Perspektive wechseln: Vorteile + Tipps zur Problemlösung

Umdenken im Kopf: Einfach mal die Perspektive wechseln, eingeschliffene Denkmuster aufbrechen – das fällt vielen schwer. Dabei ist das simple Konzept gegen den Tunnelblick ein Erfolgsrezept.

Wer die Welt ab und an mit anderen Augen betrachtet, Probleme aus einem anderen Blickwinkel sieht, findet nicht selten bessere Lösungen und gelangt schneller zur zündenden Idee. Wer mehr Durchblick bekommen will, muss oft nur den Standpunkt oder Blickwinkel verändern. Der Perspektivwechsel löst zahlreiche Knoten im Gehirn.

Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel, welche Vorteile es hat, wenn Sie häufiger mal die Perspektive wechseln. Und wir geben einige Tipps, wie Tausch der Blickrichtung ganz leicht gelingt…

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Perspektive wechseln: Vorteile + Tipps zur Problemlösung

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Perspektive wechseln: Wozu?

Den Appell, ab und an mal die Perspektive zu wechseln, haben Sie natürlich schon zig Mal gehört. Er ist – zugegeben – ein wenig abgedroschen.

Aber er ist deswegen nicht weniger wahr oder sinnvoll. Tatsächlich gibt es zahlreiche Menschen, die mit Scheuklappen durchs Leben laufen. Den Blick starr auf ihren Weg gerichtet, übersehen sie die vielen Chancen und Gelegenheiten, die sich abseits davon immer wieder auftun.

Sicher, mentale Stärke zu besitzen, geistige Unabhängigkeit zu bewahren und sich von häufig wechselnden Sichtweisen nicht beirren zu lassen, ist eine Stärke. Eine erstrebenswerte sogar.

Ohne gelegentliche Perspektivwechsel läuft man allerdings Gefahr, intolerant, einseitig und auch ziemlich engstirnig zu werden.

Solche Menschen beharren dann ganz gerne mal auf ihrer Meinung, obwohl es längst bessere Gegenargumente gibt. Oder sie ersetzen die fehlende Substanz durch Vehemenz. Beides sieht ziemlich lächerlich aus.


Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. (Albert Einstein)



Klare Kante und ein gesundes Selbstbewusstsein sind eine feine Sache, solange wir dabei für neue Ideen, Haltungen und Sichtweisen empfänglich bleiben.

Das hat gleich mehrere Vorteile…

Perspektive wechseln: Die Vorteile

VorteilCheck
Tunnelblick
Wir öffnen und erweitern dadurch unseren Horizont.
Empathie
Wer die Ich-Perspektive verlässt, gewinnt an sozialer Kompetenz.
Toleranz
Zu akzeptieren, dass es auch andere Sichtweisen gibt, verleiht Größe.
Objektivität
Wahrnehmung ist subjektiv. Perspektivwechsel objektivieren das.
Korrektur
Wissen und „Wahrheiten“ lassen sich so besser verifizieren.
Problemlösung
Anders denken und sehen, führt zu besseren Lösungen.
Persönlichkeitsentwicklung
Selbstkritisch das eigene Verhalten reflektieren, macht bewusster.


Wer dagegen immer im gleichen Muster denkt, dieselben Wege geht, sich vor anderslautenden Meinungen verschließt, erreicht einen einen geistigen Horizont mit einem maximalen Radius von 1.

Echte Innovationen entstehen eher außerhalb davon.

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Mehr Empathie gewinnen durch Perspektivwechsel

Die Perspektive zu wechseln ist allerdings nicht nur eine ebenso einfache wie selten genutzte Taktik, um Zusammenhänge besser zu verstehen und sich selbst oder Produkte zu verbessern sowie unkonventionelle Lösungen zu finden. Sie erweitert auch unseren emotionalen Horizont.

Gerade die Arbeitswelt ist nicht nur ein Hort für konstruktive Zusammenarbeit. Hier entstehen auch zahlreiche Konflikte. Häufig basieren sie auf Missverständnissen, falschen Annahmen und Unterstellungen.


Die Wahrheit ist wie ein Kronleuchter im Gerichtssaal. Alle sehen ihn, aber jeder aus einem anderen Blickwinkel. (Peter Ustinov)



Klar im Vorteil ist, wer sich hier in den oder die anderen hineinversetzen kann, ihre Motive versteht und die Gefühle, die mit im Spiel sind.

Umgangssprachlich wird diese Fähigkeit auch Sozialkompetenz oder Empathie genannt und zählt zu den sogenannten Soft Skills. Jene, weichen Faktoren, die nach heutiger Forschung für den Erfolg im Job immer wichtiger werden. Oft mehr als harte Qualifikationen und Know-how.

Bevor wir voreilige Schlussfolgerungen oder Urteile über über andere fällen, sollten wir uns fragen:

Warum macht der oder die das, sagt das, meint das, glaubt das?

Das macht Fehlverhalten zwar nicht richtig, aber erklärbar. Und machmal ist anderes Denken und Verhalten ja auch gar nicht „richtig“ oder „falsch“, sondern einfach nur „anders“. Damit erzeugt der Perspektivenwechsel nicht nur Verständnis, sondern zugleich eine Vielzahl von Optionen.

