Sarkasmus: Spitzzüngige sind kreativer

Eine spitze Bemerkung hier, eine spöttische Frotzelei da. Sarkasmus hat einen zwiespältigen Ruf: Die einen wollen ihn im täglichen Sprachgebrauch nicht missen, sehen ihn als Zeichen von Intelligenz und Humor und nutzen ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Andere sehen den unverhohlenen Spott eher kritisch, weshalb Sarkasmus gerade bei beruflichen Kontakten mit Vorsicht zu genießen ist. Vielleicht findet Ihr Gegenüber Ihre spitzzüngige Bemerkung gar nicht so geistreich und witzig, sondern fühlt sich angegriffen. Es ist daher Feingefühl gefragt. Wie eine Studie zeigt, kann Sarkasmus manchmal aber enorm hilfreich sein. Insbesondere, weil die unterschwelligen Botschaften darin die Kreativität steigern können…

Sarkasmus: Spitzzüngige sind kreativer

Definition: Was ist überhaupt Sarkasmus?

Definition SarkasmusSarkasmus beschreibt eine besondere Form des Humors – eine Art beißenden, verhöhnenden Spott. Dass der so Verspottete verletzt wird, ist dabei meist beabsichtigt oder wird billigend in Kauf genommen.

Das erklärt sich auch aus der etymologischen Herkunft des Begriffs: Sarkasmus leitet sich vom griechischen Wort für rohes Fleisch („sarx“) ab und könnte auch kurz mit „Zerfleischung“ übersetzt werden. Ebenso verwandt ist das altgriechische Wort „sarkazein“, das übersetzt so viel bedeutet, wie: „sich das Maul zerreißen“. Der Sarkast zerfleischt sein Opfer also durch Hohn und Spott.

Beispiel für einen ironischen Spruch:

Ich habe leider gerade nicht die Zeit und die Buntstifte, um dir das zu erklären.

Was aber ist der Unterschied zwischen Sarkasmus, Ironie, Zynismus oder Sardonismus?

  • Ironie

    ist eine rhetorische Technik, bei der das Gegenteil des Gemeinten gesagt wird. Der Sarkasmus kann sich dieser Technik bedienen, aber nicht alles Ironische ist deswegen auch sarkastisch gemeint.

    Beispiel für einen ironischen Spruch: „Echt toll, wie du dich so in den Vordergrund spielst…“

  • Zynismus

    wiederum verrät indes mehr eine generelle Haltung, die sich zwar durch Sarkasmus Ausdruck verleiht, jedoch kaum Werte transportiert. Dem Zyniker ist nichts heilig, er verspottet alles: Ideale, Normen, Werte, Erfolge – einfach aus Prinzip. Man könnte auch sagen: Der Zyniker ist charakterlich bitter, der Sarkast nur punktuell.

    Beispiel für einen zynischen Spruch: „Schade, Sie werden eine Lücke hinterlassen, die Sie vollständig ersetzt.“

  • Sardonismus

    ist ebenfalls eine Form des Spotts. In Abgrenzung zum Sarkasmus ist der Sardonismus aber weniger hönisch oder bissig, dafür erkennbar wütender und bitterer. Der Sardonist ist in der Regel verletzt und wendet seinen Schmerz nach außen.

  • Beispiel für einen sardonischen Spruch: „Deine Persönlichkeit ist faszinierend: Du hast alles in dir, was du zu meinem Unglück brauchst.“

Übertreiben Sie es nicht! Vorsicht vor zu viel Sarkasmus

Sarkasmus – gerade im Job – ist ein zweischneidiges Schwert. Es kann ein Zeichen von Wortwitz, Schlagfertigkeit und Intelligenz sein, wenn Sie eine Situation schnell erfassen und einen passenden, leicht bissigen Kommentar abgeben. Es kann aber auch vollkommen falsch aufgenommen werden und zu einer Eskalation der Situation führen. Der angesprochene fühlt sich angegriffen und es kommt zum Konflikt.

Eine einzelne sarkastische Bemerkung wird in den meisten Fällen nicht gleich zum Konflikt führen, aber frei nach dem Arzt und Philosophen Paracelsus: Die Dosis macht das Gift.

