Eigeninitiative: Werden Sie selbst aktiv!
Unternehmen sind immer auf der Suche nach motivierten Mitarbeitern, die ihr Bestes geben und sich bei der Arbeit einbringen - und zwar von sich aus, ohne zu jedem Schritt aufgefordert oder angeleitet werden zu müssen. Eigeninitiative steht hoch im Kurs und ist eine begehrte Qualität unter Arbeitnehmern. Gleichzeitig streben auch viele Mitarbeiter danach, im Beruf selbstständig zu agieren und somit Eigeninitiative zu zeigen. Eigentlich eine gute Kombination, um beiden Seiten gerecht zu werden, doch in der Praxis sieht es dann oftmals vollkommen anders aus. Wir zeigen, was sich hinter der Eigeninitiative verbirgt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen und warum es sich lohnt, die Eigeninitiative zu fördern...

Eigeninitiative: Woran erkennt man sie?

Eigeninitiative Definition Eigeninitiative lernen BeispieleViel wird über die Eigeninitiative der Mitarbeiter - oder über deren Fehlen - gesprochen und philosophiert. Die Frage bleibt jedoch: Was genau ist damit eigentlich gemeint? Grundsätzlich versteht man unter Eigeninitiative ein Verhalten oder eine Handlung, die aus eigenem Antrieb heraus passiert. Schon der Begriff selbst erklärt, dass die Initiative von sich selbst kommt.

In der Psychologie hat Eigeninitiative deshalb einen besonders großen Wert. Es geht um die Erkenntnis, das eigene Schicksal in der Hand zu haben und aus eigener Motivation heraus zu handeln. Wer nicht über genügend Eigeninitiative verfügt, lässt sich entweder von anderen steuern und beeinflussen oder kann sich erst gar nicht zu irgendetwas aufraffen.

Besonders regelmäßig kommt das Thema jedoch im Job auf. Hier zählt die Eigeninitiative zu den Soft Skills und kann großen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg in der Berufswelt haben. Grund dafür sind in erster Linie die Erwartungen von Unternehmen und Vorgesetzten. Es wird inzwischen fast schon vorausgesetzt, dass Mitarbeiter nicht nur mitdenken, sondern auch eigenständig im Unternehmen agieren - natürlich immer innerhalb der Bereichsgrenzen, für die ein Arbeitnehmer zuständig ist.

Oder anders ausgedrückt: Chefs wollen nicht ständig hinter dem gesamten Team herlaufen, um jedem einzelnen zu sagen, was zu tun ist. Nicht immer macht es den Anschein, aber Führungskräfte haben Wichtigeres zu tun und obwohl natürlich auch zu ihren Aufgaben zählt, Aufgaben sinnvoll zu verteilen, sollte dies kein dauerhafter Zustand werden. Vielmehr obliegt es jedem Mitarbeiter, seinen Job selbst in die Hand zu nehmen.

Im Arbeitsalltag lässt sich die Eigeninitiative dabei in verschiedene Punkte aufteilen:

  • Selbstständiges Handeln. Es ist der leichte und bequemste Weg, sich immer nur an Vorgaben entlang zu hangeln und genau das zu tun, was im Job von einem erwartet wird. Motto: Ich warte auf detaillierte Vorgaben vom Chef und mache nur ganz genau das, was er im Meeting oder in der Projekt-Email beschrieben hat.

    Damit kann garantiert nichts falsch laufen, immerhin erfüllen Sie damit eins zu eins die genannten Anforderungen, aber Motivation oder gar Eigeninitiative zeigen Sie gewiss nicht. Manchmal ist es zwar notwendig, sich an Anweisungen zu halten und entsprechend darauf zu reagieren, doch Eigeninitiative wird in den meisten Fällen deutlich höher bewertet und von Vorgesetzten geschätzt.
  • Eigene Entscheidungen. Es wäre gänzlich falsch anzunehmen, dass im Beruf nur der Chef oder das Management Entscheidungen trifft. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, ob er auf eine Entscheidung von oben wartet, oder sich selbst dazu durchringt und eine Wahl trifft.

