Der Erfolg einer Bewerbung hängt heutzutage an weit mehr Faktoren, als nur an der Qualifikation eines potenziellen Mitarbeiters. Personaler wollen ein rundum gutes Gefühl haben, bevor sie einen Kandidaten einstellen und einen Arbeitsvertrag aufsetzen. Dazu gehört ein sehr gutes Anschreiben, ein guter Lebenslauf - und nicht zuletzt die weiteren Unterlagen in der Bewerbung, allen voran das Arbeitszeugnis. Bei knappen Entscheidungen kann es durchaus den Ausschlag geben und dafür sorgen, dass Sie die Stelle bekommen. Oder eben auch nicht, weil ein schlechtes Arbeitszeugnis im Auswahlverfahren ein großes Gewicht bekommt. Da das Dokument von nun an alle weiteren Bewerbungen prägen wird, ist ein schlechtes Arbeitszeugnis ein herber Rückschlag, den Sie sich aber nicht einfach gefallen lassen müssen. Wenn Sie ein schlechtes Arbeitszeugnis als solches erkennen, müssen Sie dieses nicht akzeptieren, sondern können es anfechten und dagegen vorgehen...

Schlechtes Arbeitszeugnis erhalten was tun

Ein schlechtes Arbeitszeugnis erkennen

Schlechte Arbeitszeugnisse sind oftmals gut getarnt. Formulierungen im Stile von Der Mitarbeiter brachte unterdurchschnittliche Leistungen und bei den Kollegen war er durchweg unbeliebt sucht man vergebens, selbst wenn so mancher Chef sich wünscht, eine so ehrliche Bewertung abgeben zu können. Grund dafür ist der rechtliche Anspruch von Mitarbeitern, der offene Kritik untersagt.

Arbeitnehmer haben nicht einfach nur einen Anspruch und ein Anrecht darauf, ein Arbeitszeugnis zu erhalten, dieses muss zusätzlich auch...

  • wahr und
  • wohlwollend

formuliert sein. Seinem Unmut über die Arbeit des Ex-Mitarbeiters freien Lauf lassen oder dem Frust Luft machen - das ist für Chefs im Arbeitszeugnis verboten. So soll garantiert werden, dass die berufliche Zukunft nicht beeinträchtigt wird und die kommende Jobsuche aufgrund eines schlechten Arbeitszeugnisses scheitert.

Der Teufel steckt beim Arbeitszeugnis aber im Detail und scheinbar positive Formulierungen können eine vollkommen gegensätzliche Bedeutung haben.

Für Sie bedeutet das: Bevor Sie ein schlechtes Arbeitszeugnis anfechten und etwas dagegen unternehmen können, müssen Sie dieses zuerst als solches erkennen.

Dabei gibt es verschiedene Facetten, die ein schlechtes Arbeitszeugnis ausmachen können:

  • Zweideutige Formulierungen

    Hierbei handelt es sich um die klassische Zeugnissprache, vor der immer wieder gewarnt wird. Was sich positiv liest, ist längst nicht immer so gemeint. Schon scheinbar unverfängliche Sätze wie Er erfüllte seine Aufgaben zur Zufriedenheit entsprechen nur der Schulnote 4. Andere Formulierungen können ein noch viel deutlicheres Bild eines schlechten Arbeitszeugnisses ausmachen.


  • Unvollständiger Inhalt

    Ein gutes Arbeitszeugnis umfasst nicht nur alle wichtigen Tätigkeiten Ihrer Arbeitszeit, sondern auch die Leistungen, die Sie während Ihrer Betriebszugehörigkeit erbracht haben. Die Leitung eines großen Projekts, eine Umsatzsteigerung, die Einführung besserer Arbeitsprozesse... Fehlen solche Leistungen, spricht einiges für ein schlechtes Arbeitszeugnis. Achten Sie also auf eine gewisse Tiefe der Leistungsbeschreibung. Ein oberflächliches Zeugnis erweckt immer Misstrauen.


