Führungskraft: Haben Sie das Zeug dazu?

Einmal selber Führungskraft werden… für viele Mitarbeiter ist das ein verlockender Gedanke. Hat ja auch Vorteile: mehr Gehalt, mehr Gestaltungsspielraum, mehr Ansehen, mehr Macht. Aber: Es kann nicht nur Häuptlinge geben. Wichtiger sogar noch: Wer Führungskraft werden will, sollte auch das Zeug dazu haben. Denn der Manager-Job ist nicht zuletzt mit mehr Verantwortung, mehr Druck und höheren Anforderungen verbunden. Denen sollte man nicht nur dauerhaft gewachsen sein, sondern darin auch zunehmend besser werden wollen. Im Folgenden finden Sie einen Selbsttest, der Ihnen zeigen kann, ob Sie das Zeug zur erfolgreichen Führungskraft haben…

Führungskraft: Haben Sie das Zeug dazu?

Traumjob Führungskraft: Sind Sie sich sicher?

Jeder Job bringt seine eigenen Anforderungen und Vorzüge mit sich. Bei der Position der Führungskraft scheinen letztere für viele Arbeitnehmer besonders hoch: mehr Gehalt, mehr Macht, mehr Verantwortung gleichen die oft längeren Arbeitszeiten und die sprichwörtliche Einsamkeit an der Spitze offenbar gut aus.

Aber stimmt das auch?

Hand auf Herz: Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie mit Ihrem Chef tauschen würden?

Nicht selten lautet die Antwort „Nein“. Also DEN Job möchte man dann doch nicht. Ein Posten auf dem Chefsessel – ja. Aber bitte nicht dieser!

Ausgeblendet wird dabei allerdings gerne, dass Führungskraft zu sein meist ebenso bedeutet, dass…

  • es Erwartungen und Vorgaben der Geschäftsleitung gibt.
  • Unternehmens-, Quartal- und Projektziele existieren.
  • Mitarbeiter ihrerseits hohe Erwartungen und Bedürfnisse haben.
  • die Verantwortung auch gegenüber Fehlern steigt – bis hin zur Haftung.

Das höhere Gehalt stellt daher häufig auch eine Art Schmerzzulage dar. So mancher „leitende Angestellte“ mutiert binnen kurzer Zeit zum leidenden Angestellten.

Führungskräfte: Was die besten Chefs tun

Führungskräfte: Was die besten Chefs tunBei den Führungskräften verhält es sich genauso wie bei den Kollegen oder im Freundeskreis: Es gibt solche und solche.

Einige zentrale Eigenschaften bilden aber das Grundgerüst einer jeden guten Führungskraft. Oft sind es jene Qualitäten, die eine gute Führungskraft überhaupt erst auszeichnen. Unserer Überzeugung nach sind das vor allem drei Eigenschaften:

  1. Sie hören nicht auf zu lernen

    Die besten Führungskräfte verstehen, dass es immer neue Dinge zu lernen gibt. Kann etwas einfacher oder schneller erledigt werden? Kann man aus einem Fehler Rückschlüsse ziehen? Wie zufrieden sind die Mitarbeiter mit der Situation und was kann daran geändert werden? Hat ein Chef sich erst einmal mit einer Situation abgefunden und strebt nicht mehr nach Verbesserungen, wird es für die Mitarbeiter häufig zum Problem.

  2. Sie zeigen Loyalität

    Für Vorgesetzte hat Loyalität gleich mehrere Dimensionen: Einerseits besteht Loyalität gegenüber dem Unternehmen und Arbeitgeber, dessen Vorgaben und Richtlinien umgesetzt und eingehalten werden. Gleichzeitig stehen sie ihrem Team loyal zur Seite und stehen für dessen Belange und Wünsche ein. Den besten Führungskräften gelingt ein Spagat zwischen diesen beiden Polen, der am Ende für Zufriedenheit auf allen Seiten sorgt.

  3. Sie leben Selbstdisziplin vor

    Als Chef ist es wichtig, seine eigene Vorbildfunktion zu erkennen und diese auch auszufüllen. Wer von seinen Mitarbeiter diszipliniertes und motiviertes Arbeiten erwartet, sollte diese auch selbst zelebrieren und mit Selbstdisziplin voran gehen. Oder anders ausgedrückt: Wie soll ein Team geführt werden, wenn die eigenen Vorstellungen nicht einmal selbst umgesetzt werden?

Führungskraft werden: 4 Tipps für angehende Manager

Falls Sie den Entschluss gefasst haben, auf eine Karriere als Führungskraft hinzuarbeiten, unterstützen wir Sie gerne bei diesem Vorhaben. In unserer Management-Rubrik finden Sie dazu zahlreiche Ratgeber.

Gerade für angehende Führungskräfte haben sich indes die folgenden vier Tipps bewährt:

  1. Reflektieren

    Ärzten wird oft mangelndes Einfühlungsvermögen vorgeworfen. 33 junge Assistenzärzte hatte daher die Tufts Universität in Boston gebeten, im Laufe eines Jahres eine Art offene Reflexion zu verfassen, über ihren Austausch mit den Patienten.

