projekts ein Jahr oder länger im Voraus.
  • Hartnäckigkeit zeigen: Wenn das Sabbatjahr in Ihrer Firma etwas Neues ist, müssen Sie vielleicht zwei Mal oder drei Mal fragen und Überzeugungsarbeit leisten. Machen Sie Ihrem Chef die Entscheidung leicht, indem Sie immer wieder den Nutzen für das Unternehmen präsentieren und vorrechnen. Zahlen haben Macht!
  • Projekt festlegen: Klären Sie im Voraus, was Sie genau mit Ihrem Sabbatical machen wollen: Welche beruflichen-privaten Ziele verfolgen Sie damit? Wenn Sie sich einfach nur so treiben lassen, ist die freie Zeit im Nu vertan, ohne dass Sie wirklich etwas erreicht haben, mit dem Sie zufrieden sein können.
  • Familie einbinden: Besprechen Sie die familiären Rahmenbedingungen. Wer macht bei Ihrem Projekt mit, wer nicht? Sind alle einverstanden, die Mitwirkenden ebenso wie die Zurückbleibenden? Wer kümmert sich in der Zeit Ihrer Abwesenheit um Ihr Haus, Ihre Post, Ihre Rechnungen? Werden Ihre mitreisenden Kinder gegebenenfalls vom Schulbesuch befreit?
  • Versorgung sichern: Wie sieht Ihre finanzielle Versorgung aus? Reicht das Geld für die gesamte Zeit des Sabbaticals sowie für die Kosten Ihres Projekts? Bleibt genug Geld übrig für eine Übergangszeit, falls Sie nach dem Sabbatical nicht nahtlos wieder in Ihrem alten Job weiterarbeiten können? Faustregel: Sie sollten genug Geld zur Seite legen, um drei Monate nach dem Sabbatjahr überbrücken zu können.
  • Projekt vorbereiten: Welche Informationen benötigen Sie für Ihr Sabbatical? Wo sind Anlaufstellen und Ansprechpartner? Was müssen Sie für Ihr Vorhaben anschaffen? Sind Sie der geplanten Anstrengung körperlich gewachsen? Wie können Sie Ihre Fitness und Kraft verbessern? Wie schützen Sie Ihre Gesundheit vor ungewohnten Risiken? Dieser Aspekt wird häufig vergessen.

Sabbatical Finanzierung: So reicht das Geld

Zur Finanzierung des Sabbaticals gibt es im Wesentlichen drei unterschiedliche Modelle (siehe oben), bei denen der eigentlichen Freistellungsphase meist eine längere Anspar- und Arbeitsphase vorausgeht:

  • Teilweiser Gehaltsverzicht im Vorfeld
  • Ansammeln von Überstunden
  • Unbezahlter Sonderurlaub / Freistellung

Es hängt also zunächst vom Arbeitgeber ab, welche Lösung er Ihnen anbietet. Die ersten beiden Optionen sind die gängigsten Modelle und werden von den meisten Unternehmen akzeptiert. Das Sabbatical ist dabei bezahlt, und die Sozialversicherung vom Arbeitgeber läuft ebenfalls weiter.

Falls Sie die Auszeit wiederum mit Erspartem finanzieren wollen, rechnen Sie unbedingt mit spitzem Bleistift, wie viel Geld Sie während der Zeit brauchen.

Vergessen Sie dabei keinesfalls:

  • Laufende Versicherungen oder Hypotheken
  • Sporadische Reparaturen etwa an Auto oder Wohnung
  • Etwaige Reise- und Verpflegungskosten
  • Erhöhte Energie-, Heiz- und Telefonkosten falls Sie mehr zuhause sind

Faustregel: Wer auf Nummer sicher gehen will, erhöht den errechneten Bedarf um 20 Prozent. Die Arbeitspause soll ja auch Spaß machen.

Sabbatical Kosten Finanzierung Rechner Gehalt Checkliste

Sabbatical im Lebenslauf: Wie verkaufe ich die Auszeit in der Bewerbung?

