Resturlaub: Wann verfällt mein Anspruch?

Nicht wenige Arbeitnehmer arbeiten mehr und länger als sie müssten. Am Ende des Jahres bleibt so vom vertraglich vereinbarten Urlaub immer noch sogenannter Resturlaub übrig. Restliche Urlaubstage also, die bis zum 31. Dezember nicht genommen wurden. Um nach dem Jahreswechsel den Anspruch darauf nicht zu verlieren, sollten sich Arbeitnehmer allerdings sputen. Das folgende Dossier zeigt Ihnen, bis wann Sie Ihren Resturlaub nehmen müssen, um den Urlaubsanspruch durchzusetzen und welche Regelungen Sie dabei beachten sollten…

Resturlaub: Wann verfällt mein Anspruch?

Resturlaub berechnen: Wieviele Urlaubstage stehen mir zu?

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Der Urlaubsanspruch ist im Bundesurlaubsgesetz geregelt. Die gesetzliche Mindestdauer des Urlaubs beträgt bei einer 5-Tage-Woche 20 Werktage und bei einer 6-Tage-Woche 24 Werktage, sie entspricht damit immer umgerechnet einem Urlaub von vier Wochen im Jahr.

Wer einer Teilzeitarbeit nachgeht, hat ebenso grundsätzlich den vollen Urlaubsanspruch. Unerheblich ist ebenso, wie viele Stunden ein Arbeitnehmer pro Tag arbeitet. Ob Sie massiv Überstunden schieben oder nur bis mittags im Büro sind, macht keinen Unterschied.

Wer nur vier Tage in der Woche arbeitet, hat einen gesetzlichen Mindestanspruch auf 16 Arbeitstage Urlaub, bei einer 3-Tage-Woche zwölf Urlaubstage und so weiter. Der Urlaubsanspruch bemisst sich am Arbeits- beziehungsweise Werktag, nicht an den geleisteten Arbeitsstunden.

Aber: Für den vollen Urlaubsanspruch muss der Teilzeitbeschäftigte auch an jedem Werktag ins Büro respektive zur Arbeit kommen. Andernfalls reduziert sich der Urlaub entsprechend.

Arbeitsverträge und Tarifverträge sehen regelmäßig einen höheren Urlaubsanspruch vor.

So sind bis zu 30 Urlaubstage bei einer 5-Tage-Woche keine Seltenheit. Besondere Regelungen existieren zudem für Menschen mit Behinderung. So können Schwerbehinderte für jedes Jahr fünf Tage zusätzlichen Sonderurlaub beanspruchen.

Beispiel für Berechnung des Resturlaubs

Der reguläre Urlaubsanspruch in Ihrem Unternehmen beträgt 30 Tage bei einer 5-Tage-Woche. Sie arbeiten als Teilzeitkraft an drei Tagen in der Woche. Die Rechnung geht so: 30 Urlaubstage multipliziert mit drei 3 Arbeitstagen und geteilt durch 5 Werktage = 18 Urlaubstage.

Resturlaub Gesetz: Ist der Urlaubsanspruch befristet?

Nicht wenige Arbeitnehmer stehen allerdings am Ende des Jahres vor der Frage, ob sie ihren Resturlaub so schnell wie möglich nehmen können, damit der Anspruch darauf nicht verfällt. Aber ist der Urlaubsanspruch tatsächlich auf ein Jahr befristet?

Die Antwort darauf findet sich ebenfalls im Bundesurlaubsgesetz. Dort heißt es in Paragraph 7 Absatz 3:

Der Urlaub muss im laufenden Kalenderjahr gewährt und genommen werden.

Damit wird grundsätzlich geregelt, dass der Urlaubsanspruch eines Arbeitnehmers auf das jeweilige Jahr befristet ist und der Resturlaub bis zum 31. Dezember genommen werden muss, um nicht zu verfallen.

Viele Beschäftigte kennen – entweder aus eigener Erfahrung oder durch einen Kollegen – aber auch Fälle, in denen der Resturlaub ins nächste Jahr übertragen wurde.

Auch das ist grundsätzlich möglich und wird durch das Bundesurlaubsgesetz ebenfalls erlaubt, jedoch müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Bitte Urlaub immer genehmigen lassen!

Urlaub immer genehmigen lassenAchtung: Ausschließlich der Arbeitgeber darf den Urlaub genehmigen. Die mit dem Arbeitgeber nicht abgesprochene Selbstbeurlaubung stellt einen Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung dar, die je nach Lage des Falles auch als fristlose Kündigung ausgesprochen werden kann.

Der Arbeitgeber entscheidet auch darüber, wann der Urlaub genommen werden kann. Wobei hierbei natürlich auch die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen sind. Wenn dringende betriebliche Belange oder die Urlaubswünsche anderer, sozial schutzwürdigerer Arbeitnehmer aber entgegenstehen, kann sich der Arbeitgeber dem zeitlichen Wunsch des Arbeitnehmers verweigern.

