4-Ohren-Modell: Vier Seiten einer Nachricht

„Du willst mich doch nur missverstehen!“ Vielleicht haben Sie ja auch einmal so einen Vorwurf zu hören bekommen und unter Umständen war etwas Wahres daran. Denn in der Kommunikation gibt es natürlich den Sender einer Botschaft, der auf bestimmte Art und Weise etwas sagt. Aber ebenso kann der Empfänger einer Nachricht sie unterschiedlich interpretieren. Das 4-Ohren-Modell ist eine Möglichkeit, sich zu verdeutlichen, was gesagt wird und wie Sie darauf reagieren können. Denn letztlich spielen verschiedene Aspekte eine Rolle. Wir erklären Ihnen hier das 4 Ohren Modell und bieten Beispiele, wie Sie in konkreten Situationen reagieren können…

4-Ohren-Modell: Vier Seiten einer Nachricht

4-Ohren-Modell einfach erklärt: Eine Definition

Der Hamburger Kommunikationswissenschaftler und Psychologe, Friedemann Schulz von Thun, entwickelte unter Zuhilfenahme von sprachtheoretischen Analysen von Paul Watzlawick und Karl Bühler das 4-Ohren-Modell. Dieses Kommunikationsmodell verdeutlicht, wie eine Nachricht unter vier Aspekten betrachtet werden kann:

  • Sachinhalt
  • Selbstoffenbarung
  • Beziehung
  • Appell

Friedemann Schulz von Thun spricht bei diesen Aspekten von „vier Seiten einer Nachricht“. Sie geben dem 4-Ohren-Modell auch seine weiteren Bezeichnungen, etwa Nachrichtenquadrat, Kommunikationsquadrat oder Vier-Seiten-Modell.

Anhand dieses Modells lässt sich gestörte Kommunikation sehr anschaulich beschreiben, denn Schulz von Thun geht davon aus, dass Äußerungen, die wir senden, auf vier unterschiedlichen Wegen interpretiert werden können. Machen wir uns diese Wege im 4-Ohren-Modell bewusst, dann können wir zukünftig Missverständnisse leichter vermeiden.

4 Ohren Modell: Die vier Ohren des Empfängers

Stellen wir uns bei dem 4-Ohren-Modell zwei Menschen vor, die miteinander reden. Ihre Äußerungen werden als Nachrichten in diesem Modell bezeichnet. Jede Nachricht enthält vier Botschaften und kann auf vier unterschiedliche Arten verstanden werden, ganz gleich, ob dies so vom Sprecher beabsichtigt war oder nicht.

  • Sachinhalt

    Hier geht es um die Sachebene: Welche Informationen werden durch eine Nachricht übermittelt? Auf der Sachebene werden reine Fakten und Daten kommuniziert. Für den Empfänger stellt sich nur die Frage, ob die übermittelten Informationen wahr oder unwahr, relevant oder irrelevant sind beziehungsweise ob sie der Ergänzung bedürfen.

  • Selbstoffenbarung

    Diese Seite ist dem Sprecher oftmals nicht klar. Egal, welche Nachricht er übermittelt, er gibt immer auch etwas von seiner Persönlichkeit preis, etwa eigene Emotionen, Werte, Ansichten und Bedürfnisse. Manchmal kann diese Selbstoffenbarung gewollt sein, in anderen Fällen passiert sie unbewusst. Ebenso kann sie mehr oder weniger deutlich in einer Nachricht enthalten sein.

  • Beziehung

    Auf der Beziehungsebene erfährt der Empfänger, wie der Sender zu ihm steht. Mimik und Gestik unterstützen das Gesagte. Ein Stirnrunzeln oder ein koketter Augenaufschlag vermitteln, ob jemand irritiert ist oder beispielsweise mit uns flirtet. Je nachdem, ob ein Empfänger eine Nachricht auf der Beziehungsebene hört, kann er sich wertgeschätzt oder auch kritisiert fühlen.

  • Appell

    Diese Seite verdeutlicht, was der Sender vom Empfänger möchte. Das können an den Empfänger gerichtete Bitten, Befehle, Wünsche oder Ratschläge sein – in irgendeiner Form wird mit einer Nachricht versucht, Einfluss auf den Empfänger auszuüben. Der Empfänger wird sich anschließend fragen, was genau er nun tun oder unterlassen soll.

Vier Ohren Modell Beispiele: Gestörte Kommunikation

Auch wenn immer vom 4-Ohren-Modell die Rede ist, gibt dieses Modell alle vier denkbaren Möglichkeiten wieder – das heißt aber nicht, dass wir immer alle vier Ebenen einer Nachricht tatsächlich wahrnehmen. Im Gegenteil, meist hören wir auf einem Ohr besonders gut.

Das bedeutet auch, dass wir leider nicht immer situationsangemessen reagieren. Anhand folgender Beispiele lässt sich feststellen, wie leicht es zu Störungen in der Kommunikation kommen kann.

