Stressfaktoren: Die schlimmsten im Job

Im Job sind wir zahlreichen Stressfaktoren ausgesetzt. Das häufig klingelnde Telefon; das E-Mail Postfach; Kollegen, die unvermittelt ins Büro stürmen und mit Fragen, Problemen oder Informationen überhäufen… Das alles reißt uns nicht nur jedesmal gedanklich aus der Arbeit heraus – die Stressfaktoren machen uns auch anfälliger für Fehler, senken unsere Produktivität, senken die Zufriedenheit und können sogar gesundheitliche Probleme verursachen. Aber lässt sich dagegen überhaupt etwas tun? Wir finden: Ja. Wir müssen sogar etwas dagegen unternehmen. Schon aus purem Selbstschutz. Das sind die schlimmsten Stressfaktoren im Job – und das können Sie tun…

Stressfaktoren: Die schlimmsten im Job

Definition: Was sind überhaupt Stressfaktoren?

Stressfaktoren Definition Erklärung Bedeutung Stressfaktor erkennen abbauenKurz gesagt: Stressfaktoren sind (äußere) Reize, die im Körper eine typische Reaktion von Stressreaktion auslösen. Also zum Beispiel: Herzrasen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schwitzen, Konzentrationsstörungen, Aggressionen, Lustlosigkeit, Schlaflosigkeit und so weiter. Stress wirkt aber auf jeden Menschen anders, sodass diese Stressreaktionen unterschiedlich und auch unterschiedlich stark ausfallen können.

Stressfaktoren (auch Stressoren genannt) lösen im Körper eine Kaskade zahlreicher biochemischer Reaktionen aus, die zur Ausschüttung von Stresshormonen (insbesondere Adrenalin und Kortisol) führen. Ziel ist, den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen und gespeicherte Energie besonders schnell abrufen zu können. Ursprünglich: zur Flucht oder zum Angriff.

Obwohl uns diese körperlichen Reaktionen eigentlich schützen sollen, bewirkt zu viel und dauerhafter Stress das genaue Gegenteil: Er macht uns krank. Nicht nur unser Immunsystem leidet darunter. Die extremen Folgen können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, ein Burnout oder auch Depressionen sein.

Was löst im Alltag Stress aus?

Zwar müssen wir uns heute nicht mehr vor Säbelzahntigern oder anderen Gefahren schützen. Dennoch hat der Stress in unserer Gesellschaft eher noch zugenommen. Moderne Stressfaktoren und Stressauslöser sind heute:

  • Arbeitsverdichtung
  • Leistungsdruck
  • Über- oder Unterforderung
  • Termindruck
  • Ständige Erreichbarkeit
  • Zu wenig Pausen und Erholungsphasen
  • Multitasking
  • Nicht Nein Sagen und Grenzen aufzeigen
  • Konflikte im Job oder zuhause
  • Doppelbelastung von Job und Privatleben
  • Anspruchsdenken
  • Ablenkungen und Unterbrechungen
  • Schicksalsschläge und Krisen
  • Ängste und Sorgen
  • Schlafmangel
  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst
  • Fehlende Bewegung
  • Falsche und ungesunde Ernährung

Fragt man verschiedene Arbeitnehmer danach, was bei ihnen den meisten Stress im Job auslöst, so nennen die meisten den Chef oder die Kollegen, zum Teil auch die Kunden. Also kurz: das soziale Umfeld.

Keine Frage, unsere Mitmenschen können gewaltig nerven, stören und unseren Zeitplan ins Wanken bringen. Bei genauerem hinsehen, geben aber auch diese auf ihre Weise eigenen Stress weiter. Oder anders formuliert: Nervige Kollegen sind ein Symptom, aber seltener die wahre Ursache für den Stress im Job.