Auch wenn Sarkasmus meist situationsbedingt ist und die Bemerkung spontan kommt, sollten Sie sich zunächst fragen: Bin ich mir der möglichen Auswirkungen tatsächlich bewusst? Muss das sein? Das gilt insbesondere in Meetings:

Sarkasmus Notwendikeit Flussdiagramm

Obwohl Sarkasmus immer mit Kritik und einer Prise Spott verbunden ist, muss dahinter keine böse Absicht stecken, wie etwa den anderen ernsthaft zu beleidigen oder gar einen offenen Konflikt vom Zaun zu brechen. Manche sind sich der Wirkung ihrer Wort schlicht nicht bewusst und finden sich selber einfach nur waaaahnsinnig witzig.

Leider – und das sollte jedem Sarkasmus-Fan bewusst sein – zählt aber nicht der eigene Humor, sondern das, was beim Gegenüber ankommt. Und gerade Hohn und Spott wirken in der Regel verletzend, wenn sie sich gegen eine Person oder dessen Aussagen richten. Erinnern Sie sich deshalb immer wieder selbst daran, dass Sarkasmus nicht bei jedem gleich gut ankommt, sonst wird aus einer kleinen Stichelei plötzlich bitterer Ernst.

Deutlich weniger riskant ist Sarkasmus dann, wenn er sich gegen allgemeine Zustände oder generell nachvollziehbare Frustrationsquellen richtet. Dann ist der Spott meist sogar willkommen, weil er vielen aus der Seele spricht:

Sarkasmus Beispiel Job Grafik Humor

Sarkasmus kann kreativer machen

Vollkommen auf Sarkasmus brauchen Sie daher nicht verzichten. Ganz im Gegenteil: Richtig eingesetzt, kann er sogar kreativer machen – und zwar nicht nur Sie, sondern auch Ihren Gesprächspartner.

Zu diesem spannenden Ergebnis kam eine Studie der Harvard Business School.

In den Experimenten dazu arrangierten die Wissenschaftler verschiedene Gespräche, in denen die Teilnehmer unterschiedliche Sprechweisen anwenden sollten: Sarkastisch, aufrichtig oder neutral. Anschließend wurde untersucht, wie sowohl Sprecher, als auch Zuhörer auf den Sarkasmus reagierten.

Ergebnis: Unabhängig davon, ob die Probanden selbst die sarkastischen Aussagen machten oder diese von ihrem Gesprächspartner gehört wurden, ließ sich eine deutlich erhöhte kognitive Aktivität feststellen.

Laut den Forschern gibt es dafür eine gute Erklärung:

  • Um Sarkasmus zu benutzen oder zu verstehen, muss der Widerspruch zwischen Gesagtem und Gemeintem aufgelöst werden. Nur wenn der Sprecher dazu in der Lage ist, kann er selbst Sarkasmus anwenden und der Empfänger die wahre Botschaft nur dann verstehen, wenn er den Unterschied zwischen Worten und wirklichem Inhalt aufdeckt.
  • Dieser Vorgang erfordert abstraktes und kreatives Denken und hilft dabei, einen ähnlichen gedanklichen Vorgang auch bei anderen Aufgaben anzuwenden.

Soll heißen: Wer regelmäßig selbst sarkastische Bemerkungen macht oder durch andere mit diesen in Kontakt kommt (und sie versteht!), kann dadurch seine Kreativität steigern.

Der zweite positive Effekt: Abhängig davon, wem gegenüber Sie sich sarkastisch zeigen, können Sie sogar den oben genannten negativen Punkt aushebeln. Denn die Forscher der Harvard Business School fanden ebenfalls heraus, dass Sarkasmus nur dann zu einem höheren Konfliktpotenzial führt, wenn er einer wenig vertrauten Person gegenüber geäußert wird.

Ihren Freunden oder einem lieben Kollegen, mit dem Sie sich gut verstehen, dürfen Sie also ruhig weiterhin mit Sarkasmus begegnen. Diese verstehen, dass sich hinter Ihrer Aussage kein böswilliger Angriff, sondern eine nett gemeinte Stichelei handelt. Trotzdem profitieren weiterhin beide Seiten davon, da der Sarkasmus entschlüsselt wird und somit die Kreativität steigt. Eine klassische Win-Win-Situation.

[Bildnachweis: spaxiax by Shutterstock.com]
15. Oktober 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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