  • Kurzer Text

    Kann Ihr Chef sich nach langjähriger Zusammenarbeit gerade einmal zu ein paar Sätzen in Ihrem Arbeitszeugnis hinreißen, sagt das indirekt auch eine ganze Menge über die Zusammenarbeit und das Verhältnis aus. Dann sind vielleicht die formalen Grundlagen enthalten, aber ein derart kurzes Arbeitszeugnis spricht Bände. Oder anders formuliert: Weil das Zeugnis bewusst keine Aussagekraft besitzt, bescheinigt es dem Arbeitnehmer ebenfalls seine Entbehrlichkeit.


  • Widersprüchliche Aussagen

    Ein weiteres Anzeichen für ein schlechtes Arbeitszeugnis kann auch die Widersprüchlichkeit sein. Bescheinigt ein Arbeitgeber beispielsweise ein sehr gutes Verhältnis zu den Kollegen und ein insgesamt mittelmäßiges Ergebnis, kann die Abweichung etwa im Bereich der Kundenzufriedenheit oder eben der Ergebnisse umso stärker wirken und herausstechen.


  • Grundsätzliche Fehler

    Falsche Angaben, Informationen, die im Arbeitszeugnis nicht enthalten sein sollten oder auch Rechtschreibfehler können ebenfalls für einen schlechten Gesamteindruck sorgen, der anderen Personalentscheidern sicher nicht entgehen wird.

Da es für das ungeübte Auge oft nur sehr schwer zu erkennen ist, sollten Sie sich im Zweifel an einen Experten oder Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden, um kontrollieren zu lassen, ob es sich bei Ihrem Exemplar wirklich um ein schlechtes Arbeitszeugnis handelt.

Hier noch einmal groß zusammengefasst die Checkliste zum Arbeitszeugnis mit den wichtigsten Punkten, die Sie beachten sollten:

Checkliste Arbeitszeugnis schlecht oder gut

Haben Sie tatsächlich mehrere Indizien für ein schlechtes Zeugnis ausmachen können, sollten Sie tätig werden und gezielte Nachbesserungen verlangen.

Übrigens: Nicht jedes miese Zeugnis basiert auf Böswilligkeit, mache Personaler wissen es schlicht selbst nicht besser oder machen Fehler. In dem Fall sollten Sie das als Chance begreifen - und gleich selbst konkrete Formulierungen anbieten beziehungsweise Verbesserungsvorschläge machen. Wer hier Verhandlungsgeschick beweist, profitiert ein Berufsleben lang von einem optimierten Arbeitszeugnis. Denn...

Schlechtes Arbeitszeugnis: Ein Problem spätestens im Vorstellungsgespräch

Mit einem schlechten Arbeitszeugnis haben Sie es auf dem Arbeitsmarkt schwerer, als es ohnehin schon der Fall ist. Zu hoffen, dass Personaler das Arbeitszeugnis einfach überblättern und sich auf andere Punkte konzentrieren, ist reines Wunschdenken. Gerade ein schlechtes Arbeitszeugnis hat großen Einfluss auf die Meinung von Entscheidungsträgern, die auf der Suche nach neuen, motivierten und qualifizierten Mitarbeiter sind.

Die Logik dahinter leuchtet ein: Wer sonst, wenn nicht der letzte Arbeitgeber, kann wirklich einschätzen und beurteilen, wie ein Mitarbeiter sich im Job verhält? Der Chef hat es aus erster Hand miterlebt, seine Aussage bekommt dadurch eine besondere Glaubwürdigkeit.

Mit einem schlechten Arbeitszeugnis ist es deshalb schwer genug, überhaupt die erste Runde des Bewerbungsverfahrens zu überstehen und eingeladen zu werden.

Auf einige Aspekte achten Personaler dabei mit einem besonders kritischen Auge.

Schlechtes Arbeitszeugnis Checkliste Personaler

Sollten Ihre restlichen Unterlagen überzeugend genug sein und Sie die Chance bekommen, sich persönlich vorzustellen, werden Sie vermutlich spätestens hier einige Fragen beantworten müssen.

