Schlagfertigkeit: So kontern Sie jeden Spruch

Wie oft denkt man sich: Hätte ich nur eine gute Antwort parat gehabt… Schlagfertigkeit liegt nicht jedem und oft fällt einem der passende Spruch erst Stunden später ein. Dumm gelaufen.

Gerade im Job gibt es Situationen, in denen ein schlagfertiger Konter gefragt ist. Ein unangebrachter Kommentar vom Kollegen wird gekonnt pariert oder eine peinliche Situation durch Schlagfertigkeit entschärft. Statt mit einem hochroten Kopf herumzudrucksen, wissen Sie sofort, was Sie sagen und wie Sie reagieren sollen.

Die gute Nachricht: Schlagfertigkeit lässt sich lernen! Hier erfahren Sie alles, was Sie zur Schlagfertigkeit wissen müssen. Zusätzlich geben wir Ihnen viele Tipps, mit denen Sie schlagfertiger werden und in Zukunft besser und schneller antworten können…

Schlagfertigkeit: So kontern Sie jeden Spruch

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Definition: Was ist Schlagfertigkeit?

Schlagfertigkeit ist die Kunst, in einer unangenehmen Situation spontan und wendig zu kontern. Es handelt sich um die Fähigkeit, schnell eine witzige oder clevere Antwort zu finden.

Im Kern dreht sich die Schlagfertigkeit darum, auf eine unerwartete Aussage oder Frage sofort die passende Reaktion zu liefern.


Wer schlagfertig ist, auf Englisch: quick-witted, der stoppt Verbalattacken und nimmt dem Angreifer den Wind aus den Segeln. Dieser steht in einem schlechten Licht da, während Sie souverän und selbstsicher wirken.


Zur Schlagfertigkeit synonym werden auch die Begriffe Wortgewandtheit oder Gewitztheit verwendet, obwohl diese eigentlich nicht genau die Bedeutung der Schlagfertigkeit auf den Punkt bringen. Vielmehr treffen die Redewendungen „immer eine passende Antwort parat haben“ und „nicht auf den Mund gefallen sein“ besser zu.

Die Schlagfertigkeit setzt sich dabei aus verschiedenen Faktoren zusammen, die allesamt notwendig sind, wenn Sie schlagfertig antworten wollen:

  • Mut
    Haben Sie den Mut auch mal frech zu sein und brechen Sie mit dem Wunsch, es allen recht machen zu wollen. Eine schlagfertige Antwort kann Ihnen nur gelingen, wenn Sie überhaupt etwas sagen. Lassen Sie sich nicht jeden Spruch gefallen, ohne selbst zurückzuschlagen.
  • Argumentationsfähigkeit
    Wenn Sie es schaffen, auch in Stresssituationen Ihre Meinung zu vertreten und Argumente zu finden, wächst die Schlagfertigkeit.
  • Humor
    Statt den Angriff persönlich zu nehmen, machen Sie sich darüber lustig. Sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, lässt Sie gelassen wirken. Und nichts wirkt so schlagfertig, wie ein witziger Konter, bei dem Sie entweder zeigen, dass Sie über sich selbst lachen können – oder mit dem Sie sich über den anderen lustig machen.
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Vorteile: Was Ihnen Schlagfertigkeit bringt

Ganz praktisch gesehen hilft Schlagfertigkeit zunächst dabei, in schwierigen oder unangenehmen Situationen die richtigen Worte zu finden. An dieser Stelle hören die Vorteile noch nicht auf.

Es lohnt sich an der eigenen Schlagfertigkeit zu arbeiten. Was sich dadurch für Sie verbessert:


  • Sie verschaffen sich Respekt unter den Kollegen.
  • Sie machen einen souveränen Eindruck.
  • Sie gewinnen die Kontrolle zurück.
  • Sie setzen Grenzen.
  • Sie werden ernst genommen.
  • Sie zeigen Durchsetzungsvermögen.
  • Sie steigern Ihr Selbstwertgefühl.


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Schlagfertig antworten: Lässt es sich lernen?

Manche Menschen sind von Natur aus schlagfertig. Sie haben immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, kontern nach Lust und Laune jeden Kommentar aus und wissen stets ganz genau, was sie in welchem Moment sagen können.

Andere tun sich damit deutlich schwerer und suchen lange nach einer passenden Antwort. Die gute Nachricht: Schlagfertigkeit lernen kann jeder. Es gibt jedoch Unterschiede darin, wie leicht es fällt.

