Elternzeit: Antrag, Anspruch, Dauer, Elterngeld

Elternzeit wird die unbezahlte Freistellung von der Arbeit genannt, wenn Arbeitnehmer Eltern geworden sind. Sie soll Müttern und Vätern dabei helfen, sich um die Familie kümmern zu können.

Im Idealfall bekommen Arbeitnehmer Kinder und Beruf unter einen Hut, ohne die individuellen Karrierechancen aufs Spiel zu setzen. Die gesetzlichen Regelungen zu Anspruch, Länge und Finanzierung der Elternzeit sollen Erziehungsberechtigten die Verknüpfung beider Lebensbereiche ermöglichen.

So gibt die Elternzeit den Eltern die Chance, die ersten Lebensmonate des Kindes ganz bewusst zu erleben, ohne die eigenen Karriere- und Jobchancen zu beeinträchtigen.

Was Sie über die Elternzeit wissen müssen: Antrag, Beginn oder Teilzeit, erfahren Sie hier…

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Elternzeit: Antrag, Anspruch, Dauer, Elterngeld

Wer hat Anspruch auf Elternzeit?


Anspruch auf Elternzeit haben alle Mütter und Väter, die in einem Arbeitsverhältnis stehen, mit dem Kind im gleichen Haushalt leben und es (überwiegend) selbst betreuen und erziehen.



Daneben gilt es weitere Konstellationen, in denen Elternzeit möglich ist.

Zum Beispiel können die Elternzeit auch Arbeitnehmer beantragen, die folgende Kinder betreuen:

  • das Kind eines Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners
  • Adoptivkinder
  • Schwester, Bruder, Nichte, Neffe oder Enkelkind bei schwerer Krankheit oder Tod der Eltern

Ebenfalls wichtig: Die Elternzeit kann unabhängig vom Arbeitsverhältnis genommen werden, also bei…


Achtung: Befristete Verträge verlängern sich durch die Elternzeit NICHT. Allerdings gibt es hier Ausnahmen. Zum Beispiel für wissenschaftliche Mitarbeiter und Auszubildende.


Wie kann ich Elternzeit anmelden?


Vater oder Mutter der Kindes müssen ihre Elternzeit (spätestens) sieben Wochen vor Antritt schriftlich beim Arbeitgeber beantragen. Dabei müssen sich Eltern für die ersten zwei Jahre festlegen.



Wird die Elternzeit zwischen dem dritten und dem neunten Geburtstag des Kindes bekommen, verlängert sich die Frist. In diesem Fall liegt sie bei 13 Wochen.

Das Bundesfamilienministerium will damit „organisatorischen Schwierigkeiten insbesondere von mittelständischen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern bei der Suche nach Ersatzkräften Rechnung tragen“.

Haben Sie sich wiederum für eine einjährige Elternzeit entschieden, ist eine anschließende Verlängerung um ein weiteres Jahr (oder eine vorzeitige Beendigung) nur noch mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.

Es ist ratsam, Elternzeit nur für maximal zwei Jahre anzumelden, um flexibel zu bleiben.

Prinzipiell brauchen Sie für die Elternzeit nicht die Zustimmung des Arbeitgebers, sofern das Kind das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

Für den Antrag auf Elternzeit gibt es kein offizielles Formular. Die gewünschte Elternzeit teilen Sie dem Arbeitgeber fristgerecht, schriftlich und formlos mit.

Zum Beispiel mit dieser Formulierung:

Musterschreiben: Elternzeit Antrag Formulierung


Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantrage ich Elternzeit zur Betreuung und Erziehung meines Kindes (Name des Kindes). Da mein Kind am TT.MM.JJJJ geboren wurde, en­det die acht­wö­chi­ge Mut­ter­schutz­frist am TT.MM.JJJJ. Daher beantrage ich eine zweijährige El­tern­zeit un­ter Ein­be­rech­nung der Mut­ter­schutz­frist, beginnend am TT.MM.JJJJ.