Die Situation ist folgende: Ein Mann und eine Frau sitzen im Auto, sie fährt. An einer roten Ampel hält sie an. Als die Ampel von gelb auf grün schaltet, fährt die Frau nicht unmittelbar los, woraufhin der Mann sagt: Es ist grün.

Je nach Bedeutungsebene im 4-Ohren-Modell sind unterschiedliche Interpretationen dieses Satzes möglich:

  • Sachebene: Die Ampel hat auf grün geschaltet.
  • Selbstoffenbarung: Ich habe es eilig und möchte daher, dass du sofort fährst.
  • Beziehung: Es wäre wohl besser gewesen, wenn ich gefahren wäre – du reagierst zu langsam.
  • Appell: Mach voran!

Die Frau versteht den Mann auf den verschiedenen Ebenen folgendermaßen:

  • Sachebene: Die Ampel hat auf grün geschaltet.
  • Selbstoffenbarung: Ich bin es leid, immer warten zu müssen.
  • Beziehung: Du kannst kein Auto fahren!
  • Appell: Das nächste Mal fahre ich wieder!

Dieses Beispiel ist natürlich ein Klischee, aber es illustriert ganz gut, wie das 4-Ohren-Modell funktioniert. Fassen beide Gesprächsparteien die Aussage ungünstig auf, hört die Frau die Nachricht mit dem „Beziehungs-Ohr“, dann sind Zwistigkeiten vorprogrammiert.

Ein weiteres Beispiel für das 4-Ohren-Modell mit anderer Situation: Ein Sohn bittet seine Mutter, sein Lieblingsdessert zu machen. Der Sohn probiert das Dessert und fragt: Hast du das Dessert anders gemacht?

  • Sachebene: Das Dessert schmeckt anders als sonst.
  • Selbstoffenbarung: Das Dessert schmeckt mir nicht./Das Dessert schmeckt mir besser.
  • Beziehung: Eine offene Meinung ist möglich, da Mutter und Sohn sich nahe stehen.
  • Appell: Bitte mach das Dessert immer so./Bitte nimm das nächste Mal wieder das alte Rezept.

Bei der Mutter könnten folgende Botschaften ankommen:

  • Sachebene: Das Dessert schmeckt anders als sonst.
  • Selbstoffenbarung: Ich bin enttäuscht/begeistert, dass es nicht wie sonst schmeckt.
  • Beziehung: Du kannst nicht/prima kochen.
  • Appell: Bitte keine Experimente mehr./Öfter mal etwas Neues!

4-Ohren-Modell im Beruf

Kommunikation braucht einen Sender und einen Empfänger: Der Sender versucht seine Nachricht zu übermitteln und codiert sie, indem er die Nachricht per Sprache, Schrift oder Körpersprache übermittelt. Aufgabe des Empfänger ist es, diese Nachricht zu decodieren.

Ist vom 4-Ohren-Modell die Rede, steht genau genommen immer nur der Empfänger einer Nachricht im Mittelpunkt. So gesehen müsste das Modell das 4-Ohren-4-Münder-Modell heißen. Wollen Sie in Ihrem Berufsalltag die Erkenntnisse des 4-Ohren-Modells nutzen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  1. Für die möglichst störungsfreie Kommunikation ist es wichtig, direkt und frei von Ironie zu kommunizieren.
  2. Wer eine Bitte oder einen Wunsch hat, sollte diesen auch klar formulieren. Versteckte Hinweise können anderenfalls untergehen und sorgen für Missstimmung – frei nach dem Motto: „Er/sie müsste doch wissen, dass…“
  3. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie eine Nachricht richtig verstanden haben, fragen Sie nach.

Machen Sie sich bewusst: Bei aller klaren Kommunikation liegt es nicht absolut in der Macht des Senders, ob der Empfänger eine Nachricht so empfängt wie es beabsichtigt war. Abhängig ist es von…

  • der Komplexität der Aussage,
  • der Präzision des Senders,
  • den kognitiven Fähigkeiten des Empfängers und
  • der aktuellen Tagesform des Empfängers.

Denn bei alledem darf nicht vergessen werden, dass auch nonverbale Kommunikation bei der Übermittlung von Nachrichten eine Rolle spielt, ebenso paraverbale Signale.

Hier kann es zu Missverständnissen kommen, weil Nachrichten beispielsweise nicht als kongruent angesehen werden, da widersprüchliche Signale gesendet werden.

Ein Beispiel für eine inkongruente Nachricht wäre, wenn ein Mitarbeiter permanent über zu viel Arbeit jammert, gleichzeitig aber immer als Erster das Büro verlässt und keine Überstunden macht. Ebenso inkongruent ist es allerdings auch, wenn Sie bei Ihrem Gegenüber einen Widerspruch zwischen Aussage und Mimik erkennen.

Beispielsweise, wenn Ihr Gesprächspartner scheinbar freundlich wirkt, sein Lächeln aber nicht die Augen erreicht. Es sind eben oftmals kleine Signale, die den Gesprächsteilnehmern vermitteln, ob die Kommunikation reibungslos verläuft oder ob es Verbesserungsbedarf gibt.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
20. September 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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