Tatsächlich stecken die schlimmsten Stressfaktoren oft in der Arbeitsorganisation und den Betriebsabläufen selbst. Die gute Nachricht daran ist: Dagegen lässt sich viel leichter etwas unternehmen als gegen seinen Vorgesetzten oder gegen Kollegen, die ihre eigenen Problem – auf unfaire Weise – kanalisieren.

Musik gegen Stressfaktoren: Entspannen in Minuten

Stressfaktoren abbauen Stressauslöser Stresssoren Hilfe Stress erkennenMusik hat nachweislich große Auswirkungen auf das Befinden. Leicht können Sie bei sich selbst beobachten, wie Sie bei traurigen Liedern melancholisch werden oder wie Ihre Lieblingsmusik sofort die Stimmung hebt, selbst wenn Sie vorher noch schlecht drauf waren. Diesen Effekt haben britische Neurowissenschaftler auf Stressfaktoren angewandt und haben ein Musikstück gefunden, dass das Stresslevel um erstaunliche 65 Prozent senken soll.

Beim Hören von unterschiedlicher Musik wurden die Probanden durch Aufgaben und Zeitdruck künstlich unter Stress gesetzt, während Hirnaktivitäten, Blutdruck und Atmung gemessen wurden, um die Stressreaktion zu untersuchen. Klarer Sieger ist das Stück „Weightless“ von Marconi Union.

Der 8-minütige Entspannungssong wurde laut Angaben der Gruppe auf Youtube genau zu diesem Zweck zusammen mit Musiktherapeuten entwickelt. Er soll in der Lage sein, Puls und Atmung zu beruhigen sowie Hirnaktivitäten zu reduzieren – sprich: runterzukommen und zu chillen.

Die 8 schlimmsten Stressfaktoren im Job

Kurzfristiger Stress (sogenannter Eustress) spornt zu Höchstleistungen an. Den gibt es in jedem Job – und solche (stressigen) Phasen gibt es auch immer wieder. Dagegen ist nichts zu sagen. Uns geht es daher vielmehr um jene Stressfaktoren, die zu permamenter Anspannung und zu ungesundem Dauerstress (sogenannter Distress) führen.

Und auch wenn das ein bisschen unbequem ist: Nicht all diese Auslöser sind fremdverschuldet. Manche Stressfaktoren im Job sind hausgemacht. Dafür können wir niemand anderem die Schuld geben. Aber – das ist das Gute daran – wir können diese Auslöser selber wieder abschalten. Das kostet manchmal etwas Mühe, erfordert ein Umdenken und Andersmachen. Dafür erleben wir die Zeit danach sofort als befreiend und entspannter.

In der folgenden Liste der acht schlimmsten Stressfaktoren im Job finden Sie also zum Teil Stressoren, die Sie unmittelbar selbst verändern können (innere Faktoren). Bei anderen ist dagegen eine bessere Absprache (oder auch Aussprache) mit den Kollegen unvermeidbar (äußere Faktoren). Das lohnt sich aber immer. Schließlich geht es nicht nur um mehr Spaß auf der Arbeit, sondern auch um Ihre Gesundheit…

  1. Unrealistische Ziele

    Überhaupt Ziele zu haben, kann uns enorm motivieren. Wir haben eine klare Vorstellung davon, auf was wir hinarbeiten. Die Richtung vor Augen, sehen wir zudem mit jeder Etappe das Ziel näher kommen. Das verschafft uns regelmäßige Erfolgserlebnisse. Zielstrebigkeit kann allerdings das genaue Gegenteil bewirken, wenn die Ziele überzogen und unrealistisch sind. Dann werden wir den eigenen Anforderungen nicht mehr gerecht (können es auch gar nicht). Die Folge: Wir versagen und stolpern von einer Niederlage zur nächsten. Um das auszugleichen, klotzen manche dann noch doppelt so hart ran. Der Stressfaktor verstärkt sich selbst – und das hält kein Mensch auf Dauer aus.