Ich stehe Ihnen dann ab dem TT.MM.JJJJ wie­der zur Ver­fü­gung. Bit­te be­stä­ti­gen Sie mir den Ein­gang des An­trags auf schriftlichem Wege.

Mit freund­li­chen Grü­ßen



Wichtig: Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Urteil vom 10. Mai 2016, Az. 9 AZR 145/15) reicht keine Mail dafür aus. Ihr Schreiben muss Ihre handschriftliche Unterschrift tragen, damit der Kündigungsschutz gewährleistet ist!

Lassen Sie sich den Elternzeit-Antrag beziehungsweise die Anmeldung der Elternzeit vom Arbeitgeber immer schriftlich bestätigen, um spätere Missverständnisse (oder Erinnerungslücken) auszuschließen.


Elternzeit und Mutterschutz

Die Mutter kann erst nach Ablauf der gesetzlichen Mutterschutzfrist ihre Elternzeit beginnen. Denn die Mutterschutzfrist wird auf die Elternzeit angerechnet. Das bedeutet, dass die ersten zwei Monate der Elternzeit schon laufen, während die Mutter noch im Mutterschutz ist.

Das führt allerdings nicht zu einer Verlängerung der Elternzeit über das dritte Lebensjahr hinaus. Der Vater hingegen kann seine Elternzeit ab der Geburt des Kindes schon während der Mutterschutzfrist beginnen.


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Wie kann ich meine Elternzeit planen?

Ihre individuelle Vorbereitung der Elternzeit ist dabei nicht nur für den Arbeitgeber, sondern vor allem für Ihre eigene Sicherheit und Ruhe wichtig. Nur wenn Sie gut vorbereitet in die Auszeit gehen, können Sie sich – zumindest weitgehend – sicher sein, dass Sie nach Ihrer Rückkehr keine unangenehmen Überraschungen erleben und Ihre Kollegen durch Ihre Abwesenheit nicht in Probleme laufen.

Für die Vorbereitung der Elternzeit hat sich ein dreistufiger Prozess bewährt:

  1. Schritt: Plan erstellen
    Klären Sie, unbedingt mit Ihrem Partner, wie lange wer von Ihnen in Elternzeit gehen will, wer sich um welche Aufgaben kümmern wird und wer wann wieder in den Job zurückkehrt. Hier spielt die finanzielle Situation eine wichtige Rolle.
  2. Schritt: Arbeitgeber informieren
    Den Antrag auf Elternzeit müssen Sie zwar schriftlich stellen, dennoch sollten Sie das Thema mit Ihrem Arbeitgeber in einem Vier-Augen-Gespräch persönlich klären. Im Vorfeld sollten Sie natürlich einen Blick in Ihren Arbeitsvertrag werfen und auf möglicherweise wichtige Klauseln achten.

    Entscheidend ist, dass Sie sich nicht rechtfertigen, sondern Ihrem Chef über Ihren Wunsch informieren und konstruktive Vorschläge mitbringen.

    Überdies sollten Sie Ihren Arbeitgeber vorab informieren, wenn Sie nach der Elternzeit in Teilzeit weiterarbeiten wollen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Arbeitgeber den Teilzeitwunsch später aus betrieblichen Gründen ablehnt.

  3. Schritt: Arbeit übergeben
    Die konstruktiven Vorschläge, die Sie Ihrem Arbeitgeber (hoffentlich) unterbreiten, sollten vor allem Ansätze für die Einarbeitung möglicher Vertreter und die Übergabe Ihrer laufenden Projekte beinhalten. Ihre Abwesenheit wird natürlich einige Veränderungen nötig machen, die Sie bestmöglich vorbereiten und unterstützen sollten.

Wie lange ist Elternzeit möglich?

Mit der Elternzeit hat sowohl die Mutter als auch der Vater die Möglichkeit, sich von der Arbeit befreien zu lassen beziehungsweise reduziert zu arbeiten. Sie ist dafür gedacht, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Dies gilt nach der Geburt des Kindes für maximal drei Jahre.