    Herausgekommen sind Aussagen wie: „Die Patientin (im Teenager-Alter) hätte mehr Vertrauen und Anteilnahme gebraucht. Ich habe mich gefragt, wie ich einen besseren Zugang zu ihr hätte finden können.“ Eine andere: „Ich habe ihm gesagt, dass diese Vorfälle auf Demenz hindeuten können. Er sah mich verständnislos an und sagte ‚Vorfälle?‘ Ich realisierte, dass ich sowohl Fachsprache als auch zweideutige Sprache vermeiden musste.“ Und: „Ich bin an dem Punkt angelangt, wo ich Reflexion als langfristiges Ziel erachte.“ Es ist offensichtlich, dass Mediziner nicht die einzigen Profiteure von derlei Reflexion sind: Reflexionen führen zu besseren, durchdachteren Entscheidungen – sehr oft zumindest.

    Nun bietet der Arbeitsalltag nicht immer die Gelegenheit, sich in die stille Kammer zurückzuziehen und ein Tagebuch zu führen. Eine andere Option wäre die Meditation. Am Freitag eine halbe Stunde meditieren, die Arbeitswoche Revue passieren lassen, hin und her überlegen. Eine (für viele) große Hilfe bei der Entscheidungsfindung.

  2. Delegieren

    Wer seiner Führungsrolle gerecht werden will, muss genug Vernunft besitzen, um die Aufgaben den richtigen Leuten zu übertragen und genügend Selbstdisziplin, um ihnen nicht ins Handwerk zu pfuschen. – Das hat Theodore Roosevelt gesagt. Und er hat es immerhin in das Pantheon der US-Präsidenten geschafft. Sein Abbild thront hoch oben am Mount Rushmore neben Washington, Jefferson und Lincoln.

    Ein Zeitgenosse von ihm, der Stahltycoon Andrew Carnegie, sagte wiederum: „Niemand, der alles alleine machen oder den gesamten Ruhm dafür bekommen will, wird jemals ein großer Leader werden.“ Als Manager mögen Sie noch so genial sein: Ohne Hilfe schaffen Sie es nicht.

  3. Ausklinken

    Um innovativ zu bleiben, hilft es, den Arbeitgeber regelmäßig zu wechseln. Das schützt vor Routinen und Betriebsblindheit. Das ist aber auch ein extremer Schritt. Angehende Führungskräfte sollten daher erst einmal einen anderen Weg gehen: Zum Beispiel regelmäßig joggen gehen. Oder mindestens mittags mal einen Spaziergang durch ihr Viertel machen. Beides setzt ungeahnte Kreativkräfte frei. Hauptsache, Sie gönnen sich immer wieder kleine Auszeiten, um den Kopf frei zu bekommen.

  4. Teilen

    Nur 37 Prozent der Arbeitnehmer in deutschen Unternehmen sind der Meinung, ausreichend Feedback von ihren Vorgesetzten zu erhalten. Nur jeder fünfte Befragte gab an, dass sich Vorgesetzte umgekehrt Feedback zu ihren Leistungen und ihrem Führungsstil einholen. Kein Zeichen von gegenseitiger Wertschätzung.

    Ein einfaches und wirksames Mittel, das aber nur selten Anwendung findet: Erfolge teilen – und loben. Wer seine Mitarbeiter lobt, bricht sich erstens keinen Zacken aus dem Krönchen – und verpasst ihnen zudem eine kräftige Dopamin-Spritze. Was sie selbstbewusster, glücklicher, motivierter macht. Übrigens: Vier von zehn Arbeitnehmern würden sich mehr Lob von ihrem Chef wünschen.

Selbsttest: Haben Sie, was es zur Führungskraft braucht?

Nachdem Sie nun viel über eine gute Führungskraft gelesen haben, können Sie herausfinden, ob Sie selbst das Zeug dazu haben. Der folgende Selbsttest ist einfach konzipiert: Er besteht aus 13 Fragen, für deren Antwortmöglichkeiten jeweils ein oder kein Punkt vergeben wird.

Bitte addieren Sie die Punkte zusammen, die Sie für die Antworten erhalten, für die Sie sich entschieden haben. Am Ende gelangen Sie anhand Ihrer Punktzahl zur Auswertung.

Wie immer an dieser Stelle unser Hinweis und die Bitte: Versuchen Sie die Fragen möglichst ehrlich zu beantworten und wählen Sie die Alternativen aus, die tatsächlich auf Sie und Ihre Situation zutreffen. Ziel ist es, eine möglichst realistische Einschätzung der eigenen Person zu bekommen und nicht so viele Punkte wie möglich zu erzielen.

Los geht’s…

[Bildnachweis: Pushkarevskyy by Shutterstock.com]
22. Juli 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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