Systemisches Fragen: Wer fragt, der führt

Das Gespräch ist festgefahren, seit Stunden dreht sich die Diskussion im Kreis, das Problem scheint einfach nicht lösbar. Was Sie auch tun, Sie kommen mit Ihrem Gesprächspartner – oder im Team – einfach nicht weiter. Sackgasse. Solche Situationen können in den besten Teams und Gesprächen vorkommen. Angenehm sind sie zwar nicht, durch systemisches Fragen lassen sie sich aber schnell wieder lösen. Dafür müssen Sie dies jedoch kennen und beherrschen. Wir zeigen Ihnen, wie systemisches Fragen funktioniert, welche Fragetechniken dabei besonders wichtig sind und geben Ihnen viele Beispiele an die Hand, um Ihnen systemisches Fragen näherzubringen…

Systemisches Fragen: Wer fragt, der führt

Definition: Systemisches Fragen als Denkanstoß

Systemisches Fragen Definition Gesprächsführung Beispiele FragetechnikIm Gegensatz zu normalen Fragen geht es beim systemischen Fragen nicht primär um den Erkenntnisgewinn des Fragenden. Systemisches Fragen dient viel mehr dazu, den Gesprächspartner auf neue Möglichkeiten aufmerksam zu machen, zum Nachdenken anzuregen und die eingefahrenen Bahnen zu verlassen. Häufig wird systemisches Fragen beispielsweise von Coaches und Beratern eingesetzt, um Klienten bei der Selbstreflexion zu helfen, Verhaltensmuster zu hinterfragen und neue Denkansätze zu entwickeln.

Damit eignet sich die Methode auch dazu, festgefahrene Diskussionen in Teams neu zu beleben und Denkblockaden aufzulösen. Einige der Fragen funktionieren sogar am besten in einer Gruppensituation.

Damit der Einsatz systemischer Fragen gelingt, sind bei der Anwendung drei Grundsätze zu beachten:

  1. Sobald Sie die Methode anwenden und aktiv fragen, übernehmen Sie de facto die Gesprächsführung. Wenn Sie das von Ihrer offiziellen oder formalen Position in der Hierarchie oder im Team her nicht dürfen oder tun sollten, sollten Sie das im Vorfeld mit Ihrem Chef abklären.
  2. Systemische Fragen können zum Nachdenken anregen, können jedoch auch falsch verstanden werden. Achten Sie daher unbedingt auf eindeutige Formulierungen, bei denen sich niemand persönlich angegriffen fühlt.
  3. Wenn Sie andere dazu bringen wollen, sich aus eingefahrenen Mustern zu lösen, sollten Sie selbst diese Flexibilität genauso mitbringen. Es passt nicht zusammen, wenn Sie Ihre Kollegen zu neuem Denken auffordern, dann jedoch alle Ideen als unrealistisch abtun.

Wie jede Methode erfordert auch das systemische Fragen vor dem ersten Einsatz einige Übung. Wenn Sie sich nach Testgesprächen mit Freunden oder Bekannten sicher fühlen, kann diese Methode Ihnen im Arbeitsalltag und im Team hervorragende Dienste leisten.

Gesprächsführung Fragetechnik: Wer fragt, der führt

Fragetechniken: Wer, was, wann, wo, wie, warum, wozu?

Fragetechniken FrageartenNeben den klassischen W-Fragen (wer, was, wann, wo, wie, warum, wozu) werden vor allen zwei unterschiedliche Fragetechniken beziehungsweise Fragearten unterschieden:

  • Geschlossene Fragen: Aus Sie lässt sich in der Regel nur mit „Ja“ oder „Nein“ antworten (Haben Sie Ihre Präsentation schon fertig?).
  • Offene Fragen: Sie lassen dem Befragten Spielraum bei der Antwort und bringen ihn zum Erzählen (Was macht denn Ihre Präsentation?)

