Elternzeit: Tipps + Regelungen zu Anspruch, Dauer & Aufteilung

Elternzeit ist die unbezahlte Freistellung von Arbeitnehmern nachdem diese Nachwuchs bekommen haben. Die gesetzlichen Regelungen zu Anspruch und Dauer helfen Müttern und Vätern Beruf und Familie zu vereinbaren: Die erste Zeit im Leben komplett für das Kind da sein, ohne beruflich benachteiligt zu werden. Was Sie über die Elternzeit wissen müssen: Alles zu Antrag, Dauer, Beginn und Teilzeit erfahren Sie hier…

Elternzeit: Tipps + Regelungen zu Anspruch, Dauer & Aufteilung

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Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Anspruch auf Elternzeit haben alle Mütter und Väter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, mit dem Kind im gleichen Haushalt leben und es (überwiegend) selbst betreuen und erziehen. Das Recht ist unabhängig vom Arbeitsverhältnis. Es gilt bei…

Wird der Anspruch während eines befristeten Vertrags geltend gemacht, verlängert sich dieser nicht automatisch. Allerdings kann es dazu Ausnahmen geben, etwa während einer Ausbildung.

Betreuung durch Verwandte

Nicht nur leibliche Eltern können die Betreuungszeit beanspruchen. Die Möglichkeit besteht auch für andere Verwandte des Kindes, wenn die Eltern beispielsweise aufgrund einer schweren Krankheit die Betreuung nicht leisten können. Zudem können Großeltern unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Elternzeit haben (§ 15 Absatz 1a Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz):

  • Das Enkelkind lebt im Haushalt der Großeltern.
  • Ein Elternteil ist minderjährig oder
  • ein Elternteil befindet sich in einer Ausbildung, die vor dem 18. Geburtstag begonnen wurde.
  • Beide Elternteile nehmen selbst keine Elternzeit.

Allerdings haben Großeltern keinen Anspruch auf Elterngeld, wenn sie die Elternzeit beanspruchen.

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Dauer: Wie lange kann man in Elternzeit gehen?

Eltern können für jedes Kind bis zu maximal drei Jahre in Elternzeit gehen. Das soll eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Mütter und Väter können sich zeitgleich oder nacheinander von der Arbeit freistellen lassen.

Als Mutter des Kindes wird Ihnen der Mutterschutz auf die Dauer angerechnet. Heißt: Elternzeit und Mutterschutz betragen insgesamt drei Jahre. Gehen Sie direkt im Anschluss an den Mutterschutz in die Elternzeit, können Sie bis zum Tag vor dem dritten Geburtstag Ihres Kindes unbezahlt freigestellt werden.

Kann man die Elternzeit aufteilen?

Wie und wann Sie die Elternzeit nehmen, bleibt grundsätzlich Ihnen überlassen. Sie können vom ersten Tag an zuhause bleiben oder erst zu einem späteren Zeitpunkt den Anspruch nutzen. Auch können Sie nur einige Wochen, Monate oder gleich die vollen drei Jahre nutzen. Wie viele Abschnitte die Elternzeit betragen darf, hängt vom Geburtstag des Kindes ab:

  • Bei einer Geburt nach dem 1. Juli 2015 dürfen Sie maximal drei Abschnitte Elternzeit nehmen.
  • Bei einer Geburt vor dem 1. Juli 2015 dürfen Sie maximal zwei Abschnitte Elternzeit nehmen.
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Antrag Elternzeit: Wie kann ich sie anmelden?

