Elternzeit: Dauer, Anspruch, Tipps

Die Elternzeit ist dazu da, Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Im Idealfall sogar ohne die individuellen Karrierechancen aufs Spiel zu setzen. Die gesetzlichen Regelungen der Elternzeit sollen Erziehungsberechtigten die Verknüpfung beider Lebensbereiche ermöglichen. Sie bietet die Möglichkeit, die ersten Lebensmonate des Kindes ganz bewusst zu erleben, ohne die eigenen Karriere- und Jobchancen zu beeinträchtigen. Was Sie über die Elternzeit wissen müssen: Antrag, Beginn oder Teilzeitarbeit, erfahren Sie hier…

Elternzeit: Dauer, Anspruch, Tipps

Elternzeit: Wer hat Anspruch?

Zunächst einmal alle Mütter und Väter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, mit dem Kind im gleichen Haushalt leben und es (überwiegend) selbst betreuen und erziehen.

Daneben git es aber noch andere Konstellationen, in denen Elternzeit möglich ist. Zum Beispiel können sie auch Arbeitnehmer beantragen, die folgende Kinder betreuen:

  • das Kind eines Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners
  • Adoptivkinder
  • Schwester, Bruder, Nichte, Neffe oder Enkelkind bei schwerer Krankheit oder Tod der Eltern

Ebenfalls wichtig: Die Elternzeit kann unabhängig vom Arbeitsverhältnis genommen werden, also auch bei…

Achtung: Befristete Verträge verlängern sich durch die Elternzeit NICHT. Allerdings gibt es auch hier wieder Ausnahmen, zum Beispiel für wissenschaftliche Mitarbeiter und Auszubildende.

Die wichtigsten Infos zur Elternzeit in der Übersicht:

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So beantragen Sie Elternzeit

Sie müssen Ihre Elternzeit (spätestens) sieben Wochen vor Antritt schriftlich beim Arbeitgeber beantragen. Wird die Elternzeit zwischen dem dritten und dem neunten Geburtstag des Kindes bekommen, verlängert sich die Frist. In diesem Fall liegt sie bei 13 Wochen.

Das Bundesfamilienministerium will damit organisatorischen Schwierigkeiten insbesondere von mittelständischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bei der Suche nach Ersatzkräften Rechnung tragen.

Dabei müssen sich Eltern für die ersten zwei Jahre festlegen. Haben Sie sich etwa für eine einjährige Elternzeit entschieden, ist eine anschließende Verlängerung um ein weiteres Jahr (oder eine vorzeitige Beendigung) nur noch mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.

Ohnehin ist es ratsam, Elternzeit nur für maximal zwei Jahre anzumelden, um flexibel zu bleiben. Prinzipiell aber brauchen Sie für die Elternzeit nicht die Zustimmung des Arbeitgebers, sofern das Kind das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Für den Antrag auf Elternzeit gibt es kein offizielles Formular. Die gewünschte Elternzeit teilen Sie dem Arbeitgeber fristgerecht, schriftlich und formlos mit.

Wichtig: Lassen Sie sich den Elternzeit Antrag beziehungsweise die Anmeldung der Elternzeit vom Arbeitgeber immer schriftlich bestätigen, um spätere Missverständnisse auszuschließen.

Elternzeit und Mutterschutz

Elternzeit: MutterschutzDie Mutter kann erst nach Ablauf der gesetzlichen Mutterschutzfrist ihre Elternzeit beginnen. Denn die Mutterschutzfrist wird auf die Elternzeit angerechnet. Das bedeutet, dass die ersten zwei Monate der Elternzeit schon laufen, während die Mutter noch im Mutterschutz ist. Das führt allerdings nicht zu einer Verlängerung der Elternzeit über das dritte Lebensjahr hinaus führen.

Der Vater hingegen kann seine Elternzeit ab der Geburt des Kindes schon während der Mutterschutzfrist beginnen.

So planen Eltern ihre Abwesenheit

Ihre individuelle Vorbereitung der Elternzeit ist dabei nicht nur für den Arbeitgeber, sondern vor allem für Ihre eigene Sicherheit und Ruhe wichtig. Nur wenn Sie gut vorbereitet in die Auszeit gehen, können Sie sich – zumindest weitgehend – sicher sein, dass Sie nach Ihrer Rückkehr keine unangenehmen Überraschungen erleben und Ihre Kollegen durch Ihre Abwesenheit nicht in Probleme laufen.

Für die Vorbereitung der Elternzeit hat sich ein dreistufiger Prozess bewährt:

  1. Schritt: Plan erstellen

    Klären Sie, unbedingt auch mit Ihrem Partner, wie lange wer von Ihnen in Elternzeit gehen will, wer sich um welche Aufgaben kümmern wird und wer wann wieder in den Job zurückkehrt. Hier spielt natürlich auch die finanzielle Situation eine wichtige Rolle.