Egal, ob Sie ein Mitarbeitergespräch führen, ein Vorstellungsgespräch haben oder mit Ihrem Gegenüber etwas Smalltalk pflegen: Beide Fragetechniken – speziell für Rückfragen – sollten zu Ihrem festen Repertoire gehören.

Systemisches Fragen: Fragetechniken, die Sie beherrschen sollten

Im Rahmen des systemischen Fragens werden mehrere Fragearten unterschieden. Jede Frage erfüllt dabei eine Funktion. In der praktischen Anwendung werden die verschiedenen Fragearten nach Bedarf miteinander kombiniert, um das Gespräch oder die Diskussion in die individuell sinnvolle Richtung zu lenken.

Im Folgenden stellen wir Ihnen die sechs häufigsten Fragearten des systemischen Fragens vor:

  • Zirkuläre Fragen

    Diese Fragen dienen dazu, die aktuelle Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten und dadurch neue Ideen und Ansätze zu entwickeln. So können die eigenen Denkweisen besser hinterfragt und andere Blickwinkel erkannt und verstanden werden. Besonders effektiv sind diese Fragen, wenn die Personen, deren Perspektive eingenommen werden soll, anwesend sind. Dann kann nicht nur der Befragte seine Perspektive verlassen, die benannte Person erhält indirekt auch Feedback über ihre Wirkung auf andere.

    Der Vorteil zirkulärer Fragen ist die gezielte Forderung, sich in die Lage einer anderen Person zu versetzen. Der Gefragte muss den eigenen Standpunkt verlassen und eine neue Betrachtungsweise zulassen.

    Beispiele zu zirkulären Fragen:

    • Wie sieht die Situation aus Sicht von Kollege XY aus?
    • Wie würde Ihr Chef das sehen und beurteilen?
    • Wie fühlt sich wohl ein Kunde, wenn Sie ihm so begegnen?
    • Was hat ein neutraler Beobachter für eine Meinung dazu?
    • Wie würde Ihr Partner darüber denken?
    • Welches Verhalten würde Ihr Arbeitgeber erwarten?
    • Was würden Ihre Freunde Ihnen raten?
    • Warum hat der andere so reagiert?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Welche Reaktion erwarten Sie von Ihrem Kunden?
    Was wäre die erste Antwort, die Ihr Partner geben würde?
    Glauben Sie, Ihr Chef wäre damit zufrieden?
    Wie würde ein Kollege auf diesen Vorschlag reagieren?
    Wie würden die Mitarbeiter im Team mit der Situation umgehen?
    Warum sollte Ihr Vorgesetzter der Gehaltserhöhung zustimmen?
    Aus welchen Gründen würde der Geschäftspartner zustimmen?
    Welchen Eindruck vermittelt dieser Streit einem Unbeteiligten?
    Welche Erwartungen hat Ihr Chef? Welche hat der Kunde?
    Warum hat Ihr Freunde so negativ reagiert?




  • Lösungsorientierte Fragen

    Viel zu oft kreisen Fragen in Diskussionen um das Problem und die Defizite eines Projekts oder einer Situation. Mit lösungsorientierten Fragen können Sie die Aufmerksamkeit auf mögliche Lösungen und die vorhandenen Ressourcen lenken. So wird die Diskussion positiv gestaltet, statt immer nur darüber zu reden, was nicht klappt. Mit solchen Fragen können auch bisher ungenutzte Ressourcen und Möglichkeiten identifiziert werden.

    Für systemisches Fragen eignet sich diese Technik besonders, um das Gespräch in eine positive Atmosphäre zu bringen. Es geht um das, was funktioniert, auf echte Chancen, Möglichkeiten, Stärken, Talente und hilfreiche Menschen oder Situationen.