Grundsätzlich gilt für Schlagfertigkeit: Übung macht den Meister. Probieren Sie es immer wieder, lassen Sie sich nicht entmutigen und überlegen Sie sich bei jedem Spruch, wie Sie darauf schnell reagieren könnten.



Ein großer, aktiver Sprachschatz ist dazu allerdings Voraussetzung. Denn natürlich lebt jeder Konter auch vom cleveren Sprachspiel, vom scharfen Wortwitz – von der Spitze eben.

Ohne dieses Sprachgefühl gelingt allenfalls der Aufstieg zum stumpfen Dampfplauderer. Lesen Sie also viel, reden Sie viel und üben, üben, üben Sie mit Worten zu spielen.



Schlagfertigkeit trainieren können Sie zum Beispiel auch, indem Sie eine Assoziationkette machen: Mit mehreren Freunden macht dies am meisten Spaß. Einer sagt ein Wort und nun wird auf dieses Wort assoziiert, dann auf das nächste und alle müssen solange auf das vorhergehende Wort assoziieren, bis es ins Stocken gerät.

Dann wird das nächste Wort in die Menge gerufen. Sie können dieses Spiel natürlich auch mit sich allein üben, indem Sie mit geschlossenen Augen auf ein Wort in der Zeitung tippen und dann eine Minute lang überlegen, welche anderen Begriffe Ihnen dazu einfallen.

Vor allem aber üben Sie, offensiver zu werden. Wer Angst hat, etwas Falsches zu sagen, wird nie schlagfertig. Der Journalist John Wilkes ist ein gutes Vorbild dafür. Als Lord Sandwich, Namenspatron des gleichnamigen Klappbrots, zu ihm sagte: „Sie werden eines Tages entweder an der Syphilis sterben oder am Galgen“, meinte Wilkes nur: „Das kommt darauf an, ob ich die Mätresse oder die Lebensprinzipien Eurer Lordschaft übernehme.“ Ein Konter, der schlagfertiger nicht sein könnte.

Tempo entscheidet bei der Schlagfertigkeit freilich ebenfalls. Der Konter lebt von der Überraschung. Davon, dass er den anderen trifft, wo es weh tut. Wer unter Beschuss gerät, den treibt jedoch oft die Schrecksekunde in die Defensive. Diese Starre zu überwinden – das ist die schwerste Lektion, wenn Sie Schlagfertigkeit trainieren wollen. Sie gelingt allein durch eine Art Immunsystem:

Sehen Sie verbale Balgereien als Kommunikations-Pingpong. Oder als Kompliment: Immerhin widmet Ihnen da einer so viel Aufmerksamkeit, dass er Sie als Zielscheibe ausgewählt hat. Und wer steckt sich schon kleine Ziele? Eben.

Schlagfertigkeit Beispiele: So können Sie reagieren

Gerade am Anfang fällt die Schlagfertigkeit noch schwer. In dieser Zeit kann es helfen, wenn Sie sich vorbereiten. Das ist dann zwar keine echte Schlagfertigkeit, ermöglicht Ihnen aber dennoch, scheinbar spontan eine gute Antwort zu geben – die anderen müssen ja nicht wissen, dass diese vorgedacht war.

Dabei hilft eine kleine Sammlung an Schlagfertigkeitssprüchen, die Sie zur Not parat haben. Zwar ist es weitaus spontaner, aus der Situation heraus handeln zu können, aber das gelingt erst mit dem nötigen Training.

Wir haben einige Klassiker aufgelistet, mit denen Sie schlagfertig antworten können und die häufig passen – unabhängig von der Bemerkung. Der Kommunikationsexperte und „Schlagfertigkeitscoach“ Matthias Pöhm nennt Sie Triggersätze:

  • Das sehen Sie richtig.
  • Das überlege ich mir noch.
  • Das ist Ihre Meinung.
  • Ich habe das leider nicht verstanden. Was wollten Sie mir damit sagen?
  • Daran werden Sie sich gewöhnen müssen.
  • Sie sprechen hörbar aber nicht verstehbar.
  • Das ist allein Ihr Problem.
  • Das haben Sie gut beobachtet.
  • Behaupten kann das jeder.
  • Das sind klassische Einbildungen.

Lernen Sie dazu. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man in der jeweiligen Situation nicht entsprechend parieren kann. Aber schlagfertig wird man nicht von heute auf morgen.