Spätestens sieben Wochen vor Antritt müssen Sie die Elternzeit schriftlich beim Unternehmen beantragen. Bei diesem Antrag müssen Sie sich für die ersten zwei Jahre festlegen. Für Elternzeit zwischen dem dritten und neunten Geburtstag des Kindes verlängert sich die Frist auf 13 Wochen. Weitere wichtige Informationen zum Antrag auf Elternzeit:

  • Arbeitgeber darf den Antrag nicht ablehnen.
  • Zeitraum oder Abschnitte für die ersten zwei Jahre müssen klar festgelegt werden.
  • Antrag erfolgt fristgerecht, schriftlich und formlos – kein offizielles Formular.
  • E-Mail reicht NICHT aus. Antrag braucht eine handschriftliche Unterschrift für den Kündigungsschutz (BAG Urteil, Az. 9 AZR 145/15).
  • Bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung.

Muster für einen Antrag auf Elternzeit

Elternzeitantrag vor der Geburt

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich Elternzeit zur Betreuung und Erziehung meines Kindes (Name des Kindes). Da mein Kind am TT.MM.JJJJ geboren wurde, en­det die acht­wö­chi­ge Mut­ter­schutz­frist am TT.MM.JJJJ. Daher beantrage ich eine zweijährige El­tern­zeit un­ter Ein­be­rech­nung der Mut­ter­schutz­frist, beginnend am TT.MM.JJJJ.

Ich stehe Ihnen dann ab dem TT.MM.JJJJ wie­der zur Ver­fü­gung. Bit­te be­stä­ti­gen Sie mir den Ein­gang des An­trags auf schriftlichem Wege.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Martina Musterfrau

Elternzeitantrag nach der Geburt

Sehr geehrter Herr Vorgesetzter,
hiermit teile ich Ihnen mit, dass ich nach der Geburt und Ablauf der Mutterschutzfrist für einen Zeitraum von XY Monate/Jahre in Elternzeit gehen werde. Der ermittelte Geburtstermin ist der TT.MM.JJJJ. Somit kehre ich am TT.MM.JJJJ an meinen Arbeitsplatz zurück.

Sollte sich der Geburtszeitpunkt und damit der Zeitraum meiner Elternzeit ändern, gebe ich Ihnen schnellstmöglich Bescheid. Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt dieses Antrags. Bei weiteren Fragen kommen Sie gerne auf mich zu.

Mit freundlichen Grüßen
Max Mustermann

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Kündigungsschutz in der Elternzeit

Sie genießen während der Elternzeit einen besonderen Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber kann Sie ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie diese anmelden (frühestens jedoch acht Wochen vor Beginn) nicht kündigen. Deshalb gilt: Beantragen Sie die Freistellung nicht zu früh! Für Betreuungszeiten nach dem dritten Geburtstag des Kindes beginnt der Kündigungsschutz 14 Wochen vor Beginn der Freistellung.

Der besondere Kündigungsschutz endet mit der Rückkehr. Wollen Sie als Arbeitnehmer selbst kündigen, gelten dafür in der Regel die gesetzlichen Kündigungsfristen. Eine Ausnahme: Wollen Sie zum Ende der Elternzeit kündigen, müssen Sie eine dreimonatige Kündigungsfrist einhalten.

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Besteht ein Recht auf Teilzeitarbeit?

Eltern können bis zu 30 Stunden pro Woche einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Auf die reduzierte Arbeitszeit gibt es einen gesetzlichen Anspruch. Dieser ist jedoch an einige Bedingungen geknüpft. Sind die folgenden Voraussetzungen gegeben, muss Ihr Arbeitgeber Sie auf Ihren Wunsch während der Elternzeit in Teilzeit beschäftigen:

  • Größe
    Das Unternehmen hat mehr als 15 dauerhaft beschäftigte Angestellte (ohne Auszubildende oder Praktikanten).
  • Dauer
    Sie sind länger als ein halbes Jahr ununterbrochen bei dem Unternehmen beschäftigt.
  • Umfang
    Sie planen mindestens für zwei Monate zwischen 15 und 30 Stunden die Woche zu arbeiten.
  • Machbarkeit
    Es sprechen keine dringenden betrieblichen Gründe gegen Ihren Teilzeitwunsch.