    Beispiele zu lösungsorientierten Fragen:

    • Welche Möglichkeiten sollten unbedingt genutzt werden?
    • Wer ist für den Erfolg besonders wichtig?
    • Wann lief oder läuft es gut?
    • Welche Probleme konnten bereits gelöst werden?
    • Was ist für einen reibungslosen Ablauf notwendig?
    • Wo sind die Unterschiede zwischen Problemen und einem guten Ablauf?
    • Mit welchen Mitteln kann ein weiteres Problem vermieden werden?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Was ist Ihre größte Stärke, die Sie hier nutzen können?
    Wodurch lasst sich das Problem vermeiden?
    Wie haben Sie ähnliche Schwierigkeiten früher bereits überwunden?
    Wen können Sie um Hilfe bitten?
    Welche Faktoren können Sie beeinflussen, um das Ziel zu erreichen?
    Welche Teilschritte haben Sie bereits abgeschlossen?
    Wie haben Sie es geschafft, die Situation unter Kontrolle zu bringen?
    Woran erkennen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind?
    Wodurch können Sie Ihre Kollegen unterstützen?
    Welche drei Schritte müssen Sie als nächstes gehen?




  • Hypothetische Fragen

    Diese Fragen stellen eine Einladung zu Gedankenexperimenten dar. Sie führen zwar nur selten direkt zur Lösung eines bestehenden Problems, können dafür die Tür zu neuen Ansätzen und Richtungen öffnen. Durch hypothetische Fragen kann auch erkannt werden, ob eine bestimmte Idee überhaupt zum Ziel führen kann oder gleich verworfen werden sollte. Eine beliebte Strategie dieser systemischen Fragen ist es, limitierende Faktoren in solchen Gedankenexperimenten auszuschalten, um kreative Energien freisetzen.

    Das systemische Fragen mit dieser Fragetechnik hilft dabei, bestimmte Szenarien gedanklich durchzuspielen und dabei auch zu bewerten. Es werden Ideen gefunden, analysiert und miteinander verglichen. So kann dem Gefragten klar werden, ob Möglichkeiten ein guter Ansatz sind oder gleich verworfen werden sollten.

    Beispiele zu hypothetischen Fragen:

    • Was würden Sie tun, wenn niemand anders davon betroffen wäre?
    • Hätten Sie eine andere Idee, wenn Zeit keine Rolle spielen würde?
    • Was würde passieren, wenn Sie Ihr Chef morgen spontan befördert?
    • Wie würden Sie das Problem mit unbegrenztem Budget angehen?
    • Was würden Sie tun, wenn Sie keine Angst vor dem Scheitern hätten?
    • Wenn Sie selbst einen Traumjob entwerfen könnten: Was würde diesen ausmachen?
    • Was würde passieren, wenn Sie morgen Ihr Ziel erreichen?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Was würden Sie sagen, wenn der Kollege um Ihre Meinung bittet?
    Wie würden Sie vorgehen, wenn Sie allein verantwortlich wären?
    Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Ihr Vorhaben gelingt?
    Würden Sie zu einem anderen Zeitpunkt auch so entscheiden?
    Wie würde Ihr Job aussehen, wenn Sie diesen komplett selbst gestalten könnten?
    Wie würde Ihr privates Umfeld auf diese Idee reagieren?
    Wie viel Gehalt würden Sie sich selbst fairerweise zahlen?
    Was würden Sie in Ihrem Leben ändern, wenn Sie alles tun könnten?
    Wie würden Sie reagieren, wenn Sie morgen fristlos gekündigt werden?
    Welches Ziel würden Sie am liebsten erreichen?




  • Wunderfragen

    Bei dieser Art der systemischen Fragen handelt es sich ebenfalls um hypothetische Gedankenspiele – nur extremer. Wunderfragen sollen Sie anregen, über den bekannten Horizont hinaus zu denken, zu fantasieren und weiter zu denken, statt sich geschlagen zu geben. Solche Fragen helfen vor allem in festgefahrenen, scheinbar ausweglosen Situationen, doch noch einen Weg oder eine Lösung zu finden. Nicht selten führen die damit verbundenen positiven Emotionen und Gedankenspiele auch zu neuer Motivation beim so Befragten.