Es schadet aber auch nichts, sich bestimmte Situationen ins Gedächtnis zu holen und mögliche Antworten in Gedanken durchzuspielen. Merken Sie sich, was Ihnen dazu einfällt, dann können Sie in einer vergleichbaren Situation eine Gegenwehr leichter abrufen.

Abschließend ein Bonmot von Kurt Tucholsky, mit dem sich gehässige Bemerkungen gut parieren lassen:

Der Vorteil der Klugheit liegt darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.


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Tipps für Ihre Schlagfertigkeit

Sie wünschen sich mehr Schlagfertigkeit? Dann können Ihnen die folgenden Tipps helfen. Diese können zwar keine Wunder bewirken und ohne die oben bereits angesprochene Übung wird es nicht klappen – doch wird Ihre Schlagfertigkeit in jedem Fall davon profitieren.

  • Setzen Sie sich nicht unter Druck
    Wenn Sie ohne Vorwarnung von einem Kommentar angegriffen und verletzt werden, befinden Sie sich sofort in einer Stresssituation – der erste Reflex ist Flucht, um aus der Situation zu entkommen. Genau dieser Reflex hindert Sie daran spontan zu regieren. Setzen Sie sich nicht unter Druck und die Antwort kommt von selbst. Es muss gar keine perfekt schlagfertige Antwort sein. Erwarten Sie nicht gleich den besten Konter, den je ein Mensch gesagt hat. Ohne diesen Druck fällt Schlagfertigkeit leichter.
  • Erkennen Sie die Situation
    Nicht jeder Angriff ist vollkommen überraschend. Manchmal zeichnet sich bereits im Vorfeld ab, dass der Kollege einen dummen Spruch plant. Bleiben Sie aufmerksam und achten Sie auf kleine Signale. So werden Sie nicht überrumpelt und können schlagfertig reagieren.
  • Lassen Sie sich nicht provozieren
    Ziel verbaler Attacken ist es, Sie zu provozieren, Sie bloßzustellen oder Sie dazu zu bringen, sich aufzuregen. Deshalb gilt: Machen Sie all das nicht, sondern reagieren Sie entspannt und gelassen. In vielen Situationen ist ein „Ist das wirklich das Beste, was Ihnen eingefallen ist?“ schlagfertig genug – denn auch die Kommentare sind längst nicht so geistreich, wie vom Absender gedacht.
  • Verbessern Sie Ihr Allgemeinwissen
    Nicht nur ein großer Wortschatz, auch eine insgesamt gute Allgemeinbildung wirkt sich positiv auf die Schlagfertigkeit aus. Je mehr Sie aus vielen Bereichen wissen, desto leichter fällt es Ihnen, zu den unterschiedlichsten Wortgeschossen eine treffende Antwort zu formulieren. Nicht ohne Grund wird Schlagfertigkeit als ein Zeichen hoher Intelligenz und von einem guten Allgemeinwissen gedeutet.
  • Achten Sie auf Ihre Körpersprache
    Neben den richtigen Worten, braucht es für eine schlagfertige Reaktion auch die richtige Körpersprache. Machen Sie sich nicht klein und schauen verschämt zu Boden. Stehen Sie auf und schauen Ihrem Gegenüber direkt in die Augen. Eine aufrechte Körperhaltung und direkter Blickkontakt signalisieren Ihrem Gegenüber, dass Sie keine Angst empfinden und sich nicht einschüchtern lassen.
  • Blicken Sie in die Vergangenheit
    Wie oft haben Sie sich schon geärgert, weil Ihnen eine schlagfertige Antwort zu spät eingefallen ist? Sehr ärgerlich, aber auch eine gute Möglichkeit, um es beim nächsten Mal besser zu machen. Sie haben eine schlagfertige Antwort gefunden – wenn auch zu spät. Lernen Sie daraus und fragen Sie sich, wie Sie es bei der nächsten Gelegenheit schneller umsetzen können.
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Taktiken und Strategien der Schlagfertigkeit

Neben den Tipps gibt es auch einige bewährte Taktiken für mehr Schlagfertigkeit. Diese können Sie in den unterschiedlichsten Situationen anwenden, aber gerade im Job eignen diese sich besonders gut, um schlagfertige Antworten zu finden.