Bei Krankheit: Lässt sich der Resturlaub ins neue Jahr mitnehmen?

Die Übertragung des Resturlaubs ins nächste Jahr kann aber nicht eigenmächtig durch den Arbeitnehmer vorgenommen werden.

Laut Bundesurlaubsgesetz müssen dazu dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe vorliegen, die es dem Arbeitnehmer unmöglich machen, seinen Urlaub vor Ablauf des Jahres zu nehmen.

Dabei kann es sich beispielsweise um Ausfälle anderer Kollegen handeln, wodurch ein Urlaub nicht gewährt wurde, um den Betriebsablauf nicht zu gefährden. Aber auch eine Erkrankung des Mitarbeiters wäre ein zulässiger Grund, dass der Resturlaub ins Folgejahr übertragen wird.

Will ein Mitarbeiter seinen Resturlaub ins neue Jahr mitnehmen, muss er also seinen Arbeitgeber rechtzeitig darüber informieren. Heißt: Sie wenden sich an Ihren Vorgesetzten oder direkt an die Personalabteilung Ihres Arbeitgebers und reichen schriftlich Ihr begründetes Verlangen ein, Ihren Urlaub ins nächste Jahr zu übertragen.

Wer krank wurde und seinen Urlaub deshalb nicht nehmen konnte, braucht sich zunächst auch nicht selber darum kümmern, dass der Resturlaub beziehungsweise Urlaubsanspruch übertragen wird.

Arbeitrechtler nennen das einen „objektiven Übertragungsgrund“. Es empfiehlt sich aber dennoch, sich den Übertrag ins Folgejahr immer schriftlich (zur Not per E-Mail) bestätigen zu lassen.

Bis wann muss der Resturlaub genommen werden?

Auch wenn entsprechende Gründe vorliegen, die eine Übertragung Ihres Urlaubsanspruches rechtfertigen, können Sie diesen nicht im gesamten nächsten Jahr nutzen.

Resturlaub, der ins nächste Jahr mitgenommen wird, muss bis zum 31. März genommen werden.

Wurde der Resturlaub bis zu dieser Frist nicht genutzt, verfällt er ganz und der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch mehr auf einen Ersatz.

Eine andere Regelung gilt für neue Mitarbeiter (in der Probezeit), die zum Ende des laufenden Jahres noch keine sechs Monate im Unternehmen angestellt sind.

In diesem Fall kann der Resturlaub auch über das erste Quartal des neuen Jahres hinaus noch genommen werden.

Was passiert, wenn der Resturlaub nicht im 1. Quartal genommen wurde?

Keine Regel ohne entsprechende Ausnahme. In der Praxis kann es durchaus passieren, dass der Resturlaub auch nicht innerhalb der Frist bis Ende März genommen werden kann – jedoch ohne, dass der Arbeitnehmer die Schuld dafür trägt.

Möglicherweise gewährt der Arbeitgeber in dieser Zeit keinen Urlaub, weil große und wichtige Projekte anstehen und ohnehin bereits krankheitsbedingter Personalmangel herrscht. In diesem Fall wäre es unfair, dass der Urlaub einfach so verfällt.

Entsprechend entsteht in diesem Fall ein Schadensersatzanspruch. Konkret bedeutet das, dass der Urlaub auch später im Jahr – also nach Ablauf der eigentlichen Frist – noch genommen werden kann.

Außerdem erklärt die Rechtsanwältin Gabriele Brandenburg, Fachanwältin für Arbeitsrecht:

Noch ein kleiner Hinweis: § 7 Abs. 3 BUrlG ist dispositiv, danach kann mit dem Arbeitgeber eine anderslautende Absprache getroffen werden. Entweder im Arbeitsvertrag direkt oder als Nachtrag. Wichtig ist nur, dass diese Vereinbarung schriftlich getroffen wird.

Warum darf übertragener Urlaub nur bis Ende März genommen werden?

Resturlaub nehmen bis Ende MärzWarum darf der Resturlaub eigentlich nur maximal bis Ende März des Folgejahres genommen werden? Die Erklärung dafür ist relativ simpel: So soll verhindert werden, dass Arbeitnehmer ihren Urlaub ansammeln und dann vielleicht nach mehreren Jahren auf einen Schlag den gesparten Urlaub der Vergangenheit nehmen.

Diese Strategie widerspricht schlicht dem Grundsatz des Urlaubs: Der gesetzliche Urlaubsanspruch dient in erster Linie der Erholung des Mitarbeiters. Arbeitnehmer sollen diesen in regelmäßigen Abständen nehmen, um sich vom Stress und den Strapazen des Arbeitsalltags zu erholen. Würde der Urlaub immer weiter aufgeschoben, wäre zwischendurch keine entsprechende Erholung gegeben.