    So zeigt das systemische Fragen mit Wunderfragen, dass es noch Hoffnung geben kann. Oft wird dabei ein Idealzustand beschrieben oder – wie der Name der Fragetechnik schon zeigt – eine wundersame Lösung vorgegeben.

    Beispiele zu Wunderfragen:

    • Was wäre, wenn das Problem plötzlich gelöst wäre?
    • Wie würde Ihre Situation in einer perfekten Welt aussehen?
    • Was wäre, wenn das Mobbing über Nacht einfach aufhört?
    • Angenommen, der nächste Arbeitgeber ist perfekt: Wie geht es dann weiter?
    • Was wäre, wenn Sie es bis morgen doch noch schaffen?
    • Stellen Sie sich vor, Sie gewinnen morgen im Lotto: Was dann?
    • Angenommen man bietet Ihren morgen den Traumjob an: Was würde sich in Ihrem Leben ändern?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Woran würden Sie erkennen, dass Ihr Problem gelöst ist?
    Wenn Sie die größten Schwierigkeiten Ihres Lebens gelöst hätten: Was würden Sie dann tun?
    Was wären Sie bereit aufzugeben, um das Problem zu lösen?
    Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihr Traum plötzlich wahr wird?
    Über welche Veränderung in einer idealen Welt würden Sie sich am meisten freuen?
    Welche Menschen wären Ihnen weiterhin wichtig, wenn sich ab Morgen alles ändern würde?
    Würden Sie an Ihrem Job festhalten, wenn Sie nicht auf das Geld angewiesen wären?
    In einer perfekten Welt: Womit würden Sie Ihren Tag verbringen?




  • Begründungsfragen

    Mithilfe dieser Fragen bringen Sie Ihr Gegenüber dazu, sein oder ihr Handeln zu reflektieren und zugleich zu begründen. Diese systemischen Fragen bieten einen besseren Einblick in die Denkweisen der Gesprächspartner und können helfen, deren Ansichten nachzuvollziehen. Die Begründungsfragen können natürlich auch dabei helfen, angebliche Tatsachen zu hinterfragen oder eine bisher eindimensionale Betrachtung des Sachverhaltes neu zu öffnen.

    Wichtig dabei ist eine durchaus kritische Herangehensweise. Bei Begründungsfragen soll den Entscheidungen, Denk- und Verhaltensweisen des Gegenübers auf den Zahn gefühlt werden.

    Beispiele zu Begründungsfragen:

    • Warum wollen Sie das Problem auf diese Weise lösen?
    • Wann sind Sie zu dieser Ansicht gekommen?
    • Wie sicher sind Sie, dass es funktionieren wird?
    • Warum sollten wir keine andere Möglichkeiten in Betracht ziehen?
    • Weshalb sind Sie davon so überzeugt?
    • Können Sie mir Ihr Vorgehen noch einmal genauer erklären?
    • Welche Erfahrungen liegen Ihrer Meinung zugrunde?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Aus welchen Gründen haben Sie genau so gehandelt?
    Welche drei Argumente sprechen für Ihre Seite?
    Haben Sie in diesen Bereich bereits Erfahrungen gemacht?
    Können Sie Ihre Perspektive nachvollziehbar belegen?
    Wie wollen Sie Außenstehende überzeugen?
    Welche Gründe sprechen gegen eine andere Vorgehensweise?
    Glauben Sie wirklich, dass Ihre Idee besser ist als die anderen?
    Warum lassen Sie sich von Ihrer Meinung nicht abbringen?
    Wie entkräften Sie Gegenargumente?
    Was würden Sie darauf setzen, dass Ihre Idee funktioniert?




  • Skalierende Fragen

    Mit diesem Frage-Ansatz können Sie gleich zwei Ziele erreichen: Erstens können Sie die Komplexität einer Situation temporär reduzieren und zweitens können Probleme in die richtige Perspektive gesetzt werden. Was beispielsweise überwältigen wirkt, wird durch die richtigen Fragen vielleicht deutlich kleiner, lässt sich begreifen, einordnen und lösen. Durch diese systemischen Fragen können zudem nicht objektiv beurteilbare Einschätzungen besser messbar gemacht werden.

