Coping – das Wichtigste auf einen Blick
| Bedeutung | Coping bezeichnet Gedanken und Handlungen, mit denen Menschen Stress und Belastungen bewältigen. |
| Deutsch | „To cope with“ bedeutet „mit etwas zurechtkommen“ oder „etwas bewältigen“. |
| Arten | Grundlegend wird zwischen problemorientiertem und emotionsorientiertem Coping unterschieden. |
| Strategien | Typische Bewältigungsstrategien sind Problemlösung, Unterstützung, Emotionsregulation, Neubewertung und Akzeptanz. |
| Auswahl | Bei kontrollierbaren Belastungen hilft eher aktives Problemlösen, bei kaum veränderbaren Situationen eher Emotionsregulation und Akzeptanz. |
| Unterschied | Coping ist der konkrete Umgang mit Belastungen; Resilienz bezeichnet die seelische Widerstandskraft. |
Einfach erklärt: Was ist Coping?
Coping ist ein Begriff aus der Psychologie und bezeichnet Gedanken und Verhaltensweisen, mit denen Menschen versuchen, Stress, akute Probleme oder Krisen zu bewältigen. Eine solche Reaktion wird auch Coping-Strategie oder Bewältigungsstrategie genannt. Der Ausdruck stammt vom englischen „to cope with“. Auf Deutsch bedeutet das so viel wie „mit etwas zurechtkommen“, „etwas bewältigen“ oder „eine schwierige Situation meistern“.
Einfaches Beispiel: Sie geraten im Job durch zu viele Aufgaben unter Druck. Eine problemorientierte Bewältigungsstrategie wäre, Prioritäten zu setzen und mit dem Chef über die Arbeitsmenge zu sprechen. Können Sie die Situation kurzfristig nicht verändern, können Sie zunächst Ihre Anspannung regulieren und anschließend überlegen, wie Sie damit umgehen. Coping bedeutet also nicht, einen Stressauslöser zu beseitigen. Bewältigung kann ebenso darin bestehen, die eigene Reaktion darauf zu verändern.
Wie funktioniert Coping in der Psychologie?
Eng verbunden ist das Konzept mit dem transaktionalen Stressmodell der Psychologen Richard Lazarus und Susan Folkman. Danach entsteht Stress nicht allein durch eine Situation. Entscheidend ist ebenso, wie wir diese bewerten und welche Möglichkeiten zur Bewältigung wir bei uns sehen. Vereinfacht läuft dieser Prozess in drei Schritten ab:
-
Situation einschätzen
Sie beurteilen, ob ein Ereignis für Sie irrelevant, positiv, herausfordernd oder bedrohlich ist.
-
Ressourcen prüfen
Sie schätzen ein, welche Fähigkeiten, Handlungsmöglichkeiten und Unterstützung Ihnen zur Verfügung stehen.
-
Bewältigungsstrategie einsetzen
Sie versuchen, entweder die Situation selbst oder Ihren Umgang damit zu verändern.
Anschließend bewerten Sie das Ergebnis erneut: Hat mein Vorgehen geholfen? Hat sich die Lage verändert? Brauche ich eine andere Strategie? Coping ist damit kein festes Persönlichkeitsmerkmal, sondern ein dynamischer Prozess. Derselbe Mensch kann bei verschiedenen Belastungen ganz unterschiedliche Bewältigungsstrategien nutzen.
Welche Arten von Coping gibt es?
In der Stressforschung werden vor allem zwei grundlegende Formen unterschieden: problemorientiertes und emotionsorientiertes Coping. Beide können sinnvoll sein – abhängig davon, ob und wie stark sich eine belastende Situation beeinflussen lässt:
1. Problemorientiertes Coping
Problemorientiertes Coping setzt direkt am Auslöser an. Sie analysieren die Ursache und versuchen, die Situation aktiv zu verändern oder zu lösen. Dazu gehören: Informationen sammeln, Prioritäten setzen, einen Plan entwickeln, Grenzen setzen, neue Fähigkeiten erwerben oder praktische Unterstützung suchen.
Beispiel: Ihre Arbeitsbelastung ist dauerhaft zu hoch. Sie analysieren Ihre Aufgaben, verändern Prioritäten und besprechen mit Ihrer Führungskraft eine andere Verteilung. Diese Form der Stressbewältigung eignet sich besonders, wenn Sie Einfluss auf den Stressauslöser haben.
2. Emotionsorientiertes Coping
Emotionsorientiertes Coping setzt dagegen bei der inneren Reaktion an. Sie versuchen, Angst, Ärger, Trauer oder Anspannung zu regulieren und mit einer schwierigen Lage psychisch besser umzugehen. Mögliche Bewältigungsstrategien sind Entspannungsübungen, Bewegung, Meditation, Gespräche, Akzeptanz oder eine veränderte Bewertung der Situation.
Beispiel: Eine wichtige Entscheidung wurde getroffen und lässt sich von Ihnen nicht mehr ändern. Statt weiter dagegen anzukämpfen, konzentrieren Sie sich darauf, die Folgen zu akzeptieren und Ihren weiteren Handlungsspielraum zu nutzen. Emotionsorientiertes Coping ist deshalb besonders relevant, wenn ein Problem nicht oder nur eingeschränkt kontrollierbar ist.