    Sie können beispielsweise bei einer Frage von einem Kunden jedes Mal zuerst zum Chef rennen, seine Meinung einholen und sich die Erlaubnis für ein Ja oder Nein geben lassen, doch Eigeninitiative zeigt sich darin, dass Sie die Zügel selbst in die Hand nehmen und nach bestem Wissen eine eigene Entscheidung treffen.
  • Verantwortung übernehmen. Wer aus eigenem Antrieb heraus handelt, trägt natürlich auch die Verantwortung für sein Tun - was sowohl positive als auch negative Konsequenzen beinhaltet. Wenn Sie eigenständig handeln, sollten Sie deshalb auch zu einem möglichen Fehler stehen und nicht versuchen, sich vor der Verantwortung zu drücken, wenn etwas schief gelaufen ist.

So zeigen Sie Eigeninitiative im Job

Arbeitgeber suchen und schätzen Eigeninitiative bei Mitarbeitern. Für Sie bedeutet das im Umkehrschluss: Um den bestmöglichen Eindruck im Job zu machen, sollten Sie immer wieder Eigeninitiative zeigen, sich so einen guten Ruf erarbeiten und positiv auffallen.

Ihre Eigeninitiative kann dabei auch eine gute Möglichkeit sein, um sich von den Kollegen abzuheben, auf eine Beförderung hinzuarbeiten oder vielleicht den Wunsch nach einer Gehaltserhöhung zu festigen und vor dem Chef zu begründen.

Schon während eines Praktikums oder in den ersten Tagen im neuen Job sollte sich niemand darauf verlassen, dass ihm alles vorgekaut und auf dem Silbertablett präsentiert wird. Wer überzeugen will, muss seine persönliche Motivation unter Beweis stellen, sich seine Aufgaben selbst suchen und diese dann auch gewissenhaft erledigen. Eigeninitiative können Sie aber auch anders zeigen. So zum Beispiel:

  • Melden Sie sich zu Wort

    In vielen Meetings redet nur der Chef, während das gesamte Team schweigsam drum herum sitzt, ab und zu Notizen macht und sich ansonsten möglichst unauffällig verhält, um bloß nicht in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu geraten. Ein großer Fehler, denn damit lassen Sie sich eine gute Gelegenheit entgehen, um direkt vor dem Chef zu glänzen und Ihre persönliche Meinung einzubringen.

    Gehen Sie auf Fragen ein, teilen Sie mit, was Ihnen auffällt oder was Sie für wichtig halten und stellen Sie auch selbst Fragen, an die bisher scheinbar noch nicht gedacht wurde. Wer sich zu Wort meldet und die Diskussion mitgestaltet zeigt, dass er mitdenkt, eigenständig nach Lösungen sucht und sich wirklich für den Erfolg interessiert und einsetzt.


  • Geben Sie Feedback

    Feedback ist keine Einbahnstraßen, die ausschließlich von oben nach unten verlaufen. Sicherlich ist es meist der Vorgesetzte, der Feedback gibt, allerdings können Sie Ihre Eigeninitiative zeigen, wenn Sie zu Abläufen oder Projekten Rückmeldung geben. Dies gilt insbesondere dem Chef gegenüber, bei gutem Betriebsklima kann Feedback aber auch an Kollegen gegeben werden, wenn Sie konstruktiv vorgehen und die Meinung auch so aufgefasst wird.

    Sie können beispielsweise Ihren Chef um ein kurzes Gespräch bitten, indem Sie darlegen, was Ihrer Meinung nach gut und schlecht gelaufen ist. Dabei sollten Sie dann allerdings immer auch Lösungsvorschläge parat haben, um etwas zu verbessern. Denn darin zeigt sich wahre Eigeninitiative - meckern und klagen kann schließlich jeder.


  • Schlagen Sie Projekte vor

    Viele Punkten können Sie beim Chef sammeln, wenn Sie eigene Ideen einbringen, Vorschläge machen oder eigene Projekte ins Gespräch bringen. So demonstrieren Sie, dass Sie auch außerhalb Ihrer täglich anfallenden Aufgaben nach neuen Möglichkeiten suchen und aus eigenem Antrieb heraus nach Alternativen suchen, anstatt sich nur auf das altbewährte zu berufen.