Nicht unwesentlich ist die Frage, wie Sie später mit der Lücke in Ihrem beruflichen Werdegang umgehen. Alles, was über den Zeitraum von bis zu drei Monaten hinaus geht und nicht erklärt wird, gilt Personalern als veritable Lücke.

Die ist in dem Fall aber gut zu vertreten – schließlich haben Sie ja bereits gute Argumente gegenüber Ihrem Chef gesammelt. Die ziehen auch im Lebenslauf.

Erwähnen Sie das Sabbatical also ruhig in Ihrer Vita und nennen Sie auch die Gründe, warum Sie sich die Auszeit genommen haben. Damit verbunden waren ja Vorteile für den bisherigen Arbeitgeber – von denen (teilweise) auch spätere Arbeitgeber profitieren können.

In anderen Fällen dürfen Sie offensiv mit der Auszeit umgehen:

  • Wenn Sie beispielsweise nach der Auflösung einer Firma und der Entlassung von mehr als 100 Mitarbeitern nicht sofort wieder in die gleiche Tretmühle wollten und stattdessen ein halbes Jahr lang in Neuseeland herumgereist sind, bekommt Ihr neuer Arbeitgeber statt eines gestressten und erholungsbedürftigen Burnout-Kandidaten eine ausgeruhte, stressresistente und kreative Persönlichkeit.
  • Wenn Sie nach einem aufreibenden Job im Marketing einige Monate in Argentinien verbracht haben, um richtig gut Tango tanzen zu lernen und sich Gedanken zu machen, wo der nächste Teil Ihrer beruflichen Reise hingehen soll, kann Ihr neuer Arbeitgeber sich darauf verlassen, dass Sie mit hoher intrinsischer Motivation auch Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden.

Planen Sie Ihre Auszeit also mit Bedacht und sammeln Sie die Argumente dafür. Mit gründlicher Vorbereitung und vorausschauender Organisation wird Ihr Sabbatical zu einer einmaligen Erfahrung, von der Sie Ihr ganzes Leben lang profitieren können.

Sabbatical Alternativen: Alles außer Weltreise

Sabbatical Alternativen: Alles außer WeltreiseWeltreise kann jeder. Wenn Sie in Ihrem Sabbatical einfach mal nicht den Globus umrunden wollen, aber trotzdem mehr als reif für eine Auszeit sind, dann gibt es noch viele weitere Alternativen. Die besten davon stellen wir Ihnen hier vor – von perspektivisch sinnvoll bis völlig verrückt:

  • Autark leben

    Ein Sabbatjahr für Helden und eines, das Sie mit Sicherheit nicht vergessen werden: Mieten Sie sich für ein Jahr auf einem Bauernhof oder einer Farm im Ausland ein. Dann gilt es anzupacken: Gemüse anbauen, Hühner schlachten und Fische im nahegelegenen See angeln. Das Ziel: Ein Jahr lang völlig autark leben, ohne Discounter und Industriefutter, nur mit frischer Nahrung direkt von Hof und Garten. Sie halten das für durchgedreht? Es gibt ja noch weitere Alternativen…

  • Buch schreiben

    Hinter der Weltreise liegt nicht selten der eigene Roman auf Platz zwei der inoffiziellen Bucket-List. Wer schreibt, der bleibt: Warum also nicht die Auszeit nutzen, um ein eigenes Buch zu schreiben? Völlig unabhängig davon, ob es sich um große oder nur Groschenliteratur handelt: Sie haben es getan!

  • Chinesisch lernen

    Vielleicht nützt Ihnen die Fremdsprache im Job, vielleicht wollen Sie sich auch nur selbst beweisen, dass Sie eine Ihnen gänzlich fremde Sprache in einem Jahr bis zur Perfektion treiben können – mit persönlichem Sprachtrainer, Auslands- und Online-Kursen und in Eigenregie. Es muss auch nicht Chinesisch sein: Alternativ kommen natürlich auch Englisch, Spanisch und alle anderen Sprachen dieser Erde dafür infrage.

