Rückzugsort: Darum brauchen Sie regelmäßig Ruhe

Hektische Menschen, Verkehrslärm, aufdringliche Reklame – das moderne Stadtleben ist nicht unbedingt geeignet, sich vom stressigen Arbeitsalltag zu erholen: Zu vielfältig sind hier die Eindrücke, die auf einen einprasseln. Um abschalten und entspannen zu können, braucht es einen Rückzugsort, der den Gegenpol bildet. Das ist oftmals die Natur, nicht umsonst entstehen Naherholungsgebiete, werden ehemals bebaute Gebiete wieder renaturiert. Welche Bedeutung Rückzugsorte haben und was Sie tun können, um zu entspannen…

Rückzugsort: Darum brauchen Sie regelmäßig Ruhe

Rückzugsort Definition: Geborgenheit und Sicherheit

Nähert man sich dem Begriff Rückzugsort, dann bezeichnet er im Wortsinne einen Ort, an dem man sich zurückziehen kann. Das kann sowohl real der Fall sein – etwa im physischen Sinne, wenn sich jemand zum Schutze vor schlechtem Wetter zurückzieht. Oder aber auch mentaler Rückzug, wenn jemand sich in Tagträume flüchtet.

Ein Synonym für Rückzugsort wäre:

  • Erholungsort
  • Garten Eden
  • heile Welt
  • Idyll(e)
  • Insel der Seligen
  • Oase
  • Paradies
  • Paradies auf Erden
  • Refugium
  • Rückzugsstätte
  • Rückzugsgebiet
  • Rückzugsraum
  • Ruheort
  • Schutzhütte
  • Schutzraum
  • Zuflucht
  • Zufluchtsort

Schaut man auf die vielen Synonyme für Rückzugsort (englisch = private retreat) zeigen, dass es also sowohl ein real existierender Ort als auch im übertragenen Sinne ein Ort sein kann, an dem wir gerne wären, den wir uns erholsam und sicher vorstellen.

Interessanterweise gehört die Natur ebenfalls zum Rückzugsort, den Menschen immer wieder nennen und auch bewusst wählen. So etwa Eremiten:

Die Gemeinde Saalfelden in Österreich schreibt bis auf den heutigen Tag die Stelle des Einsiedlers aus. Die Eremitage liegt hoch oben auf einem Berg. Wer hier lebt, hat räumlichen Abstand zu der Welt, aber auch Abstand zu den eigenen Sorgen und Nöten.

Was ist Ihr persönlicher Rückzugsort?

Vor einiger Zeit wollten wir von unseren Lesern wissen: Was ist Ihr persönlicher Rückzugsort?

Die Ergebnisse fielen zum Teil überraschend aus. Klar, am Südseestrand dem Sonnenuntergang entgegen zu schauen, wurde besonders oft genannt. Ist ja auch perfekt, um sich zu entspannen und alles Bedrückende zu vergessen.

Auch der Urlaub in Italien zaubert nach Angaben der Leser den Alltag weg. Nur ist auch klar: Die meisten von uns können sich nicht mal eben kurzfristig von sämtlichen Verpflichtungen freimachen und nach Bella Italia verreisen.

Erholung und einen Rückzugsort braucht trotzdem jeder zwischendurch.

Die gute Nachricht: Das ist möglich. So schrieb uns zum Beispiel Ursula Baur, ihr persönlicher Rückzugsort sei:

Meine Joggingstrecke, Balkon, aber vor allem meine Liebsten. <3

Susanne Surmann zieht es ebenfalls nach draußen, allerdings…

Joggingstrecke bei schlechtem Wetter. Wenn kein Mensch sonst unterwegs ist.

Abgeschiedenheit spielt offenbar eine wichtige Rolle. Und die Wahrscheinlichkeit, mit sich und der Natur möglichst allein zu sein, ist bei schlechtem Wetter deutlich größer.

Melanie Schellack benennt einen weiteren klassischen Rückzugsort:

Balkon oder Schrebergarten.

Auch wenn die Natur häufig genannt wird, so fällt auf, dass damit selten Wildnis gemeint ist. Zwar verbinden viele damit Vorstellungen von Freiheit (und damit auch frei von Sorgen), aber die Natur in ihrer ursprünglichen Form rangiert nicht unbedingt auf den vorderen Rückzugsrängen.

Hingegen Natur, die unter Kontrolle gebracht wurde, die überschaubar ist, animiert viele zum Rückzug.

Beim Spazieren durchs Naherholungsgebiet oder beim Wandern im Wald entspannt ein Großteil der Leser.

Wie schrieb der deutsche Dichter Ludwig Tieck einst? „Erst unter dem Blätterhimmel wird der Mensch zum Menschen.“

Dass uns die Natur guttut, ist ohnehin leicht zu erklären:

  • Die frische Luft fördert das Durchatmen.
  • Das Fehlen von Alltagslärm entspannt.
  • Naturgeräusche wie Vogelgezwitscher und Blätterrascheln wirken zudem beruhigend.