  2. Schritt: Arbeitgeber informieren

    Den Antrag auf Elternzeit müssen Sie zwar schriftlich stellen, dennoch sollten Sie das Thema mit Ihrem Arbeitgeber in einem Vier-Augen-Gespräch persönlich klären. Im Vorfeld sollten Sie natürlich einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen und auf möglicherweise wichtige Klauseln achten.

    Entscheidend ist, dass Sie sich nicht rechtfertigen, sondern Ihrem Chef über Ihren Wunsch informieren und konstruktive Vorschläge mitbringen.

    Auch sollten Sie Ihren Arbeitgeber vorab informieren, wenn Sie nach der Elternzeit in Teilzeit weiterarbeiten wollen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Arbeitgeber den Teilzeitwunsch später aus betrieblichen Gründen ablehnt.

  3. Schritt: Arbeit übergeben

    Die konstruktiven Vorschläge, die Sie Ihrem Arbeitgeber (hoffentlich) unterbreiten, sollten vor allem Ansätze für die Einarbeitung möglicher Vertreter und die Übergabe Ihrer laufenden Projekte beinhalten. Ihre Abwesenheit wird natürlich einige Veränderungen nötig machen, die Sie bestmöglich vorbereiten und unterstützen sollten.

Arbeiten während der Elternzeit

Ihr Gehalt bekommen Sie während der Elternzeit natürlich nicht weitergezahlt, dafür aber Elterngeld. Wer sich offiziell in Elternzeit befindet, kann weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Diese darf allerdings 30 Wochenstunden nicht überschreiten. Eine Pflicht zur Unterbrechung der Erwerbstätigkeit ist mit der Elternzeit jedenfalls nicht verbunden.

Gehen beide Elternteile in Elternzeit, können sowohl Vater als auch Mutter 30 Wochenstunden arbeiten – zusammen also 60 Stunden pro Woche.

Offensichtlicher Vorteil: Das Familieneinkommen bleibt gesichert, auch im Betrieb halten Sie Anschluss.

Daneben haben Sie einen Rückkehranspruch, können also nach Ende der Elternzeit wieder zu Ihrer vorherigen Arbeitszeit zurückkehren. Bedeutet: Wer zuvor in Vollzeit gearbeitet hat, darf nach der Elternzeit nicht vom Arbeitgeber auf eine Teilzeitstelle zwangsversetzt werden.

Tipps für Freiberufler

Elternzeit: Tipps für FreiberuflerTeilzeitarbeit ist während der Elternzeit sowohl für Arbeitnehmer als auch für Freelancer möglich. Die Voraussetzung: Die Arbeitszeit darf nicht mehr als 30 Stunden pro Woche betragen, Freiberufler und Selbstständige müssen dies entsprechend nachweisen.

Und genau an diesem Punkt wird es oftmals kompliziert. Ein offenbar beliebter Trick ist etwa, Rechnungen so zu verschieben, dass sie nicht in die Elternzeit fallen.

Doch Vorsicht: Beim Finanzamt kann man mit derartigen Spielchen in die Bredouille geraten, bei Kunden womöglich Unverständnis auslösen. Grundsätzlich lässt eine Vielzahl von Erfahrungsberichten den Rückschluss zu, dass gerade Freiberufler einen erheblichen Mehraufwand haben, wenn sie Elternzeit und Elterngeld beantragen.

Klären Sie also im Voraus ab, wie und in welcher Form die Nachweise erfolgen müssen und welche Dokumentation der Arbeitszeit von der Behörde gefordert wird. Lassen Sie sich außerdem idealerweise schriftlich geben, in welchem Rhythmus Sie den Nachweise Ihrer Arbeitszeit erbringen müssen und wer Ihr Ansprechpartner während der Elternzeit ist.

Ist eine Kündigung erlaubt?

Ganz wichtig: Sie genießen während der Elternzeit Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber kann Sie ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie die Elternzeit anmelden, frühestens jedoch acht Wochen vor Beginn der Elternzeit, nicht kündigen.

Im Umkehrschluss heißt das: Beantragen Sie Elternzeit nicht zu früh! Erst recht nicht, wenn Sie Ihrem Chef nicht so recht über den Weg trauen.

Eine Neuerung: Für Geburten ab dem 1. Juli 2015 beginnt der Kündigungsschutz 14 Wochen vor der Elternzeit – aber nur dann, wenn Sie die Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nehmen.

Nur in groben Härtefällen sind Kündigungen auch während der Elternzeit möglich. Und mit Ablauf der Elternzeit endet auch wieder Ihr Kündigungsschutz.

Elternzeit und Elterngeld

Elternzeit ElterngeldElternzeit und Elterngeld sind zwei von einander unabhängige Sozialleistungen, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützen sollen. Bei der Elternzeit handelt es sich um unbezahlte Freistellung von der Arbeit nach der Geburt des Kindes durch den Arbeitgeber.