Resturlaub Kündigung: Kann der Urlaub ausgezahlt werden?

Auch wenn der Arbeitnehmer mit Beginn des ersten Arbeitstages einen Urlaubsanspruch erwirbt: Häufig ist es so, dass innerhalb der Probezeit, je nachdem bis zu einem halben Jahr lang, kein Urlaub genommen wird.

Doch nicht jede Probezeit führt auch in ein Arbeitsverhältnis. Was passiert also mit dem Resturlaub bei einer Kündigung? Sofern möglich, muss der Arbeitnehmer seinen Resturlaub noch nehmen. Ist das nicht mehr möglich, muss ihm der Arbeitgeber den Resturlaub auszahlen, und zwar als Urlaubsentgelt.

Als Grundlage für die Berechnung des Urlaubsentgelts gilt der Verdienst, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat. Und auch, wenn der Arbeitnehmer von sich aus kündigt, gibt er damit seinen Anspruch auf einen möglichen Resturlaub nicht auf.

Ein anderes Szenario: Angenommen, Sie haben bei Ihrem Arbeitgeber schon bis Ende Februar den vollen Jahresurlaub in Anspruch genommen. Danach kündigen Sie und fangen drei Monate später bei einem anderen Unternehmen an. Für das laufende Jahr haben Sie keinerlei Urlaubsansprüche mehr.

Ihr Urlaubsanspruch bezieht sich auf das Kalenderjahr, nicht auf den Arbeitgeber. Der Gesetzgeber will so Doppelansprüche vermeiden.

Andererseits: Wenn Sie das ganze Jahr noch keinen Urlaub genommen haben und nun zu einem neuen Arbeitgeber gewechselt sind, haben Sie vermutlich Erholungsbedarf. Gemäß des im Arbeitsvertrag vereinbarten Urlaubs erwerben Sie pro Monat 2,5 Tage. Ihr neuer Arbeitgeber kann Ihnen durchaus in der Probezeit Urlaub gewähren.

Tipp: Lassen Sie sich von Ihrem alten Arbeitgeber eine Bescheinigung über den im laufenden Kalenderjahr gewährten oder abgegoltenen Urlaub ausstellen. Er ist per Gesetz dazu verpflichtet. So können Sie Ihrem neuen Arbeitgeber gegenüber Ihren Erholungsbedarf plausibel machen.

Resturlaub kombinieren: Clever zum Kurzurlaub einsetzen

Resturlaub Gesetz bei Krankheit Kündigung auszahlen berechnen ins neue Jahr mitnehmenResturlaub im neuen Jahr ist gar nicht so selten: Vielleicht haben Sie nur einen größeren Urlaub im Vorjahr geplant gehabt und sind mit den Feiertagen ansonsten gut über die Runden gekommen.

Oder es kommt vor, dass gerade in der Erkältungssaison so viele Kollegen ausgefallen sind, dass Sie ordentlich Überstunden angesammelt haben, die ebenfalls abgefeiert werden müssen. Wer dann noch fünf Tage Resturlaub übrig hat, kann damit bei geschickter Planung einen schönen Kurzurlaub bis zu einer Woche machen.

Gerade Ziele, die nicht so weit weg sind – Wellnessreisen, Städtetrips – eignen sich gut für einen Tapetenwechsel.

Resturlaub: Muss der Chef meine Wünsche berücksichtigen?

Ja und nein. Der bereits zitierte § 7 des Bundesurlaubsgesetzes – offiziell: Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer – stellt zwar fest, dass die Wünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen sind. Aber natürlich können die nicht gegen die Wünsche und Notwendigkeiten des Arbeitgebers durchgesetzt werden.

Heißt konkret: Es muss zu den betrieblichen Abläufen passen und im Einklang mit den Rechten anderer Arbeitnehmer sein. Wer also noch ganz viel Resturlaub zu Beginn des Jahres hat, kann nicht einfach unter Verweis auf die vielen Tage erwarten, dass er den am Stück genehmigt bekommt.

Wenn beispielsweise zeitgleich eine wichtige Messe vorbereitet werden muss und jede Hand gebraucht wird. Oder aber ein anderer Arbeitnehmer, der ebenfalls noch Resturlaub hat, ist aufgrund seiner schulpflichtigen Kinder auf exakt den Zeitraum angewiesen, der Arbeitgeber kann aber nicht zeitgleich beide Mitarbeiter beurlauben.

In diesen Fällen wird der erste Arbeitnehmer sich mit seinem Chef und dem Kollegen abstimmen müssen. Selbiges gilt übrigens auch für die beliebte Kombination von Resturlaub mit Brückentagen: Sie haben keinen Anspruch darauf, dass der Resturlaub zu exakt diesem Zeitpunkt gewährt wird.

[Bildnachweis: BlueOrange Studio by Shutterstock.com]

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14. Februar 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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