Als Mutter des Kindes wird Ihnen dabei der Mutterschutz angerechnet, das heißt, Elternzeit und Mutterschutz betragen insgesamt drei Jahre. Gehen Sie direkt im Anschluss an den Mutterschutz in die Elternzeit, können Sie bis zum Tag vor dem dritten Geburtstag Ihres Kindes in Elternzeit bleiben.

Das gleiche gilt für den Vater, der beispielsweise unmittelbar nach der Geburt zuhause bleiben möchte. Hier gilt die Elternzeit mit der Geburt bis einschließlich (maximal) einen Tag vor dem dritten Geburtstag.

Wie und wann Sie die Elternzeit nehmen, bleibt Ihnen überlassen. Sie können vom ersten Tag an nur wenige Tage, Wochen oder Monate oder eben die vollen drei Jahre nehmen.

Besonderheiten gelten allerdings ab dem dritten Geburtstag des Kindes. Wer sich entscheidet, dann in Elternzeit zu gehen, hat lediglich zwei Jahre dafür. Wer vor dem 1. Juli 2015 sein Kind zur Welt gebracht hat und nun Elternzeit nehmen möchte, hat dafür sogar nur 12 Monate.

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Besteht ein Recht auf Teilzeitarbeit?

Wenn Sie Elternzeit nehmen, müssen Sie übrigens nicht die ganze Zeit zuhause bleiben:


Wer sich offiziell in Elternzeit befindet, kann weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Diese darf allerdings 30 Wochenstunden nicht überschreiten.



Eine Pflicht zur Unterbrechung der Erwerbstätigkeit ist mit der Elternzeit nicht verbunden. Genauso wenig dürfen Sie allerdings gleichzeitig in Vollzeit tätig sein. Das würde dem Grundgedanken der Elternzeit zuwider laufen, somit ist die Höchstarbeitszeit gesetzlich festgelegt.

Gehen beide Elternteile in Elternzeit, können sowohl Vater als auch Mutter 30 Wochenstunden arbeiten – zusammen also 60 Stunden pro Woche. Offensichtlicher Vorteil: Das Familieneinkommen bleibt gesichert, im Betrieb halten Sie ebenfalls Anschluss.

Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf reduzierte Arbeitszeit in der Elternzeit. Dafür müssen Sie allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

DauerSie sind länger als ein halbes Jahr ununterbrochen bei dem Unternehmen beschäftigt.
GrößeDas Unternehmen hat mehr als 15 dauerhaft beschäftigte Angestellte (ohne Auszubildende oder Praktikanten).
UmfangSie planen mindestens für zwei Monate und wenigstens 15, höchstens 30 Stunden die Woche zu arbeiten.
MachbarkeitEs sprechen keine dringenden betrieblichen Gründe gegen Ihren Teilzeitwunsch.



Das heißt für Sie je nach Ausgangslage:

  • 30 Stunden Teilzeitarbeit
    Haben Sie bereits vor der Elternzeit in Teilzeit bis zu 30 Stunden gearbeitet, können Sie diese Teilzeitarbeit auch währenddessen fortsetzen. Dafür müssen Sie Ihren Arbeitgeber bei Anmeldung der Elternzeit lediglich darüber informieren, dass Sie und ab wann Sie weiterarbeiten werden. Eine Zustimmung Ihres Chefs ist nicht erforderlich. Zustimmen muss er erst, wenn Sie später entscheiden, die Teilzeitarbeit fortzusetzen.
  • Reduzierte Teilzeitarbeit
    Sie haben bisher in Teilzeit gearbeitet, wollen aber Ihre wöchentliche Arbeitszeit weiter reduzieren? Dann gelten für Sie dieselben Bedingungen wie für Arbeitnehmer, die einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen und einen Teilzeitwunsch haben (siehe obige Tabelle). Während der Elternzeit dürfen Sie zweimal die Zeiten Ihren Erfordernissen anpassen. Das heißt, Sie können die Arbeitszeit wahlweise erhöhen (auf maximal 30 Stunden) oder verringern (auf wenigstens 15 Stunden).

