Arbeitsbelastung: So gehen Sie damit um

Für immer mehr Arbeitnehmer wird die Arbeitsbelastung zu einem ernsthaften Problem. Das Stresslevel steigt auf ungeahnte Höhen, der Druck wird größer und irgendwann ist eine Grenze erreicht, an der es nicht mehr weiter geht. Bis zu einem gewissen Grad ist Arbeitsbelastung normal, schließlich sind Sie für Aufgaben verantwortlich und werden für Ihre Arbeit bezahlt, doch leider übersteigt die Belastung regelmäßig ein gesundes Maß. Wer abwartet und hofft, dass es von alleine besser wird, macht einen großen und für das eigene Wohlempfinden schwerwiegenden Fehler. Aus diesen Gründen haben zahlreiche Mitarbeiter Probleme mit einer hohen Arbeitsbelastung und Tipps, wie Sie darauf reagieren und belastende Faktoren reduzieren können…

Arbeitsbelastung: So gehen Sie damit um

Definition: Was ist Arbeitsbelastung überhaupt?

Arbeitsbelastung Definition psychische körperliche gesundheitliche BelastungArbeitsbelastung wird oftmals mit den Aufgaben gleichgesetzt, die täglich im Job erledigt werden müssen. Die Belastung, der ein Arbeitnehmer oder auch Selbstständiger ausgesetzt ist, wäre demnach die Summe seiner Projekte, Aufgaben und ToDos. Allerdings werden bei dieser Definition gleich mehrere wichtige Faktoren nicht beachtet, die in der Praxis großen Einfluss auf die Arbeitsbelastung haben.

Vollständiger ist es deshalb, wenn als Arbeitsbelastung alle Rahmenbedingungen verstanden werden, die sowohl körperlich als auch psychologisch auf einen Arbeitnehmer einwirken. Soll heißen: Auch Erwartungen, Druck, Ärger und Frust, aber auch die tatsächlichen Arbeitsbedingungen wie die Ausstattung am Arbeitsplatz, der Umgang im Team und die Führungskompetenz des Vorgesetzten tragen zur Arbeitsbelastung bei.

Erst wenn all diese Aspekte zur eigentlichen Arbeit im Sinne der Aufgaben hinzugerechnet wird, entsteht ein vollständiges Bild der Arbeitsbelastung, der ein Arbeitnehmer ausgesetzt ist.

Die empfundene Arbeitsbelastung steigt mit der Zeit

In so manchem Job ist die Arbeitsbelastung gleich ab dem ersten Tag ungemein hoch. Natürlich spielt dabei auch immer die persönliche Belastbarkeit eine Rolle, doch gibt es Branchen, Jobs und Unternehmen, in denen Mitarbeitern mehr abverlangt wird und eine größere Belastung als normal gilt.

Fast überall lässt sich jedoch beobachten, dass die Arbeitsbelastung mit der Zeit ansteigt. Auf der einen Seite sammeln Mitarbeiter Erfahrung, bekommen Routine und werden durchaus besser in einem Job, den Sie länger ausüben – doch dem gegenüber stehen mehrere Faktoren, die zu einer wachsenden Arbeitsbelastung führen.

  • Größere Erwartungen

    Wenn Sie schon mehrere Jahre im Unternehmen sind, vergrößern sich die Erwartungen und Anforderungen, die an Sie gestellt werden. Neulingen wird mit Nachsicht begegnet, Fehler können gerade am Anfang passieren. Mit der Erfahrung kommen von Seiten des Arbeitgebers jedoch mehr Ansprüche, die schnell zur Belastung werden können.

  • Wachsende Verantwortung

    Klassischerweise übernehmen Sie mit der Zeit immer mehr Verantwortung. Waren es anfangs noch kleine Projekte, betreuen Sie später bereits große und wichtige Kunden. Das ist auf der einen Seite schön, spricht für Ihre Leistungen und das Vertrauen des Arbeitgebers, erhöht aber auch die Arbeitsbelastung, weil mehr auf Ihren Schultern lastet und mit der Verantwortung auch der Druck steigt.