Vermutlich brennt der Personaler darauf zu erfahren, was es mit dem schlechten Arbeitszeugnis auf sich hat. Ein berechtigtes Interesse, dass für Sie schnell zur Herausforderung wird. Um ein schlechtes Arbeitszeugnis im Vorstellungsgespräch zu erklären, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

  • Setzen Sie auf Unwissenheit.

    Unwissenheit ist im Vorstellungsgespräch mit großer Vorsicht zu genießen, Sie wollen gut vorbereitet und informiert wirken. Diese Strategie ist deshalb vor allem dann empfehlenswert, wenn Sie wirklich überrascht werden oder keine andere Alternative sehen. Geben Sie zu, dass Ihnen gar nicht bewusst war, wie schlecht das Arbeitszeugnis ist und das Sie noch einmal mit dem Chef darüber sprechen werden.


  • Verweisen Sie auf andere Zeugnisse.

    Ein schlechtes Arbeitszeugnis lässt sich nur schwer wegdiskutieren, gute Chancen auf eine Erklärung haben Sie, wenn Sie auf andere Zeugnisse oder Referenzen verweisen können, die ein anderes Bild zeigen. Diese können von früheren Beschäftigungen sein oder auch Referenzen von Experten oder Kunden sein, mit denen Sie zusammengearbeitet haben. So zeigen Sie, dass das negatives Bild aus dem Zeugnis eigentlich nicht stimmt.


  • Erklären Sie die Differenzen.

    Im Vorstellungsgespräch über einen ehemaligen Arbeitgeber zu lästern ist ein Tabu. Sollte Ihr schlechtes Arbeitszeugnis vom Personaler angesprochen werden, können Sie jedoch eine kurze Erklärung liefern. Diese sollte nicht persönlich gegen Chef oder Unternehmen gerichtet sein, sondern auf die Arbeit bezogen werden. Sie können beispielsweise erläutern, dass Sie und Ihr Chef unterschiedliche Vorstellungen von der Umsetzung eines Projekts hatten - weshalb Sie sich schließlich auch für eine Kündigung entschieden haben.

Einfach ist es nicht, ein schlechtes Arbeitszeugnis vor dem Personaler zu rechtfertigen. Besser ist es deshalb, wenn es erst gar nicht so weit kommt und Sie eine gute Bewertung erhalten. Entweder von Anfang an oder durch eine Nachbesserung, wenn Sie mit Ihrem schlechten Arbeitszeugnis nicht zufrieden sind.

Das Arbeitszeugnis weglassen ist keine wirkliche Option

Schlechtes Arbeitszeugnis Was tun Beispiel anfechten Bewerbung nach Kündigung FormulierungenEin schlechtes Arbeitszeugnis verringert die Chancen der Bewerbung und sorgt für Probleme im Vorstellungsgespräch - warum dann nicht einfach darauf verzichten und das schlechte Arbeitszeugnis aus den eigenen Unterlagen streichen? Wäre es nicht eine dumme Idee, dem Personaler auch noch unter die Nase zu reiben, dass die Zusammenarbeit mit dem letzten Arbeitgeber alles andere als reibungslos war und sich der Chef oftmals unzufrieden mit der eigenen Leistung gezeigt hat?

Ja, wäre es.

Das Problem: Ein fehlendes Arbeitszeugnis spricht genauso laut wie ein schlechtes. Legen Sie Ihrer Bewerbung kein Zeugnis bei, überlassen Sie die Schlussfolgerung dem Personaler und im Grunde ist nur eine Erkenntnis möglich: Ihr Arbeitszeugnis war so schlecht, dass Sie es lieber verbergen. Warum sonst sollten Sie darauf verzichten? Ein positives Dokument hätten Sie beigelegt, um die eigenen Chancen zu erhöhen.

So ist es fragwürdig, ob Sie sich selbst einen Gefallen tun, indem Sie ein schlechtes Zeugnis aus der Bewerbung entfernen. In diesem Fall ist fast garantiert, dass der Personaler von einem für Sie schädlichen Inhalt ausgeht.

