Die dreizehn Schuljahre sind überstanden, danach folgt vielleicht noch ein Studium, eine Ausbildung und einige Praktika - doch dann ist es geschafft - Sie haben alles gelernt, was Sie brauchen. Diese ironische Darstellung stimmt natürlich ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Wer sich daran hält, wird es im späteren Berufsleben schwer haben, sich durchzusetzen. Lebenslanges Lernen – was zunächst wie ein Urteil klingt, birgt für Arbeitnehmer große Chancen - beruflich, privat sowie für die Persönlichkeitsbildung und -entwicklung. Es gibt viele Gründe, warum auch Sie nie aufhören sollten, Ihr Wissen zu erweitern...

Lebenslanges Lernen Definition Gruende wichtig 9 Wege zu Lernen Infografik

Lebenslanges Lernen Definition: Man lernt nie aus

Lebenslanges Lernen Definition Gründe Kritik im Beruf wichtigMan lernt nie aus, dachten sich wohl einige schlaue Leute, als sie 1996 als Vertreter der Europäischen Union das "Europäische Jahr des lebensbegleitenden Lernens" ausriefen. Dem waren bereits in den frühen sechziger und siebziger Jahren Vorstellungen vom lebenslangen Lernen vorausgegangen.

Darunter ist ein Konzept der Erziehungswissenschaft zu verstehen, das Menschen dabei helfen soll, ihr gesamtes Leben über zu lernen. Wie dieses Lernen allerdings im Detail aussieht, welchen Zweck es haben soll, darüber existieren verschiedene Ansätze parallel. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass verschiedene Begrifflichkeiten für ein und dieselbe Sache existieren:

  • lifelong learning
  • lifelong education
  • recurrent education
  • éducation permanente
  • permanente Erziehung

Nach und nach hat sich zumindest im deutschsprachigen Raum vor allem der Begriff "lebenslanges Lernen" (LLL) herausgebildet; in der österreichischen Bildungspolitik wird auch vom lebensbegleitenden Lernen gesprochen - was angesichts der häufig negativen Konnotation von "lebenslang" die positiver besetzte Formulierung ist.

Lebenslanges Lernen ist keine Strafe!

Zugegeben: Lebenslänglich klingt eher bedrohlich als spaßig, aber das liegt in erster Linie an den negativen Assoziationen mit dem Wort und daran, was wir mit dem Begriff Lernen verbinden: Anstrengung, Ausdauer und teilweise auch Langeweile. Wenn überhaupt, ist das aber nur eine Seite der Medaille. Meist gerät in Vergessenheit, was Lernen auch sein kann:

  • Spaß
  • Unterhaltung
  • Glück
  • Zufriedenheit
  • der Motor für Ihre Karriere

Denken Sie dahingehend um - es lohnt sich. Denn vor allem im Berufsleben ist lebenslanges Lernen längst nicht mehr Kür, sondern Notwendigkeit. Die Globalisierung, der rasante technische Fortschritt und der demographische Wandel bedingen, dass wir uns in immer kürzerer Zeit zunehmend mehr Wissen aneignen müssen.

Das hat 2001 auch die Europäische Kommission erkannt, als sie ihrerseits in einer Mitteilung ihre Vorstellung vom lebenslangen Lernen folgendermaßen begründete:

Der sozioökonomische Wandel, der schnelle Übergang zur Wissensgesellschaft und der von der Alterung der Bevölkerung ausgelöste demographische Wandel sind Herausforderungen, die ein neues Konzept der Aus- und Weiterbildung erfordern, und dies im Rahmen des lebenslangen Lernens. Wissen wird zu einer immer wichtigeren Ressource in unserer Zeit, in welcher es häufig schwierig ist, nützliches von nicht nützlichem Wissen zu unterscheiden. Sei es nun auf der Suche im World Wide Web oder in der Informationsflut von Radio und Fernsehen: Macht ist zu wissen, was wichtig ist.

Anderthalb Jahrzehnte bevor irgendjemand auch nur von "Fake News" sprach, zeichnete sich bereits deutlich ab, dass Menschen das Werkzeug mit an die Hand gegeben werden muss, eigenständig und kritisch zu denken. Die Frage ist nur, wie das gelingen soll? Die Antwort darauf: Der Mensch muss mit den Entwicklungen gehen, also kontinuierlich und somit lebenslang lernen.

Kritik am Konzept des lebenslangen Lernens

Zum einen sind die unklaren Begrifflichkeiten in der Kritik, da teilweise unterschiedliche Begriffe synonym verwendet werden und auch die Konzepte davon, was darunter verstanden wird, abweichen. Im Rahmen der Bildungspolitik und in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen wurde herausgearbeitet, dass es vor allem darum geht, Menschen zu selbstbewussten, intelligenten und kreativen Handeln zu befähigen.

Lebenslanges Lernen ist demnach nicht profit- oder leistungsorientiert. Es geht also nicht darum, sich nach irgendwelchen kurzfristigen Moden zu richten, sondern die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten über das gesamte Leben hinweg zu festigen und zu vertiefen.