Zudem haben Sie einen Rückkehranspruch. Sie können nach Ende der Elternzeit wieder zu Ihrer vorherigen Arbeitszeit zurückkehren. Hatten Sie eine Vollzeitstelle, darf der Arbeitgeber Sie bei der Rückkehr nicht auf eine Teilzeitstelle versetzen.

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Elternzeit und Elterngeld

Sofern berufstätige Eltern freigestellt zuhause bleiben, bekommen Sie während der Elternzeit kein Gehalt. Sie können aber Elterngeld erhalten. Elternzeit und Elterngeld sind zwei von einander unabhängige Sozialleistungen:

  • Elternzeit ist die unbezahlte Freistellung von der Arbeit nach der Geburt des Kindes.
  • Elterngeld wird von staatlichen Elterngeldstellen ausgezahlt und soll den Lohnausfall der Eltern bis zu einem gewissen Grad kompensieren.

Zur finanziellen Absicherung während der Elternzeit bekommen Mütter oder Väter monatlich 67 Prozent des bisherigen Einkommens. Im Basiselterngeld wird dies für bis zu 14 Monate gezahlt. Durch das sogenannte ElterngeldPlus kann der Bezugszeitraum verdoppelt werden.

Dabei wird jedoch die Höhe des Elterngeldes halbiert. Wird jedoch nach der Geburt in Teilzeit gearbeitet, kann das ElterngeldPlus genauso hoch wie das Basiselterngeld in Teilzeit ausfallen.

Häufige Fragen zur Elternzeit

„Gibt es Einschränkungen beim Anspruch?“

Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Anspruch auf Elternzeit, wenn ihre Kinder im eigenen Haushalt leben und sie für die Erziehung verantwortlich sind. Arbeitslose, Ehrenamtliche, Beschäftigte in einem Freiwilligendienst sowie Studenten und Schüler haben hingegen keinen Anspruch.

„Muss der Chef mir meinen alten Arbeitsplatz zurückgeben?“

Der Rückkehranspruch bezieht sich auf die Arbeitszeiten und Ihr Gehalt. Einen rechtlichen Anspruch auf exakt die Stelle, die Sie vor der Elternzeit innehatten, haben Sie nicht. Es kann Ihnen also passieren, dass bei der Rückkehr eine ähnliche – gleichwertige – Stelle zugewiesen bekommen. Ausnahme: Ihr Arbeitsvertrag regelt konkret solche Fälle.

„Wie lange darf die Elternzeit bei mehreren Kindern sein?“

Sie dürfen pro Kind maximal drei Jahre Elternzeit nehmen. Wer innerhalb dieser Phase weitere Kinder bekommt, kann für jedes Kind wieder aufs Neue Elternzeit beantragen.

„Gibt es in der Zeit einen Urlaubsanspruch?“

Während Sie freigestellt sind, haben Sie keinen Urlaubsanspruch (und kein Recht auf Sonderurlaub) – jeder Monat mindert Ihren Anspruch um ein Zwölftel. Besteht jedoch zu Beginn der Elternzeit noch ein Urlaubsguthaben, verfällt dieses nicht und kann im Anschluss genommen werden. Dies gilt ebenso für Beschäftigte in Teilzeit. Sollten Sie während oder nach der Betreuungszeit kündigen, wird Ihnen der Urlaub ausgezahlt.

„Was gilt bei Krankheit während der Elternzeit?“

Rein rechtlich ändert eine Krankheit nichts an Ihrer Elternzeit. Der Zeitpunkt der Rückkehr bleibt gleich. Sie erhalten keinerlei Lohnfortzahlung. Anders sieht es aus, wenn Sie in Teilzeit weiter arbeiten gehen. Sie erhalten dann – wie vorher auch – während Ihrer Krankheit die Lohnfortzahlung in Höhe Ihres Teilzeitgehaltes.