Für ein besseres Verständnis stellen wir Ihnen die einzelnen Strategien vor, geben eine konkrete Situation als Beispiel und zeigen, wie die schlagfertige Antwort für den Fall aussehen könnte.

Rückfrage-Taktik

Diese Taktik lässt sich eigentlich immer anwenden. Sie spielen den Ball direkt zurück an Ihr Gegenüber und stellen eine möglichst unangenehme Frage, auf die nun der andere eine Antwort finden muss.


Schlagfertigkeit Beispiel

Kollege: „Im Urlaub haben Sie aber zugelegt.“

Sie: Ja, das kann sein. Wie war Ihr Urlaub denn so? Scheinbar war das Essen ja nicht so gut.

Umkehr-Taktik

Mithilfe dieser Taktik drehen Sie den Spieß um und stellen Ihr Gegenüber bloß. In der Regel hat diese Reaktion einen großen Unterhaltungswert für alle anderen. Doch Vorsicht: Damit machen Sie sich schnell Feinde und sollten mit eine Retourkutsche rechnen.


Schlagfertigkeit Beispiel

Winston Churchill war für seine Schlagfertigkeit berühmt. Bei einer Abendgesellschaft soll eine gewisse Lady Astor zu ihm gesagt haben:

Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee mischen. Darauf entgegnete Churchill:

Und wenn ich Ihr Mann wäre, dann würde ich ihn trinken.

Zustimmungs-Taktik

Statt sich zu verteidigen, geben Sie Ihrem Angreifer einfach recht. Vorwürfe und Provokationen laufen auf diese Weise ins Leere.


Schlagfertigkeit Beispiel

Der SPD Vorsitzende Sigmar Gabriel wurde bei der Bundespressekonferenz nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags darauf angesprochen, wie er es finde, dass er und Alexander Dobrindt nun Teil eines Kabinetts seien. Dobrindt habe Gabriel als „übergewichtig und unfähig“ bezeichnet. Gabriel antwortete gelassen:

Zumindest zu der einen Hälfte hat er ja recht. Zu welcher, hängt von der Gewichtsklasse des Betrachters ab.

Kompliment-Taktik

Diese Taktik beruht darauf, den Kollegen mit einem ironischen Lob außer Gefecht zu setzen. Machen Sie ein übertriebenes Kompliment, das ironisch verdeutlicht, wie dumm die Bemerkung eigentlich war.


Schlagfertigkeit Beispiel

Während einer Präsentation werden Ihre Ausführungen als überflüssig bezeichnet. Sie kontern:

Ein toller Einwurf. Darf ich ihn aufschreiben?
Ich bin schwer beeindruckt.
Kompliment! Diese gewitzte Bemerkung hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut.
Vielen Dank für die Lebenshilfe.
Schön gesagt. Könnten Sie dies bitte wiederholen?

Übersetzungs-Taktik

Mit dieser Taktik „übersetzen“ Sie die Worte Ihres Gegenübers – in einer Art und Weise, die von diesem natürlich nicht beabsichtigt war. Damit drehen Sie die Aussage zu Ihrem Vorteil.


Schlagfertigkeit Beispiel

Ihr Kollege unterstellt Ihnen. „Sie sind doch nur eine Marionette des Chefs!“ Darauf antworten Sie:

Sie meinen damit, dass es viel Fingerspitzengefühl braucht, um mich zu führen?

Ausweich-Taktik

Bei dieser Taktik gehen Sie überhaupt nicht auf den Inhalt des Vorwurfs ein, sondern machen es zum Thema, wie aktuell miteinander geredet wird. Bringen Sie die unsachliche Art der Kommunikation zur Sprache. Isolieren Sie Ihr Gegenüber mit seiner Aussage.


Schlagfertigkeit Beispiel

Sie werden in einem Meeting von Ihrem Kollegen dafür kritisiert, nur schwachsinnige Ideen zu haben. Ihre Antwort darauf:

Unsachliche Bemerkungen wie diese bringen uns nicht weiter. Wir alle sind daran interessiert, möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen. Ich bitte Sie, sich auf die richtigen Umgangsformen zu besinnen.


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Schlagfertigkeit im Job kann auch gefährlich sein

Schlagfertigkeit kommt in vielen Situationen gut an, sorgt für einige Schmunzler oder anerkennende Blicke. Aber – und das ist ein großes ABER: Im Job und im Büro gelten andere Regeln als bei einer hitzigen Debatte. Bei Letzterer muss die kernige Replik schnell, präzise und schmerzhaft sein, damit sie ihre Wirkung voll entfaltet.