  • Mehr Aufgaben

    Generell lässt sich beobachten, dass Mitarbeiter im Laufe der Zeit mehr Aufgaben bekommen und somit ein größeres Arbeitspensum zu bewältigen haben. Sie werden besser, erledigen Ihre ursprünglichen Aufgaben schneller – und bekommen mehr zugeteilt, weil Sie schließlich freie Kapazitäten haben. Oft sind dies komplexere, schwierigere oder insgesamt aufwändigere Aufgaben, wodurch die gesamte Arbeitsbelastung ansteigt.

Anzeichen: Merken, wenn die Belastung zu viel wird

Arbeitsbelastung Tipps psychische Gesundheit Krankheit körperlich BelastungWird die Arbeitsbelastung zu groß, kann dies ernsthafte Folgen haben. Was sich zu Beginn vielleicht nur in Unzufriedenheit und nachlassender Motivation äußert, wird schnell zu großem Stress und immensem Druck, der sich gesundheitlich bemerkbar macht. Angefangen von Kopfschmerzen, führt eine übermäßige Arbeitsbelastung bis zu psychischen Problemen und – wenn sie zu einem Dauerzustand wird – bis zum Burnout.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, müssen Sie frühzeitig erkennen, dass die Arbeitsbelastung zum Problem wird. Folgende Anzeichen können eine Warnung sein, dass Sie etwas an der Situation ändern müssen:

Für sich genommen müssen die einzelnen Anzeichen noch nichts bedeuten, doch wenn Sie gleich mehrere bei sich beobachten können, sollten Sie die Signale nicht einfach ignorieren, sondern möglichst schnell etwas gegen die Arbeitsbelastung tun.

Jobtest Selbsttest Gehen Oder Bleiben

1. Wie gut verstehen Sie sich mit Ihren Kollegen?

  • Das sind alles Idioten. Wir arbeiten zwar zusammen, doch ansonsten sehen wir uns nicht häufig. Das ist auch gut so. (3 P.)
  • Im Grunde mag ich meine Kollegen. Wir gehen auch mal zusammen in die Mittagspause. Nur dieser eine Kollege aus der Buchhaltung geht mir manchmal tierisch auf den Wecker. (2 P.)
  • Wir verstehen uns eigentlich alle sehr gut. Nach Feierabend gehen wir ab und an etwas trinken und die Kollegen schicken Postkarten aus dem Urlaub ins Büro. (1 P.)

2. Wie werden Sie von Ihren Kollegen behandelt?

  • Wenn etwas schief läuft, bekomme ich einen auf den Deckel. In Meetings traue ich mich gar nicht mehr etwas zu sagen, weil meine Ideen grundsätzlich nicht gut ankommen. (3 P.)
  • Die anderen Kollegen bitten mich regelmäßig um Rat und vertrauen meinem Urteil. (1 P.)
  • Ich versuche mich zwar einzubringen, habe aber das Gefühl, dass meine Vorschläge belächelt werden. (2 P.)

3. Wie ist Ihr Verhältnis zum Chef?

  • Er überträgt mir anspruchsvolle Aufgaben und bezieht mich bei Entscheidungen mit ein. Nur im Moment ist er mit meiner Arbeit nicht ganz zufrieden. (1 P.)
  • Ich habe das Gefühl, dass meine Arbeit nur kritisiert wird und ich es ihm, egal was ich tue, nicht recht machen kann. (3 P.)
  • Ich habe das Gefühl, dass mein Chef mich nicht richtig wahrnimmt. Mit anspruchsvollen Aufgaben werden meine Kollegen betraut. (2 P.)

4. Was denken Sie über Ihren Chef?

  • Wir sind zwar nicht immer einer Meinung, aber ich schätze seinen Einsatz für die Firma. (2 P.)
  • Der Kerl ist mir zutiefst unsympathisch. Er verhält sich, als wäre er der König und wir seine Untertanen. Von Kompetenz keine Spur. (3 P.)
  • Mein Chef ist mein Mentor und eine echte Führungspersönlichkeit. Ich habe sehr viel von ihm gelernt. Doch manchmal fühle ich mich von ihm ausgebremst. (1 P.)