Was ist kognitives Coping?
Häufig ist zusätzlich von kognitivem oder bewertungsorientiertem Coping die Rede. Gemeint sind gedankliche Bewältigungsstrategien, bei denen Sie eine Situation neu bewerten, die Perspektive wechseln oder unveränderbare Tatsachen akzeptieren. Beispiel: Nach einer Absage betrachten Sie diese nicht als Beweis für persönliches Versagen, sondern als einzelne Rückmeldung innerhalb eines längeren Bewerbungsprozesses. Kognitives Coping lässt sich deshalb weniger als völlig getrennte dritte Grundform verstehen. Neubewertung und Umdeutung können insbesondere Teil des emotionsorientierten Umgangs mit Belastungen sein.
Welche 5 Coping-Strategien gibt es?
Es existieren wesentlich mehr als fünf Möglichkeiten zur Stressbewältigung. Die folgenden fünf Coping-Strategien decken jedoch zentrale Ansätze ab und lassen sich auf viele berufliche und private Belastungen übertragen:
1. Problem aktiv lösen
Fragen Sie sich: Was genau belastet mich – und welchen Teil davon kann ich beeinflussen? Zerlegen Sie größere Schwierigkeiten anschließend in kleinere Aufgaben und legen Sie den nächsten konkreten Schritt fest. Bei beruflicher Überforderung kann diese Bewältigungsstrategie beispielsweise bedeuten, Aufgaben neu zu priorisieren, Termine zu verschieben oder Verantwortlichkeiten zu klären. Je größer Ihr tatsächlicher Handlungsspielraum ist, desto sinnvoller ist aktives Problemlösen.
2. Unterstützung suchen
Coping muss nicht allein stattfinden. Andere Menschen können emotionalen Rückhalt, Informationen oder ganz praktische Hilfe bieten. Überlegen Sie deshalb zunächst, was Sie benötigen: jemanden, der zuhört? Eine zweite Meinung? Fachwissen? Oder konkrete Unterstützung bei der Lösung? Gezielt um Hilfe zu bitten, ist kein Zeichen mangelnder Selbstständigkeit, sondern eine eigenständige Bewältigungsstrategie.
3. Gefühle regulieren
Manchmal müssen Sie zunächst Ihre innere Anspannung reduzieren, bevor Sie vernünftig handeln können. Dabei helfen je nach Situation Bewegung, Atemübungen, Meditation oder eine bewusste Pause. Das Ziel besteht nicht darin, unangenehme Emotionen zu verdrängen. Sie schaffen vielmehr Abstand und beruhigen sich so weit, dass Sie wieder handlungsfähig werden (siehe: Freeze-Frame-Methode). Diese Coping-Strategie eignet sich besonders bei akutem Stress oder Belastungen, die Sie momentan nicht verändern können.
4. Situation neu bewerten
Unsere Interpretation kann Stress verstärken. Prüfen Sie deshalb Ihre Gedanken: Ist die Lage wirklich so aussichtslos? Welche anderen Erklärungen gibt es? Welche Bedeutung wird die Situation in einem Monat haben? Ein Perspektivwechsel kann helfen, Katastrophengedanken zu relativieren und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken. Der Stressauslöser verändert sich dadurch nicht unbedingt – wohl aber Ihre Bewertung und damit möglicherweise seine psychische Wirkung.
5. Unveränderbares akzeptieren
Nicht jedes Problem lässt sich lösen. Verluste, Entscheidungen anderer Menschen oder bereits eingetretene Ereignisse liegen häufig außerhalb unserer Kontrolle. Dann kann Akzeptanz die passendere Bewältigungsstrategie sein. Akzeptieren bedeutet nicht, etwas gutzuheißen oder aufzugeben. Sie erkennen vielmehr an, was sich nicht ändern lässt, und richten Ihre Energie auf das, was Sie noch beeinflussen können. Gerade bei wenig kontrollierbaren Situationen verhindert dieser Umgang, dass Sie dauerhaft gegen Unveränderbares ankämpfen.
Wie finde ich die richtige Bewältigungsstrategie?
Die Qualität von Coping zeigt sich nicht daran, immer dieselbe Methode einzusetzen. Entscheidend ist, flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren zu können. Stellen Sie sich deshalb zuerst eine Frage: Wie stark kann ich die Ursache meiner Belastung beeinflussen?
Situation |
Geeigneter Ansatz |
| Kontrollierbar | Problem analysieren und aktiv verändern |
| Teilweise kontrollierbar | Problemlösung und Emotionsregulation kombinieren |
| Nicht kontrollierbar | Gefühle regulieren, Situation neu bewerten und Unveränderbares akzeptieren |
Beispiel Jobverlust: Die Kündigung selbst können Sie nachträglich meist nicht ändern. Sie können aber Ihre Gefühle verarbeiten, finanzielle Fragen klären, Ihr Netzwerk aktivieren und eine neue Jobsuche beginnen. Erfolgreiches Coping besteht deshalb häufig aus mehreren Strategien gleichzeitig oder nacheinander.