Daneben haben Sie einen Rückkehranspruch. Sie können also nach Ende der Elternzeit wieder zu Ihrer vorherigen Arbeitszeit zurückkehren.

Wer zuvor in Vollzeit gearbeitet hat, darf nach der Elternzeit nicht vom Arbeitgeber auf eine Teilzeitstelle versetzt werden.


Tipps für Freiberufler

Teilzeitarbeit ist während der Elternzeit sowohl für Arbeitnehmer als auch für Freelancer möglich. Die Voraussetzung: Die Arbeitszeit darf nicht mehr als 30 Stunden pro Woche betragen, Freiberufler und Selbstständige müssen dies entsprechend nachweisen.

Und genau an diesem Punkt wird es oftmals kompliziert. Ein offenbar beliebter Trick ist etwa, Rechnungen so zu verschieben, dass sie nicht in die Elternzeit fallen.

Doch Vorsicht: Beim Finanzamt kann man mit derartigen Spielchen in die Bredouille geraten, bei Kunden womöglich Unverständnis auslösen. Grundsätzlich lässt eine Vielzahl von Erfahrungsberichten den Rückschluss zu, dass gerade Freiberufler einen erheblichen Mehraufwand haben, wenn sie Elternzeit und Elterngeld beantragen.

Klären Sie also im Voraus ab, wie und in welcher Form die Nachweise erfolgen müssen und welche Dokumentation der Arbeitszeit von der Behörde gefordert wird. Lassen Sie sich außerdem idealerweise schriftlich geben, in welchem Rhythmus Sie den Nachweise Ihrer Arbeitszeit erbringen müssen und wer Ihr Ansprechpartner während der Elternzeit ist.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Elternzeit

  • Ist eine Kündigung während der Elternzeit erlaubt?
    Sie genießen während der Elternzeit Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber kann Sie ab dem Zeitpunkt, zu dem Sie die Elternzeit anmelden, frühestens jedoch acht Wochen vor Beginn der Elternzeit, nicht kündigen. Im Umkehrschluss heißt das: Beantragen Sie Elternzeit nicht zu früh! Erst recht nicht, wenn Sie Ihrem Chef nicht so recht über den Weg trauen.

    Nehmen Sie die Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes, beginnt der Kündigungsschutz 14 Wochen vor der Elternzeit. Nur in groben Härtefällen sind Kündigungen während der Elternzeit möglich. Und mit Ablauf der Elternzeit endet wieder der besondere Kündigungsschutz.
  • Gibt es Einschränkungen beim Recht auf Elternzeit?
    Grundsätzlich haben alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Anspruch auf Elternzeit, wenn ihre Kinder im eigenen Haushalt leben und sie für die Erziehung verantwortlich sind. Es ist nicht zwingend notwendig, sich die drei Jahre am Stück zu nehmen – ein Teil davon (maximal 24 Monate) lässt sogar auf die Zeit aufteilen beziehungsweise verschieben, wenn die Kinder zwischen den dritten und achten Lebensjahr sind.

    Arbeitslose, Ehrenamtliche, Beschäftigte in einem Freiwilligendienst sowie Studenten und Schüler haben allerdings keinen Anspruch auf Elternzeit.
  • Was tun, wenn der Chef die Elternteilzeit ablehnt?
    Ihr Chef kann dennoch die Teilzeit ablehnen – das muss er schriftlich tun. Allerdings braucht er dafür dringende betriebliche Gründe. Solche liegen vor, wenn eine Stelle nicht teilzeitgeeignet ist, weil beispielsweise Spezialwissen vorhanden sein muss, über das Teilzeitkräfte in der Regel nicht verfügen. Oder aber die Stelle ohnehin wegfallen würde.