    Der Ausweg ist natürlich längst klar: Setzen Sie sich realistische Ziele. Das ist zwar leichter gesagt als getan, aber auch keine Raketenwissenschaft. Solche Ziele lassen sich auch korrigieren und den Umständen anpassen. Entscheidend ist, dass Sie diese in der verfügbaren Zeit und mit den persönlichen Mitteln überhaupt erreichen lassen. Und ganz wichtig: Es sollten IHRE Ziele sein.

  2. Utopische Erwartungen

    Nicht nur der Chef, sondern auch wir selbst können von uns zu viel erwarten. Eine solche viel zu hohe Erwartungshaltung sorgt dann für unnötigen Stress. Niemand kann immerzu perfekt sein. Es ist ein Fehler, keine Fehler machen zu wollen. Manche Menschen verschwenden ihr ganzes Leben bei diesem Versuch. Perfektionismus, also alle Dinge 100-prozentig und überkorrekt zu erledigen, führt zum Tunnelblick und ist häufig auch ineffektiv und in hohem Maße unproduktiv. Ein klassischer, selbstgemachter Stressfaktor.

    Seien Sie fairer zu sich. Es sicher kein Fehler, über sich hinaus wachsen zu wollen. Aber Superman und Superwoman gibt es nur in Comics. Aus Gründen. Zu hohe Erwartungen, zu großer Ehrgeiz führen zwangsläufig zu Enttäuschungen. Was folgt, ist meist ein schwindendes Selbstwertgefühl. Relativieren Sie also diesen Stressfaktor und versuchen Sie weniger in Extremen zu denken: Es gibt nicht nur Sieg oder Niederlage, nicht nur schwarz oder weiß, richtig oder falsch.

  3. Unklare Prioritäten

    Wenn mehrere Aufgaben anstehen, erstellen sich wohl die meisten – ob auf Papier oder gedanklich – eine typische To-Do Liste. Diese sorgt für einen ersten Überblick, sorgt aber zugleich für das nächste Problem: Womit anfangen? Was ist besonders wichtig oder dringend? Kurz: Sie müssen Prioritäten setzen – und genau das fällt vielen Menschen schwer. Voilà, wieder so ein hausgemachter Stressfaktor.

    Wobei man dazu sagen muss, dass auch Chefs die eigene Prioritätenliste gewaltig durcheinander wirbeln können, wenn Sie mit einer Aufgabe überraschen, die keinen Aufschub duldet und bitte bis gestern erledigt sein muss. Aber auch dann gilt: To-Dos neu sortieren und improvisieren. Statt zu versuchen, alles auf einmal und möglichst schnell zu erledigen (Achtung: Multitasking funktioniert nicht!), ist es sinnvoller, eine klare Reihenfolge zu definieren und diese dann Punkt für Punkt abzuarbeiten (sogenanntes Monotasking). Effekt: Der Aufgabenberg schmilzt – ebenso wie die Dringlichkeit der Aufgaben und damit der Stress.

  4. Regelmäßige Unterbrechungen

    Dieser Stressfaktor ist nicht ganz eindeutig: Zum Teil entsteht er durch äußere Einflüsse, zum Teil aber auch selbstverschuldet. Fest steht: Permanente Unterbrechungen sind ein echter Konzentrations- und Produktivitätskiller. Studien zufolge verdoppeln (!) sie gar die Fehlerquote.

    Dagegen lässt sich allerdings etwas unternehmen: Wer hochkonzentriert an einer Aufgabe arbeiten muss, kann vorübergehend das Telefon auf Vibrationsalarm und den E-Mail-Eingang stumm schalten. Im Großraumbüro können Sie sich (Gegenschall-)Kopfhörer aufsetzen und im Einzelbüro ein Schild an die Tür heften: „Bitte nicht stören!“. Nur ein unempathischer Klotz wird diese Signale ignorieren. Kurzum: Versuchen Sie Ihre Aufgaben am Stück zu erledigen und eliminieren Sie in dieser Zeit so viele Störquellen wie möglich.