    Zudem hilft diese Fragetechnik dabei, das individuell empfundene Ausmaß eines Sachverhalts zu verdeutlichen. Die Einschätzung auf einer Skala spiegelt die persönliche Meinung wieder und zeigt beispielsweise, wie schwer dem Gefragten etwas fällt – auch wenn es sich objektiv vielleicht um eine leichte Angelegenheit handelt.

    Beispiele zu skalierenden Fragen:

    • Wie beurteilen Sie das aktuelle Problem auf der Schwierigkeitsskala von 1 bis 10?
    • Wie gut geht es Ihnen im Vergleich zum letzten Jahr?
    • Wenn der perfekte Tag eine 10 ist: Wie geht es Ihnen dann heute?
    • Wie ordnen Sie das Problem im Vergleich zu früheren Problemen ein?
    • Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis Ihrer Entscheidung?
    • Wie glücklich sind Sie in Ihrem aktuellen Job auf einer Skala von 1 bis 10?
    • Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie gestresst sind Sie gerade?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Von 1 bis 10: Wie leistungsfähig fühlen Sie sich heute?
    Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie motiviert sind Sie an einem durchschnittlichen Arbeitstag?
    Wie beurteilen Sie Ihre eigene Leistung auf einer Skala von 1 bis 10?
    Welche Faktoren könnten Ihr Ergebnis von einer 7 auf eine 8 oder sogar 9 steigern?
    Was hat Ihre Zufriedenheit von einer 5 auf eine 8 gehoben?
    Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie glücklich sind Sie in Ihrem aktuellen Job?
    Wenn Sie eine Gehaltserhöhung bekommen, würde das die Bewertung verändern?
    Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie nah sind Sie Ihrem Ziel bereits?
    Wenn Ihre berufliche Situation vor drei Jahren eine 5 auf der Skala war – wo befinden Sie sich dann heute?
    Ist Ihre Zufriedenheit auf der Skala schon einmal unter den Wert 3 gesunken?




  • Paradoxe Fragen

    Mit paradoxen Fragen können Sie Probleme ebenfalls einordnen. Ihre Wirkung geht jedoch darüber hinaus und kann mitunter die kreativsten Lösungsansätze hervorbringen. Es geht darum, die Fragestellung umzukehren, ins Gegenteil zu drehen und dabei auf die Spitze zu treiben. Zugegeben, nicht alle so entstehenden Ideen sind immer umsetzbar, sie stellen jedoch meist gute Ansätze dar. Mit ein wenig mehr Zeit und Energie, um die Gedanken weiterzuführen, können so spannende Ideen entwickelt werden, auf die ansonsten vielleicht niemand gekommen wäre. Die Wirkung kann allerdings nur eintreten, wenn sich die Befragten ernsthaft auf die Fragen einlassen.

    Wird diese Art beim systemischen Fragen eingesetzt, kann eine entsprechende Erklärung notwendig sein, um den Gesprächspartner nicht zu verwirren oder zu verunsichern. Durch die Offenheit entsteht größeres Verständnis und der Gegenüber kann sich ganz auf die Übung einlassen. Dies ist wichtig, da es bei ernsten Themen und Fragen schwierig sein kann, sich gedanklich mit den negativen Extremen auseinanderzusetzen.

    Beispiele zu paradoxen Fragen:

    • Wie könnten Sie das Projekt völlig zum Scheitern bringen?
    • Wie ließe sich das Problem noch verstärken?
    • Was können Sie tun, um die Beförderung nicht zu bekommen?
    • Was müssen Sie tun, um Ihrer Gesundheit noch weiter zu schaden?
    • Wie können Sie wirklich unglücklich werden?
    • Was klappt auf keinen Fall?