    In solchen Fällen hat Ihr Arbeitgeber verschiedene Fristen abhängig von der Geburt Ihres Kindes zu beachten. Tut er das nicht, gilt die Elternteilzeit als genehmigt. Der 1. Juli 2015 gilt als Stichtag: Für Geburten davor muss Ihr Chef innerhalb von vier Wochen widersprechen, wenn Sie vor dem dritten Geburtstag Ihres Kindes in Teilzeit nehmen wollen. Auf acht Wochen verdoppelt sich die Frist, wenn Sie nach dem dritten Geburtstag Ihres Kindes in Teilzeit arbeiten wollen.

    Für Geburten nach dem 1. Juli 2015 hat er vier Wochen Zeit, Ihrem Antrag zu widersprechen. Ganz gleich, ob Sie vor oder nach dem dritten Geburtstag Ihres Kindes wieder die Arbeit aufnehmen wollen.
  • Muss der Chef mir meinen alten Arbeitsplatz zurückgeben?
    Der Rückkehranspruch nach der Elternzeit bezieht sich lediglich auf die Arbeitszeiten und Ihr Gehalt. Einen rechtlichen Anspruch auf exakt die Stelle, die Sie vor der Elternzeit innehatten, haben Sie nicht.

    Es kann Ihnen also passieren, dass Sie nach der Elternzeit eine ähnliche – gleichwertige – Stelle zugewiesen bekommen. Ausnahme: Ihr Arbeitsvertrag regelt konkret solche Fälle. Wer Kinder plant und in jedem Fall seine Stelle beibehalten möchte, sollte also frühzeitig mit dem Chef besprechen, wie das mit der Elternzeit geregelt werden kann.
  • Wie lange darf die Elternzeit bei mehreren Kindern sein?
    Es gilt die Regel, dass Sie sich pro Kind maximal drei Jahre Elternzeit nehmen dürfen. Diese kann auf insgesamt bis zu drei Zeitabschnitte verteilt werden, wobei als eigener Zeitabschnitt nur gilt, wenn Sie zwischenzeitlich wieder gearbeitet haben.

    Somit gilt eine Verlängerung eines Zeitabschnitts nicht als weiterer. Wer innerhalb der Elternzeit weitere Kinder bekommt, kann für jedes Kind wieder aufs Neue Elternzeit beantragen.
  • Ich habe noch Resturlaub. Was passiert damit?
    Für die Zeit, in der Sie in Elternzeit sind, haben Sie keinen Urlaubsanspruch (und kein Recht auf Sonderurlaub) – jeder Monat mindert also Ihren Anspruch um ein Zwölftel.

    Besteht jedoch zu Beginn der Elternzeit noch ein Urlaubsguthaben, so verfällt dies nicht und kann nach der Elternzeit noch genommen werden. Dies gilt ebenso für Beschäftigte in Teilzeit.

    Sollten Sie während oder nach der Elternzeit kündigen, wird Ihnen der Urlaub ausgezahlt.
  • Wie ist das mit Krankheit vor oder während der Elternzeit?
    Rein rechtlich ändert eine Krankheit nichts an Ihrer Elternzeit. Wenn Sie während der Elternzeit krank werden, verschiebt sich das Ende nicht. Sie erhalten keinerlei Lohnfortzahlung.

    Anders sieht es aus, wenn Sie in Teilzeit weiter arbeiten gehen. Sie erhalten dann – wie vor der Elternzeit – während Ihrer Krankheit die Lohnfortzahlung in Höhe Ihres Teilzeitgehaltes.

    Sollten Sie vor Beginn der Elternzeit erkranken, ist es ratsam, noch einmal mit Ihrem Arbeitgeber zu reden und zu versuchen, die Elternzeit zu verschieben. Dies bedarf aber zwar seiner Zustimmung und ist kein automatisches Grundrecht. Jedoch wird nur in den seltensten Fällen aus betrieblichen Gründen widersprochen.
  • Wie wirkt sich Elternzeit auf die Sozialversicherungen aus?
    Zunächst kommt es auf Ihren Versichertenstatus bei der Krankenkasse an: Wer pflicht- und familienversichert in der gesetzlichen Krankenkasse ist, bleibt auch für die Elternzeit beitragsfrei krankenversichert.