  5. Fehlende Grenzen

    Die netten, hilfsbereiten Kollegen, die die niemals Nein sagen – die mag jeder. Denn sie machen das eigene Leben leichter. Wer anderen seine Hilfe nur allzu bereitwillig zukommen lässt, zahlt dafür aber einen hohen Preis: Überlastung. Am Ende werden die Ja-Sager zu billigen Gehilfen und weniger respektiert als jene, die ab und an Grenzen setzen und selbstbewusst Nein sagen.

    Tappen Sie nicht in diese Stressfalle und versuchen Sie erst gar nicht, es jedem recht machen zu wollen. Das schafft niemand. Lernen Sie vielmehr – privat wie beruflich – klare Grenzen zu setzen, was Sie gerne noch übernehmen und was nicht. Nur weil Sie eine Bitte ausschlagen, sind Sie nicht weniger liebenswert. Das ist ein Irrglaube! Richtig ist vielmehr: Wer Neinsagen lernt, gewinnt größere Freiheit und offenbart mentale Stärke.

  6. Mangelhafte Informationen

    So langsam kommen wir in den Bereich der Stressfaktoren, die nur allein durch Sie zu beeinflussen sind. Dazu zählen beispielsweise wichtige Informationen für den Job. Wie wichtig diese sind, wird oft erst bemerkt, wenn sie fehlen. Oder wenn ein Kollege vergessen hat, uns das mitzuteilen. Dann geht entweder einiges drunter und drüber. Schlimmstenfalls war die gesamte bisherige Arbeit für die Mülltonne. Na, Danke! So oder so: Das löst unmittelbar Stress und Ärger aus.

    Ganz wichtig hierbei: Betrachte Sie Informationen für Ihr Projekt nicht ausschließlich als Bringschuld. Sie tun sich mit der Einstellung selbst keinen Gefallen. Vorab relevante Informationen zu beschaffen, ist nicht nur eine Holschuld – es macht Ihren Job auch leichter. Und Sie beugen Fehlern vor.

  7. Fehlendes Feedback

    Regelmäßiges Feedback ist nicht nur ein wichtiger Management-Auftrag. Es wirkt ebenso stressmindernd. Jeder Mitarbeiter möchte wissen, wo er oder sie steht: War die Arbeit gut? Wo muss ich noch an mir arbeiten? Wo sehen andere Potenziale bei mir? Das Wissen darüber motiviert und verbessert das Gesamtergebnis. Bleibt ein solches Feedback hingegen aus, entstehen bei den Betroffenen Stress und Zweifel.

    Auch hier gilt: Bleiben Sie nicht einfach nur Opfer dieses Stressfaktors, sondern fordern Sie aktiv Feedback ein, um diesen Stressfaktor zu bekämpfen. Wenn Ihr Chef schon nicht freiwillig solche Rückmeldungen gibt, dann bitten Sie in darum. Einmal im Monat, spätestens aber zu jedem Quartalsende sollten Sie sich im sogenannten Mitarbeitergespräch austauschen.

  8. Schlechtes Personalmanagement

    Ein Kollege erkrankt oder hatte einen Unfall. Jetzt muss umgeplant, Arbeit neu verteilt werden. Das lässt sich nicht vermeiden – aber vorbereiten. Aber mal ehrlich: In wie vielen Betrieben ist das der Fall? Die meisten reagieren eher spontan auf krankheitsbedingte Ausfälle. Dabei kommen die regelmäßig vor. Insbesondere im Winter oder wenn mal wieder eine Grippewelle durch die Republik rollt.

    Sorgen Sie also rechtzeitig und permanent dafür, dass Arbeitskräfte ersetzt und anfallende Aufgaben delegiert werden können. So sollten zum Beispiel in der Abteilung Ansprechpartner bekannt, To Dos transparent und Vertretungen klar geregelt sein. Spätestens in der Urlaubssaison zahlen sich solche Regelungen aus.