Im Job ist das risikoreich: Frechheit bringt hier häufig nur einen Pyrrhussieg. Wer versucht, andere mundtot zu machen, provoziert eher Rachegelüste.

Oder schlimmer: Der ursprüngliche Vorwurf setzt sich dank der Pointe erst recht in den Köpfen der Anwesenden fest. Büro-Rhetorik ist deshalb niemals Kampfrhetorik, vielmehr soll sie die eigene Souveränität demonstrieren und ein unangenehmes Thema beenden.

Im Job ist bei der Schlagfertigkeit ein wenig Vorsicht geboten und es gelten einige Grundregeln, an die sich auch schlagfertige Antworten halten müssen, um negative Konsequenzen zu vermeiden:

  • Keine verbalen Konter unter der Gürtellinie.
  • Keine persönlichen Beleidigungen.
  • Keine unnötigen Eskalationen.

Die folgenden Tipps und Techniken helfen Ihnen dabei, Schlagfertigkeit zu zeigen und trotzdem den richtigen Ton zu treffen.

  • Machen Sie eine kurze Pause
    Es ist ein Trick von Aggressoren, dass diese Sie zu einer schneller Reaktion verleiten wollen – die sie insgeheim vielleicht schon erwarten und darauf auch sofort wieder kontern können. Das endet dann wie beim Hase und Igel: Der andere ist immer schon da. Steigen Sie aus dieser Spirale aus. Übernehmen Sie die Kontrolle. Stellen Sie beispielsweise eine Rückfrage oder bedanken Sie sich dafür, dass der andere seinen Standpunkt so leidenschaftlich klar gemacht hat. Und schon führen Sie die Diskussion und geben jetzt das Tempo vor.
  • Stellen Sie Humor in den Vordergrund
    Der gehört bei Schlagfertigkeit meist ohnehin dazu, doch gerade im Job ist er von großer Bedeutung. Humor lockert auf und sorgt dafür, dass Ihre Retourkutsche taktvoll bleibt. Gewürzt mit einer Prise Charme und Selbstironie entkräftet man so nahezu jeden giftigen Spruch.

    Als der französische Staatspräsident François Mitterrand einst bei einer Rede von einem Kritiker immer wieder mit „Aufhören!“ unterbrochen wurde, erwiderte er: „Ich würde uns beiden den Gefallen ja gerne tun, aber wir sollten in dieser Situation nicht nur an uns denken.“
  • Weisen Sie die Verbalattacke kategorisch zurück
    Eine Form der Schlagfertigkeit kann es sein, erst gar nicht auf die Bemerkung einzugehen und diese sofort abzuwimmeln. Zum Beispiel mit den Worten: „Das ist Ihre Version. Tatsache aber ist, dass…“ Die Masche ist zwar nicht besonders originell, dafür zwingt sie das Gespräch zurück auf die Sachebene.
  • Schweigen Sie
    Gerade wenn jemand Sie nicht sachlich, sondern auf persönlicher Ebene angreift, ist der Drang groß, mit gleichen Mitteln zurückzuschießen und ebenfalls unter der Gürtellinie zu treffen. Das eskaliert schnell und einen wirklichen Sieger gibt es nicht.

    Es gibt jedoch noch eine weitere, viel elegantere Form der Zurechtweisung: Schweigen. Sie sagen nichts, schauen dem Aggressor nur intensiv in die Augen und legen eine Schweigeminute ein. Die nun eintretende erwartungsvolle Stille wirkt zu Ihren Gunsten: Denn während die Unverschämtheit noch durch den Raum hallt, mutiert sie zur peinlichen Niedertracht.

    Sie aber bleiben souverän, zeigen Größe darüber zu stehen und sich völlig unter Kontrolle zu halten. Danach machen Sie weiter als sei nichts gewesen. Auch diese Geste signalisiert: Es perlt an Ihnen ab. Und auf so ein Niveau begeben Sie sich auf keinen Fall. Der Sprecher hingegen hat sich mit seinem Schuss unter die Gürtellinie selbst disqualifiziert.
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Die Kunst der Eristik als Selbstverteidigung

Falls Sie in diesen Techniken fortgeschritten sind und es mal mit einem ganz fiesen Hund zu tun bekommen, können Sie sich gerne noch in der Kunst der Eristiküben.