    Dabei gilt nicht, dass es unbedingt ein riesengroßes und spektakuläres Prestige-Projekt sein muss. Überzeugen können Sie vielmehr mit einer gut durchdachten Idee, bei der Sie gleich noch detaillierte Vorschläge zur Planung und Durchführung einbringen.


  • Melden Sie sich freiwillig

    Steht die Frage Wer übernimmt das? im Raum, werden die meisten sehr kleinlaut, entwickeln Fähigkeiten wie ein Chamäleon und verschmelzen nahezu mit der Umgebung, um bloß nicht aufzufallen. Eigeninitiative zeigen Sie mit dem genauen Gegenteil. Übernehmen Sie Aufgaben freiwillig, bieten Sie Ihre Hilfe an und arbeiten Sie anderen zu, um gemeinsam erfolgreich zu sein.

    Chefs sehen sehr genau, wer sich lieber vor jeder zusätzlichen Aufgabe drückt und wer sich auf der anderen Seite freiwillig meldet und bereit ist, auch mal ein bisschen mehr zu machen als andere. Es bringt vielleicht keinen sofortigen Nutzen, doch auf lange Sicht macht sich diese Eigeninitiative bezahlt.


  • Übernehmen Sie die Organisation

    Auch außerhalb der Aufgaben, die direkt zum Job gehören, können Sie eine Menge Eigeninitiative an den Tag legen. In vielen Büros muss beispielsweise immer wieder etwas organisiert werden. Das kann ein gemeinsamer Betriebsausflug sein, die Geburtstagsfeier eines Kollegen oder auch ein Messebesuch im Namen des Arbeitgebers.

    Wer die Organisation für solche Dinge in die Hand nimmt, handelt selbstständig, trifft viele Entscheidungen und trägt die damit verbundene Verantwortung - noch besser, wenn Sie die Aktivität selbst vorgeschlagen haben.

Eigeninitiative: Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Eigeninitiative Synonym Beispiele Englisch Bewerbung lernenUnternehmen würden Eigeninitiative der Mitarbeiter gerne einfach in die Tätigkeitsbeschreibung aufnehmen und so garantieren, dass sich jeder Angestellte immer mit eigenen Ideen einbringt, Vorschläge zur Verbesserung macht und diese bestmöglich eigenverantwortlich umsetzt.

Klingt schön, doch leider kann man Mitarbeitern nicht einfach vorschreiben, ab jetzt mit Eigeninitiative zu glänzen. Allerdings haben Unternehmen sehr wohl selbst in der Hand, selbstständiges Denken und Handeln der Belegschaft zu ermöglichen. Diese Voraussetzungen sollten erfüllt sein, damit Mitarbeiter Eigeninitiative entwickeln können:

  • Mitarbeiter müssen Einfluss nehmen können. Entsteht das Gefühl, nichts selbst in der Hand zu haben, wird sich auch keine Eigeninitiative entwickeln. Erst durch Mitspracherecht und Handlungsfreiräume kann diese entstehen.
  • Mitarbeiter müssen sich diesen Einfluss zutrauen. Neben der reinen Möglichkeit muss jeder Arbeitnehmer auch selbst daran glauben, diesen Einfluss wirklich nutzen zu können.
  • Mitarbeiter müssen Verantwortung übernehmen wollen. Nicht jeder möchte gerne noch mehr Verantwortung übernehmen, sondern ist zufrieden in der aktuellen Situation.

Außerdem steht die Angst vor Veränderung der Eigeninitiative im Weg. Wer immer befürchtet, dass sich die Dinge negativ entwickeln werden, wird sich auch mit dem eigenen Antrieb zurückhalten, um den Stein gar nicht erst ins Rollen zu bringen.

Eigeninitiative muss gefördert werden

Jacob Lund/shutterstock.comAuch wenn Eigeninitiative nicht einfach verlangt oder vorgeschrieben werden kann, sollten Unternehmen - aber auch Mitarbeiter selbst - diese dennoch fördern. Für Arbeitgeber bedeutet dies in erster Linie, dass die Rahmenbedingungen geschaffen werden. So sollten Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich selbst immer wieder einzubringen, Entscheidungen zu treffen und eigene Ideen umzusetzen. Wer auf diese Weise an die Eigeninitiative herangefürht wird, übernimmt das Verhalten irgendwann ganz von selbst. Ebenso wichtig ist regelmäßiges Feedback, damit Mitarbeitern eine Rückmeldung zu ihrem Verhalten bekommen können und merken, dass ihre Eigeninitiative positiv aufgenommen wird.