Das Elterngeld hingegen wird von staatlichen Elterngeldstellen ausgezahlt und soll den Lohnausfall der Eltern in der Zeit der Erziehung des Kindes bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Die Höhe des Elterngeldes berechnet sich auf der Grundlage des Nettoeinkommens.

Weitere Tipps und Hintergrund-Informationen zum Elterngeld finden Sie hier:

Rückkehr aus der Elternzeit: Die ersten Tage im Job

Auch wenn Sie bereits während der Elternzeit alle Vorkehrungen getroffen haben, kann die Rückkehr in den alten Job mit gemischten Gefühlen verbunden sein. Auf der einen Seite freuen Sie sich (hoffentlich) darauf, die Kollegen wiederzusehen.

Auf der anderen hat sich Ihr Arbeitsplatz möglicherweise verändert, vielleicht sind neue Kollegen dazu gekommen. Mögliche Folge: Maximale Verunsicherung. Hier einige Tipps für den erfolgreichen Wiedereinstieg:

  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Chef

    Machen Sie sich die eigenen Wünsche klar und sprechen Sie diese Ihrem Chef gegenüber an. Möchten Sie auch weiterhin in Vollzeit arbeiten oder würden Sie gerne erst einmal in Teilzeit einsteigen wollen? Klären Sie auch ab, ob Sie in Ihrer alten Position richtig aufgehoben sind oder in Zukunft eine Veränderung anstreben.

  • Zeigen Sie von Anfang an Engagement

    Steigen Sie wieder voll ein und bieten Sie von selbst an, Aufgaben zu übernehmen und sich einzubringen. Mit Eigeninitiative zeigen Sie, wie motiviert Sie sind. Haben Sie das Gefühl, dass sich einiges verändert hat, seitdem Sie das letzte Mal da waren, bitten Sie um eine Einarbeitung.

  • Lassen Sie sich Zeit

    Kommen Sie nach einer längeren Abwesenheit wieder, wird es einige Zeit dauern, bis Sie Ihren Arbeitsrhythmus wiedergefunden und sich erneut ins Team eingefunden haben. Setzen Sie sich nicht gleich in den ersten Tagen zu großem Druck aus. Gönnen Sie sich eine Zeit der Eingewöhnung.

    Es ist auch keine Schande, den Kollegen gegenüber einzugestehen, dass Sie gerade am Anfang noch Unterstützung brauchen. Nehmen Sie die Hilfsangebote Ihrer Kollegen an.

  • Gehen Sie auf Ihre Kollegen zu.

    Die Kollegen nach der Auszeit wiederzusehen, kann ganz unterschiedlich ablaufen. Mit einigen werden Sie sich auf Anhieb wieder gut verstehen. Bei anderen kann eine befremdliche Distanz entstanden sein. Warten Sie nicht darauf, dass Ihre Kollegen auf Sie zugehen. Machen Sie den ersten Schritt und erkundigen Sie sich, was sich in Ihrer Abwesenheit verändert hat und betreiben Sie ruhig ein bisschen Smalltalk.

    Nutzen Sie die Mittagspause oder auch mal ein Feierabendbier dafür, alte Kollegen neu kennenzulernen.

  • Sprechen Sie nicht nur über Ihre Kinder

    Natürlich spielt Ihr Kind die neue Hauptrolle in Ihrem Leben. Doch müssen Sie nicht zwingend erzählen, wer was in der Krabbelgruppe hat fallen lassen. Im Arbeitsumfeld sollte der Nachwuchs nicht Ihr einziges Thema sein. Immer mal wieder eine lustige Geschichte erzählen? Ja, gerne! Doch wer nur noch über seine Sprösslinge spricht, nervt die Kollegen irgendwann.

  • Gehen Sie Selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um

    In Ihrem Umfeld wird es immer Menschen geben, die Ihre Entscheidung, in den Job zurückzukehren, kritisieren werden. Sie werden Ihnen vorwerfen, viel zu früh, viel zu spät oder überhaupt wieder eingestiegen zu sein. Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um und lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden.

Jobwechsel nach Elternzeit

Jobwechsel nach ElternzeitDie ersten Tage im Job waren nicht das Gelbe vom Ei und wenn Sie ehrlich sind, denken Sie schon länger darüber nach, den aktuellen Job zu kündigen.

Bevor Sie diese Entscheidung überstürzt treffen, empfehlen wir Ihnen unseren Überblick zum Thema Jobwechsel nach Elternzeit: Pro und Contra, den Sie sich HIER herunterladen können.

Außerdem haben wir nützliche Tipps zum Thema Elternzeit im Lebenslauf, die Sie sich HIER herunterladen können.

Und last but not least können wir Ihnen unseren umfangreichen Artikel zum Jobwechsel nach der Elternzeit ans Herz legen:

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[Bildnachweis: Rido by Shutterstock.com]
1. Oktober 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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