Auch das Erasmus-Programm ist wie viele Bildungsprogramme Teil eines Aktionsprogramms der Europäischen Union, für das insgesamt von 2007 bis 2013 sieben Milliarden Euro zur Verfügung gestellt wurden.

Gleichzeitig sind die Veränderungen in der Arbeitswelt nicht zu übersehen. Kritiker kommen zu dem Ergebnis, dass eine Umdeutung des lebenslangen Lernens stattgefunden hat. Lebenslanges Lernen wird nun ökonomisch interpretiert, aus lifelong learning sei nun lifelong (l)earning geworden.

Das heißt: Lebenslanges Lernen bedeutet längst nicht mehr zu lernen, weil Sie Ihren persönlichen Horizont etwa erweitern wollen, sondern weil Sie konkrete berufliche Interessen damit verknüpfen. Im Idealfall fällt beides zusammen. Das heißt aber auch, dass Weiterbildungen fester Bestandteil des heutigen Berufslebens sind.

Bedeuteten sie in der Vergangenheit noch, dass ein Arbeitnehmer so seine Defizite aus Schulzeiten ausbügelt, sind sie nun fester Bestandteil des Arbeitslebens. Wer das nicht erkennt, wird allerdings langfristig abgehängt.

Branchen entwickeln sich rasant weiter

Die Idee des lebenslangen Lernens gar nicht so neu, sondern lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Angesichts prekärer Beschäftigungsverhältnisse und rasanter Entwicklungen scheint sie aktuell wie nie und notwendig zu sein.

Nehmen wir als Beispiel den IT-Sektor: Was gestern noch hochmodern war, geht heute - überspitzt gesagt - gerade noch so als Standard durch, ist aber morgen überholt. Sicherlich entwickelt sich nicht jeder Bereich in so rasantem Tempo. Fakt ist aber, dass das Lern- und Arbeitspensum branchenübergreifend an Fahrt aufnimmt. Tendenz steigend.

Gleichzeitig herrschten noch nie bessere Voraussetzungen, sein Wissen zu erweitern. Während heutzutage das Netz mit seinen Wikis, Foren und Wissensdatenbanken den Zugang zu Bildung zum reinsten Kinderspiel macht, sah das früher anders aus.

Wissen auf Knopfdruck gab es noch nicht und auch der der Zugang zu Büchern war nicht immer so selbstverständlich wie heutzutage. Allerdings: Auch wenn der Zugang zu Bildung durch die Medien einerseits wesentlich leichter leichter ist, erreicht sie noch lange nicht jeden.

Lebenslanges Lernen beginnt ja nicht erst im Arbeitsleben, sondern im besten Fall bereits zuhause in den Familien. Diverse PISA-Studien aus den vergangenen Jahren stellen Deutschland jedoch ein vernichtendes Zeugnis aus: In kaum einem anderen Land spielen die soziale und die ethnische Herkunft eine Rolle bei den späteren Erfolgen.

Damit ist auch klar, dass lebenslanges Lernen nach wie vor nicht nur die Anpassung an neue Entwicklungen und den Erwerb neuer Kompetenzen aus Bereichen meint, die Neuland bedeuten. Vielmehr bedeutet es oftmals die Förderung von Jugendlichen - sei es im Bereich der Sprachkompetenzen oder im Hinblick auf die Berufsorientierung.

Lebenslanges Lernen im Beruf: Wissenslücken spielerisch schließen

Hinzu kommt, dass der Erwerb von Wissen nicht trocken oder spröde sein muss. Stichwort: Gamification. Inzwischen gibt es zahlreiche Module oder Seminarangebote, die es ermöglichen, seinen Horizont spielerisch zu erweitern und neue Erkenntnisse langfristig im Kopf zu verankern.

Auch Unternehmen haben die Bedeutung des lebenslangen Lernens längst erkannt und investieren zunehmend in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter. Natürlich nicht ohne ein gesundes Maß an Eigennutz. Schließlich fließen die hinzugewonnenen Fähigkeiten eins zu eins ins Unternehmen ein und kurbeln den Umsatz an.

Nutzen Sie diese Chance Ihrerseits:

  • Machen Sie sich durch den Aufbau von Spezialwissen unersetzlich: Nur Sie können bestimmte Aufgaben übernehmen oder lösen.
  • In Ihrer eigenen Firma macht Sie das zum unangefochtenen Experten, gegenüber anderen potenziellen Arbeitgebern steigert die Portion Extra-Wissen derweil Ihren Marktwert erheblich.
  • Expertentum spricht sich in Fachkreisen leicht herum, insbesondere im Zeitalter der Business-Netzwerke. Das Beste: Sie haben es sogar selbst in der Hand. Machen Sie Ihre Expertise in Ihrem Profil oder einschlägigen Diskussionsgruppen publik. Sie werden auf diese Weise schnell auch über die Grenzen Ihrer Firma hinaus als Kompetenzträger wahrgenommen.
  • Wann Sie die nächste Stufe auf der Karriereleiter nehmen, ist dann nicht mehr eine Frage der Zeit, sondern des Wollens. Sie können es sich aussuchen.