Für Mitarbeiter hingegen gilt: Auch wenn Eigeninitiative einige Risiken mitbringt und man im schlimmsten Fall auch die Verantwortung für einen Fehler tragen muss, sollte man sich dennoch ein Herz fassen und seine eigenen Gedanken und Ideen in die Tat umsetzen. Viele Unternehmen suchen genau nach diesen Persönlichkeiten, die die Dinge selbst in die Hand nehmen und so Chancen nutzen, anstatt darauf zu warten, dass jemand ihnen sagt, was sie zu tun haben. Wer selbst aktiv wird, beweist nicht nur seine Fähigkeiten, sondern auch einen starken Charakter - und empfiehlt sich so für höhere Positionen.

Eigeninitiative in der Bewerbung: So punkten Sie

Eigeninitiative wird nicht erst wichtig, wenn Sie einen Arbeitsvertrag unterschrieben haben und im Job überzeugen wollen. Vielmehr kann es bereits in der Bewerbung ein wichtiger Faktor sein und mitverantwortlich dafür sein, ob Sie überhaupt in die glückliche Situation kommen, den begehrten Job zu bekommen. Gerade wenn verschiedene Bewerber ähnliche Grundvoraussetzungen mitbringen, machen oftmals die Soft Skills den entscheidenden Unterschied.

Ihre Eigeninitiative sollten Sie deshalb auf jeden Fall auch in den Bewerbungsunterlagen deutlich machen. Das ist allerdings leichter gesagt, als getan. Die Frage lautet: Wie lässt sich Eigeninitiative in der Bewerbung richtig verkaufen? Dass Arbeitgeber großen Wert darauf legen ist kein Geheimnis und so wird auch die Konkurrenz versuchen, den eigenen Antrieb möglichst prominent zu platzieren.

Genau deshalb reicht das allein nicht aus. Jeder kann sich Eigeninitiative selbst zuschreiben und im Brustton der Überzeugung behaupten, ständig alles selbst in die Hand zu nehmen. Oftmals nicht viel mehr als leere Worthülsen, die von Personalern als genau solche enttarnt werden. Wenn Sie in der Bewerbung auf Ihre Eigeninitiative eingehen wollen, brauchen Sie deshalb zunächst einmal konkrete Beispiele.

Außerdem verfüge ich über große Eigeninitiative... Einen solchen Satz können Sie sich auch gleich sparen. Was Personalverantwortliche interessiert, sind konkrete Situationen, die zeigen, wann Sie aus eigener Motivation und Antrieb heraus etwas auf die Beine gestellt haben. Haben Sie beispielsweise während des Studiums eine Messe mit Arbeitgebern organisiert? Haben Sie sich in einem Ehrenamt eigenständig um eine Werbekampagne gekümmert?

Sie können ebenfalls darauf eingehen, was Sie im letzten Job geleistet haben. Haben Sie vielleicht in Eigenregie ein großes Projekt geplant und umgesetzt oder konnten Sie einen Vorschlag einbringen, der zu einer Gewinnsteigerung geführt hat?

Mit diesen Ausführungen können Sie punkten - vorausgesetzt natürlich, Sie bleiben bei der Wahrheit, denn spätestens im Vorstellungsgespräch wird das Thema erneut zur Sprache kommen. Neben praktischen Beispielen aus Ihrem Werdegang sollten Sie sich in einem zweiten Schritt noch überlegen, wie der zukünftige Arbeitgeber von Ihrer Eigeninitiative profitieren wird. Mit dieser Ergänzung können Sie den Punkt Eigeninitiative in Ihrer Bewerbung abrunden und auch aus Sicht des Personalers relevant machen.

[Bildnachweis: thodonal88, Jacob Lund by Shutterstock.com]

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