    Weitere Beispiele zum Durchklicken:


    Was würde dazu führen, dass Sie endgültig alles hinschmeißen?
    Wie könnten Sie für noch mehr Streit und Unruhe im Team sorgen?
    Wie können Sie den Chef am besten gegen sich aufbringen?
    Was müsste im Job passieren, um jegliche Lust zu verlieren?
    Wodurch könnte Ihr Leben noch stressiger werden?
    Was kann die Beziehung zu Ihrem Partner noch weiter ruinieren?
    Welche Vorgehensweise ist zum Scheitern verurteilt?
    Mit welchen Maßnahmen geht die Firma auf jeden Fall pleite?
    Wie können Sie Ihrer Zufriedenheit nachhaltig schaden?
    Welche Entscheidung könnte Sie in den finanziellen Ruin treiben?




70 indiskrete Fragen zum Nachdenken

Rolf Dobelli hat ein hinterlistiges Buch geschrieben, in dem er ein altes britisches Gesellschaftsspiel belebt: den Fragebogen. Der Autor bietet in der Lektüre gleich 777 Fragen – wohl geordnet nach Lebensbereichen – mal amüsant, mal zynisch, mal nachdenkenswert. Vor allem aber eignen sie sich zur diskreten Selbsterforschung. Am besten Sie fangen gleich damit an…



  • Wie viel Erfolg brauchen Sie ganz persönlich?
  • Wie definieren Sie Sinn?
  • Was wäre Ihnen lieber: Sie fühlen sich jünger, als Sie sind? Oder Sie sind jünger, als Sie sich fühlen?
  • Wie lähmend ist für Sie Selbsterkenntnis?
  • Wären Sie lieber sympathischer oder intelligenter?
  • Was würden Sie Sokrates fragen?
  • Würden Sie Ihren Kindern Ihr Leben wünschen?
  • Finden Sie Menschen, die Sie an sich selbst erinnern sympathisch oder nicht?
  • Angenommen, Sie könnten etwas zurücknehmen, was Sie gesagt haben – was wäre es?
  • Angenommen, Sie könnten etwas sagen, wo Sie geschwiegen haben – was wäre es?
  • Würden Sie wissen wollen, wie viele Versuche nötig waren, Sie zu zeugen?
  • Was war der Höhepunkt in Ihrem Leben? Oder kommt der noch?
  • Können Sie sich gehen lassen?
  • Was war der peinlichste Moment in Ihrem Leben?
  • Falls nicht in diesem – in welchem Jahrhundert hätten Sie gerne gelebt?
  • Geradeheraus: Was für ein Mensch sind Sie?
  • Was wissen Sie mit Sicherheit?
  • Welche Gedanken würden Sie lieber nicht haben?
  • Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie versuchen, einen Moment lang nicht zu denken?
  • Welchen Erfahrungen trauen Sie nicht?
  • Wann ziehen Sie Ahnung Gewissheit vor?
  • Was sind die Vor- und Nachteile von Wahrheit?
  • Welche Entdeckungen hätten Sie lieber nicht gemacht?
  • Was fällt Ihnen leichter: denken oder nachdenken?
  • Woran denken Sie, wenn Sie an etwas schönes denken wollen?
  • Reden Sie zu viel oder zu wenig?
  • Gibt es selbstgesteckte Ziele, die Sie nicht mögen?
  • Wie oft setzen Sie sich für etwas ein, dass Ihnen nicht hilft?
  • Würden Sie wollen, dass Ihr Hobby profitabel ist?
  • Beruhigt Sie die Tatsache, dass auch Ihr Vorgesetzter einmal sterben muss?
  • Haben Sie schon einmal sinnlose Projekte in Ihrem Unternehmen sabotiert?
  • Wie überbrücken Sie die Kluft zwischen Einsicht und Handeln?
  • Ab welchem Alter möchten Sie sich nicht mehr so sehen, wie andere Sie sehen?
  • Wissen Sie, was Sie glücklich macht?
  • Wissen Sie, was Sie wollen?
  • Wie viele Enttäuschungen brauchen Sie, um Glück zu spüren?
  • Was erwarten Sie von der Liebe?
  • Gibt es Hass auf den ersten Blick?
  • Haben Sie Angst vor der Bedeutungslosigkeit?
  • Was oder wen lieben Sie mehr als sich selbst?
  • Wenn Sie geliebt werden, wollen Sie dann auch lieben?
  • Lesen Sie Bücher aus Prinzip zu Ende?
  • Was ist das Ziel der Menschheit?
  • Würden Sie, wenn Sie könnten, den Konjunktiv abschaffen?
  • Wie oft genügt Ihnen der kleinste gemeinsame Nenner?
  • Welche Komplimente verunsichern Sie?
  • Wen belügen Sie häufiger: andere oder sich selbst?
  • Wie bedanken Sie sich für ein Geschenk, dass Ihnen nicht gefällt?
  • Was war die beste Ausrede Ihres Lebens?
  • Beschreiben Sie Ihr allererstes Gefühl?
  • Woher wissen Sie, dass Vernunft kein Gefühl ist?
  • Wäre die Welt besser, wenn alle Erfolg hätten?
  • Worum beneidet man Sie?
  • Wären Sie manchmal lieber ein schlechter Gewinner als ein guter Verlierer?
  • Woraus lernen Sie mehr: aus Erfolgen oder Misserfolgen?
  • Wenn Sie Erfolg haben: Gibt er Ihnen recht?
  • Würden Sie sich einen Job geben? Welchen?
  • Würden Sie Ihr Chef sein wollen?
  • Ist es Arbeit, wenn es Spaß macht?
  • Welchen Ruf haben Sie?