Lebenslanges Lernen: Gründe für die Wissensaneignung

Es gibt aber noch mehr schlagende Argumente, warum es sich lohnt, vorhandene Wissenslücken zu schließen, oder Wissensgebiete neu zu erschließen:

  • Wissen macht glücklich

    Lernen kann auch mal hart und frustrierend sein, das wissen wir alle. Insbesondere gilt das für Inhalte, mit denen wir an die Kapazitätsgrenzen unseres Gehirns stoßen. Programmierer erleben das etwa beim Schreiben neuer Programme immer wieder.

    Oder Wissenschaftler, die bei der Erforschung von Naturphänomenen oder seltener Krankheiten jahrelang nach dem einem winzigen Teilchen suchen, das das Wissenschafts-Puzzle komplettiert. Umso größer ist das Glücksgefühl, wenn das Ziel erreicht ist. Erfolg wirkt wie eine natürliche Droge.

    Bis dahin sorgen auch die einzelnen Etappensiege für ausreichend Freude und Motivation. Studien bestätigen das: Das Erreichen der besonders ehrgeizigen Ziele macht uns umso glücklicher. Es liegt also nahe, sich den anspruchsvollen Aufgaben im Leben zu stellen und ihnen nicht auszuweichen.

    Aber diese Rechnung geht wohlgemerkt nur auf, wenn Sie sich To Do's zuwenden, die auch wirklich erreichbar sind. Sonst ist der Frust groß.


  • Wissen lehrt Demut

    An dieser Stelle muss mal kurz Sokrates herhalten, der bekanntlich wusste, dass er nichts wusste. Sprich: Die Ahnung von dem, was wir noch nicht verstanden haben, wächst mit jeder neuen Erkenntnis. Umso mehr Fragen kommen in den Sinn. Genauso wird es Ihnen auch gehen.

    Haben Sie einen Sachverhalt verstanden, begreifen Sie, welche neue Wissenspritze als nächstes auf Ihrer persönlichen Bildungs-Agenda stehen sollte.

    Das klingt für Sie jetzt vielleicht ein wenig frustrierend. Aber es hat auch sein Gutes. Überlegen Sie doch einmal, was das mit Ihrer Persönlichkeit macht: Sobald Sie wissen, was Sie nicht wissen, ist es unwahrscheinlich, dass Sie als arroganter Gockel herumstolzieren und mit Ihrem Know-how prahlen.

    Im Gegenteil: Sie haben Respekt vor dem Wissen anderer und strahlen diesen aus. Das macht Sie im beruflichen Umfeld zu einem smarten Typen, mit dem man überdies auch gut auskommen kann.


  • Wissen hält frisch

    Haben Sie mal davon gehört, dass Lehrer auch als "Berufsjugendliche" bezeichnet werden? Tatsächlich ist es so, dass Menschen bis ins hohe Alter lernen können und auch sollten - so beugen Sie Demenz vor. Lehrer sind von berufswegen dazu gezwungen, sich ständig mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen.

    Neue Methoden, neue Techniken der Präsentation und Wissensvermittlung. Nicht zuletzt der ständige Umgang mit jungen Menschen, die aus vielen unterschiedlichen Bereichen Impulse aufnehmen und in der Schule wiedergeben, trägt dazu bei, dass Lehrer geistig flexibel sein müssen.

    Sicherlich gibt es auch da einige, die Dienst nach Vorschrift machen, und dennoch sind sie viel näher dran am Puls der Zeit als beispielsweise Arbeitnehmer, deren eigenen Kinder längst erwachsen sind und die vornehmlich in ein und derselben Altersgruppe verkehren.


  • Wissen macht erfolgreich

    Scheuen Sie nicht, Ihr Wissen weiterzugeben. Nur wer sich Wissen angeeignet hat, kann es auch weitergeben. Als Kollege, Teamleiter oder Geschäftsführer einer Firma sollten Sie das als Teil Ihrer Aufgabe verstehen. Andere können aus Ihren Erfahrungswerten lernen und diese im Idealfall in Ihrem Sinne weiterentwickeln.

    Sie fürchten, damit nun doch ersetzbar zu werden? Es ist der Lauf der Dinge, dass Sie eines Tages altersbedingt aus dem Unternehmen ausscheiden. Bis dahin ist Ihre Expertise allerdings gefragt. Durch die Weitergabe Ihres Wissens tragen Sie außerdem zum langfristigen Erfolg des Unternehmens bei, da wichtiges Know-how an junge Mitarbeiter weitergegeben wird.

    Und ist es dann nicht umso beruhigender, dass die Prozesse und Operationen so weitergeführt und -entwickelt werden, wie Sie sie angedacht und implementiert haben?

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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