Selbst das Grün der Blätter hat eine wohltuende Wirkung auf Menschen. In der Farbpsychologie weiß man, dass Grün beruhigt und ausgleicht. Ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Ruhe umgibt uns dabei. Grün soll sogar die Kreativität anregen.

Psychologie: Rückzugsort als Kraftquelle

Überhaupt wird die Bedeutung von Rückzugsorten häufig unterschätzt. Besonders oft ist dies zu beobachten, wenn Paare zusammenziehen. Beide sehen das gemeinsame Schlafzimmer, das Wohnzimmer – aber ein Rückzugsort bleibt bei der Einrichtung meist außen vor.

Vor allem Frauen neigen dazu, sich und ihre Bedürfnisse zu vernachlässigen. Dabei ist es wichtig, einen Rückzugsort zu finden:

  • Ein eigener Raum macht glücklicher.
  • Sie können darin Kraft für neue Herausforderungen tanken.
  • An einem selbstgewählten Rückzugsort fallen Stress und Druck ab.
  • Sie haben die Möglichkeit, sich zu sammeln und Gedanken nachzuhängen.
  • Die Stille des Raums ermöglicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • Der eigene Raum lässt Geborgenheit empfinden.
  • Sie schirmen sich vor Lärm ab.
  • Mit dem Rückzugsort haben Sie einen Puffer zur Außenwelt.
  • Sie können sich leichter von anderen Menschen abgrenzen.
  • Der Rückzugsort lässt sich individuell gestalten und inspiriert.

Ein eigener Rückzugsort trägt dazu bei, die eigene Identität zu entwickeln. Erkennbar ist das ganz schnell, wenn wir eine fremde Wohnung betreten: Man spürt recht schnell, ob man sich dort wohl fühlt oder nicht. Aber auch im Arbeitskontext spielt die Rückzugsmöglichkeit eine Rolle.

Nicht umsonst werden Großraumbüros oftmals negativ bewertet, ihnen fehlt eben genau das: Ein Rückzugsort. Dort sind bestenfalls Nischen möglich. Arbeitspsychologisch sinnvoll hingegen sind unterschiedlich gestaltete Arbeitsbereiche, je nach Anforderung.

Das können Kommunikationsräume sein wie etwa der Empfang, Schulungs- und Konferenzräume oder die Kantine. Daneben braucht es aber auch immer Rückzugsorte für Ruhe und konzentriertes Arbeiten wie in kleineren Büros oder auch Bibliotheken und Mediatheken.

Rückzugsort finden: Urlaub vom Alltag

Rückzug und entsprechende Rückzugsorte sind für die Gesundheit von großer Bedeutung. Wer an seinen Rückzugsort kommt, empfindet ein warmes Gefühl, denkt: jetzt komme ich nach Hause, hier will ich sein. Eng damit verknüpft sind die Gefühle von Geborgenheit, Vertrauen und Sicherheit – deshalb fühlen wir uns auch im Rahmen unserer Lieben so wohl.

Und deshalb umgeben wir uns eben auch nur mit diesen Menschen in Krisensituationen. Das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit führt dazu, dass wir uns entspannen. Und dadurch dass der Körper entspannt ist, können die Abwehrkräfte gestärkt werden. Mit einem regelmäßigen Atemrhythmus lassen sich erneut klare Gedanken fassen.

Um einen solchen Rückzugsort für sich zu finden, sollten Sie innehalten und reflektieren, wann und wo, also bei welcher Gelegenheit Sie sich wohl fühlen. Ziehen Sie dabei alle Sinne in Betracht, denn Wohlbefinden wird durch verschiedene Reize und Orte ausgelöst.

  • Auf der kuscheligen Sofaecke.
  • Beim Meditieren.
  • Im Lieblingssessel im Wohnzimmer.
  • Beim Panoramaausblick am Lieblingsort.
  • Im warmen Bad mit ätherischen Ölen.
  • An einer bestimmten Stelle im Garten, unter einem Baum.
  • Beim Tüfteln im Hobbykeller.
  • Durch die Lieblingsmusik im Radio.
  • Durch eine heimelige Atmosphäre mit Kerzen.

Manchmal muss es einfach eine Auszeit vom Alltag sein, ein Tapetenwechsel. Dann kann ein Kurzurlaub schon helfen, auf andere Gedanken zu kommen, Abstand vom Alltag zu kriegen.

Aber auch so können Sie nach Feierabend bei sich Zuhause Ihr eigenes Refugium einrichten, sei es, dass Sie sich dem Nähen schöner Kleidung oder dem Bemalen von Actionfiguren hingeben:

Mit den entsprechenden Zugaben können Sie Ihren persönlichen Rückzugsort finden und gestalten. Wer achtsam gegenüber sich selbst ist, wird schnell merken, was ihm gut tut und wie er seinen Rückzugsort für sich nutzen kann.

[Bildnachweis: Ditty_about_summer by Shutterstock.com]
17. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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