  • Welche Werte würden Sie für eine zehnfache Gehaltserhöhung verraten?
  • Ab welchem Betrag wird Geld für Sie uninteressant?
  • Wen würden Sie dafür bezahlen, dass er Ihr Freund ist?
  • Wissen Sie, wer wirklich Ihr Freund ist?
  • Wissen Sie wer Ihre Freunde wirklich sind?
  • Ist Gott Ihr Freund?
  • Wen würden Sie gerne kennenlernen?
  • An welche Naturgesetze glauben Sie nicht?
  • Wie alt möchten Sie nicht werden?
  • Auf welche Antworten hätten Sie gerne eine Frage?


Systemisches Fragen: Tipps zur richtigen Anwendung

Welche Fragen in der jeweiligen Situation sinnvoll und effektiv sind, müssen Sie natürlich selbst entscheiden, denn wie schon gesagt: Wer fragt, der führt

Wichtig ist, dass Sie im Vorfeld alle Fragearten ausprobiert haben und sich damit sicher fühlen. Die potenzielle Wirkung des systemsichen Fragens ist enorm, die Nebenwirkungen können es jedoch auch sein. Entscheidend ist, dass Sie diese Fragetechniken dosiert und zielgerichtet einsetzen.

Der Einsatz bietet sich vor allem dann an, wenn Ihre Gesprächspartner über eine ausgeprägte Diskussionskultur verfügen und bereit sind, sich aus bekannten Denkmustern zu lösen. Dann ist die Methode hervorragend geeignet, um kreative Lösungen zu entwickeln. Nur bitte ohne Druck zu erzeugen!

Es sollte sowohl Zeit zum Nachdenken bleiben als auch genug Freiraum, um seine Gedanken und Ideen entfalten zu können. Denkverbote oder die vorschnelle Bewertung von Antworten sind hier (wie beim Brainstorming) tabu.

Deshalb sollte zwischen dem Fragensteller und Befragten ein belastbares Vertrauensverhältnis bestehen. Manche der systemischen Fragen sind recht intim und gehen ans Eingemachte. Damit sich daraus ein lösungsorientierter Dialog entwickeln kann, ist gegenseitiges Vertrauen essenziell.

[Bildnachweis: Gutesa by Shutterstock.com]
27. Februar 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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