Je mehr Sie sich diese inneren und äußeren Stressfaktoren bewusst machen und ihnen entgegen wirken, desto zufriedener werden Sie im Job werden. Mehr noch: In dem Maß, wie Sie darüber Kontrolle gewinnen, werden Sie auch weniger Stress empfinden. Denn ob wir eine Situation als stressig empfinden, hängt zu einem Großteil davon ab, wie sehr wir das Gefühl haben, diese selbst beeinflussen und bestimmen zu können.

Stress beginnt zu 100 Prozent im Kopf. Gewinnen Sie die Handlungskontrolle (zurück) – besiegen Sie zugleich den Stress und dessen auslösende Faktoren. Dabei helfen kann Ihnen das Modell der sogenannten Stressampel.

Stressampel: Individuelles Konzept gegen Stressfaktoren

  1. Die Stressfaktoren

    Leitsatz: Ich gerate in Stress, wenn…

    Ampel-RotDie grundlegende Frage lautet: Was genau löst bei Ihnen Stress aus? Es geht nicht darum, allgemeine Vorurteile zu bedienen, sondern nach konkreten Auslösern in Ihrem persönlichen Umfeld, besonders am Arbeitsplatz, zu suchen.

    Empfinden Sie beispielsweise Stress, wenn Sie zu viel Arbeit bewältigen müssen, wenn Deadlines immer näher rücken? Belasten Sie womöglich Meinungsverschiedenheiten mit Kollegen?

    Neben offenen Konflikten kann der Führungsstil des Chefs dazu beitragen, dass jemand seine Arbeit als stressig empfindet. Andere stresst ein unruhiges Umfeld, beispielsweise ein Großraumbüro, lauthals telefonierende Kollegen, offene Türen, die jedes Geräusch hereinlassen.

    Auch Ergonomie am Arbeitsplatz kann ein wichtiger Punkt sein – wer infolge schlechter Büromöbel jeden Tag Verspannungen und Schmerzen bekommt, kann schwerlich bester Laune seiner Arbeit nachkommen.

    Für viele ist es hilfreich, sich diese Stressoren aufzuschreiben und immer wieder vor Augen zu führen. So weiß man selbst am besten, in welchen Momenten der Stress besonders groß wird.

  2. Die Stressverstärker

    Leitsatz: Ich setze mich selbst unter Stress, indem…

    Ampel-GelbGeht es in der ersten Phase um die Beobachtung, führt die zweite Ebene der Stressampel tiefer und bedarf kritischer Selbstreflexion.

    Neben den äußeren Umständen sind es häufig die eigenen Einstellungen und Gedanken, die zu noch mehr Stress führen. Genau diese gilt es ausfindig zu machen. Ein besonders starker Stressverstärker ist beispielsweise Perfektionismus, da man sich selbst enorm unter Druck setzt, immer fehlerlos zu arbeiten und nirgendwo anzuecken.

    Eng damit verknüpft ist die Selbstwahrnehmung. Wer sich eigentlich ganz in Ordnung findet, reagiert gelassener, wenn beispielsweise gesetzte Ziele nicht sofort erreicht werden.

    Wer eher defizitorientiert ist, sieht wenig Positives und strengt sich noch mehr an. Das Fatale: Sie erkennen keinen Fortschritt, neigen zum Schwarzmalen. Das kann in Überforderung münden, wenn Sie Ihre eigenen Belastungsgrenzen nicht mehr wahrnehmen.

    Neben den Ansprüchen an sich selbst spielt das Verhältnis zu den Kollegen eine wichtige Rolle: Haben Sie eine vertrauensvolle, hilfsbereite Beziehung zu ihnen oder empfinden Sie diese eher als Konkurrenz und wenig vertrauenswürdig? Kaluza nennt auch Ungeduld oder das ständige Streben nach Kontrolle als klassische Stressverstärker.

  3. Die Stressreaktionen

    Leitsatz: Wenn ich im Stress bin, dann…

    Ampel-GrünStress wirkt auf jeden Menschen anders und genau diese individuellen Stressreaktionen sollten Sie sich bewusst machen.