5. Würden Sie mit Ihrem Chef sprechen, falls es Probleme gibt?

  • Um Gottes Willen. Nur im äußersten Notfall, wenn es gar nicht anders geht. Mein Chef tendiert dazu bei dem kleinsten Fehler auszurasten. (3 P.)
  • Es wäre mir zwar unangenehm, doch in der Regel kann ich ihm die Situation erklären und wir suchen gemeinsam eine nach einer Lösung. (2 P.)
  • Mein Chef ist der Meinung, dass Fehler jedem passieren. Hauptsache ich stehe dazu und bemühe mich, es das nächste Mal besser zu machen. (1 P.)

6. Haben Sie das Gefühl, dass man Ihre Arbeit wertschätzt?

  • Ich weiß nicht. Meistens bekomme ich gar kein Feedback. (2 P.)
  • Ich denke schon. Von meinen Kollegen hat sich noch keiner beschwert und mein Chef hat mich auch schon für meine Leistungen gelobt. Nur in letzter Zeit hat das Lob abgenommen. (1 P.)
  • Ich gebe mir alle Mühe, doch das scheint keinem aufzufallen. (3 P.)

7. Wie viel Freizeit haben Sie?

  • Mein Job gibt mir die Möglichkeit meine Arbeitszeit so zu gestalten, dass ich Zeit habe nach der Arbeit Sport zu treiben oder Freunde und Bekannte zu treffen. Allerdings muss ich in letzter Zeit einige Überstunden machen. (1 P.)
  • Man könnte sagen ich lebe im Büro. Überstunden sind an der Tagesordnung. Ich bin aus dem Handballverein ausgetreten, weil das wöchentliche Training einfach nicht mehr machbar war. (3 P.)
  • Ich arbeite zwar sehr viel, doch keiner würde etwas sagen, wenn ich mir für besondere Anlässe den Nachmittag frei nehme. (2 P.)

8. Wie schnell vergehen Ihre Arbeitstage?

  • Mal schneller und mal langsamer. Das kommt ganz auf die Aufgaben an, aber ich langweile mich eigentlich nie. (2 P.)
  • Im Handumdrehen. Ehe ich mich versehe, ist der Arbeitstag vorüber. (1 P.)
  • Die Arbeitstage ziehen sich unglaublich in die Länge. Ich schaue ständig auf die Uhr und warte, dass meine Arbeitszeit vorüber ist. (3 P.)

9. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie nach Hause kommen?

  • Geschafft, aber stolz auf das, was ich alles geleistet habe. Doch in letzter Zeit ist es sehr stressig geworden. (1 P.)
  • Erschöpft und müde. Ich habe das Gefühl in Arbeit zu versinken. (3 P.)
  • Häufig genervt, weil noch Arbeit liegen geblieben ist und die Kunden mal wieder Sonderwünsche hatten. (2 P.)

10. Wie sehr machen Ihnen die übertragenen Aufgaben Spaß?

  • Die Aufgaben sind nicht im mindesten anspruchsvoll. Ich frage mich regelmäßig, warum ich studiert habe. (3 P.)
  • Es hält sich die Waage. Mir werden sowohl Aufgaben übertragen, die anspruchsvoll sind, als auch simple Tätigkeiten. Doch die erledigt jeder im Team. (2 P.)
  • Ich habe das Gefühl etwas Sinnvolles zu leisten und meine Stärken einbringen zu können. (1 P.)

11. Sehen Sie Chancen sich weiterzuentwickeln?

  • Ich hatte mit meinem Chef bereits über eine Beförderung gesprochen, doch er denkt, ich bin noch nicht soweit. (2 P.)
  • Ich wünschte zwar, das Angebot wäre größer, doch jeder Mitarbeiter darf einmal im Jahr eine Fortbildung seiner Wahl besuchen. (1 P.)
  • Ich habe mich um eine Beförderung bemüht, doch mein Chef wollte mich für diese Position nicht weiterempfehlen. (3 P.)

12. Haben Sie sich bereits nach anderen Stellen umgesehen?

  • Wenn ich von der Arbeit erzähle, raten meine Freunde mir das dringend zu tun. Doch ich konnte mich nicht aufraffen. (3 P.)
  • Ich träume manchmal von einem anderen Job, doch umgeschaut habe ich mich noch nicht. (1 P.)
  • Manchmal bin ich kurz davor alles hinzuschmeißen, doch wenn ich mir die Geschichten von anderen anhöre, geht es mir doch recht gut. (2 P.)

