Definition: Was bedeutet ambivertiert?
Ambivertiert bedeutet, dass ein Mensch weder stark introvertiert noch stark extrovertiert ist. Die Persönlichkeit liegt vielmehr im mittleren Bereich zwischen beiden Polen. Ambivertierte Menschen können deshalb sowohl gesellig und kontaktfreudig als auch ruhig und zurückgezogen sein. Schätzungen zufolge sind rund 10 % der Bevölkerung ambivertiert. Je nach Definition sprechen manche Wissenschaftler auch von 25 %.
Der Begriff leitet sich von „ambi“ für „beide“ bzw. „beidseitig“ ab. Auf Englisch heißt ambivertiert „ambivert“ oder „ambiverted“. Die entsprechende Eigenschaft wird Ambiversion genannt. Sie ist nicht mit „Ambivalenz“ zu verwechseln: Ambivalenz bezeichnet gleichzeitig bestehende, widersprüchliche Gefühle oder Einstellungen.
Ambivertiert in der Psychologie
In der modernen Persönlichkeitspsychologie sind „introvertiert“ und „extrovertiert“ keine starren Persönlichkeitstypen, sondern Pole auf einer Skala mit zahlreichen Abstufungen. Menschen im mittleren Bereich werden als „ambivertiert“ bezeichnet. Im wissenschaftlich anerkannten Big-Five-Modell bildet Extraversion wiederum eine von fünf grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen. Ambiversion ist jedoch keine zusätzliche sechste Dimension, sondern bezeichnet den mittleren Bereich der Extraversion.
Ambivertiert: 12 typische Merkmale
Ambiversion kann sich im Alltag ganz unterschiedlich zeigen. Typisch ist die Flexibilität zwischen geselligem und zurückhaltendem Verhalten. Welche Seite stärker hervortritt, hängt meist von der Situation, dem Umfeld und den persönlichen Bedürfnissen ab. Nicht alle folgenden Punkte müssen auf Sie zutreffen. Die Merkmale sind Tendenzen und keine festen Regeln für einen bestimmten Persönlichkeitstyp:
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Gesellig und ruhig
Sie verbringen gerne Zeit mit anderen, genießen aber ebenso einen Abend alleine.
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Flexible Kommunikation
Mal beteiligen Sie sich aktiv am Gespräch, mal hören Sie lieber zu und beobachten.
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Unterschiedliche Gruppengrößen
Sie fühlen sich sowohl im persönlichen Gespräch als auch in größeren Gruppen wohl.
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Situatives Auftreten
In vertrauter Umgebung sind Sie womöglich lebhaft, in anderen Situationen zunächst zurückhaltend.
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Kontakt und Rückzug
Sozialer Austausch ist Ihnen wichtig, gleichzeitig benötigen Sie regelmäßig Zeit für sich.
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Sprechen und Zuhören
Sie können ein Gespräch führen und Aufmerksamkeit erzeugen, ohne ständig im Mittelpunkt stehen zu müssen.
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Team und Einzelarbeit
Gemeinsames Arbeiten kann Ihnen ebenso liegen wie konzentriertes Arbeiten auf eigene Faust.
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Spontan und überlegt
Manche Entscheidungen treffen Sie schnell, bei anderen möchten Sie zunächst gründlich nachdenken.
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Networking und Einzelgespräche
Sie können neue Kontakte knüpfen, schätzen aber ebenso den intensiveren Austausch mit einzelnen Personen.
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Abwechslung und Ruhe
Neue Eindrücke können Sie begeistern, ohne dass Sie ständig Action benötigen.
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Anpassungsfähiges Verhalten
Sie können Ihr Auftreten unterschiedlichen sozialen Situationen anpassen, ohne sich grundsätzlich verstellen zu müssen.
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Keine eindeutige Zuordnung
Auf die Frage „introvertiert oder extrovertiert?“ lautet Ihre Antwort häufig: „Es kommt darauf an.“
Ambivertiert-Test: Bin ich ambivertiert?
Erkennen Sie sich in der Beschreibung wieder? Der folgende Kurztest hilft bei einer ersten Selbsteinschätzung. Haken Sie alle Aussagen gleich online ab, denen Sie zustimmen. Der Test ist natürlich keine psychologische Diagnose. Für eine differenziertere Messung Ihrer Persönlichkeit eignet sich unser kostenloser Big-Five-Persönlichkeitstest.
- Ich bin gerne unter Menschen, brauche aber ebenso Zeit für mich.
- Ich fühle mich in kleinen und größeren Gruppen wohl.
- Ich kann aktiv erzählen und aufmerksam zuhören.
- Manchmal suche ich Aufmerksamkeit, manchmal lieber meine Ruhe.
- Ich arbeite gerne im Team, komme aber auch alleine gut zurecht.
- Mein Auftreten hängt stark von der jeweiligen Situation ab.
- Nach viel Geselligkeit freue ich mich häufig auf Rückzug.