Das können Sie gegen ein schlechtes Arbeitszeugnis tun

Ein schlechtes Arbeitszeugnis ist nicht nur ärgerlich, weil Sie es vielleicht für ungerechtfertigt halten, es hat Auswirkungen auf Ihre gesamte weitere Karriere. Es erschwert nicht nur Ihre nächste Jobsuche, sondern jeden weiteren beruflichen Schritt. Erhalten Sie mit Mitte 20 ein schlechtes Arbeitszeugnis, werden Sie es in vielen weiteren Bewerbungen immer wieder angeben und jedes Mal aufs Neue dagegen ankämpfen müssen.

Die gute Nachricht: Sie müssen ein schlechtes Arbeitszeugnis nicht einfach auf sich sitzen lassen. Sie müssen es nicht akzeptieren und können Schritte und Korrekturen einleiten, um ein schlechtes Arbeitszeugnis anzufechten. So sollten Sie dabei vorgehen:

  • Sprechen Sie Ihren Chef darauf an

    Der erste Weg sollte Sie auf jeden Fall zu Ihrem ehemaligen Chef oder der entsprechenden Personalabteilung führen. In vielen Fällen ist es keine böswillige Absicht, sondern schlichtweg Unwissenheit auf Seiten des Unternehmens oder ein unbeabsichtigter Fehler, der zu Ihrem schlechten Arbeitszeugnis geführt hat. Ein offenes und klärendes Gespräch (samt Korrekturwünschen) ist dann oft der beste Weg zum Ziel.

    Um möglichst schnell eine gemeinsame Lösung zu finden, sollten Sie sich im Vorfeld genau mit dem schlechten Arbeitszeugnis auseinandersetzen und bereits heraussuchen, wo Fehler sind oder welche Aspekte Sie gerne korrigiert haben wollen.


  • Warten Sie bei einem schlechten Arbeitszeugnis nicht zu lange

    Sollten sie das Gefühl haben, ein schlechtes Arbeitszeugnis erhalten zu haben oder unzufrieden mit Formulierungen oder Inhalten sein, sollten Sie sich möglichst zeitnah darum kümmern, eine Änderung zu bewirken.

    Je länger Sie warten, desto länger müssen Sie sich auch mit einem schlechten Arbeitszeugnis bewerben. Damit vergeben Sie vielleicht bereits einige Chancen auf einen neuen Job.


  • Fordern Sie die Nachbesserung mit einer Frist

    Reagiert der ehemalige Arbeitgeber auf das direkte Gespräch nicht oder weigert sich, das schlechte Arbeitszeugnis nachzubessern, können Sie schriftlich die Korrektur verlangen und dabei eine Frist setzen, bis zu dieser die geänderte Version auszustellen ist.

    Geben Sie dabei konkrete Änderungen an, die ins Arbeitszeugnis eingebaut werden sollen. So können Sie im Nachhinein genau sehen, ob wirklich alle Punkte erfüllt wurden.


  • Gehen Sie zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht

    In letzter Instanz bleibt nur noch der Gang zum Anwalt. Dieser kann noch einmal versuchen, eine Einigung mit dem Arbeitgeber zu erzielen, ansonsten haben Sie die Möglichkeit, das Arbeitsgericht durch eine Klage über das schlechte Arbeitszeugnis entscheiden zu lassen. Wer dann vor Gericht in der Beweispflicht steht, hängt von der genauen Situation ab.

    Ein Arbeitszeugnis muss in der Regel mindestens der Bewertung befriedigend entsprechen. Tut es das und Sie wollen eine bessere Bewertung, müssen Sie nachweisen, warum dies gerechtfertigt ist. Anders herum ist es, wenn Sie unterdurchschnittlich und damit wirklich besonders schlecht im Arbeitszeugnis bewertet wurden. Hier liegt es am Arbeitgeber zu beweisen, dass ein so schlechtes Arbeitszeugnis angebracht ist.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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