„Wie wirkt sich Elternzeit auf die Sozialversicherungen aus?“

Wer pflicht- und familienversichert in der gesetzlichen Krankenkasse ist, bleibt auch für die Elternzeit beitragsfrei krankenversichert. Sind Sie hingegen freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, müssen Sie weiterhin Beiträge entrichten. Sind Sie Mitglied einer privaten Krankenkasse, müssen Sie (inklusive Arbeitgeberanteil) während der Elternzeit sämtliche Beträge selbst zahlen.

Für die ersten drei Jahre wird die Elternzeit als Erziehungszeit den Müttern in der gesetzlichen Rentenversicherung besonders angerechnet. Sie müssen keine Beiträge zahlen, die werden stattdessen vom Bund übernommen. Wer dennoch in Teilzeit arbeiten geht, steigert zusätzlich seine Rentenansprüche.

„Lässt sich die Elternzeit vorzeitig beenden?“

Ja, mit Zustimmung des Arbeitgebers. Dieser kann aber aus betrieblichen Gründen ablehnen. Hat der Arbeitgeber die Stelle für die Übergangszeit befristet neu besetzt hat, kann die Stelle möglicherweise nicht doppelt besetzt werden.

Tipps für die Rückkehr aus Elternzeit

Nach längerer beruflicher Pause ist die Rückkehr nicht immer leicht. Zum Abschluss deshalb einige Tipps für den erfolgreichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit:

  • Sprechen Sie frühzeitig mit dem Chef
    Machen Sie sich die eigenen Wünsche klar und sprechen Sie diese Ihrem Chef gegenüber an. Möchten Sie weiterhin in Vollzeit arbeiten oder in Teilzeit zurückkehren? Klären Sie ab, ob Sie in Ihrer alten Position richtig aufgehoben sind oder eine Veränderung anstreben.
  • Zeigen Sie Engagement
    Steigen Sie wieder voll ein und bieten Sie von selbst an, Aufgaben zu übernehmen und sich einzubringen. Mit Eigeninitiative zeigen Sie, wie motiviert Sie sind. Haben Sie das Gefühl, dass sich einiges verändert hat, seitdem Sie das letzte Mal da waren, bitten Sie um eine Einarbeitung.
  • Lassen Sie sich Zeit
    Kommen Sie nach einer längeren Abwesenheit wieder, wird es einige Zeit dauern, bis Sie Ihren Arbeitsrhythmus wiedergefunden und sich ins Team eingefunden haben. Setzen Sie sich nicht gleich in den ersten Tagen zu großem Druck aus. Erlauben Sie sich eine Zeit der Eingewöhnung.
  • Gehen Sie auf Kollegen zu
    Die Kollegen nach der Auszeit wiederzusehen, kann ganz unterschiedlich ablaufen. Mit einigen verstehen Sie sich gleich wieder gut. Bei anderen ist eine befremdliche Distanz entstanden. Warten Sie nicht darauf, dass Ihre Kollegen auf Sie zugehen. Machen Sie den ersten Schritt und erkundigen Sie sich, was sich in Ihrer Abwesenheit verändert hat.
  • Sprechen Sie nicht nur über Ihre Kinder
    Natürlich spielt Ihr Kind die neue Hauptrolle in Ihrem Leben. Doch müssen Sie nicht zwingend erzählen, wer was in der Krabbelgruppe hat fallen lassen. Im Arbeitsumfeld sollte der Nachwuchs nicht Ihr einziges Thema sein. Ab und an eine lustige Geschichte erzählen? Ja, gerne! Wer hingegen nur noch über seine Sprösslinge spricht, nervt die Kollegen irgendwann.
  • Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung
    In Ihrem Umfeld wird es immer Menschen geben, die Ihre Entscheidung, in den Job zurückzukehren, kritisieren werden. Sie werden Ihnen vorwerfen, viel zu früh, viel zu spät oder überhaupt wieder eingestiegen zu sein. Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um und lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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25. November 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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