Mit Empathie lässt sich viel erreichen:

  • Ein Chef, der sich in seine Mitarbeiter hineinversetzt, nimmt sich als Führungskraft und seinen Führungsstil besser wahr und kann manches korrigieren.
  • Ein Mitarbeiter, der sich in seine Kollegen hineinversetzt, kann eingefahrene Situationen leichter lösen und Auswege suchen.
  • Ein Meeting-Teilnehmer, der sich in die anderen Teilnehmer hineinversetzt, geht ergebnisoffener in die Diskussion und versucht, diese nicht zu gewinnen, sondern die beste Lösung zu finden.
  • Ein Verkäufer, der sich in seine Kunden hineinversetzt, findet überzeugendere Verkaufsargumente, die die Menschen in Ihrer Lebenswirklichkeit abholen.
  • Ein Unternehmer, der sich in seinen Konkurrenten hineinversetzt, versteht dessen Strategien besser und kann diese antizipieren und eine Nase voraus sein.

Die besten Entdeckungsreisen macht man nicht in fremden Ländern, sondern indem man die Welt mit neuen Augen betrachtet. (Marcel Proust)



Man kann die Dinge eben so oder so sehen…

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Perspektive wechseln: Tipps wie das ganz einfach gelingt

Ein Perspektivwechsel ist kein Trick aus dem Zauberkasten. Es hat auch nicht ausschließlich etwas mit Vorstellungskraft zu tun. Die Perspektive zu wechseln, ist vor allem uns zuerst eine willentliche Entscheidung.

Man muss wollen, die Dinge durch die Brille eines anderen oder von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten.

Fragen Sie Wozu statt Warum!

Wenn etwas schief läuft im Leben, im Job oder in der Liebe, dann fragen wir schnell nach dem WARUM: „Warum ich?“ „Warum passiert das immer mir?“ „Warum schon wieder?“ Doch die Frage zielt ausschließlich nach hinten: Sie sucht in der Vergangenheit nach vermeintlichen Ursachen, hadert mit dem Schicksal. Oder wir suhlen uns dabei in Selbstmitleid.

Dabei rücken wir UNS zu sehr in den Mittelpunkt und weniger das Ziel oder den Zweck. Die Frage WOZU? ist deshalb viel klüger: „Wozu?“ bedeutet ebenfalls die Perspektive zu wechseln – und zwar mit dem Blick nach vorne (siehe Video):



Dabei passieren drei wesentliche Prozesse des Perspektivwechsels:

  • Zuerst erkennen wir an, dass es nicht nur eine Realität gibt, sondern vor allem viele Wahrnehmungen davon.
  • Dann beginnen wir die Umstände, Meinungen, Sichtweisen anderes zu bewerten.
  • Schließlich verändert sich unser Verhalten gegenüber anderen Menschen. Wir verstehen und gewinnen Verständnis.

Die Voraussetzung dazu ist die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen, zu verändern und vielleicht sogar von seiner Lieblingssichtweise loszulassen. Dazu müssen aufmerksamer beobachten, bewusster zuhören und zwischen den Zeilen lesen.

Kurz: Wir müssen sensibler werden.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Tipps und Tricks, wie Sie ganz leicht Ihre Perspektive wechseln können:

  • Fremdreflexion

    Der einfachste Weg seine Perspektive zu wechseln, ist eine Art Selbstreflexion. Nur mit dem Unterschied, dass Sie die Ich-Perspektive bewusst verlassen und sich Fragen stellen, das Denken anderer in den Fokus rücken. Zum Beispiel diese:

    • Wozu würden mir meine Großeltern in dieser Situation raten?
    • Was würde mein (unternehmerisches) Vorbild jetzt tun?
    • Wie würde mein Erzrivale reagieren, wenn er von meinen Plänen wüsste?
    • Wenn mein Schulfreund in mein Büro käme: Was würde er denken?
    • Was würde ein Fremder von mir denken, wenn er es zum ersten Mal meine Wohnung betritt?
    • Was würde ein ehemaliger Klassenkamderad sagen, wenn er mich nach all den Jahren heute wiedertreffen würde?
  • Raikov Methode

    Dahinter steckt die „Technik des geborgten Genies“. Der russische Psychotherapeut Vladimir Raikov nutzte die Methode mit großem Erfolg bei seinen Patienten, indem er sie zwang, in einer nicht-linearen, unüblichen Denkweise zu assoziieren. Das gelingt zum Beispiel mit Fragen wie:

    • Was hätte Thomas Edison an meiner Stelle gemacht?
    • Wie hätte MacGyver eine Lösung gesucht?
    • Wie würde Elon Musk in der Situation vorgehen?

    Die Namen sind natürlich austauschbar. Es geht auch nicht darum, wirklich herauszufinden, was Edison, MacGyver oder Musk getan hätten. Sie sollen so nur überlegen, was SIE tun würden, wenn Sie Edison, MacGyver oder Musk wären. Schon wechseln Sie die gewohnte Perspektive!

  • Kopfstand-Methode

    Die Kopfstand-Methode (auch Kopfstand-Technik) ist eine Kreativtechnik und verwandt mit dem Brainstorming. Dabei sollen Sie sich allerdings zuerst das schlimmste Szenario ausmalen. Die Idee dahinter: Vielen Menschen fällt es leichter, für negative Dinge eine Erklärung zu finden, als neue Ideen zu entwickeln. Die Kopfstand-Methode macht genau das – und regt so zum Perspektivwechsel an.

  • Ortswechsel

    Klingt zu simpel? Funktioniert aber. Nicht nur der sprichwörtliche Tapetenwechsel erweitert den geistigen Horizont. Auch ein kurzfristiger Ortswechsel kann das leisten. Wenn Sie mal nicht weiterwissen oder in einer Diskussion nicht weiterkommen: Gehen Sie in einen anderen Raum. Oder nach draußen. In ein Café. Ganz egal. Hauptsache, Sie sorgen für räumliche Veränderung. Indem Sie die Dinge in einer anderen Umgebung sehen, sehen Sie auch die Dinge selbst in einem anderen Licht.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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22. Juni 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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