    Viele reagieren emotional, beispielsweise durch Angst, aber auch durch eine durch Stress hervorgerufene Aggression gegenüber den Mitmenschen. Plötzlich ist man von jedem nur noch genervt und lässt die anderen das auch spüren.

    Andere versuchen den Stress zu bewältigen, indem sie sich in Arbeit stürzen und möglichst schnell Ergebnisse erzielen wollen. Blinder Aktionismus kann allerdings das Gegenteil von dem bewirken, was erreicht werden soll – wenn etwa nicht richtig hingehört wurde und Fehler passieren. Deren Korrektur kann unter Umständen mehr (oder zumindest genauso viel) Zeit in Anspruch nehmen als wenn Sie sich die Zeit genommen hätten, die die Aufgabe erfordert.

    Verhaltensänderung beim Essen ist ebenfalls ein Indikator für Stress: Manche sind regelrechte Frustesser, anderen verschließt sich bei Stress der Magen. Beobachten Sie auch Ihr Schlafverhalten: Können Sie abends gut einschlafen beziehungsweise schlafen Sie durch? Oder kreisen die Gedanken auch nach Feierabend noch um die Arbeit?

    Weitere Folgen von Stress sind körperliche Reaktionen. Manche reagieren in Form von Kopf- oder Bauchschmerzen, andere bekommen Tinnitus oder erhöhten Blutdruck. Auch Rückenschmerzen können die Folge von dauerhafter Anspannung sein.

Machen Sie sich zu allen drei Stressphasen der Stressampel Notizen; also welche Stressfaktoren Sie identifizieren konnten, wodurch diese verstärkt werden und wie Sie letztlich darauf reagieren.

Durch die drei Phasen der Stressampel entsteht ein individuelles Stressprofil, in dem Sie sich selbst sehr genau wiedererkennen sollten. Bisher haben Sie vor allem analysiert, nun geht es darum, etwas für die individuelle Stressbewältigung zu tun. Um Ihnen dabei zu helfen, stellen wir Ihnen die Säulen der Stresskompetenz vor.

Die drei Säulen der Stresskompetenz

Analog zu den drei Ebenen der Stressampel hat Gert Kaluza die drei Säulen der Stresskompetenz entwickelt.

Um die für Sie beste Stressbewältigung zu erreichen, sollten Sie sich erneut mit Ihrer Selbstanalyse beschäftigen und die passenden Lösungsvorschläge für Ihre individuelle Situation befolgen.

  1. Instrumentelle Stresskompetenz

    Wenn Sie es häufig mit äußeren Stressoren zu tun bekommen, können Sie einschreiten und entsprechend darauf reagieren, bevor der Stress zu groß wird. Genau dabei können die Maßnahmen der instrumentellen Stresskompetenz helfen:

    • Gönnen Sie sich Auszeiten. Nehmen Sie Brückentage, machen Sie mal einen Kurzurlaub – schaffen Sie sich Gelegenheiten, Abstand von der Arbeit zu bekommen. So können Sie für den nächsten Arbeitseinsatz wieder auftanken.
    • Geben Sie Aufgaben an andere ab. Durch die Delegation reduzieren Sie Ihr Arbeitspensum und den damit verbundenen Druck.
    • Bitten Sie um Hilfe. Es ist keine Schande, wenn man einen Kollegen oder Freunde um Hilfe bittet. Alles, was es kostet, ist ein wenig Überwindung, doch macht es sich in den meisten Fällen bezahlt.
    • Lernen Sie Nein zu sagen. Ein Ja ist vielleicht freundlicher, doch bringt es nur zusätzlichen Stress. Jemandem einen Wunsch auszuschlagen und Nein zu sagen kann eine Erleichterung sein.
    • Setzen Sie Prioritäten. Wenn der Überblick verloren geht, kann es helfen, klare Prioritäten zu setzen. So wissen Sie, welchen Problemen Sie sich wirklich widmen müssen.
    • Planen Sie Pausen ein. Manchmal reicht es schon, sich bei der Planung nicht zu viel zuzumuten und von Anfang an Pausen in den Zeitplan aufzunehmen.
  2. Mentale Stresskompetenz