    Sind Sie hingegen freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert, müssen Sie weiterhin Beiträge entrichten. Sind Sie Mitglied einer privaten Krankenkasse, müssen Sie (inklusive Arbeitgeberanteil) während der Elternzeit sämtliche Beträge selbst zahlen.

    Für die ersten drei Jahre wird die Elternzeit als Erziehungszeit den Müttern in der gesetzlichen Rentenversicherung besonders angerechnet. Sie müssen keine Beiträge zahlen, die werden stattdessen vom Bund übernommen. Wer dennoch in Teilzeit arbeiten geht, steigert zusätzlich seine Rentenansprüche.
  • Lässt sich die Elternzeit vorzeitig beenden?
    Wenn Ihr Arbeitgeber zustimmt, ist dies möglich. Allerdings kann es sein, dass Ihr Arbeitgeber die Stelle für die Übergangszeit befristet neu besetzt hat und so diese Zustimmung verweigert.

    Die verpflichtende Zustimmung entfällt nur, wenn ein weiteres Kind unterwegs ist und somit der Mutterschutz absehbar wird oder bei Eintritt eines Härtefalls. Dieser ist zum Beispiel gegeben, wenn ein Elternteil oder das Kind verstirbt oder schwer erkrankt und daher die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht. In diesem Fall muss Ihr Arbeitgeber Sie wieder beschäftigen.
  • Was passiert, wenn ich während der Elternzeit arbeitslos werde?
    Ganz gleich, ob ein befristeter Arbeitsvertrag ausläuft, Sie kurz vor oder nach der Geburt arbeitslos werden: In solchen Fällen haben Sie Anspruch auf das Arbeitslosengeld (ALG I).

    Beantragen Sie das zusätzlich zu Ihrem Elterngeld, wird das Elterngeld bis auf den Mindestsatz von 300 Euro angerechnet. Das Gleiche gilt für andere Lohnersatzleistungen wie beispielsweise Kurzarbeitergeld.

    Eine andere Möglichkeit ist, nur das Elterngeld zu beziehen. Sie erhalten dann 67 Prozent Ihres letzten Einkommens vor der Geburt und können nach Bezug des Elterngeldes sich Arbeitslosengeld auszahlen lassen. Bei Langzeitarbeitslosigkeit wird das Elterngeld vollständig auf ALG II angerechnet.

Elternzeit und Elterngeld

Sofern Sie zuhause bleiben, bekommen Sie während der Elternzeit Ihr Gehalt natürlich nicht weitergezahlt, dafür aber Elterngeld.

Elternzeit und Elterngeld sind zwei von einander unabhängige Sozialleistungen, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützen sollen. Bei der Elternzeit handelt es sich um unbezahlte Freistellung von der Arbeit nach der Geburt des Kindes durch den Arbeitgeber.

Das Elterngeld hingegen wird von staatlichen Elterngeldstellen ausgezahlt und soll den Lohnausfall der Eltern in der Zeit der Erziehung des Kindes bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Die Höhe des Elterngeldes lässt sich auf der Grundlage des Nettoeinkommens berechnen.

Weitere Tipps, Rechner und Hintergrund-Informationen zum Elterngeld finden Sie hier:

Elternzeit Rückkehr: Die ersten Tage im Job

Auch wenn Sie bereits während der Elternzeit alle Vorkehrungen getroffen haben, kann die Rückkehr in den alten Job mit gemischten Gefühlen verbunden sein. Auf der einen Seite freuen Sie sich (hoffentlich) darauf, die Kollegen wiederzusehen.

Auf der anderen hat sich Ihr Arbeitsplatz möglicherweise verändert. Vielleicht sind neue Kollegen dazu gekommen. Mögliche Folge: Maximale Verunsicherung.