  • Eltern pflegen

    Laut gesetzlicher Pflegezeit können Sie sich bis zu sechs Monate – unbezahlt – von der Arbeit freistellen lassen, um Familienangehörige zu pflegen. Das heißt aber nicht, dass Sie sich auf diese sechs Monate auch beschränken müssen. Möglicherweise können Sie Ihr Sabbatical hinten dranhängen und so noch mehr Zeit mit Ihren Angehörigen verbringen. Auf jeden Fall eine Überlegung und ein Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber wert.

  • Körper optimieren

    Nutzen Sie das Sabbatjahr, um Ihren Körper zu pflegen und mal von Grund auf zu überholen. Yoga, Joggen, Schwimmen, Radfahren und andere Sportarten ausprobieren, Ernährungs- und Kochkurse besuchen, Essgewohnheiten umstellen – und sich für den abschließenden Marathon oder Triathlon in Topform bringen. All das bietet sich zum Beispiel an, wenn Sie ein paar Pfund abspecken und wieder fit werden wollen. Vorteil: Nach dem Sabbatjahr kommen Sie gesund und mit vollem Energietank in den Job zurück.

  • Programmieren lernen

    In Großbritannien ist das sogenannte Coding schon ins nationale Curriculum aufgenommen worden. Schon Erstklässler werden in die Kunst des Programmierens eingeweiht. In Deutschland ist das eher eine seltene Ausnahme. Leider. Denn mit dem Hintergrundwissen lässt sich heute Vieles realisiert. Überdies steigert es sogar den Marktwert. Die Bedeutung von IT-Kenntnissen auf dem Arbeitsmarkt ist so groß, dass schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos eindringlich vor einem Skill Gap gewarnt wurde.

  • Ins Kloster gehen

    Vor allem Ausgebrannte finden die Vorstellung verlockend, hinter Klostermauern ein abstinentes Dasein mit viel Meditation zu verbringen. Ob in der Eifel oder in Tibet – möglicherweise verlassen Sie die heiligen Gemäuer tiefenentspannt und in völliger innerer Balance. Oder Sie finden die Erleuchtung, was Sie mit sich und Ihrem weiteren (Berufs-)Leben anfangen wollen. Oder Sie entdecken Gott. Das wäre auch kein Fehler.

  • In Suppenküchen helfen

    Sie stellen Ihre Schaffenskraft für ein ganzes Jahr komplett in den Dienst anderer und engagieren sich ehrenamtlich in der städtischen Suppenküche. Ganz unspektakulär, ohne Strand oder Savanne im Hintergrund, ohne heimlichen Selbsterfüllungstrip im Hinterkopf. Einfach nur für andere, weniger privilegierte Menschen dasein, anpacken, ihnen Tag für Tag die Suppe auf den Teller löffeln. Ob Ihnen das Bonuspunkte im alten Job bringt? Vermutlich nicht. Aber vielleicht eine tiefere Befriedigung.

  • Online-Shop starten

    Nicht wenige Menschen träumen von finanzieller Freiheit und Unabhängigkeit. Das Internet könnte hierbei helfen – mittels eines Online-Shops oder einem anderen Online-Portal oder Blog. Das Sabbatical gibt Ihnen die Zeit, die passende Nische zu finden, die Website zu launchen, Verträge abzuschließen und Ihr Online-Business hochzuziehen. Der Online-Shop ist natürlich nur eine Chiffre für alle denkbaren Arten, sich nebenbei selbstständig zu machen und im Internet Geld zu verdienen oder ein eigenes Business zu starten. Und nach einem Jahr können Sie Ihr Projekt als Nebenbeschäftigung weiter laufen lassen – oder sich komplett aus dem alten Job verabschieden.

[Bildnachweis: Annette Shaff]
14. August 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px


Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!