    Auch die Stressverstärker lassen sich in den Griff bekommen, wenn Sie erkannt haben, wann Sie sich selbst besonders stark unter Druck setzen. Je genauer Ihr Selbstbild ist, desto erfolgsversprechender sind die Maßnahmen der mentalen Stresskompetenz.

    • Hinterfragen Sie Ihre Erwartungen. Es kann gut sein, viel von sich zu erwarten. Wenn Sie sich dadurch selbst unter Druck setzen und Stress fördern, sollten Sie versuchen, Ihre Erwartungshaltung an sich selbst zu drosseln.
    • Respektieren Sie Ihre Grenzen. Manche Menschen leben am Limit und merken es nur spät, dass sie ständig über ihre eigene Leistungsfähigkeit gehen. Stehen Sie zu Ihrem Erholungsbedürfnis. Kein Job der Welt ist es wert, dass Sie sich dafür aufreiben.
    • Akzeptieren Sie Ihre Fehler. Vielen fällt es schwer, die eigene Fehlbarkeit zu akzeptieren, doch kann es ein großer Schritt der Stressbewältigung sein, sich selbst Fehler zuzugestehen.
    • Konzentrieren Sie sich aufs Wesentliche. Manchmal neigt jeder dazu, das Glas als halbleer zu betrachten, doch wenn man den Blick aufs Wesentliche konzentriert, wirken viele Dinge gar nicht so schlimm, wie man gedacht hat.
    • Nehmen Sie nicht alles persönlich. Wer sich immer alles zu Herzen nimmt, erzeugt meist großen Stress. Eine gewisse innere Distanz kann helfen, sich selbst zu schützen.
  3. Regenerative Stresskompetenz

    Oftmals sind es die negativen Reaktionen auf den Stress, unter denen wir am meisten leiden. Die regenerative Stresskompetenz zielt darauf ab, Maßnahmen zu entwickeln, um den Stressreaktionen vorzubeugen und den Stress zu bewältigen, bevor er ausbricht.

    • Schaffen Sie einen Ausgleich. Egal ob Meditation, Achtsamkeitsübungen oder eine Freizeitaktivität, bei der Sie abschalten können und Spaß haben. Ein Ausgleich zum Stress kann viele negative Stressreaktionen abmindern.
    • Treiben Sie Sport. Bewegung im Allgemeinen ist eine sehr gute Maßnahme zur Stressbewältigung. Dabei können Sie sich jedem Sport aussuchen, der Ihnen zusagt, Hauptsache anstrengend und auch sonst sollten Sie sich möglichst viel bewegen.
    • Ernähren Sie sich gesund. Gerade wer auf Stress mit Magenproblemen reagiert, sollte auf seine Ernährung achten. Vermeiden Sie fettiges Kantinenessen, das führt eher zum berüchtigten „Schnitzelkoma“ und erschwert Ihnen die Arbeit noch zusätzlich. Greifen Sie lieber zu leichten Snacks wie Obst und Salat.
    • Achten Sie Ihre sozialen Kontakte. Stress verpufft manchmal wie von selbst, wenn man Zeit mit den Menschen verbringt, die einem wichtig sind. Treffen Sie sich mit Ihren Freunden, auch wenn die Zeit knapp ist. Die sozialen Kontakte werden Ihnen gut tun.
    • Schlafen Sie ausreichend. Manchmal hilft es schon, sich wirklich auszuschlafen, um sich zu erholen und neue Kraft zu sammeln. Insgesamt ist eine gesunde Lebensweise ein guter Weg, um Stress zu bekämpfen.
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7. Februar 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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