Falsche Freunde: Schlimmer als gut gemeint

Manchmal entwickeln sich die Dinge schneller als Keime in einer Petrischale. Da sitzt man in einem Meeting und diskutiert mit dem Chef über zu hohe Arbeitsbelastung – und dann springt einem ausgerechnet jener Kollege zur Seite, der bei allen als Hundertsassa und chronischer Faulpelz bekannt ist. Natürlich findet der auch, dass er viel zu viel für sein Geld tun muss. Apropos: Wann gibt’s eigentlich die nächste Gehaltserhöhung??? Dumm gelaufen. Wie heißt es so schön: Schlimmer als schlecht ist gut gemeint. Und Unterstützung von falschen Freunden schadet oft mehr als gar keine Hilfe…

Falsche Freunde: Schlimmer als gut gemeint

Falsche Freunde und ihre Risiken

Gewiss, man kann sich seine Freunde nicht immer aussuchen. Privat geht das vielleicht noch ganz gut, aber schon im Job wird das schwierig und in Diskussionen so gut wie unmöglich: Meinungen werden ausgetauscht, die Debatten werden hitzig und Allianzen bilden sich dabei nahezu automatisch.

Selbst die besten Positionen und Argumente können dramatisch an Kraft verlieren, wenn sie plötzlich von jenen mitgetragen werden, die sie durch ihren Lebenswandel oder allein schon durch ihre Wortwahl ad absurdum führen.

Es ist das Dilemma der falschen Freunde.

Ein weiteres Beispiel:

Gerade eben hat der Chef eine Idee geboren, die, nun ja, suboptimal ist. Der ebenso ambitionierte wie taktisch kluge Mitarbeiter sekundiert: „Ein guter Vorschlag. Vielleicht könnten wir das noch dahingehend modifizieren, dass…“ Woraufhin ein zweiter Kollege spontan ventiliert: „Ja das stimmt… Deine Idee ist viel besser als die vom Chef!“

Na toll! Was glauben Sie: Wie groß sind jetzt noch die Erfolgschancen für dieses kleine Verbesserungsmanöver? Vor allem: Der eben noch umsichtige, taktisch kluge und loyale Mitarbeiter gilt jetzt als potenzieller Stuhlbeinsäger und Königsmörder. Danke dafür!!!

Falsche Freunde: Was lässt sich da noch retten?

Offen gestanden, nicht viel. Ebenso falsch wäre es, den unwillkommenen Beistand dafür auch noch abzubürsten. Uneinigkeit im eigenen Lager – das schwächt die eigene Position nur noch mehr.

Dann besser die Ergänzung charmant ignorieren und das eigene (bessere) Argument erneut vortragen. Jedoch so, dass es die neue Ausgangslage adaptiert.

Im obigen Beispiel vielleicht so: „Mein Vorschlag ist keinesfalls besser – er setzt nur auf Ihre Idee auf, indem er…“

Dabei muss zumindest erkennbar sein, dass Sie sich von dem zweifelhaften Ansatz des falschen Freundes distanzieren, ohne jedoch die Haltung zu wechseln. So lässt sich die gekippte Debatte womöglich nicht mehr retten – wenigstens aber die eigene Reputation.

Ansonsten gilt:

Suchen Sie sich lieber vorher ein, zwei gute Unterstützer und Argumente als Fundament. Das reißen dann auch falsche Freunde so schnell nicht ein.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
5. September 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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