"Wer wagt, gewinnt", heißt es. Oftmals ist die Angst vor Fehlern allerdings so ausgeprägt, dass auch nichts mehr gewagt wird. Trial and Error ist ein Ansatz, der genau dies zu verhindern versucht. Statt immer auf 100 Prozent sicher zu gehen, einfach mal machen. Das bedeutet nicht einfach nur ein sinnloses drauflos Probieren, sondern das Beschreiten verschiedener Wege zur Feinjustierung, bis ein Problem gelöst ist. Kinder lernen noch ganz intuitiv so. Diese spielerische Herangehensweise geht vielen Menschen im Laufe ihres Lebens verloren. Trial and Error ist gewissermaßen eine Einstellung, die nicht nur im Berufsleben vorkommt und zeigt, wie wir mit Fehlern umgehen...

Trial and Error Versuch und Irrtum Methode Definition lernen

Trial and Error Definition: Fehler machen erlaubt

Bei Trial and Error, zu deutsch Versuch und Irrtum, wird versucht Probleme zu lösen, indem verschiedene Wege als Lösungsmöglichkeiten ausprobiert werden und man ans Ziel gelangt. Die dabei entstehenden Fehlschläge werden als Teil der Lösung bewertet und willentlich in Kauf genommen, da die Vorteile als größer erachtet werden.

Der Duden beschreibt Trial and Error in der Kybernetik als...

Methode, den besten Weg zur Lösung eines Problems zu finden, indem man verschiedene Wege beschreitet und so nach und nach Fehler und Fehlerquellen ausschaltet.

Trial and Error - synonym könnte man auch von hit or miss sprechen - ist eine Haltung, die das Scheitern durchaus in Betracht zieht. Nicht als erklärtes Ziel, aber als realistische Möglichkeit. Dennoch geht es darum, erst einmal etwas zu versuchen.

Die Trial-and-Error-Methode wird auch in der Elektrotechnik angewandt, wo auf der Suche nach Fehlerquellen solange Software- und Hardwarekomponenten ausgetauscht werden, bis die Ursache beseitigt ist. Ebenfalls ist es eng verknüpft mit der Brute-Force-Methode (beziehungsweise brute-force search), der in der Informatik, Kryptologie und Spieltheorie ein Vorgehen beschreibt, das auf dem sturen Ausprobieren aller möglichen Fälle beruht.

Geht es darum, in Deutschland etwas Neues umzusetzen, existiert eher eine Kultur der langfristigen Planungen: Anhand von Vorüberlegungen wird versucht, mögliche Fehlerquellen direkt im Vorfeld auszuschalten. Das führt im Ergebnis zu soliden Produkten, immerhin ist die deutsche Ingenieurskunst nach wie vor geschätzt.

In Amerika ist die Herangehensweise eine andere: Bei Vorschlägen macht man sich sehr zügig an die Umsetzung. Allerdings wird in den Zwischenschritten immer wieder innegehalten, diskutiert und angepasst.

Die grundsätzliche Annahme eines Vorschlags und der Versuch, direkt nach Lösungswegen zu schauen, ist größer in Amerika. Nicht umsonst sind die englischsprachigen Begriffe wesentlich gängiger als ihre deutschen Übersetzungen.

Durch Probieren zum Erfolg

Der amerikanische Ökonom Tim Harford plädiert in seinem Buch (Trial and Error: Warum nur Niederlagen zum Erfolg führen) für mehr Trial and Error: "Wir brauchen die Bereitschaft, Niederlagen zu riskieren, denn ohne sie werden wir nie wirklich Erfolg haben."

Seine These: Das bisher größte und erfolgreichste Problemlösungsprogramm, nämlich die Evolution, mache sich das Prinzip zunutze. Etwas, das nicht funktioniere, werde verworfen. Andersherum wird das, was offenbar gut läuft, übernommen und weiter verfeinert.

Übertragen auf unsere gegenwärtige Berufswelt stellt er fest, dass die Herausforderungen und Probleme immer komplexer werden. Und genau hier zahlt sich Trial and Error aus, denn es ist wesentlich effizienter als andere Vorgehensweisen - ganz gleich, in welchem Bereich.

So Harford in einem Interview, in dem er von Gesprächen mit Offizieren, Umweltingenieuren und Finanzexperten berichtet: Die Erfahrungen mit Trial and Error und einer anschließenden Korrektur waren gängige Praxis im Gegensatz zu dem Anspruch, gleich auf Anhieb alles zu schaffen.

Übrigens gibt es auch Negativbeispiele: Harford nennt hier die Planwirtschaft der Sowjetunion. Sie sei letztlich gescheitert, weil sie keine Variation und Selektion zugelassen hätte. Anders die Marktwirtschaft, da sie sich an dem Kundenwillen orientiert: Was der Kunde nicht kauft, hat keine Zukunft, also wird es abgeändert, bis es dem Kundenwunsch entspricht oder vom Markt genommen.

Sicherheitsdenken und Perfektionismus verlangsamen Prozess

Hinter der typisch deutschen Vorgehensweise steckt natürlich auch ein gewisses Maß an Perfektionismus: Bloß keine Fehler machen, schön die Kontrolle über alles behalten - bis es in Kontrollwahn endet. Das Problem ist allerdings, dass dieses Denken nicht mehr zeitgemäß ist. Es ist zu unflexibel, zu langsam.

Trial and Error hingegen ermöglicht schnellere Anpassung, da neugewonnene Erkenntnisse direkt umgesetzt werden. Diese Methode wird beispielsweise auch im Design Thinking angewandt, in der im Rahmen der Prototypen-Entwicklung viel ausprobiert wird. Auch hier wird Scheitern als Chance gesehen: Man erhält einen Hinweis, was verändert werden muss.

Aber es geht nicht nur um Effizienz oder Problemlösungen: Trial and Error ist Teil vieler Kreativitätstechniken und trägt entscheidend zu Innovationen bei. Von Thomas Alva Edison stammt das Zitat:

Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration.

Der Mann muss es wissen - immerhin hielt er über 1000 Patente auf seinem Namen angemeldet und hat wahrlich genug getüftelt.

Trial and Error beim Lernen

Natürlich kann Trial and Error nicht bedeuten, dass man völlig sinnbefreite Aktionen unternimmt - für alles gibt es gewisse Grenzen. Niemand möchte bei einer Herz-OP den operierenden Arzt sagen hören, dass er einfach mal so eine neue Methode ausprobieren möchte, um zu sehen ob diese auch funktioniert.

Dennoch ist Trial and Error ein entscheidendes Vorgehen bei Lernprozessen. Hierzu gibt es einen bekannten Versuch von Edward Lee Thorndike. Der amerikanische Psychologe sperrte hungrige Katzen in einen Käfig. Diese versuchten dem Gefängnis zu entkommen, drängten sich an die Gitterstäbe, krallten sich daran und betätigten irgendwann auch zufällig einen Knopf, der den Käfig öffnete.

Sie kamen an ihr Futter. Dieser Versuch wurde mehrfach wiederholt, mit dem Ergebnis, dass sich irgendwann die Katzen einprägten, was zu tun ist. Nach erneutem Einsperren wussten die Katzen sofort und unzweifelhaft, wie sie den Schließmechanismus des Käfigs betätigen müssen, um zu entkommen.

Der Erfolg von Trial and Error ist also zu einem gewissen Grad vom Zufall abhängig, allerdings wird die dabei gewonnene Erkenntnis später gezielt eingesetzt.

[Bildnachweis: Olena Yakobchuk by Shutterstock.com]

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