Hier einige Tipps für den erfolgreichen Wiedereinstieg nach der Elternzeit:

  • Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Chef
    Machen Sie sich die eigenen Wünsche klar und sprechen Sie diese Ihrem Chef gegenüber an. Möchten Sie weiterhin in Vollzeit arbeiten oder würden Sie gerne erst einmal in Teilzeit einsteigen wollen? Klären Sie ab, ob Sie in Ihrer alten Position richtig aufgehoben sind oder in Zukunft eine Veränderung anstreben.
  • Zeigen Sie von Anfang an Engagement
    Steigen Sie wieder voll ein und bieten Sie von selbst an, Aufgaben zu übernehmen und sich einzubringen. Mit Eigeninitiative zeigen Sie, wie motiviert Sie sind. Haben Sie das Gefühl, dass sich einiges verändert hat, seitdem Sie das letzte Mal da waren, bitten Sie um eine Einarbeitung.
  • Lassen Sie sich Zeit
    Kommen Sie nach einer längeren Abwesenheit wieder, wird es einige Zeit dauern, bis Sie Ihren Arbeitsrhythmus wiedergefunden und sich ins Team eingefunden haben. Setzen Sie sich nicht gleich in den ersten Tagen zu großem Druck aus. Erlauben Sie sich eine Zeit der Eingewöhnung.

    Es ist keine Schande, den Kollegen gegenüber einzugestehen, dass Sie gerade am Anfang noch Unterstützung brauchen. Nehmen Sie die Hilfsangebote Ihrer Kollegen an.
  • Gehen Sie auf Ihre Kollegen zu.
    Die Kollegen nach der Auszeit wiederzusehen, kann ganz unterschiedlich ablaufen. Mit einigen werden Sie sich auf Anhieb wieder gut verstehen. Bei anderen kann eine befremdliche Distanz entstanden sein. Warten Sie nicht darauf, dass Ihre Kollegen auf Sie zugehen. Machen Sie den ersten Schritt und erkundigen Sie sich, was sich in Ihrer Abwesenheit verändert hat.

    Betreiben Sie ruhig ein bisschen Smalltalk. Nutzen Sie zum Beispiel die Mittagspause oder mal ein Feierabendbier dafür, alte Kollegen neu kennenzulernen.
  • Sprechen Sie nicht nur über Ihre Kinder
    Natürlich spielt Ihr Kind die neue Hauptrolle in Ihrem Leben. Doch müssen Sie nicht zwingend erzählen, wer was in der Krabbelgruppe hat fallen lassen. Im Arbeitsumfeld sollte der Nachwuchs nicht Ihr einziges Thema sein. Ab und an eine lustige Geschichte erzählen? Ja, gerne! Wer hingegen nur noch über seine Sprösslinge spricht, nervt die Kollegen irgendwann.
  • Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um
    In Ihrem Umfeld wird es immer Menschen geben, die Ihre Entscheidung, in den Job zurückzukehren, kritisieren werden. Sie werden Ihnen vorwerfen, viel zu früh, viel zu spät oder überhaupt wieder eingestiegen zu sein. Gehen Sie selbstbewusst mit Ihrer Entscheidung um und lassen Sie sich kein schlechtes Gewissen einreden.

Jobwechsel nach Elternzeit?

Die ersten Tage im alten Job waren nicht das Gelbe vom Ei? Wenn Sie ehrlich sind, denken Sie schon länger darüber nach, den aktuellen Job zu kündigen.

Bevor Sie diese folgenschwere Entscheidung treffen, empfehlen wir Ihnen, unseren Überblick zum Thema Jobwechsel nach Elternzeit: Pro und Contra, den Sie sich HIER kostenlos herunterladen können.

Außerdem haben wir nützliche Tipps zum Thema Elternzeit im Lebenslauf, die Sie sich HIER herunterladen können.

Und last but not least können wir Ihnen unseren umfangreichen Artikel zum Jobwechsel nach der Elternzeit ans Herz legen:

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
3. Juli 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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