- Ich kann auf fremde Menschen zugehen, muss aber nicht ständig neue Kontakte knüpfen.
- Ich erkenne mich weder in „typisch introvertiert“ noch in „typisch extrovertiert“ vollständig wieder.
- Bei manchen Menschen bin ich sehr gesprächig, bei anderen eher ruhig.
Ambivertiert Test – Auswertung
Je mehr Aussagen Sie zustimmen, desto stärker spricht Ihre Selbsteinschätzung für eine mittlere Ausprägung zwischen Introversion und Extraversion. Besonders charakteristisch ist, wenn Sie sich in beiden Richtungen wiedererkennen und Ihr Verhalten je nach Situation variiert. Wenige Zustimmungen bedeuten dagegen nicht automatisch, dass Sie eindeutig einem der beiden Pole entsprechen. Persönlichkeit lässt sich nicht anhand weniger Aussagen in drei Schubladen einteilen.
Introvertiert, extrovertiert oder ambivertiert?
Die drei Begriffe beschreiben unterschiedliche Positionen auf derselben Skala. Der Unterschied liegt darin, wie stark Menschen soziale Kontakte und äußere Stimulation suchen und wie sie typischerweise auftreten. Ambivertierte verfügen über beide Anteile und zeigen je nach Kontext unterschiedliche Verhaltensweisen:
Ausprägung |
Typische Tendenz |
| Introvertiert | Eher ruhig, weniger äußere Stimulation, häufiger Rückzug. |
| Ambivertiert | Mittlere Ausprägung, verbindet Kontaktfreude und Rückzugsbedürfnis. |
| Extrovertiert | Eher gesellig, kontaktfreudig und stärker nach außen orientiert. |
Kann man introvertiert und extrovertiert gleichzeitig sein?
Im Alltag kann es durchaus so wirken. Ein Mensch kann beispielsweise im Beruf kontaktfreudig auftreten und privat viel Ruhe suchen. Das ist also kein Widerspruch.
Welche Vorteile hat Ambiversion?
Eine mittlere Ausprägung ist immer dann nützlich, wenn unterschiedliche Situationen verschiedene Verhaltensweisen verlangen. Ambivertierte Menschen können beispielsweise bei einem Meeting aktiv auftreten und anschließend konzentriert alleine arbeiten. Daraus ergeben sich zahlreiche Vorteile im Berufsleben. Ambiversion macht einen Menschen jedoch nicht automatisch erfolgreicher, empathischer oder sozial kompetenter!
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Anpassungsfähigkeit
Das eigene Verhaltensspektrum kann je nach beruflicher Situation flexibel angepasst werden.
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Kommunikation
Aktives Sprechen und zurückhaltendes Zuhören ergänzen sich sinnvoll.
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Networking
Ambivertierte können ebenso neue Kontakte knüpfen wie intensive Einzelgespräche führen.
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Arbeitsweise
Teamarbeit und eigenständiges Arbeiten sind jederzeit möglich – je nach Anforderung.
Ambivertierte im Vertrieb: Was sagt die Forschung?
Der Organisationspsychologe Adam Grant untersuchte 340 Beschäftigte eines Callcenters und fand einen interessanten Zusammenhang: Nicht die besonders Extrovertierten erzielten die höchsten Verkaufsergebnisse, sondern Beschäftigte mit einer mittleren Ausprägung. Grant bezeichnete diesen Zusammenhang als „Ambivert Advantage“. Als Erklärung nennt er die Balance zwischen Durchsetzungsfähigkeit und Zuhören: Erfolgreiche Verkäufer müssen überzeugend auftreten, zugleich aber auf Kunden und deren Bedürfnisse eingehen.
Welche Nachteile hat Ambiversion?
Flexibilität kann auch Herausforderungen mit sich bringen. Wer sich in vielen Situationen zurechtfindet, erkennt möglicherweise weniger schnell, wann das eigene Bedürfnis nach Kontakt, Aktivität oder Rückzug erreicht ist. Hinzu kommt die Gefahr der Überanpassung: Nur weil Sie sowohl gesellig als auch zurückhaltend sein können, müssen Sie nicht jede Rolle übernehmen. Entscheidend ist, das eigene Verhalten nicht ausschließlich an den Erwartungen anderer auszurichten.
Ambivertiert im Beruf: Wie nutze ich beide Seiten?
Im Job kann Ambiversion besonders hilfreich sein, wenn sich kommunikative und konzentrierte Aufgaben abwechseln. Im Meeting können Sie Ideen vertreten, beim Networking Kontakte knüpfen und anschließend selbstständig an einem Projekt arbeiten. Nutzen Sie diese Bandbreite bewusst, statt sich auf einen vermeintlichen Persönlichkeitstyp festzulegen. Beobachten Sie zugleich, welche Situationen Ihnen tatsächlich liegen. Persönlichkeit ist nur ein Teil beruflicher Eignung. Fähigkeiten, Interessen, Erfahrung, Motivation und Arbeitsbedingungen sind mindestens ebenso wichtig.
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