Was sind adaptive und maladaptive Coping-Strategien?
Nicht jede Reaktion auf Stress ist langfristig hilfreich. In der Psychologie werden Bewältigungsstrategien deshalb häufig danach unterschieden, ob sie eher adaptiv oder maladaptiv wirken.
Adaptives Coping |
Maladaptives Coping |
| Problem aktiv angehen | Problem dauerhaft verdrängen |
| Unterstützung suchen | Sich vollständig zurückziehen |
| Gefühle wahrnehmen und regulieren | Gefühle permanent unterdrücken |
| Unveränderbares akzeptieren | Realität leugnen |
| Bewusst Abstand gewinnen | Belastungen dauerhaft mit Alkohol oder anderen Substanzen verdrängen |
Adaptiv bedeutet vereinfacht: Die Strategie unterstützt eine konstruktive Anpassung an die Situation. Maladaptives Coping dagegen kann zwar kurzfristig Erleichterung verschaffen, langfristig aber Probleme erhalten oder zusätzliche Belastungen schaffen. Ein typisches Beispiel sind Vermeidungsstrategien: Einen Streit für eine Stunde zu unterbrechen, um sich zu beruhigen, kann hilfreich sein. Einen wichtigen Konflikt über Monate zu ignorieren, löst ihn dagegen nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Resilienz und Coping?
Coping und Resilienz hängen eng zusammen, sind aber nicht dasselbe.
Coping |
Resilienz |
| Konkreter Umgang mit Belastungen | Psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber Belastungen |
| Beschreibt Strategien und Prozesse | Beschreibt Anpassungs- und Erholungsfähigkeit |
| Bezieht sich auf die Bewältigung einer Situation | Zeigt sich über unterschiedliche Belastungen und Entwicklungen hinweg |
Ein Beispiel: Nach einem beruflichen Rückschlag analysieren Sie die Ursachen, sprechen mit Freunden und entwickeln einen neuen Plan. Das sind konkrete Coping-Strategien. Dass es Ihnen gelingt, sich anzupassen und wieder handlungsfähig zu werden, zeigt psychische Widerstandskraft. Passende Bewältigungsstrategien können somit zur Resilienz beitragen. Coping ist jedoch nicht mit Resilienz gleichzusetzen.
Was sind Coping-Mechanismen?
Die Begriffe Coping-Mechanismus, Coping-Strategie und Bewältigungsstrategie werden im Alltag häufig ähnlich verwendet. Gemeint sind Gedanken oder Verhaltensweisen, mit denen Menschen auf Belastungen reagieren. Allerdings können solche Reaktionen bewusst oder eher automatisch ablaufen. Sie können aktiv ein Problem lösen, Trost bei anderen suchen, sich ablenken oder eine Situation gedanklich neu bewerten. Entscheidend ist weniger die Bezeichnung als die Wirkung: Hilft Ihnen der Mechanismus, langfristig konstruktiv mit der Belastung umzugehen – oder verschiebt und verstärkt er das Problem?
Kann man Coping lernen?
Bewältigungsstrategien lassen sich grundsätzlich erweitern und trainieren. Ein erster Schritt besteht darin, die eigenen typischen Reaktionen auf Stressfaktoren zu erkennen. Fragen Sie sich beispielsweise: Was tue ich normalerweise unter Druck? Was davon hilft mir tatsächlich? Welche Reaktion verschafft mir nur kurzfristig Erleichterung? Und welche Alternative könnte ich beim nächsten Mal ausprobieren?
Mit der Zeit entsteht so ein größeres Repertoire an Bewältigungsmöglichkeiten. Das macht Sie flexibler: Statt auf jede Belastung mit demselben Muster zu reagieren, können Sie die Strategie wählen, die zur jeweiligen Situation passt.
FAQ – Häufige Fragen zu Coping
Was ist vermeidendes Coping?
Beim vermeidenden Coping versuchen Menschen, sich einer Belastung zu entziehen, sie zu leugnen oder sich davon abzulenken. Kurzfristig kann das entlasten. Bleibt das eigentliche Problem bestehen, ist dauerhafte Vermeidung jedoch häufig keine zielführende Bewältigungsstrategie.
Was bedeutet Coping in der Pflege?
In der Pflege beschreibt Coping ebenfalls den Umgang mit belastenden Situationen. Patienten und Angehörige müssen beispielsweise Krankheit, Einschränkungen oder Verluste verarbeiten; Pflegekräfte wiederum bewältigen hohe emotionale und berufliche Anforderungen. Welche Strategie hilft, hängt von Belastung, Ressourcen und Handlungsmöglichkeiten ab.
Was ist proaktives Coping?
Proaktives Coping richtet den Blick auf mögliche zukünftige Belastungen. Statt erst auf ein bereits eingetretenes Problem zu reagieren, bauen Sie frühzeitig Ressourcen auf, treffen Vorsorge oder bereiten sich auf absehbare Anforderungen vor. Reaktives Coping setzt dagegen bei einer bereits vorhandenen Belastung an.
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