Auswertung zum Selbsttest

Zählen Sie nun alle Punkte (in Klammern zur jeweiligen Frage) zusammen. Hier finden Sie die Auflösung des Selbsttests:

Alternativ können Sie natürlich auch überlegen, ob statt der Kündigung nicht auch der Wechsel in die Selbstständigkeit eine Option ist. Auch hierzu haben wir einige Orientierungsfragen, die Sie HIER kostenlos als PDF herunterladen können. Wir wünschen viel Erfolg!


Tipps, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren

Selbst bei steigender Arbeitsbelastung und damit aufkommenden Problemen, bleiben viele Arbeitnehmer tatenlos. Die Situation wird schön geredet und soll einfach durchgehalten werden. Das wird schon besser… oder Es ist bestimmt nur eine kurze Phase… sind oft gehörte Sätze. Angetrieben wird dieses Verhalten vom eigenen Selbstbild, das aufrecht erhalten werden soll, sowie der Angst, was der Chef oder Kollegen denken könnten.

Damit schaden Sie sich jedoch nur selbst. Besser ist es, aktiv zu werden und die nötigen Schritte einzuleiten, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren und besser damit umgehen zu können. Die folgenden Tipps helfen dabei:

  • Ändern Sie Ihre Einstellung

    Zunächst einmal sollten Sie an Ihrer persönlichen Einstellung arbeiten, um die Arbeitsbelastung zu reduzieren. Soll heißen: Sie müssen sich weder dafür schämen, noch müssen Sie es verstecken, wenn die Belastung am Arbeitsplatz zu groß wird. Machen Sie sich bewusst, dass Sie etwas gegen eine Überlastung tun sollten, statt sich mit der unangenehmen und sogar ungesunden Situation abzufinden.

  • Machen Sie ausreichend Pausen

    Um mit einer großen Arbeitsbelastung umgehen zu können, sollten Sie unbedingt ausreichend Pausen in Ihren Arbeitstag einplanen. Das hat nichts mit Faulheit oder Arbeitsverweigerung zu tun, sondern steht Ihnen arbeitsrechtlich ohnehin zu und ist grundsätzliche Voraussetzung, um die Belastung in den Griff zu bekommen. Zwingen Sie sich nicht dazu, durchzuschuften und pausenlos Aufgaben abzuarbeiten, sondern nehmen Sie sich wohlverdiente Auszeiten, um neue Kraft zu tanken.

  • Setzen Sie Grenzen

    Mit diesem Punkt tun sich die meisten Arbeitnehmer besonders schwer, doch ist es eine der effektivsten Wege gegen zu hohe Arbeitsbelastung: Setzen Sie klare Grenzen und halten Sie diese auch ein. Das bedeutet, dass Sie Ihrem Chef oder den Kollegen verdeutlichen, dass mehr momentan einfach nicht möglich ist. Wenn Sie an Ihrem persönlichen Limit angelangt sind, müssen Sie auch mal Nein sagen, statt stillschweigend alles hinzunehmen.

  • Legen Sie Prioritäten fest

    Eine weitere Möglichkeit ist es, die Prioritäten im Job genau zu klären. Was ist besonders wichtig? Was hat die größten Auswirkungen auf Ihre Arbeitsbelastung? Worum sollten Sie sich kümmern und was kann noch warten? Klare Prioritäten zeigen Ihnen, wo Sie Ihre Energie und Zeit investieren sollten.

  • Suchen Sie das Gespräch

    Wenn alles nicht hilft, sollten Sie das offene Gespräch mit Ihrem Chef suchen. Erklären Sie ihm ehrlich die Situation und schildern Sie, wie Sie unter der aktuellen Arbeitsbelastung leiden. Eine gute Führungskraft wird versuchen, gemeinsam mit Ihnen passende Lösungen zu finden. Reagiert der Chef hingegen ausschließlich negativ, sollten Sie dies vielleicht als Anlass nehmen, das aktuelle Arbeitsverhältnis zu hinterfragen und sich nach einem besseren Arbeitgeber umzuschauen.

[Bildnachweis: Minerva Studio by Shutterstock.com]
25. März 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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