Das ist die böse Stiefschwester der Rhetorik, bei der es nicht mehr nur darum geht, einen Angriff zu parieren oder das beste Argument in den Vordergrund zu stellen, sondern einen Streit mit allen fiesen Mitteln zu gewinnen. Ziel ist, den Gegner auszutricksen, lächerlich zu machen, zu diskreditieren – obwohl dieser möglicherweise sogar recht oder die besseren Argumente hat.

Das allerdings gehört nun wirklich nicht ins Büro und dient allenfalls als letzter Schritt zur Selbstverteidigung. Deren Techniken zu kennen, ist dennoch ratsam – und sei es nur, um richtig gemeine Attacken zu parieren.

  • Den Gegner wütend machen
    Wer vor Wut schäumt, kann keinen klaren Gedanken mehr formulieren. Bewährtes Mittel: Schikane, Unterstellung, Unverschämtheiten und dem Gegner wiederholt Unrecht tun. Übrigens: Gerät der Gegner bei einem Streitpunkt unerwartet in Rage, ist das ein gutes Indiz für einen wunden Punkt. Erfahrungsgemäß sind seine Argumente hier besonders schwach und emotional. Sofort nachbohren!

  • Die Aussagen des Gegners falsch zusammenfassen
    Unverschämt, aber nicht minder wirkungsvoll ist, mehrere Antworten, die nicht der gewünschten Meinung entsprechen, mit einer falschen Schlussfolgerung (der eigenen These) zusammen zu fassen: „Sie sagen also, dass…“ Sagt er natürlich nicht, bringt ihn aber in Rage.

  • Die These des Gegners überhöhen
    Und sie möglichst allgemein darstellen, die eigene dagegen sehr konkret und in knappen Worten. So wird die gegnerische These wesentlich angreifbarer, sie bietet mehr Fläche.

  • Den Gegner ins Kreuzverhör nehmen
    Identifizieren Sie Argumente, die mit etwas in Widerspruch stehen, was der Gegner angeblich früher schon einmal gesagt hat. Genauso wirken Argumente, die mit etwas in Widerspruch stehen, das der Gegner früher gelobt hat. Das Ziel hierbei: Die Glaubwürdigkeit des Zeugen wird untergraben.

  • Den Gegner mit einem Trommelfeuer aus Fragen belegen
    Bei dieser Technik gilt: Fragen Sie – egal was, solange es viele verschiedene Bereiche abdeckt. Ihr Gegenüber soll richtig ins Schwimmen kommen. Je mehr Sie fragen, desto mehr verliert er den Überblick und das Motiv dahinter aus den Augen. Am Ende werden alle bestätigten Punkte rasch zusammengefasst.

  • Das eigentliche Ziel zerteilen
    Sie verschleiern etwa die Bestätigung für einen heiklen Punkt, indem Sie ihn in einzelne Prämissen zerlegen. Diese lässt man sich dann im Laufe der Debatte und in wilder Reihenfolge einzeln bestätigen. Am Ende ist es leicht, den Sack zuzumachen: „Sie haben ja schon zugegeben, dass … und dass … und dass …, daraus kann nur eines folgen: Es ist so wie ich sage!“

  • Dem Gegner zum Schein zustimmen
    Anschließend seine Thesen und Argumente überhöhen und übertreiben, dabei seine Zustimmung suggestiv provozieren (Kopfnicken reicht) und anschließend die Übertreibung genüsslich widerlegen: „Aber das ist natürlich Quatsch!“ Das schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Gegner steht da wie ein Depp und sein Pulver ist verschossen.

  • Die These des Gegners bestätigen
    Ähnlich wie der Punkt zuvor, aber nun bewerten Sie sie nicht, sondern bezweifeln, dass sie praxistauglich ist: „Auf dem Papier sieht das ja hübsch aus. Aber wie soll das jemals funktionieren?“ Auch hier steht Ihr Gegenüber vor dem Problem, dass er nun argumentieren und nachweisen muss, dass es eben doch geht – in der Praxis gar nicht so leicht.

  • Den Gegner mit einem Wortschwall überraschen
    Ein plötzlicher und heftiger Wortschwall verblüfft manche Gegner so sehr, dass sie aus dem Konzept kommen. Die antiken Sophisten empfahlen sogar, statt zu antworten, plötzlich loszulachen, um den Gegner zu verunsichern. Hauptsache danach kommt ein Knaller.

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
18. August 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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